Frage von Zuckerwattemaus, 74

Charaktere aus dem buch zum leben erweckt?

An die hobbyautoren und dergleichen: Passiert es euch auch, dass die charakter die ihr in euren geschichten erschafft, das sie vom mensch auf dem papier zu echt menschen werden? Dass sie beginnen zu leben? Ihr kónnt euch in sie hineinversetzen und sie exestieren in euch... Als wàren sie echt 😅🙊 Das ist witzig... Ich denke nemlich so, zuerst waren es figuren mit denen ich machen konnte was ich wollte doch sobald sie 'zu leben' begonnen haben, sind sie ihre eigenen wege gegangen... Witzig oder? Habt ihr das auch so? :)

Antwort
von IsaSparkle, 41

Ja, ich kenne das nur zu gut :D Ich plane vor einer Geschichte, die ich schreibe, so ungefähr, wie der Protagonist so tickt...aber nach wenigen Seiten entwickelt er/sie sich plötzlich ganz anders, ich kann nichts dagegen tun. Es kommt einfach so. Es erinnert mich daran, wie wenn man eine neue Person kennegelernt hat, sich ein kleines Urteil über sie bildet, aber nach ein paar Wochen der Bekanntschaft feststellt, dass man den/diejenige völlig falsch eingeschätzt hat.

Kommentar von Zuckerwattemaus ,

Danke fùr die tolle antwort :)

Antwort
von Jerne79, 17

Solche Charaktere kennen viele Autoren. Eine Grundfrage ist, ob es dir gelingt, diese Charakterfülle auch zu Papier zu bringen. Wenn sie nur in deinem Kopf vorhanden ist, hat niemand etwas davon.

Wenn sich daraus konsequent handelnde Personen ergeben, die trotzdem noch sinvoll die Handlung tragen, ist dagegen nichts einzuwenden. Zum Problem werden solche Charaktere, wenn ihre Handlungen aus dem roten Faden einen gordischen Knoten machen. Dann musst du dringend daran arbeiten, wieder die Oberhand zu gewinnen.

Antwort
von Andrastor, 39

Nein, als ernsthafter Autor, sollte man derartige Gefühle unbedingt vermeiden, da sie bei der Entwicklung der Geschichte sehr hinderlich sein können.

Wenn man beginnt so von seinen Figuren zu denken, ist es nur ein kleiner Schritt bis man beginnt sie zu verhätscheln und ihnen einen Glücksfall nach dem anderen in den Schoß wirft.

Das mag für die Figuren zwar gut sein, ist aber der Tod jeder Geschichte, weil es unendlich langweilig wird.

Kommentar von IsaSparkle ,

Wieso?  Mir ist das noch nie passiert.  Es ist mehr einfach so, dass es so ist, als würde diese Person eben selbständig sein. Das wirkt sich dann vielleicht auf die Handlungen des Protagonisten aus - aber nur in dem Sinne, dass sie nicht ganz so sind, wie geplant.

Kommentar von Andrastor ,

Und das behindert die Geschichte. Wenn der Protagonist, so wie du es sagst "eigenmächtig" handelt, dann besteht das Risiko dass die Geschichte nicht den Verlauf nimmt, den man geplant hatte und das kann ebenfalls das ganze Projekt gefährden.

Nur im seltensten Fall ist eine derartige "Beziehung" zu den Figuren der Geschichte selbst tatsächlich förderlich.

Kommentar von IsaSparkle ,

Man muss beachten, dass es (grob) zwei Typen von Autoren gibt: Die, die vorher alles durchplanen und fest dabei bleiben müssen, damit die Geschichte cool wird und die, die sich in die Story fallen lassen, sich einen ANfang suchen, und dann einfach geschehen lassen.

Kommentar von Andrastor ,

Von diesen beiden Gruppen ist jedoch nur die erstere tatsächlich erfolgreich.

Kommentar von IsaSparkle ,

Das ist irgendwie Geschmackssache, außerdem je nachdem, wie man 'erfolgreich' definiert. Ich finde es irgendwie angenehmer (vom Schreiben&Lesen her) diese freie Variante.

Kommentar von Andrastor ,

Das ist keine Geschmackssache, das ist Tatsache.

