Frage von marilein91, 98

Chef will Urlaub auszahlen obwohl ich das nicht will, darf er das?

Hallo zusammen :)

Ich habe kurzfristig eine wichtige und notwendige OP am 15.12. wodurch ich 1-2 Wochen danach krankgeschrieben sein werde.

Eigentlich hätten wir ab dem 21.12. Betriebsferien, also Urlaub. Die Tage würden ich dann ja zurück bekommen wegen der Krankmeldung.

Jetzt kam die zuständige Mitarbeiterin (Frau vom Chef wohlbemerkt) zu mir und meint mir die ersten 3 Tage (21.,22.,23.12.) vorzuschreiben und zwar soll ich am 02.12. frei nehmen weil da Maler kommen und am 13.und 14.12. zwei Tage vor der OP, am 12.12. soll ich aber noch arbeiten kommen.

Habe dann gefragt ob es nicht sinnvoller ist ab dem 12.12. komplett frei zu nehmen, weil es ja blöd ist für den einen Tag dann arbeiten zu kommen. Ihre Antwort: "nee, dann kannst du ja noch Sachen abschließen vor den Betriebsferien" .. kann ich am Freitag davor doch auch?!

Und sollte ich wirklich 2 Wochen krankgeschrieben sein, will mein Chef mir die dann noch anfallenden 4 Tage auszahlen. Ich sagte dann dass ich bei all den Abzügen doch nichts davon übrig halte und ich sie lieber mit ins neue Jahr nehmen möchte. Daraufhin meinte Sie "nein das wollen wir nicht".

Ich bin stinksauer. Das ganze Jahr 2016 hatte ich exakt 1 Woche am Stück Urlaub, alles andere wurde immer und immer abgelehnt aus den unterschiedlichsten Gründen. Und jetzt das !

Und meine 2 Wochen für Juli 2017 wurde auch jetzt bereits abgelehnt weil wir streng genommen da Urlaubssperre haben da wir ein Saisonbetrieb sind. Alle anderen haben da aber immer Ausnahmen und kriegen in der Saison frei.

Mein Chef stellt sich stur vermutlich, anders kann ich mir das nicht mehr erklären. Ich habe einen Partner für den ich frühestens in 2 JAHREN wohlbemerkt meinen Job hier kündigen muss und wegziehe, da er 180 km entfernt wohnt. Und das passt ihm natürlich nicht weil ich seine beste Mitarbeiterin bin.

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 56

Weder Dein Chef noch seine Frau haben wohl jemals das Bundesurlaubsgesetz gelesen.

Zum einen muss jeder Arbeitnehmer mindestens einmal im Jahr zwei Wochen Urlaub am Stück bekommen (§ 7 Abs. 2 BUrlG). Wenn Du die nicht bekommst, schuldet Dir der AG diese zwei Wochen noch, obwohl Du die Tage schon "scheibchenweise" hattest. Er muss sie also noch einmal gewähren und bezahlen.

Der AG kann den vom AN gewünschten Urlaub ablehnen, wenn dringende betriebliche Gründe dagegen sprechen. Dies ist in Deinem Fall mit dem 12. Dezember aber bestimmt nicht der Fall, wenn Du die Arbeit auch am vorangegangenen Freitag erledigen kannst (§ 7 Abs. 1 BUrlG).

Den Urlaub am 2.12. kann man auch nicht einfach anordnen wie da "die Maler kommen". Das ist nicht Dein Problem.

Urlaub den Du in diesem Jahr wegen Arbeitsunfähigkeit nicht mehr nehmen kannst, wird ins Folgejahr übertragen. Hier liegt ein in der Person des AN liegender Grund (Krankheit) vor (§ 7 Abs. 2 BUrlG).

Ausbezahlt werden darf Urlaub nur bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses nach § 7 Abs. 4 Bundesurlaubsgesetz.

 

Kommentar von JonasG91 ,

Ich glaube das Problem ist hier, dass es nicht den zusammenhängenden 2-Wöchigen Jahresurlaub betrifft sondern nur die "Brückentage" zwischen Weihnachten und Silvester.

