Frage von Quastenflosser, 94

Chefin behält Lohn für unverschuldete Fehler ein?

Moin,

meine Chefin hat mir den Lohn gekürzt, da diverse Projekte nicht so gelaufen sind wie sie laufen sollten und ein finanzieller Schaden entstanden ist.

Da ich neu war und meine Chefin auf Hochtouren im Gebiet Ruhrpott unterwegs war und mir kein Luft zum atmen lies, wir kein geeignetes Projektübersichtsprogramm hatten, alle arbeiten nur auf Zuruf von unterwegs geschahen und ich als Frau nur teilzeit angestellt war, sind 3 Projekte nicht so gelaufen wie es meine Chefin wollte.

Leider bekam ich auch keine Schulung/Feedback nach Meilensteinen der diversen Projekte. Da ich nur Zuarbeiten tätigte und nicht die finalen Arbeiten, und meine Chefin immer alles kontrollierte, sind bei den 3 Projekten mögliche Fördermaßnahmen nicht fristgerecht abgerechnet worden. Hier ging es um energetische Sanierungen, die über die KfW bezuschusst worden sind. Die Abrechnungsfrist verstrich jedoch, ohne dass ich es merkte, und meine Chefin auch nicht da sie ja ununterbrochen bei Kunden war. Nun fehlt der Zuschuss der KfW, was mir als Fehler untergeschoben wird.

Da hier Geld fehlt, ist dies nun von meinem Lohn abgezogen worden. (Mein Mann schimpfte schon wie ein Rohrspatz, da das Konto im Minus ist und wir unsere hohe Kante anbrechen müssen. :-))

Darf meine Chefin hier einfach so die Hälfte vom Lohn einbehalten?

Es liegt ja keine grob fahrlässige Haltung meinerseits vor. Ich habe immer korrekt gearbeitet und da alles auf Zuruf und unter immensem Zeitdruck passierte finde ich das nicht nur ungerecht, sondern eher peinlich, da sie nicht zu ihrem Versagen steht, sondern es anderen in die Schuhe schiebt. Denn meine Chefin ist doch als übergeordnetes Organ für alles verantwortlich. Ich finde, dass sie ihr Geschäft nicht im Griff hat, aufgrund zu vieler Kunden und deshalb immer wieder Fehler passieren.

Danke für Hilfe, denn mein Mann drängt schon zum Anwalt, den wir jedoch nicht zahlen können.

LG Jutta

Nachtrag:

die fehlenden Zuschüsse möchte meine Chefin jetzt komplett zurückfordern. Da dies in den Fall des Schadenersatzes reinfällt, wer zahlt in diesem Fall die Rechtsanwaltskosten.

Meine Rechtschutzversicherung meinte, dass dies von Ihnen nicht übernommen wird. Womöglich von einer privaten Haftpflicht.

Muss ich mit den Kosten in Vorleistung gehen?

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von Jewi14, 39

Das Bundesarbeitsgericht hat geurteilt, dass der AN nur Arbeit mittlere Leistung und Güte abgeben muss. Heißt also auch, wenn jemand neu in der Firma ist, kann man ihn nicht sofort in Bereiche einsetzen, die gewissen Kenntnisse voraussetzen.

Daher sehe ich nicht, in wie fern du gegen deine vertraglichen Pflichten verstoßen hast und der AG damit in Zahlungsverzug ist. 

Bereits jetzt kannst du deine Kosten wie Zinsen für Dispo in Rechnung stellen und zugleich setzte ihr eine Nachfrist von 5 Arbeitstagen den restlichen Lohn zu überweisen. Wenn nicht, gehe den Klageweg. Auch wenn das die Kündigung bedeuten sollte, bei dem Saftladen wirst du nicht glücklich

Antwort
von HerrDegen, 51

Es kommt auf den Arbeitsvertrag an, denke ich - ein Festgehalt kann man nicht einfach wegen angeblicher schlechter Leistungen kürzen. Vor allem nicht sofort, ohne Konfliktgespräch und ggfs. Abmahnung. Und selbst bei leistungsbezogenem Gehalt geht das ohne das Vorgenannte nicht.

Kommentar von Quastenflosser ,

Im Arbeitsvertrag seht nichts drin von "Abrechnungen machen", das habe ich so nach und nach zugeteilt bekommen, da die vorherige Kollegin hier wegen Unzulänglichkeiten gekündigt wurde. Leider wird mir eine Kündigung ebenfalls zuteil, wie ein Mitarbeiter mir heute per SMS in meinem Urlaub übermittelte.

Danke.

Kommentar von HerrDegen ,

Per SMS. Was für ein besc*issenes Unternehmen ist das denn?

Kommentar von Schrauber1970 ,

So übel Jobverlust ist: Sei froh, dass Du aus dem Laden raus bist. Wenn Dir tatsächlich gekündigt wird, brauchst Du den Weg zum Arbeitsgericht ja nicht mehr aus jobtaktischen Gründen zu scheuen. Hol Dir Dein Geld zurück.

Alles Gute!

