Frage von Gast45678, 184

Chef zweifelt AU und Arzt an?

Hallo zusammen!

Folgender Fall: XY hat seit einschließlich Donnerstag, wegen Grippevirus und starkem Husten, eine Arbeitsunfähigsbescheinigung. Hausarzt wollte eigentlich direkt für einschließlich Montag krankschreiben. XY hat dies aber abgelehnt, mit der Begründung er hoffe am Montag wieder fit zu sein. Dies ist aber leider nicht der Fall. Im Gegenteil, es kam noch hohes Fieber hinzu und Ohrenschmerzen. Dies möchte XY morgen abklären lassen und hat Chef bereits heute per Mail darüber informiert. Kurze Anmerkung noch zum Fehlverhalten von XY: einen Krankenschein in ganz 2015 ( in den Jahren zuvor ebenfalls nie negativ auffällig) und 10 Jahre Betriebszugehörigkeit.

Folgendes ist ein kleiner Auszug aus der Antwort-Mail des Vorgesetzten, die XY heute erreichte:

[ Es ist heutzutage sowohl mir als auch jedem Kollegen bewusst, wie einfach man heute eine Krankmeldung eines Arztes erhält. Du brauchst mir also mit einer Krankmeldung nichts zu beweisen; ein Nachweis über die Schwere einer Krankheit und ob sie tatsächlich vorliegt, ist es nicht. Eine solche Krankmeldung erhalte ich morgen sofort für die ganze kommende Woche, wenn ich das beabsichtige. Und für die übernächste Woche erhalte ich gleich noch eine oben drauf. Ärzte kämpfen heute, wie wir auch, um jeden Kunden und sind daher auch bereit, für ihre Kunden fast alles zu tun. Da gehört eine lapidare Krankmeldung von einer Woche inzwischen zum guten Ton. Also, verabschiede Dich bitte von der Annahme, dass Du mit einer Krankmeldung auch tatsächlich eine vorliegende Krankheit glaubhaft nachweist.

Nachweisen und beweisen kannst Du Deine Arbeitsauffassung und Arbeitseinstellung sowie Dein Pflichtbewusstsein nur damit, wenn Du nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich zum Arzt rennst und Dich krankschreiben lässt sondern trotz eines querliegenden ..... an Deinem Arbeitsplatz erscheinst und Deinen guten Job machst. Besinne Dich bitte, was wir geschäftlich erreichen wollen und wo wir derzeit noch stehen. Ich glaube kaum, dass wir es uns in der jetzigen geschäftlichen Aufbau-Phase schon leisten können, ein paar Tage krank zu machen wegen Unwohlseins oder ......

Ich kann Dir sicher nicht vorschreiben, wann und wie oft Du zum Arzt gehen darfst....

Ich appelliere an Dein Gewissen sowie an Dein Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl, unserem Geschäft und Deinen Kollegen gegenüber, mit Hochdruck und Einsatzbereitschaft - auch wenn es Dir mal nicht ganz so gut geht - unser Geschäft gemeinsam, und ich betone gemeinsam, gemeinsam mit allen Kollegen nach vorne zu entwickeln. Ich erwarte von Dir, XY dass Du zumindest ab dem kommenden Dienstagmorgen wieder im Büro bist und Deiner Pflicht nachkommst und Deinen aktiven Ergebnis-Beitrag als Mitarbeiter leistest..... Ich wünsche Dir eine gute Besserung und hoffe nicht, dass Du für Dienstag und den Rest der Woche nochmals eine Krankmeldung vorlegst...]

Ist diese Reaktion seitens AG rechtlich korrekt?

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht, 68

Ist diese Reaktion seitens AG rechtlich korrekt?

Ganz bestimmt nicht!

@PeterSchu hat Dir dazu ja schon ausführlich geschrieben und ich werde Dir meine Meinung jetzt auch noch sagen.

Dein Chef hat nicht nur ein sehr schlechtes Benehmen, ist unverschämt und rücksichtslos, er unterstellt dass Du nicht krank bist und verstößt auch gegen seine Pflicht als AG.

Statt seine Fürsorgepflicht wahrzunehmen versucht der AG dem AN ein schlechtes Gewissen zu machen um ihn trotz Krankheit dazu zu bewegen, arbeiten zu kommen (von den unverschämten Unterstellungen, dass Du evtl. gar nicht krank bist mal abgesehen). Er setzt hier nicht nur die Gesundheit des erkrankten Mitarbeiter aufs Spiel, er riskiert auch, dass sich andere AN anstecken und dann ebenfalls ausfallen.

Lass Dich von diesem "Herrn" nicht einschüchtern oder drängen. Du solltest jetzt erst einmal auf Dich schauen und alles tun, damit Du gesund wirst. Bei permanenten Schmerzen und Fieber ist auch ein gutes Arbeiten nicht möglich, im Gegenteil es kann gefährlich für Dich werden.