Dieser Fall betrifft jedoch nur die Übernahme einzelner Tage in ein Neues Jahr. und dabei steht in Abs. 3 dass dies nur in Person des AG erfolgen kann:

 

Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz)
§ 7 Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs

(1) Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen. Der Urlaub ist zu gewähren, wenn der Arbeitnehmer dies im Anschluß an eine Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation verlangt.(2) Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren, es sei denn, daß dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen. Kann der Urlaub aus diesen Gründen nicht zusammenhängend gewährt werden, und hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub von mehr als zwölf Werktagen, so muß einer der Urlaubsteile mindestens zwölf aufeinanderfolgende Werktage umfassen.(3) Der Urlaub muß im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen. Im Fall der Übertragung muß der Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahrs gewährt und genommen werden. Auf Verlangen des Arbeitnehmers ist ein nach § 5 Abs. 1 Buchstabe a entstehender Teilurlaub jedoch auf das nächste Kalenderjahr zu übertragen.(4) Kann der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden, so ist er abzugelten.
Kommentar von Hexle2 ,

In der Frage steht, dass der AG diesem Jahr nur eine einzige Urlaubswoche am Stück genehmigt hat.

Deshalb habe ich alle angesprochenen Dinge die das Bundesurlaubsgesetz betreffen und nicht rechtens sind auch angesprochen.

Der von Dir eingestellte § ist mir durchaus bekannt, ich glaube, Du übersiehst in Deinem Kommentar hier etwas:

Dieser Fall betrifft jedoch nur die Übernahme einzelner Tage in ein Neues Jahr. und dabei steht in Abs. 3 dass dies nur in Person des AG erfolgen kann:

Das ist nicht richtig! Lies das doch mal selbst und zwar richtig.

Es steht da, dass eine Übertragung des Urlaubs nur statthaft ist, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen.

Das besagt doch dass der Urlaub übertragen werden kann, wenn der AG sagt, dass er ihn aus dringenden betrieblichen Gründen nicht gewähren kann oder wenn der Grund in der Person des Arbeitnehmers liegt. Dies ist eben hier der Fall, wenn der AN krankheitsbedingt den Urlaub nicht nehmen kann.

Kommentar von Hexle2 ,

@marilein91:

Sie will unbedingt dass ich den 2.12. und die 2 Tage vor der OP frei nehme ich bin gerade echt wütend!

Ich schreib Dir jetzt mal was aus dem Arbeitsrechtkommentar von Prof. Dr. Peter Wedde zum § 7 Bundesurlaubsgesetz:

Einseitige Festlegung des Urlaubszeitpunktes durch den Arbeitgeber:

"Erteilt der AG Urlaub, ohne vorher nach den Urlaubswünschen des AN zu fragen, kann der AN die Annahme der Arbeitsbefreiung verweigern, ohne in Annahmeverzug zu geraten.

Er kann einwenden, dass ihm Urlaub zur Unzeit gewährt werden soll. Dabei braucht dem AN kein wichtiger Grund zur Seite zu stehen.

Es ist ausreichend, wenn er auf eine von den Vorstellungen des AG abweichende Urlaubsplanung verweist."

Dein AG kann Dir diesen Urlaub nicht vorschreiben, wenn Du ihn nicht möchtest.

Kommentar von marilein91 ,

Habe ihr den Gegenvorschlag gemacht die 3 Tage am 30.11.,01.12. und 02.12. zu nehmen. Dann hat Sie ihre Ruhe bzgl. des Malers am 2.12. und ich hab am 28.+29.11 sowieso Urlaub (ist schon lange genehmigt) , sonst müsste ich ja nur für den Mittwoch und Donnerstag arbeiten gehen. Da meinte Sie dann das geht auch nicht weil an den beiden Tagen ein Computerseminar für sie und dem Chef ist und sie quasi nicht anwesend sind! Was ein Blödsinn, es gibt noch 2 andere Mitarbeiter die anwesend sind. Und zur Zeit ist sowieso wenig zu tun (ist außerhalb der Saison). Ich rase gerade innerlich und weiß nicht wie ich weiter vorgehen soll.

Sie meinte dann ja es sind ja nur noch 3 Wochen bis zu meiner OP und sie können ja auch nichts dafür , aber wir müssten die Tage jetzt unter bringen. Mag ja sein, aber scheinbar nur wie SIE will.

Habe dann gefragt was denn gewesen wäre wenn ich keine OP hätte und ich demnach ja auch keine Urlaubstage übrig hätte wegen dem 02.12.. Da meinte Sie dann hätte ich trotzdem frei gehabt und hätte die Stunden nacharbeiten müssen. Was ist das für eine Frechheit bitte? Mir fehlen die Worte.