Eine Geschichte muss bis zu einem gewissen Grad durchdacht sein. Die Figuren müssen Ziele und Pläne haben und sie brauchen eine Partei die der Erfüllung dieser Ziele und Pläne entgegenwirkt. Nur so entsteht Konflikt und nur aus Konflikt entsteht Spannung.

Details kann man natürlich frei erfinden, solange sie die Geschichte selbst nicht zu sehr beeinflussen.

Man stelle sich vor Harry Potter hätte sich in Band 2 lieber dazu entschieden Hedwig nach Hogwarts zu schicken anstatt das Auto zu stehlen. Wäre weitaus logischer gewesen, hätte jedoch seine Situation bei den Spinnen erheblich kritischer gemacht.

Man stelle sich vor Frodo Beutlin hätte sich dazu entschieden den Ring abzugeben und wäre nach Hause geganben oder bei Bilbo in Bruchtal geblieben.

Wäre einfacher für ihn gewesen, aber die Geschichte selbst hätte gewaltig darunter gelitten.

Man darf als Autor die Figuren nicht die Geschichte bestimmen lassen, die Geschichte muss die Figuren formen, nicht umgekehrt.

Kommentar von null815nicname ,

Ich finde, Andrastor hat im großen und ganzen recht. Allerdings sind meines erachtens oft die Geschichten am besten, bei denen sich Konflikte aus den Charakteren der Figuren ergeben. Wenn man nur einen Plot hat und die Figuren "hineinschustert", kann das sehr konstruiert wirken. Demnach sind beide Herransgehensweisen meiner Meinung nach legitim, soll heißen, die Geschichten die mit einer Idee zu einer Handlung beginnen, können ebenso gut werden, wie die, bei denen sich die Handlung aus den Charateren von Protagonist und Antagonist entwickelt. Ich gebe Andrastor vollkommen recht, dass man aufpassen muss, seine Figuren zu sehr zu "lieben", dass tötet die Spannung.

Kommentar von Andrastor ,

bei denen sich Konflikte aus den Charakteren der Figuren ergeben. Wenn man nur einen Plot hat und die Figuren "hineinschustert",

Wenn eine Figur Ziele und Träume hat, dann ist das bereits Teil ihres Charakters.

Ich nehme als Beispiel die beiden Versionen von "Zoomania", die Kinoversion und die (verworfene) Vorversion.

In der Kinoversion haben wir den Konflikt das Judy Hopps eine Polizistin sein will und quasi die ganze Welt dagegen ist und ihr Steine in den Weg legt (den Kriminalfall ausgenommen). Dazu muss ihr Charakter widerspenstig und motiviert sein, ansonsten würde sie aufgeben.

In der Vorversion sollte Nick Wilde die Hauptfigur sein, der vom Gesetz flieht. Der Konflikt entstand durch die rassistische Behandlung gegenüber Raubtieren. In dieser Version war Judys Charakter der der voreingenommenen Polizistin, welche von Nick erst überzeugt werden musste, dass die Raubtiere diese Behandlung nicht verdient haben.

Man sieht also, der Konflikt entsteht aus den Charakteren der Geschichte, so wie diese in den Konflikt eingearbeitet werden müssen.

Wie man beginnt ist egal.

Rowling hat wahrscheinlich zuerst mit der Figur begonnen:

Kleiner, misshandelter Junge erfährt dass er ein Zauberer ist und wird in die Welt der Magie eingeführt.

Tolkien hat mit dem Konflikt begonnen:

Der eine Ring muss zerstört werden um die Welt vor Sauron zu beschützen.

Die Charaktere der Figuren und der Konflikt müssen aufeinander abgestimmt werden um die Geschichte spannend zu halten. Eine Figur kann einen Konflikt, der ihrem Charakter widerspricht nicht glaubwürdig bewältigen.

Kommentar von IsaSparkle ,

Das ist es gar nicht, was ich meine.  Es geht nicht darum, dass di Geschichte nicht durchdacht oder geplant ist, sondern dass es sich mit den Charakteren teilweise einfach anders ergibt. Wenn man z.B. an sich eine eher entspannte Person ausdenkt, die aber dann 'zum Leben erwacht' vielleicht etwas anders drauf ist.

Kommentar von Andrastor ,

wie gesagt, eine Figur darf sich im Laufe der Geschichte nur so entwickeln, dass ihr Charakter dem Konflikt entsprechend der geplanten Geschichte entspricht.