Du schickst die AU-Bescheinigung und tust was der Arzt sagt. Es ist Deine Gesundheit. Egal wie Dein AG jetzt jammert, drängt und droht, ignorier ihn.

Davon mal abgesehen würde ich mich an Deiner Stelle nach einem anderen AG umschauen. Ich habe ja schon viel gehört aber eine derartige unverblümte Unterstellung, man habe mehr oder weniger keine Lust zum Arbeiten, ist mir selten untergekommen. Meist wird so etwas "nur" angedeutet und/oder hinter dem Rücken des AN bemerkt (was auch noch schlimm genug ist wenn man nichts Genaues weiß).

Antwort
von PeterSchu, 83

Das ist unterste Schublade, was er da abzieht. Er meint wohl, den Betriebserfolg damit zu erreichen, dass er den Mitarbeitern ein schlechtes Gewissen einredet, wenn sie krank sind.  Darauf deutet seine Bemerkung "Besinne Dich bitte, was wir geschäftlich erreichen wollen und wo wir derzeit noch stehen." hin.

Es scheint also nicht so zu laufen, wie er sich das vorstellt. Woran das wohl liegen mag, darüber kann man als Außenstehender wenig sagen. Sicher liegt es nicht daran, dass man als Arbeitnehmer quasi einmal im Jahr arbeitsunfähig ist. Er meint aber, aus dem Betrieb möglichst viel herausholen zu können, indem er arbeitsunfähige Mitarbeiter unter Druck setzt.

Diese Haltung vieler Chefs führte übrigens dahin, dass heute viele Arbeitnehmer auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie eigentlich krank sind. Denn sie befürchten eben genau dies, dass sie von Chef angemotzt werden und Angst um ihren Job haben müssen. Man hat für dieses Phänomen schon den Begriff "Präsentismus" gebildet. Kannst ja mal danach googeln.

Dabei wirst du auch Untersuchungen finden, bei denen festgestellt wurde, dass insgesamt gesehen es sogar schadet, wenn man krank zur Arbeit geht. Man macht mehr Fehler, arbeitet womöglich langsamer, infüiziert womöglich andere Kollegen oder Kunden und man bekommt evtl. anschließend einen Rückfall, durch den man viel länger auf der Nase liegt.

Zudem kann man durchaus annehmen, dass dieser Druck dafür verantwortlich ist, dass der Anteil psychischer Erkrankungen im Arbeitsleben deutlich zugenommen hat.

Ich weiß ja nicht, ob man mit diesem Chef vernünftig reden kann. Wenn du die Chance dazu siehst, kannst du es ja versuchen. Ansonsten würde ich mir diese Mail gut aufbewahren, denn im Falle weiterer Komplikationen könnte es durchaus als Beweismittel nützlich sein.

Eine AU-Bescheinigung anzuzweifeln, steht ihm nicht zu. Zumindest solange er keine  weiteren Anhaltspunkte dafür hat. Er hat zudem auch kein Recht, eine Diagnose zu erfahren.

Ich würde dir auf jeden Fall empfehlen, deine Gesundheit nicht auf Grund einer sochen Drohung in den Hintergrund zu stellen.

Antwort
von October2011, 54

Oha!

Das ist aber heftig! Mein "Beileid" dafür, einen solchen Chef zu haben.

Diese e-mail solltest du unbedingt aufheben.

Für mich wäre das ein Grund mich ab sofort nach einem neuen Job umzusehen und bis dahin keine Überstunden oder ähnliches zu machen.

Geh' am Monatg zum Arzt und lass' dich krankschreiben (die email von deinem Chef würde ich dem Arzt zeigen). Wenn dein Chef wütend auf dich ist dann ist das so. Musst du durch. Verhalte dich höflich und korrekt und mache nur das, wozu du vertraglich verpflichtet bist.

Diese e-mail würde ich ansonsten vorläufig völlig ignorieren, also weder darauf antworten noch den Chef darauf ansprechen.

Und such' dir (aus einer ungekündigten Position heraus) einen neuen Job. Bei dem Chef wirst du langfristig gesehen mit diesem Job nicht glücklich werden.

October



Antwort
von Baltarsar, 89

Da hat dein Chef ganz schön den Bock abgeschossen. Arbeitsrechtlich verliert er damit komplett.

Wenn du krank bist, bist du krank. Stellt dir dein Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, kann diese dein Chef zwar anzweifeln, aber muss sie dennoch hinnehmen und akzeptieren.

