Frage von superK, 63

Chef betrügt Mitarbeiter?

Mal angenommen eine Freundin von mir arbeitet im der Gastronomie als Teilzeitkräfte. Also meistens Mo Mi Fr selten auch Sonntags, im Durchschnitt 5 Std an diesen Tagen ohne Pause. Arbeitsvertrag gib es nicht. Jetzt hatte sie zwei wochen Urlaub der allerdings nur mit 4,5 Std am tag berechet worden ist. (kann das sein?!)

Meine Frage: wie berechne ich den Durchschnitt der Std in der Gastronomie?! bzw wie viel Urlaub steht so jemanden im Jahr zu?! Weil offensichtlich sitze ich auf der Leitung bei meinem rechenweg.... Vllt kann mir jemand dies erläutern!

Antwort
von Familiengerd, 27

Ich beantworte die Frage unter der Voraussetzung, dass es keine beweisbaren anderen arbeitsvertraglichen oder keine anzuwendenden tarifvertraglichen Regelungen gibt.

> Zur Berechnung des Urlaubsentgelts:

wie berechne ich den Durchschnitt der Std in der Gastronomie?!

Das Bundesurlaubsgesetz BUrlG enthält dazu in § 11 "Urlaubsentgelt" Abs. 1 Satz 1 eine klare Bestimmung:

Das Urlaubsentgelt bemißt sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, das der Arbeitnehmer in den letzten dreizehn Wochen vor dem Beginn des Urlaubs erhalten hat, mit Ausnahme des zusätzlich für Überstunden gezahlten Arbeitsverdienstes.

(Bei weniger als 13 Wochen/3 Monaten vorheriger Beschäftigung im Betrieb eben die entsprechende Zeit.)

Das täglich zustehende Urlaubsentgelt errechnet sich also aus dem gesamten Verdienst dieser Zeit geteilt durch die Gesamtzahl der Arbeitstage in dieser Zeit.

> Zum Urlaubsanspruch:

wie viel Urlaub steht so jemanden im Jahr zu?!

Es besteht der gesetzliche Urlaubsanspruch nach dem Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 3 "Dauer des Urlaubs" Abs. 1:

Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage.

Da Werktage alle Tage außer Sonn- und Feiertage sind, entspricht das dem Urlaubsanspruch bei einer 6-Tage-Woche. Der Anspruch Deiner Freundin muss also auf ihre 3-Tage-Woche umgerechnet werden: 12 Arbeitstage. Nach dem Gesetz sind es also immer mindestens 4 Wochen.

Wenn Deine Freundin an unregelmäßig vielen Wochentagen arbeiten sollte, dann muss - da für die Höhe des Urlaubsanspruchs die Zahl der Wochenarbeitstage maßgeblich ist - auch hier ein Durchschnitt errechnet werden, indem die Gesamtzahl der Arbeitstage des vergangenen Jahres (oder - falls noch nicht so lange beschäftigt - der entsprechenden Zeit) durch die Gesamtwochenzahl geteilt wird; so erhält man die zu berücksichtigenden durchschnittlichen Wochenarbeitstage. 

Ergänzung:

Gilt im Betrieb für Vollzeitkräfte ein höherer als der gesetzliche Urlaubsanspruch, dann ist der die Grundlage für den anteiligen Anspruch Deiner Freundin!

Kommentar von superK ,

jetzt muss ich nochmal dumm fragen (sorry) hat sie 24 Tage Urlaub auch wen sie Teilzeitkraft ist?! und der Durchschnitt wird wie folgt errechnet: die stunden der gearbeiteten tage addieren und durch die gearbeiteten tage dividieren und das drei monate zurück ergibt den Durchschnitt?! und wen sie Urlaub nimmt dürfen in einer woch nur 6 tage abgezogen aber 7 werden vergütet?!

Kommentar von Familiengerd ,

hat sie 24 Tage Urlaub auch wen sie Teilzeitkraft ist?!

Man muss unterscheiden zwischen dem Urlaubsanspruch in Werktagen und dem in Arbeitstagen.

Jeder Arbeitnehmer hat einen gesetzlichen Anspruch auf 24 Werktage (Montag bis Samstag) - gleichgültig, ob er 6 Tage in der Woche arbeitet oder nur 1 Tag: beide bekommen für 1 Woche Urlaub 6 Tage berechnet.

Besser - und zur Vermeidung von Irrtümern und Missverständnissen - ist die Berechnung in Arbeitstagen: wer 6 Tage in der Woche arbeitet, bei dem entsprechen die 24 Wochentage auch 24 Arbeitstage Urlaub; wer nur 1 Wochenarbeitstag hat, hat 4 Arbeitstage, die er als Urlaub frei nehmen kann.

Wenn Deine Freundin 3 Wochenarbeitstage hat, dann hat sie zwar auch 24 Werktage Urlaub, jedoch "nur" 12 Arbeitstage.

Es sind aber immer 4 Wochen!

und der Durchschnitt wird wie folgt errechnet [usw.]