Macht die Veränderung den Konflikt zu leicht oder unmöglich glaubwürdig zu bewältigen, sollte man als Autor/in von einer solchen Veränderung absehen.

Eine Geschichte lebt nicht durch die Figuren, sondern nur durch den Konflikt.

Die langweiligsten Figuren können Teil der besten Geschichte sein, während die aufregendsten Figuren eine schlechte Geschichte auch nicht retten können.

Kommentar von null815nicname ,

"Eine Geschichte lebt nicht durch die Figuren, sondern nur durch den Konflikt".

Dem würde ich nicht ganz zustimmen. Ich denke, beides ist imens wichtig für eine funktionierenden Geschichte. Dabei meine ich nicht, dass eine (Haupt)figur keinen langweiligen Charakter haben darf, sie darf nur nicht flach bleiben. Auch eine "langweilige" Person kann ihren Platz in einer guten Geschichte haben. Wenn man es schafft, seine Personen "lebendig" werden zu lassen, besonders wenn das auch der Leser fühlen kann, finde ich das durchaus sehr wünschenswert. Falls du beim schreiben merkst, dass dein erschaffener Charakter so gut ist, dass du lieber deine Ursprüngliche Idee des Plots änderst als deine Figur, finde ich das durchaus in Ordnung. Nur muss die neue Geschichte eben auch von einem zentralen Konflikt getragen sein.

Es gibt eine Reihe von Beispielen, bei denen die Figur die Handlung bestimmt und die Geschichte lesenswert macht, ja die Handlung fast "austauschbar" wird. Oft bleiben solche Figuren den Lesern länger im Gedächtnis, als die Geschichte selbst und oft tauchen solche Figuren auch in Folgebänden wieder auf. Ein Beispiel sind Miss Marple, Sherlock Holmes, Hercule Poirot, Goethes Faust, in der neueren Thrillern bei Dan Brown zum Beispiel die Figur des Robert Langdon,  usw.. Sherlock Holmes zum Beispiel ist ja vor einiger Zeit verfilmt worden, ohne sich an irgendeine Buchvorlage zu halten. Nur die Figur wurde entliehen. Die meisten kennen Hannibal Lecter, aber nicht die genaue Handlung. Die Liste kann man beliebig erweitern.

 Bei manchen Autoren sind Nebenfiguren so präsent und interessant, dass der Autor eine extra Geschichte, sozusagen eine Nebenhandlung als neue Geschichte veröffentlicht. Beispielsweise bei Diana Gabaldon bekommt die Figur des Engländers Lord John eine extra Geschichtenreihe.

Ein extremes Beispiel, bei dem sich der Konflikt aus dem Charakter der Figur ergibt, ist wohl Käptain Ahab bei Moby Dick. Käptain Ahab hat durchaus auch Charakterzüge, die ihn interssant machen und nicht direkt mit dem sehr präsenten Konflikt in Verbindung stehen. Mit einem wenig präsenten Charakter würde die Geschichte trotz des starken Konflikts nicht funktionieren. Interessant ist hier auch, dass die Geschichte einen eigenen Erzähler hat, Ismael, aber Ahab auch aus dieser Außensicht trotzdem sehr präsent wird.

Kommentar von lillian92 ,

So pauschal würde ich das nicht sagen: Ilona Andrews hat laut eigenen Angaben zumindest (von den anderen Büchern weiß ich es nicht) den ersten Teil der "Hidden Legacy"-Reihe "einfach so" (also ohne plotten) geschrieben – und hierbei handelt es sich um (zugegeben amerikanische) Bestseller-Autoren!

Kommentar von Zuckerwattemaus ,

Bei mir ist eig alles geplant ;)

Kommentar von Bethmannchen ,

Was spricht dagegen sich die Charaktere die man erfunden hat so lebhaft vorstellen zu können, als seien sie tatsächlich lebende Wesen? Unterestelle doch nicht jedem, er könne nur eingleisig Denken.

Man kann sich doch auch lebhafft vorstellen, was Onkel, Tante, Cousin und Cousine wohl sagen oder machen würden, worüber die lachen, was die bewegt und wie sie auf dieses und jenes reagieren würden. 

Personen in meinem Umfeld teilen sich doch auch in diejenigen die ich mag, die mich mögen, die ich nicht so sehr mag, die mich nicht so sehr mögen... gar nicht mögen... hassen...