Was dein Chef hier abzieht ist unmoralisch und aus arbeitsrechtlicher Sicht schon illegal. Deine Gesundheit geht der betrieblichen Weiterentwicklung auf jedenfall vor. Also geh bitte zum Arzt, lass dich durchchecken und höre auf deinen Arzt, wenn er dich für den Rest der Woche krankschreiben will.

Dein Chef macht dich nicht gesund oder zahlt dir ein Leben lang Rente, solltest du die Grippe verschleppen und sollte diese sich dann aufs Herz legen. Durch so eine Verschleppung kannst du den Herzmuskel schädigen. Und wenn du dann berufsunfähig werden solltest, zahlt dir dein Chef auch keine Prämie.

Wie gesagt, dein Chef handelt mit dieser Antwort illegal. Du solltest den E-Mail Verkehr diesbezüglich auf jedenfall ausdrucken, damit du im Fall der Fälle zu einem Anwalt für Arbeitsrecht gehen kannst und ihm das vorlegen kannst.

Sollte dein Chef nämlich auf die dumme Idee kommen, dich nach deiner Gesundung zu entlassen, kannst du so auf jedenfall noch ordentlich Geld aus ihm und den Betrieb holen.

Du und deine Gesundheit sind wichtiger als alles andere. Da hat sich dein Chef ganz weit hinten anzustellen.

Für mich ganz persönlich, wäre diese Antwort meines Chefs, ein Grund nicht länger für ihn tätig zu sein, denn für sowas unverschämtes und freches würde ich keine Minute länger arbeiten.


Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 40

Neben den größtenteils richtigen Antworten zur Chefmail:

Dein Chef ist nicht nur egoistisch, sondern auch ziemlich dumm. Kranke zur Arbeit zu zwingen, ist betriebstechnischer Unsinn. Die Nachteile überwiegen ganz massiv.

In gut geführten Unternehmen werden kranke Mitarbeiter sehr häufig nach Hause geschickt. Ansteckungs- und Unfallgefahr sind einfach zu hoch, von der geminderten Arbeitsleistung nicht zu reden. 

Kommentar von Gast45678 ,

Vielen Dank für die zahlreichen Antworten! 

Es bestärkt XY nur umso mehr, zu wissen, dass er mit seiner Meinung gegenüber des AG nicht alleine da steht. XY ist völlig schockiert und weiß einfach nicht mit so einer Situation umzugehen. Er verhielt sich bisher (10 Jahre!) immer loyal und fair seinem Arbeitgeber gegenüber und ist deshalb sehr entsetzt darüber, dass er sich wegen 2-3 Werktagen AU solch eine Anschuldigung gefallen lassen muss. XY ist bereits auf dem Weg zum Arzt und wird ihm auch in schriftlicher Form die "Aussage" seines AG vorlegen. Vielleicht ist der Hausarzt da eine gewisse Unterstützung. 

Menschlich gesehen ist die Enttäuschung über das "Maske-fallen-lassen" so hoch, dass sich für die Zukunft , falls es eine geben sollte, seitens XY alles verändert hat. Dienst nach Vorschrift und eingeschränkte Loyalität werden dann Tagesordnung sein. 

Kommentar von furbo ,

Er verhielt sich bisher (10 Jahre!) immer loyal und fair seinem
Arbeitgeber gegenüber und ist deshalb sehr entsetzt darüber, dass er sich wegen 2-3 Werktagen AU solch eine Anschuldigung gefallen muss.

Loyalität ist keine Einbahnstraße. Nicht nur der Arbeitgeber, auch der Arbeitnehmer kann Loyalität erwarten. Ein guter Chef ist das aber schon von sich aus.

Kommentar von October2011 ,

Dann wünsche ich XY viel Kraft und viel Glückbei der Stellensuche.

Der Chef wird vermutlich noch ein paar Tage genervt / unfreundlich sein und danach tritt wieder der Alltag ein. Wichtig ist, dass XY sich nicht provozieren lässt und auf nichts eingeht. Diesem Chef sollte man keinen Grund für eine Abmahnung bieten!

October

Antwort
von 716167, 95

Dies ist ein Fall für einen Anwalt. Die Mail vom Chef ist eine Unverschämtheit.

Kommentar von furbo ,

Warum ist das ein Fall für den Anwalt?

Antwort
von BuchEule96, 95

Das ist eine Unverschämtheit seitens des AG.

Antwort
von lieblingsmam, 74

Das habe ich ja noch nie gehört! Geh mit dieser Mail sofort zum Anwalt!

Kommentar von ronnyarmin ,

Was soll der Anwalt unternehmen?

Kommentar von lieblingsmam ,

Als Unterstützung, daß man so mit seinen Angestellten nicht umgeht, bzw. unter Druck setzt und ihn mal über die Rechte eines Arbeitnehmers aufklärt.

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