Die Anzahl der Arbeitsstunden pro Tag spielt für die Durchschnittsberechnung des täglichen Urlaubsentgelts nach dem Gesetz keine Rolle.

Berechnet wird das durchschnittliche Entgelt, das für jeden Urlaubstag zu zahlen ist, indem der Gesamtverdienst der vorangegangenen 13 Wochen/3Monate (vor dem Urlaub) durch die Gesamtzahl der Arbeitstage in dieser Zeit geteilt wird.

Beispiel: Deine Freundin arbeitet wöchentlich 3 Tage und verdient im Monat 500 €. In 13 Wochen/3 Monaten hat sie insgesamt an 39 Tagen gearbeitet und insgesamt z.B. 1.500 € brutto verdient; damit hat sie durchschnittlich 38,46 € pro Arbeitstag erhalten.

Das ist dann der Betrag, der ihr für jeden Urlaubstag in diesem Beispiel zusteht. Wenn sie also 1 Woche Urlaub nehmen will, für den 3 Urlaubstage (von ihrem Anspruch in Höhe von 12 Arbeitstagen) angerechnet werden, dann hat sie an Urlaubsentgelt insgesamt 115,38 € ( 3 x 38,46) zu erhalten.

(Anmerkung: Ich habe in diesem Beispiel nicht berücksichtigt, dass Deine Freundin selten auch einmal am Sonntag arbeitet; das erhöht aber nicht den Urlaubsanspruch, da ihr für diese Sonntagsarbeit ein Ausgleichsruhetag zusteht. Allerdings darf der Arbeitgeber diesen Ausgleichsruhetag auf einen Tag legen, an dem Deine Freundin ohnehin meist frei hat, also auf einen Dienstag oder Donnerstag.)

Antwort
von Novos, 36

Auch für Teilzeitkräfte gilt das Gesetz. Die Stunden beim Urlaub sind ebenfall nach demgestz zu berechnen.

Kommentar von Familiengerd ,

Aha!

Und was fängt der Fragesteller mit dieser "Antwort" jetzt konkret an?!?!

Kommentar von Novos ,

Er könnte im Bundesurlaubsgesesetz nachlesen

Kommentar von Familiengerd ,

Wenn man weiß, dass es das gibt ...

Im Übrigen hat der Fragesteller hier gefragt!

Kommentar von Feuerhexe2015 ,

genau so wie mit deiner Erklärung wo du geschrieben hast wie die Urlaubstage errechnet werden - jetzt fragt er ob sie 24 Tage Urlaub hat, trotz deiner genauen Erklärung!

Er liest weder deine Antwort noch sonst eine

Kommentar von Familiengerd ,

Für manch einen mag das eben ein sehr oder zu komplexes Thema sein (besonders auch die Berücksichtigung des Unterschieds von Werktagen und Arbeitstagen beim Urlaubsanspruch) - und wenn dann noch eine "Blockade" dazu kommt ... ;-)

Antwort
von Feuerhexe2015, 28

Mindesturlaub gem Bundesurlaubsgesetz

Kommentar von Familiengerd ,

Wer hätte das gedacht?!?!

Antwort
von NadimFalastin, 30

Ich würde ganz einfach in den Arbeitsvertrag schauen. Da es den aber nicht gibt, wird es auch schwierig werden, den Urlaubsanspruch durchzusetzen :P

Kommentar von Familiengerd ,

Was soll schwierig sein!

Es besteht zwingend ein Urlaubsanspruch!

Und wenn es keine beweisbare arbeitsvertragliche Regelung gibt (da der Arbeitsvertrag nur mündlich geschlossen wurde), gilt eben der gesetzliche oder - falls höher - der allgemein betrieblich gewährte Urlaub!

Kommentar von NadimFalastin ,

okay, kann sein. Ich ging jetz davon aus dass sie schwarz arbeitet, so hab ichs verstanden.

Kommentar von Familiengerd ,

Die Tatsache, dass es keinen schriftlichen, sondern nur - was häufig vorkommt - einen mündlichen (oder faktisch durch Arbeitsangebot und Arbeitsannahme entstandenen) Arbeitsvertrag gibt, ist kein "Beweis" für Schwarzarbeit.

Für Arbeitsverträge ist die Schriftform nicht zwingend vorgeschrieben; es müssen allerdings nach dem Nachweisgesetz NachwG § 2 "Nachweispflicht" Abs. 1 die wesentlichen Vertragsbedingungen von Arbeitgeber schriftlich verfasst und dem Arbeitnehmer innerhalb eines Monats nach Arbeitsbeginn unterschrieben ausgehändigt werden - was leider auch meistens nicht geschieht (und genau so selten als Ordnungswidrigkeit geahndet wird).

Schwarzarbeit liegt nur dann vor, wenn keine Steuern und (wenn es sich nicht gerade um ein kurzfristiges Arbeitsverhältnis handelt) Sozialabgaben abgeführt werden - Minijobs ausgenommen.

Kommentar von NadimFalastin ,

Du weißt total gut bescheid, herzlichen Glückwunsch. Trotzdem hab ich es so verstanden

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