Frage von Saze1111, 151

Chef droht mit Kündigung wegen Krankheit im Kleinbetrieb, ist das rechtens?

Hallo zusammen,

ich hatte vor einigen Tagen schon mal eine Frage und nun dies bezgl. eine weitere und zwar hatte ich ein Gespräch mit meinem AG in dem er mir sagte das er rausfand, dass ich die letzten 4 male wegen künstlicher Befruchtung krank geschrieben war. Er äußerte sich darauf wie folgt: 1. Es wäre mein "Privatvergnügen" und ein weiterer Versuch wäre für die Firma nicht tragbar, weil ich ja gar nicht krank bin sondern mit dafür entschließe diese Behandlung durchführen zu lassen. 2. Sollte ich mich für einen weiteren Versuch entscheiden wäre ich für die Firma nicht mehr tragbar und er würde mich kündigen.

Wir sind nur 2 Mitarbeiter in der Firma (Tocherfirma)

Ich würde gerne eure Einschätzung dazu hören.

Vielen Dank vorab!

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Parhalia, 49

Grundlegend KANN eine Kündigung wegen Krankheit mit dem Argument wirtschaftlicher Untragbarkeit begründet werden. Eine weitere Besonderheit in Deinem Fall ist zudem die Betriebsgrösse von < 10 Mitarbeitern, was eine derart begründete Kündigung sogar erleichtern würde.

Ich will jetzt rechtlich nicht beurteilen, ob Dein Chef mit dieser Kündigung auch durchkommen würde, aber mit seiner letzten Ansage kann zumindest schon mal von der Aussprache einer Abmahnung ausgegangen werden.

Ich würde Dir daher nahelegen, es nun nicht darauf ankommen zu lassen und von einem weiteren Versuch während der Arbeitszeit abzusehen. Dann lasse Dich lieber einen Tag beurlauben. ( notfalls auch unentgeltlich )

Denn neben einer ( möglicherweise sogar verhaltensbedingten ) Kündigung riskierst Du dann auch noch eine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld von 12 Wochen.

Kommentar von Familiengerd ,

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber Recht, wenn er sich in diesem Fall gegen eine Lohnfortzahlung sperrt (auch wenn sie ihn wegen des obligatorischen Umlageverfahrens finanziell kaum oder nur wenig belasten würde).

Lohnfortzahlung muss nur im Falle "unverschuldeter Erkrankung" gezahlt werden - und eine künstliche Befruchtung (wenn sie denn nicht aus psychischen Gründen medizinisch indiziert sein sollte) fällt nun einmal nicht darunter, unabhängig davon, wie die persönliche Situation der Fragestellerin sich diesbezüglich darstellt.

Kommentar von Parhalia ,

Meine Einlassung bezieht sich nicht auf die Frage der Lohnfortzahlung, sondern aus dem Umstand des wiederholten Fehlens wegen der beschriebenen Sache. Also haupsächlich wegen des mehrmaligen Ausfalls des Mitarbeiters in einem derart kleinen Betrieb. ( bezogen auf den dadurch ggf. massiv gestörten Arbeitsablauf )

Und von diesem Aspekt leitete ich den Begriff "Unzumutbarkeit" vornehmlich ab. Da dann auch das Gespräch mit dem AG unter der Androhung einer Kündigung ob besagten Verhaltens stattfand, so KÖNNTE man dieses auch als Abmahnung für den Fall künftiger Wiederholung interpretieren.

Und aus den genannten Umständen liesse sich daraus ggf. sogar auch eine "verhaltensbedingte Kündigung" mit vorheriger Abmahnung argumentieren.

Deine Argumentation ist aber in ihrem eigenen spezifischen Zusammenhang absolut richtig.

Kommentar von Familiengerd ,

Das ist wohl richtig!

Antwort
von wilees, 44

Ich gehe davon aus, dass hier der Arbeitgeber mit der Kündigung durchkommen wird, wenn Du weiterhin auf seine Kosten Dein Ziel verfolgst.

Dies speziell weil in dieser Firma nur 2 Mitarbeiter beschäftigt sind, also bist Du nicht ohne weiteres ersetzbar. Zudem hast Du Deine "Krankheit" selbst gesteuert. ( Wenn ich dies richtig gelesen habe 4 mal in den vergangenen 4 Monaten ) Und willst und wirst auch absehbar in Zukunft wieder "erkranken". Und dies auch noch mit dem Ziel dann in Elternzeit zu gehen. Dies dürfte dem Arbeitgeber ( zumindest für die Zukunft ) nicht zuzumuten sein.

Und das stellt nicht in Frage, dass Du weiterhin einen Kinderwunsch hast und auch umsetzen darfst. Aber halt nicht auf Kosten des Arbeitgebers.

Antwort
von Minischweinchen, 39

Hallo,

Dein Arbeitgeber hat vollkommen recht. Schließlich bist Du nicht krank und lässt Dich aber krank schreiben.

Es wäre auch gut gewesen, wenn Du mit Deinem Arbeitgeber vielleicht darüber gesprochen hättest, dann wäre er Dir vielleicht entgegen gekommen, wegen der Urlaubstage.

Kündigen kann Dir Dein Arbeitgeber allerdings nicht, da Du ja eine Krankmeldung hattest.

