Frage von XaveMyXoul, 31

Chef verweigert Auszahlung des Zeitkontos, habe ich Anspruch darauf?

Ich habe eine Frage zu meinem Arbeitsvertrag und hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen. Es geht um einen Vollzeit Vertrag(152h/Monat) mit einem Zeitkonto auf dem auch schon einige Stunden hinterlegt sind.
Da ich wegen eines Streits mit dem Chef nicht mehr in dieser Zeitfirma tätig bin und fristlos(Zu unrecht, Klage läuft) gekündigt wurde möchte ich meine ganzen Stunden, die seit letztem Jahr auf meinem Zeitkonto angesammelt wurden ausbezahlt bekommen. Nun hat mein Anwalt mir kurz vor dem Gerichtstermin mitgeteilt, dass es schlecht aussieht und ich wohlmöglich keinen Anspruch mehr auf meine geleisteten Arbeitsstunden auf meinem Zeitkonto habe. Mein Anwalt sagte, da es sich um einen IGZ Manteltarifvertrag handelt, ich jedes mal, wenn ich Stunden auf mein Zeitkonto hinterlegen möchte, ich dieses Schriftlich beantragen müsse und wenn dies nicht innerhalb von 3 Monaten geschieht, mein Anspruch auf diese hinterlegten Stunden verfällt. In meinem Vertrag ist zwar angegeben, dass es sich um einen iGZ Tarifvertrag handelt, jedoch wird nirgendwo erwähnt, dass ich für die Auszahlung des Zeitkontos etwas schriftlich beantragen müsse. Außerdem wurde mir Anfangs von meinem Chef gesagt, dass alles OK sei und ich dieses Geld nächstes Jahr einfach ausbezahlt bekomme.(Ich wollte bis zum Urlaub im Zeitkonto sparen und es dann ausbezahlt bekommen) Ich habe auch ein paar SMS Verläufe, in denen mein Chef mir schrieb, dass ich das Geld bekommen werde.(Ist das im Gericht verwertbar? Nützt mir das was?)

(Zitat: Manteltarifvertrag: §10 Ausschlußfrist: Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis verfallen, wenn sie nicht innerhalb einer Ausschlussfrist von drei Monaten nach Fälligkeit gegenüber der anderen Vertragspartei schriftlich geltend gemacht werden. 
Lehnt die Gegenpartei die Ansprüche schriftlich ab, sind die Ansprüche innerhalbeiner weiteren Ausschlussfrist von drei Monaten ab Zugang der schriftlichen Ablehnunggerichtlich geltend zu machen.Ansprüche, die nicht innerhalb dieser Fristen geltend gemacht werden, sind ausgeschlossen.)

Also kurz und knapp noch mal:
- Ich habe einen iGZ Manteltarifvertrag und seit einem Jahr viele Stunden auf meinem Zeitkonto angesammelt.
- Mein Chef möchte diese nach der Kündigung nicht zahlen und mein Anwalt meint, es sei schwierig, da meine Zeitkonto Stunden laut §10 im iGZ Vertrag verfallen sind.
- Ist es wirklich so, dass auch das Zeitkonto von §10 betroffen ist? Ich habe ja schließlich dafür gearbeitet und diese Stunden stehen mir nun zu oder nicht?

PS: Ich bin 19, habe kaum Erfahrung mit Verträgen etc.
Ich bedanke mich für eure Hilfe und entschuldige mich für Rechtschreibfehler und Aufbau des Textes, da alles mit dem Handy getippt wurde.

Antwort
von DerHans, 21

Wenn du diese geleisteten Arbeitsstunden belegen kannst,

kann das Unternehmen sie nicht einfach "unter den Tisch fallen lassen". 

Es gilt immer noch "keine Leistung ohne Gegenleistung". Dieses Grundprinzip kann auch nicht durch einen Tarifvertrag aufgehoben werden.

Du wirst wohl den Spruch des Arbeitsrichters abwarten müssen.

Antwort
von Cricetini, 31

Nun, wenn Du deutlich nachweisen kannst, dass der Chef die Auszahlung angekündigt hat, wird ihn der Richter auch in die Pflicht nehmen. Denn es erscheint so, dass der Chef mit dieser Tücke absichtlich einen Verfall der Stunden provozieren wollte. Das muss dein Anwalt unbedingt so vortragen. Hilfreich wäre auch, wenn es vergleichbare Fälle gäbe, bei denen Betroffene als Zeugen fungieren und man somit eine bewusst betrügerische Absicht dem Chef nachweisen könnte. Suche auch mal im Netz nach Präzedenzen, denn nicht alle Richter haben alle Urteile vorliegen oder im Kopf.

Kommentar von XaveMyXoul ,

Danke für die Antwort. In der SMS steht, dass ich ins Büro kommen soll und wir gemeinsam alle Stunden überprüfen und diese dann Ausgezahlt werden. Ist leider nie geschehen. Ich habe einen Zeugen, der gehört hat, als mein Chef sagte, dass ich nach einem Jahr meine ZK Stunden bezahlt bekommen werde und einen Zeugen habe ich, dem genau das gleiche passiert ist, wie mir. Bin ebenfalls der Meinung, dass es Absicht war. 

Kommentar von Cricetini ,

Wie gesagt, nimm alle Zeugen, die Du kriegen kannst und mache dich auch sonst wie gesagt kund. Du kannst auch öffentlich in einer lokalen Zeitung nach Geschädigten suchen. Achte aber auf den Text, unterstelle nichts. Suche nach (ehem.) Mitarbeitern, die Probleme mit der Firma hatten, hänge es an "Schwarzen Brettern" aus. Mit Chiffre und E-Mail. Mach dafür eine neue Mailadresse auf. Von alleine wird nichts passieren. Es geht um dein Geld, also kämpfe darum!

Kommentar von XaveMyXoul ,

Es gibt leider keine Ehemaligen Mitarbeiter, die mir weiterhelfen können, da es sich um eine Firma handelt, die vor einem Jahr Eröffnet wurde und ich von Anfang an dabei war und ich alle Mitarbeiter kenne. Ein paar MA gibt es, die nicht mehr dort arbeiten, mir aber auch nicht helfen können. Also bleiben mir nur meine zwei genannten Zeugen, falls diese überhaupt erscheinen werden im Gericht. Da bin ich mir auch nicht zu 100% sicher. 

Danke für Deine Hilfe. Ich hoffe, es wird gut ausgehen.

Kommentar von DerHans ,

Hoffentlich kannst du die SMS noch vorlegen, aus der hervor geht, dass es Mehrstunden gab, die nun strittig sind.

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