Kommentar von Hexle2 ,

Du kannst Dein Recht selbstverständlich beim Arbeitsgericht durchsetzen. Die rechtliche Lage habe ich Dir erklärt.

Was Du nun daraus machst, weiß ich nicht, das musst Du schon selbst entscheiden. "Munition" habe ich geliefert, "schießen" musst Du schon selbst (im übertragenen Sinne selbstverständlich).

Ich kann Deinen Verdruss und Deine Wut verstehen, das nützt Dir aber nichts, wenn Du Dein Recht nicht durchsetzen kannst/willst. Dass das schwierig ist, ist mir bewusst aber mehr kann ich Dir leider nicht helfen.

Kommentar von Mojoi ,

"Urlaub den Du in diesem Jahr wegen Arbeitsunfähigkeit nicht mehr nehmen kannst, wird ins Folgejahr übertragen. Hier liegt ein in der Person des
AN liegender Grund (Krankheit) vor (§ 7 Abs. 2 BUrlG)."

Da sehe ich aber für 7 noch zu nehmende Tage reichlich Luft bis zum 15.

Ansonsten, wie du sagtest. Die Begründung für die Ablehnung des Urlaubsantrages zum 12.12. ist äußerst schwach.

Antwort
von Jimmibob, 51

Dein Urlaub stellt eine Zeit da, die deiner Erholung gilt, unabhängig von Krankheit. Urlaub steht dir zu, also musst du ihn auch bekommen. Bist du befristet angestellt? Falls nicht lass dir mal ein Zwischenzeugnis schreiben. Das wird ihn darauf aufmerksam machen das du ihm nicht verpflichtet bist.

Vorher solltest du in einem persönlichen Gespräch mit ihm klären das du mit der Situation nicht zufrieden bist und es keine Option ist dir Urlaub auszuzahlen. 

Antwort
von Maximilian112, 40

Wenn der Urlaub nicht in das neue Jahr genommen werden soll dann muß er jetzt genommen werden. 

Es ist zum jetzigen Zeitpunkt klar, das der Weihnachturlaub eben nicht benötigt wird. Also brauch er auch nicht nach 2017 verschoben werden.

Urlaub ist im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Auszahlung ist nur möglich wenn er nicht genommen werden kann und das AV endet. (Oder die Beteiligten sind einverstanden )

Kommentar von marilein91 ,

Ja aber da erst nach der OP feststeht ob ich auch eine 2. Woche krankgeschrieben werde , kann man jetzt noch nicht sagen ob weitere 4 Tage Urlaub dann wegfallen. Dann kann ich sie aber nicht mehr nehmen weil das Jahr dann vorbei ist.

Und die 3 Tage die betroffen sind direkt nach meiner OP werden mir jetzt vorgeschrieben wann ich sie zu nehmen habe, das ist doch nicht richtig oder?

Zumal ich wie oben beschrieben EINE EINZIGE Woche Urlaub am Stück in ganz 2016 genehmigt bekommen habe und sonst nur einzelne Tage immer wieder, weil alles andere abgelehnt wurde.

 

Kommentar von Maximilian112 ,

Nein richtig ist das nicht. 

Urlaub sollte nach AN Wunsch gewährt werden. Andererseits hat der AN Rücksicht auf betriebliche Belange zu nehmen. Sachen wegschliessen ist kein betrieblicher Belang, Malerarbeiten auch nicht.

Solche Einzeltage sind kein Urlaub, das Gesetz sieht das anders.

Kommentar von marilein91 ,

Habe jetzt nochmal gefragt ob ich nicht den 30.-02.12. frei nehmen kann.. dann hat sie Ihre Ruhe wegen den Malern am 02.12. und ich habe am 28.+29.11. sowieso Urlaub (lange genehmigt). So müsste ich für Mittwoch und Donnerstag arbeiten kommen. Da meinte Sie nur das ginge nicht weil an den beiden Tagen der Chef und die Chefin ein Computerseminar haben. Wohl bemerkt sind noch 2 weitere Mitarbeiter im Büro, ist nicht so das ich die Einzige bin!

Sie will unbedingt dass ich den 2.12. und die 2 Tage vor der OP frei nehme ich bin gerade echt wütend!

Antwort
von MKausK, 42

Urlaub steht dir zu darf nicht ausgezahlt werden.....muß ins nächste Jahr verschoben werden

Krankenkassen werden dadurch geschädigt weil durchgehen Arbeitende häufig chronisch erkranken. Burn Out, Depression 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community