Trotzdem, wenn Du das wieder machst, dann findet er einen anderen Grund Dir zu kündigen, also mach es in Zukunft anders. Entschuldige Dich auch bei Deinem Chef und auch bei Deiner Kollegin.

Für den Eingriff nimmt man sich Urlaub oder nimmt einen Termin wahr, wenn Du eh frei hast..

Du solltest auch mal an Deine Kollegin denken, die jedes Mal den ganzen Laden alleine schmeißen soll und sicherlich vor lauter Arbeit nicht weiß, was sie zuerst machen soll. Du würdest sicherlich auch nicht gerne alleine arbeiten.

Wenn man wirklich krank ist, ist das was anderes, das passiert halt einfach mal, aber die Eingriffe sind Deine private Entscheidung und haben mit der Arbeit überhaupt nichts zu tun.

Viele Grüsse!

Kommentar von Saze1111 ,

Meine Kollegin weiß bescheid, es ist vollkommen i.O. für sie. Die Auftragslage ist so bescheiden, das ich seitdem ich wieder da bin (5 Tage) vielleicht 2 Stunden Arbeit hatte. Letztendlich habe ich eh vor zu kündigen. Für mich war nur interessant ob er damit durchkommen würde

Kommentar von Minischweinchen ,

Ach so, das ist wieder was anderes, entschuldige.

Antwort
von Zellerbue, 82

Folgender Link bestätigt: Dein Chef kann Dir NICHT Kündigen.

http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/id_47699630/arbeitsrecht-kuendigung-wegen...

Kommentar von FrauJessica ,

Das kann man nicht als Referenz nehmen,

Die in dem Link  geschilderte Frau hatte 1 MAL eine ABGESPROCHENE Befruchtung. 

Kommentar von Lumpazi77 ,

Diese Urteile passen nicht zu diesem Fall

Antwort
von Lumpazi77, 69

Ich gebe Deinem Chef recht. An den Behandlungstagen hättest Du Urlaub nehmen können, aber so ist es für einen Kleinbetrieb unzumutbar !

Kommentar von Saze1111 ,

Vielen Dank für deine Antwort. Ja das hat er auch verlangt... zumindest hätte ich es ansprechen sollen. Aber mit einer Kündigung drohen darf er? Mir war so als hätte ich mal gelesen das wäre nicht rechtens

Kommentar von Parhalia ,

Man könnte die "Ansage" des Chefs auch als mündliche Abmahnung bezüglich eines widerholten ( groben ) Fehlverhaltens interpretieren. Und eine Abmahnung ist durchaus schon eine Vorstufe für eine Kündigung, wenn das abgemahnte Verhalten weiterhin nicht abgestellt wird.

Kommentar von Familiengerd ,

aber so ist es für einen Kleinbetrieb unzumutbar

Unzumutbar ist relativ.

Zumindest ist es nicht finanziell unzumutbar für den Betrieb, da er (mit weniger als 30 Arbeitnehmern als Bezugsgröße) einen großen oder den größten Teil der Entgeltfortzahlung aufgrund des vorgeschriebenen Umlageverfahrens von der Krankenkasse erstattet bekommt.

Aber grundsätzlich ist es richtig: Lohnforzahlung muss nur im Falle "unverschuldeter Erkrankung" gezahlt werden - und eine künstliche Befruchtung (wenn sie denn nicht aus psychischen Gründen medizinisch indiziert sein sollte) fällt nun einmal nicht darunter.

Kommentar von Lumpazi77 ,

Hier geht es nicht um Lohnfortzahlung und dgl,(da hast Du mit Deinen Ausführungen recht) sondern um die fehlende Arbeitskraft. Das kann sich ein Kleinbetrieb nicht leisten !

Kommentar von Familiengerd ,

um die fehlende Arbeitskraft. Das kann sich ein Kleinbetrieb nicht leisten !

Das zieht als "Argument" nun überhaupt nicht - dann dürfte ein Arbeitnehmer in einem solchen Betrieb auch nicht "normal unverschuldet" krank werden und keinen Urlaub nehmen!

Antwort
von FrankoLogo, 62

Gebe deinen Chef Recht. Das wäre ja so ähnlich als wenn du Schönheitesoperationen an dir machen lässt und danach krankgeschrieben bist.

Das ist vorsätzlich

Kommentar von Saze1111 ,

Ja das sagte ich zu meinem Vater auch das ich glaube das er nicht ganz unrecht hat obwohl meine Ärztin das heute ganz anders sah... aber sie hat es wohl eher von der menschlichen Seite betrachtet. 

Antwort
von blankenberg, 25

Er wird damit durchkommen. Außerdem finde ich persönlich das auch in Ordnung. Er muss Dich bezahlen und Du fehlst natürlich auch auf der Arbeit.

Kommentar von Saze1111 ,

Es geht aber nicht um deine persönliche Meinung sondern ums rechtliche aber hier darf sich ja jeder äußern =) Bezahlen tut übrigens in dem Moment größtenteils die Krankenkasse.

Kommentar von blankenberg ,

Ich habe doch geschrieben, das er  durchkommen wird. Hatten wir auch schon in der Fa..

Antwort
von FrauJessica, 59

Das habe ich im Netz gefunden

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Krankheitsbe...

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