Frage von pasi5555, 172

Chef will mich kündigen weil ich keinen machen möchte, ist das gerechtfertigt?

Ich bin 21 und in der Ausbildung. Nun möchte mich mein Chef kündigen weil ich keinen Bereitschaftsdienst, also auf Abruf bereit sein, machen möchte da ich dann nicht mehr genug Schlaf bekommen würde. Die Handwerkskammer sagt man könne mich lediglich einmal in diesen Dienst zu Ausbildungszwecken einsetzen, was für mich völlig in Ordnung ist. Er hingegen sagt es gehöre zur Ausbildung dazu, auch ohne das es im Vertrag steht. Wer hat recht?

Antwort
von dadamat, 21

Es sollte eine Ausbildungsrichtlinie gelten, an die sich auch dein Arbeitgeber zu halten hat. Eine begrenzte Zeit bestimmter Einsätze ist möglich, doch gehört in der Regel eine Rufbereitschaft nicht dazu. Der Sinn einer Rufbereitschaft dient dem Anbieten vertraglicher Leistungen ausserhalb der üblichen Arbeitszeiten. Als Auszubildener bist du nicht berechtigt / verpflichtet allein (also ohne Anwesenheit eines Ausbilders / Gesellen) irgendwelche Arbeitsaufträge anzunehmen und auszuführen.

Antwort
von zippo1970, 93

Die Handwerkskammer ist die ausbildungsüberwachende Behörde. Ich denke man kann auf ihre Aussage vertrauen.

Prinzipiell hat man als Auszubildender einen besonderen Kündigungsschutz. Das weiß auch dein Arbeitgeber. Von daher ist das mit der Kündigung, wohl eher, eine leere Drohung, des Arbeitgebers. Denn diese würde vom zuständigen Arbeitsgericht, sicher nicht bestätigt werden.

Kommentar von Nightstick ,

Hier geht es zwar auch um den Kündigungsschutz, der bei Azubis recht hoch angesiedelt ist, aber primär wohl auch um den konkreten Einsatz als "Arbeitskraft im Bereitschaftsdienst".

Auszubildende sollen ausgebildet werden, und nicht arbeiten!

Im Übrigen müssen neben dem Ausbildungsplan auch die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes (==> siehe dort) eingehalten werden.

Antwort
von qugart, 59

Recht hat die Handwerkskammer.

Ich rate dir aber jetzt schon nach einer anderen Anstellung zu suchen. Denn wenn die Ausbildung vorbei ist, geht kein Weg am Bereitschaftsdienst vorbei. Und der ist ja scheinbar nichts für dich.

Ob du jetzt vielleicht schon einen anderen Ausbildungsplatz suchen solltest, musst du selber entscheiden. Alt genug wärst du ja dazu.

Antwort
von Repwf, 75

Recht hat die Handwerkskammer!

Ob du deinem Chef gegenüber das durch bekommst oder ob er dann versucht dich mit was anderem rauszumobben, sei dahin gestellt! 

Antwort
von soissesPDF, 92

Für Ausbildungen bestehen andere Regeln des Kündigungschutzes, als für gewöhnliche Arbeitsverträge.

Grundätzlich hat der Arbeitgeber das Disziplinarrecht (Weisungsbefugnis).
Daher kann er bei Arbeitsverweigung kündigen.
Die Klärung der Frage ob Bereitschaftsdienst zum Beruf gehört kann hernach episch breit vor dem Arbeitsgericht erörtert werden.

Falls das Unternehmen einen Betriebsrat hat wäre das einfacher, dann brauchst Dich nur an diesen wenden.

Antwort
von Zumverzweifeln, 74

Willst du wirklich eine abgebrochene Ausbildung riskieren?

Und, wenn Bereitschaftsdienst zu deinem Beruf gehört, wie stellst du dir dein Arbeitsleben nach der Ausbildung vor?

Keine Ahnung, ob dein Chef Recht hat - denk halt drüber nach, was auf lange Sicht gut für dich ist!

Antwort
von cjmjcool, 83

Wenn es nicht im Vertrag steht, ist es nicht gerechtfertigt.
Aber bei so einem Chef würde ich nicht arbeiten wollen um ehrlich zu sein..

Kommentar von RudiRatlos67 ,


Wenn es nicht im Vertrag steht, ist es nicht gerechtfertigt.

Im Arbeitsvertrag steht auch nicht, das er nach Verlassen des Arbeitsplatzes, den auch aufzuräumen hat. Trotzdem gehört es zu seiner Aufgabe.


Aber bei so einem Chef würde ich nicht arbeiten wollen um ehrlich zu sein..

Aus Arbeitgebersicht:
einen solchen Azubi würde ich auch nicht gerne beschäftigen wollen, wenn er wegen jeder Keinigkeit rebelliert. Als Arbeitgeber hat man die Verantwortung für den gesamten Betrieb, deren Mitarbeiter hinter denen Familien stehen und nicht zuletz der eigenen Familie gegenüber. Da hat man wahrlich genug zu tun um ein Unternehmen erfolgreich zu führen, wenn man sich dann auch noch darum kümmern soll, eine EXTRAWURST für einen einzelnen AN zu braten, dann muss auch was von der Gegenseite kommen. Entweder zeichnet er sich durch besonders gute Arbeit in einer speziellen Fertigkeit aus, oder er macht sich auf andere Weise unverzichtbar, dann bin ich als AG auch gern bereit das ein oder andere möglich zu machen was ihn gegenüber den Kollegen besser stellt. Die Erfahrung zeigt jedoch, das quertreiber mehr (Arbeits-)Zeit damit verbringen ihre Rechte genaustens kennenzulernen als sich in einem speziellen Arbeitsbereichbereich oder auch allgemein besonders zu profilieren.

Jedes Ding hat eben zwei Seiten

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