Das nennt man Fantasie!  Das ist das, was kreative Autoren stets brauchen.

Kommentar von Andrastor ,

Es geht mir hier darum den nötigen Abstand zu seinen Figuren zu bewahren um die Geschichte am Laufen zu halten.

@:null815nickname:

Du vergisst hierbei Abenteuerromane, Figuren wie James Bond oder Indiana Jones sind absolkut flach. Jones vor allem ist eine Figur der im Grunde jegliche Tiefe fehlt. Dennoch machen ihre Geschichten Spaß, weil sie gute Konflikte haben.

Kommentar von null815nicname ,

Das stimmt, ich meine nicht, dass es das nicht auch gibt. Ich wollte nur verdeutlichen, dass eine gute Geschichte eher selten auf gute Konflikte oder gute Charaktere verzichten kann, weder das eine noch das andere. Aber man muss auch sehen, dass der Tiefgang einer Story und auch der Figuren vom angestrebten Genre abhängig ist.

Gibt es von Indiana Jones eine Buchvorlage? Bei James Bond gibts die soweit ich weiß, ich hab sie aber nie gelesen. Deshalb kann ich nicht beurteilen, ob die Buchfigur auch eher flach ist. Als Abenteuerfilm funktioniert das, da kommt die Action dazu, die mehr oder weniger guten Schauspieler, Kameraführung, Szenenzusammenschnitt, die Musik, hübsche Frauen (und zum Glück  auch manchmal Männer ;-)), das ganze Flair mit irgendwelchen verrückten Plänen, Bösewichten und piepsenden, blickenden Maschinen im Hintergrund etc.. Ich finde schon, dass es da einen großen Unterschied zu geschriebenen Geschichten gibt.

James Bond (in den älteren Filmen) ist insgesamt eine eher flache Figur, dafür aber prägnant. Klar umrissen und immer wieder erkennbar, und zwar in einem Maß, dass man ihn sogar dann sofort erkennt, wenn ihn verschiedene Schauspieler spielen. James Bond ist eine der wenigen Filmfiguren, bei der sich kaum jemand darüber ärgert, dass es immer wieder andere "Bonds" gibt. Er ist charmant, intelligent, der beste (manchmal unkonventionelle) Agent, sportlich, hat viele Frauengeschichten und auch die Frauen lieben ihn. Punkt. Viel mehr gibts nicht zu sagen, das stimmt. Trotzdem ist es ein starker Charakter für dieses Genre, denn es verlangt keinen seelischen Tiefgang und Facetten, der Unterhaltungswert liegt woanders. In den neueren Bods ist aber durchaus versucht worden, diesen Mangel zu beheben und der Figur Bond mehr Tiefgang zu verleihen und soweit ich beurteilen kann, ist das ganz gut angekommen.

Kommentar von Andrastor ,

Indiana Jones ist quasi das Ende einer Ära von Abenteuerromanen, welche alle Protagonisten hatten, die im Grunde Abarten von Jones waren. Der Lederhut, die Peitsche, die Jacke, dies alles waren typische Accesoires für derartige Figuren.

James Bond ist in den Büchern durchaus ein ebenso flacher Charakter wie in den Filmen.

Mein Punkt ist: Dass eine Geschichte weitaus mehr von dem Konflikt als von den Figuren lebt, was man (vor allem) als Jungautor/in unbedingt beachten sollte, da man als solche/r eher dazu geneigt ist sich in die Figuren zu "verlieben" und so langweilige Geschichten zu produzieren.

Kommentar von null815nicname ,

Ja, ich verstehe deinen Punkt. Sich in Figuren zu verlieben und ihnen deshalb alles Schlechte und Konflikte ersparen zu wollen ist ein sehr großer Fehler.

Der Konflikt spielt sicher eine zentrale Rolle, aber ich denke eben gute Figuren zu erschaffen ist ebenso wichtig. Sie zu sehr zu verhätscheln ist meiner Meinung  nach ein anderer Punkt und folgt nicht automatisch aus gut durchdachten Charakteren, die die Geschichte (mit)tragen.

Aber da sind wir wohl einfach unterschiedlicher Meinung. Ich wünsch dir weiterhin viel Spaß beim Schreiben und Lesen :-)

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