Frage von hemnes36, 257

Chef zahlt keinen Mindestlohn - was tun?

Ist es wirklich rechtens, dass der Chef mich nicht als Minijobber sondern quasi als richtiger Angestellter bezahlt, OBWOHL doch im Personalbogen die 8,50€/h und die Arbeit als Minijobber festgelegt wurde? Und wo sind die 72 Cent/h hin, die er mir auf dem Papier netto zahlt, aber in Bar nicht auszahlt? Einen richtigen Arbeitsvertrag gibt es nicht, nur diesen Personalbogen. Es lief die letzten Jahre auch so mit dem Personalbogen, da gab es auch keinen richig aufgesetzten Vertrag. Dass das eher suboptimal ist, weil ich nichts wirkich in der Hand habe, weiß ich. Aber so ist es jetzt nunmal.

Antwort
von DerSchopenhauer, 87

Wieviele Std, arbeitest Du regelmaßig am Tag/in der Woche?

Grundsätzlich ist der Mindestlohn zu zahlen; der Mindestlohn ist IMMER BRUTTO.

Folgendes gilt NUR wenn Du sowohl im Monat November als auch im Dezember nicht jeweils mehr als 450 €/brutto erhalten hast; ist die 450 €-Grenze überschritten worden, dann ist es eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Vermutliches Problem: Kalendermonat vs Zeitmonat

Bei einem Minijob darfst Du in einem laufenden Beschäftigungsverhältnis grundsätzlich max. 52,94 Std. im Kalendermonat arbeiten (aus Sicht des Mindestlohngesetzes). Aus Sicht der Beurteilung der Sozialversicherungspflicht kommt es aber nur auf den Bruttolohn an; dieser darf in einem Kalendermonat grundsätzlich 450 €/brutto nicht übersteigen.

Nun sind es bei der aber 2 Teil-Kalendermonate - der November aber auch der Dezember (als nicht volle Kalendermonate) werden nicht auf einen vollen Kalendermonat hochgerechnet, weil das Beschäftigungsverhältnis von vornherein nicht auf weniger als einen Zeitmonat sondern auf genau auf einen Zeitmonat (23.11 - 22.12) konzipiert ist.

Daher kann es sein, daß der ArbG irrtümlich die Hochrechnung auf die Kalendermonate durchgeführt hat; daher wurde der Job auf einmal sozialversicherungspflichtig.

Der Arbeitgeber ist in der Pflicht den richtigen Status des Arbeitnehmers zu ermitteln - Du solltest Daher eine Statusfeststellung bei der Deutschen Rentenversicherung durchführen lassen.

Wenn die Voraussetzungen für den Minijob erfüllt wären, dann darf man Dich nicht sozialversicherungspflichtig anmelden - Du hättest dann einen Erstattungsanspruch der zu Unrecht abgezogenen SV-Beiträge - diese Erstattung kann bei der Krankenkase beantragt werden.

Vorher solltest Du Dich aber an Deine Krankenkasse wenden:

Du solltest bei Deiner Krankenkasse einen Antrag auf Erstattung der zu Unrecht abgezogenen SV-Beiträge stellen und vorher nachfragen, ob das auch ohne eine Statusfeststellung der Deutschen Rentenversicherung möglich ist - auf den Problemfall hinweisen, daß die Beschäftigung nicht auf weniger als 1 Monat konzpiert war sondern exakt auf einen Monat und es daher als Minijob gilt (sofern im November als auch im Dezember nicht jeweils mehr als 450 €/brutto verdient wurden.)

Nur so nebenbei:

Du schreibst Du hast keinen schriftlich Arbeitsvertrag; damit bist Du UNBEFRISTET beschäftigt und hast einen Weiterbeschäftigungsanspruch nach dem 22.12., denn eine Befristung MUß vor Antritt der Beschäftigung schriftlich vereinbart werden.