Antwort
von franneck1989, 41

Darf meine Chefin hier einfach so die Hälfte vom Lohn einbehalten? 

Ganz klar: nein. Solange du deine Arbeitsstunden vertragsgemäß erbracht hast, steht dir auch der volle Lohn zu.

Fordere den ausstehenden Lohn mit einer Fristsetzung (z.B. 7 Tage) ein, danach wären rechtliche Schritte angebracht.

Antwort
von Hexe121967, 36

tja, da bleibt dir aber nur der gang zum anwalt. hier kann man dir zwar beipflichten das das wohl nicht die feine art ist aber das bringt dir ja nicht wirklich was.

Antwort
von ichnicht3, 53

Hallo
Nein das ist auf keinen Fall zulässig Lohn einzubehalten. Wenn eine Klärung mit der Firma nicht möglich ist bleibt nur der Weg zum Anwalt. Ist das Einkommen nicht hoch genug muss man Prozesskostenbeihilfe beantragen. Da hilft auf alle Fälle der Anwalt.

Antwort
von Quastenflosser, 25

Eine Abmahnung bzgl. der fehlenden 3 entgangenen Subventionen gab es bereits mündlich und ich habe mich auch unverzüglich um diverse Lösungen bemüht. Jedoch hat mir die zuständige Stelle (KfW) tel. mitgeteilt, dass dies
vielen Beraterinnen passiert und diese dann selbst dafür verantwortlich
sind, dass ihnen der Zuschuss entgangen ist.

Zudem wurde ich von meiner Chefin angehalten die Zuschüsse fiktiv nochmals zu stellen und mit einer frei erfundenen Schlussrechnung abzurechnen. Mein Mann meinte, das fällt doch dann unter Subventionsbetrug für meine Chefin.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie damit vor ein Gericht gehen möchte, da auch wenn sie den Fall gewinnen sollte, dennoch eine Nachverurteilung für Subventionsbetrug erhält.

Antwort
von Quastenflosser, 2

Nachtrag:

die fehlenden Zuschüsse möchte meine Chefin jetzt
komplett zurückfordern. Da dies in den Fall des Schadenersatzes
reinfällt, wer zahlt in diesem Fall die Rechtsanwaltskosten.

Meine Rechtschutzversicherung meinte, dass dies von Ihnen nicht übernommen wird. Womöglich von einer privaten Haftpflicht.

Muss ich mit den Kosten in Vorleistung gehen?

Danke und Grüße

Jutta

Antwort
von apophis, 24

Eine Gehaltskürzung wegen zu schlechten Leistungen ist nicht möglich bzw. nicht rechtlich, nein.
Bei zu geringen Leistungen darf Dich der Arbeitgeber abmahnen und gegebenenfalls irgendwann kündigen, aber nicht den im Arbeitsvertrag vereinbarten Lohn einbehalten. Diesen zu zahlen, ist der Arbeitgeber verpflichtet.

Wobei "geringe Leistung" wirklich auf die Leistung abzielt, bei nicht vorhandenen Möglichkeiten und fehlenden Schulungsangeboten spielen ja noch weit aus mehr Faktoren eine Rolle als Deine tatsächliche Leistung.

Bevor Du zum Anwalt gehst (was zu teuer sei), kannst Du Deine Chefin darauf aufmerksam machen, dass eine Kürzung des Gehaltes widerrechtlich wäre.
Gegebenenfalls kannst Du auch nach dem genauen Gesetzestext suchen und ihr den vorlegen.

Kommentar von Quastenflosser ,

Danke, ich habe bereits nach dem Gesetzestext gesucht, kann aber nichts finden, dass dies aussagt. Irgendwelche Vorschläge?

Kommentar von apophis ,

Manche Versicherungen schließen eine kostenlose Beratung vom Anwalt mit ein. Falls Ihr soetwas habt, könntet Ihr da ja mal nett fragen.

Antwort
von micompra, 37

dein mann hat recht. ein beratungsgespräch beim Anwalt kostet nicht die welt. er kann da absehen wie die Chancen sind das einbehaltene gehalt wieder einzufordern.

auch für die Zukunft solltet ihr eine rechtschutzversicherung abschliesen

Antwort
von kugel, 28

Nein. Darf sie nicht!

Schließlich hast Du Dein Festgehalt?!

Der Gang zum Rechtsanwalt lohn sich für Dich! Rechtsschutzversicherung? wenn ja, ist das ja ohnehin kein Thema. Wenn nein, dann zahlt den RA von der "hohen Kante" - das bekommt ihr ohnehin alles erstattet, weil deine Chefin das Gehalt und die RA-Kosten übernehmen muß!

Kommentar von Quastenflosser ,

Ja Rechtschutzversicherung (Premium sogar, laut meinem Mann) besteht. Aber ich glaube wir haben einen Selbstbehalt pro Fall von  150 EUR. Danke

Kommentar von kugel ,

Selbstbehalt von 150 €?

Die wären es mir auf alle Fälle wert!

Antwort
von wikinger66, 6

Ab zum Anwalt für Arbeitsrecht.

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