Antwort
von SuMe3016, 62

Kommt das nicht drauf an, wieviel du monatlich verdienst bzw arbeitest? 8.50 ist solange brutto=netto, bis die 450€ erreicht sind. Danach bist du kein Minijobber mehr und sv-pflichtig. Das heisst, es werden Steuern abgezogen und dann ist 8.50 brutto plötzlich weniger netto. Ist ja logisch. Solltest du also bei unter 450 liegen, macht dein Chef grosse Sch... Ansonsten wird wohl alles richtig sein.

Antwort
von MenschMitPlan, 101

Wenn er dich taggenau abrechnet, also Eintritt irgendwann im Monat, ebenso den Austritt, dann kann es schon sein, dass du, auf den Monat hochgerechnet, die Minijob-Grenze sprengst. Dann muss er dich sv-pflichtig abrechnen.

Kommentar von hemnes36 ,

Aber das muss ihm doch schon klar gewesen sein, bevor er mich eingestellt hat. Er weiß ja, wie viel und wie lang ich dort arbeiten werde. Warum hat er dann in der ersten Woche 8,50/h Netto ausgezahlt, in der Lohnabrechnung steht dann aber was von 6,72/h netto und letztlich zahlt er ab der zweiten Woche nur noch 6/h netto - wo sind die 72 Cent abgeblieben? Das ergibt in meinen Augen keine Sinn.

Kommentar von MenschMitPlan ,

Wann hast du angefangen und was genau steht in der Lohnabrechnung für diesen Monat (Brutto und Netto)? 

Kommentar von hemnes36 ,

Begonnen habe ich am 23.11., am 22.12. höre ich auf. Die Lohnabrechnung für Dezember habe ich noch nicht, die bekomme ich erst am letzten Tag.

Kommentar von MenschMitPlan ,

Hast du am 23.11. begonnen, steht dir bei Mindestlohnzahlung bei einer 40 h-Woche von Mo-Fr. 6x8h x8,50 € = 408 € zu.  Auf den ganzen November hochgerechnet sind das mehr als 450 €, eine Abrechnung als Minijob ist nicht möglich.

Kommentar von DerSchopenhauer ,

Das ist ein grundsätzlich richtiger Hinweis, aber in diesem speziellen Fall nicht anzuwenden:

Das gilt NUR wenn das Arbeitsverhältnis unter einem Zeitmonat geplant ist - hier besteht das Arbeitsverhältnis allerdings genau einen Zeitmonat - damit ist ausschließlich auf die 450 €-Grenze abzuzielen, egal an wie vielen Stunden/Tagen diese erzielt wurden.

Also: Unterschied SV-Recht:

Kalendermonat (Beginn am 01. - Ende: am letzten Tag des Monats mit der gleichen Kalenderbezeichnung, die am 01. galt)

Zeitmonat in diesem Fall:

Beginn Zeitmonat: 23.11. - Ende Zeitmonat: 22.12.

Kommentar von DerSchopenhauer ,

Korrektur:

Kalendermonat: es muß heißen: "der gleichen Monatsbezeichnung..."

und allgemein Zeitmonat:

Ein Zeitmonat endet einen Tag vor dem Tag mit der gleichen Tages-Datumsbezeichnung des Folgemonats.

Antwort
von Willy1729, 125

Hallo,

natürlich muß Dein Chef den Mindestlohn zahlen. Tut er das nicht, verstößt er gegen das Gesetz. Laß Dir das nicht bieten. 

Alles Gute,

Willy

Kommentar von hemnes36 ,

Dass er das bei einem Minijob muss, dessen bin ich mir bewusst. Aber er hat mich ja so komisch eingestuft (SV-verpfl o. Merkm.) und die 8,50 brutto aufgelisten. Wäre es ein Minijob müsste ich ja auch die ganzen Sozialversicherungen etc nicht selber zahlen...

Kommentar von Willy1729 ,

Ich denke, er zieht Dich über den Tisch. 

Vielleicht findest Du hier Informationen:

https://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/node.html

Willy

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