Frage von Zork2015, 45

Chaotischer Blutzuckerspiegel?

Vor etlichen Wochen habe ich mal einen Zuckertoleranztest gemacht und mein Doc meinte ich hätte ne niedrige Toleranzschwelle. Oder anders ausgedrückt eine beginn ende Diabetes. Der hat mir dann ein Messgerät mitgegeben und ich hab dann mal morgens den Nüchternwert, abends vor und 2 Std. nach dem Essen gemessen. Morgens war immer ok (70 bis 80),vor dem Essen abends auch gleiche Werte und nach dem Essen so zwischen 105 und 140. Irgendwie konnte ich aber nie wirklich einen Zusammenhang zwischen dem Essen und den Zuckerwerten feststellen...Viel Kohlenhydrate = hoher Zuckerwert und wenig Kohlenhydrate = niedriger Zuckerwert. So war das aber nicht.Ich habe z.B. an drei Tagen exakt das gleiche gegessen und die Werte lagen dann aber zwischen 95 und 145. Wie kann das sein? Ich hatte sonst gerne mal abends ne Tüte Gummibären (oder ähnliches) verputzt, manchmal sogar extremen Heißhunger darauf gehabt. Das hab ich dann mal (fast) komplett eingestellt und in den letzten 2 Monaten etwa 6 KG abgenommen. Nur zur Info :ich hatte 64 KG bei 175 cm Körpergröße - jetzt 57 KG mit Tendenz weiter fallend. In den letzten Tagen wurden die Unterschiede im Zuckerspiegel immer extremer. An manchen Tagen habe ich nach einer Nudelmahlzeit einen Wert von 80, den nächsten Tag dann aber 160 und 177. Wie kann man das erklären,oder was mache ich falsch??? Ich selbst fühle mich soweit ganz gut,d.h. hab keine Beschwerden, aber die Messergebnisse machen mich bisschen unruhig. Vielleicht hat ja jemand ne Idee dazu?!

Antwort
von Cassiopeija, 32

Was hat der Arzt denn genau gesagt - einfach nur beginnende Diabetes? Was ist den das für ein Arzt. Man nimmt Blut ab und prüft den Hba1c (Blutzuckerlangzeitwert) und man untersucht das Blut auf Antikörper, die hat man nämlich wenn sich ein Typ 1 Diabetes entwickelt und dann sind diese seltsamen Werte gar nicht mehr seltsam.

Ausser dem Messgerät hast Du nichts bekommen?

Da würd ich aber ganz schnell den Arzt wechseln und mir vorher noch schnell eine Überweisung zum Diabetologen holen. Das sind Fachärzte mit Schwerpunkt Diabetes.

Typ 1 Diabetes ist eine Autoimunerkrankung. Das eigene Imunsystem "erkennt" die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse als Fremdkörper und zerstört sie systematisch, bis man gar kein Insulin mehr hat. Das geschieht nicht von heut auf morgen, vor allem wenn man schon etwas älter ist (bei Kinder geht das manchmal rasend schnell).

Daher können auch diese seltsamen Schwankungen kommen und Gewichtsverlust ist bei Typ 1 auch eher symtomatisch als bei Typ 2.

Also, auf zum Diabetologen, da wirst Du geholfen. ;)

Achja, keine Angst vor Diabetes. Heute kann man auch mit Diabetes ein ganz normales Leben führen.

Kommentar von Zork2015 ,

Also der Hba1c Wert war 6,5% soweit ich mich erinnere. Es ist übrigens ein Typ-2 (hatte nicht erwähnt,dass ich BJ 1956 bin). Na ja, das ist nen Hausarzt. Der hat mir dann ne Menge Broschüren etc mitgegeben. Auf die s.g. Fachärzte bin ich nicht gut zu sprechen. Da hab ich schon Diagnosen bekommen,die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Ich hatte angenommen,dass ich mit Hilfe der Messwerte herausfinden kann,welche Lebensmittel in welchen Mengen ok sind. Leider kann ich anhand dieser Schwankungen darauf aber keine Rückschlüsse führen...Trotzdem Danke!

Kommentar von Cassiopeija ,

Unter den Fachärzten gibt es immer solche und solche, nicht alle sind schlecht und ein Diabetologe weiss auf jedenfall besser, wie er Dein Diabetes behandeln kann, als Dein Hausarzt.

Ja, ich hab Dich nach Deinem Avatarbild für jünger gehalten und Typ 1 LADA gibts ja auch. Ok, Du bist 1 Jahr älter als ich. ;)

Bin übrigens auch Typ 2 Diabetiker, aber schon eine ganze Weile länger.

Tu Dir selbst einen Gefallen und geh zum Diabetologen. Sollte er/sie sich als Pfeife rausstellen, kannst Du ja wechseln. Dein Hausarzt klempnert bei Diabetes anscheinend nur herum, denn ein Messgerät und Broschüren unterstützen sicherlich, ersetzen aber ganz sicher keine Schulung und schon gar keine Therapie.

Lass Dich nach Möglichkeit nicht auf Tabletten ein. Das ist nun mal Chemie mit Nebenwirkungen (auch wenn man Dir was anderes erzählt). Sie verändern nun mal natürliche Abläufe in Deinem Körper.

Wenn, dann nur für eine begrenzte Zeit ( nicht länger als 1 Jahr). Dazu ein Langzeitinsulin wie z.B. Lantus oder besser Levemir, das hält die Schwankungen etwas in Zaum, da es eine Insulinbasis aufbaut, weshalb es auch Basalinsulin genannt wird und nur 1 mal (Lantus) oder 2 mal (Levemir) gespritzt wird.

Am besten ist aber eine Insulintherapie, denn das ist das, was Du zu wenig hast. Wähle eine ICT (erweiterte Insulintherapie), alles andere ist Murks und schränkt Dich nur ein. Mit einer ICT kannst Du leben und essen wie bisher.

Vielleicht dann nur gelegentlich eine halbe Tüte Gummibärchen, oder ein entsprechender Ausgleichssport um die ganzen verstoffwechselten Kohlehydrate auch wieder "abzuarbeiten". ;) Schwimmen ist da sehr empfehlenswert, man kommt weniger ins schwitzen und bewegt doch jeden Muskel, den der Körper hat.

Kommentar von Cassiopeija ,

Edit: noch was zu den schwankenden Werten. Du hast keinen beginnenden Diabetes. Den hast Du schon unbemerkt seit Jahren. Es fängt mir einer harmlosen Insulinresistenz an, worauf die Betazellen der Bauchspeildrüse mehr Insulin produzieren.

Deine Zellen brauchen Glucose als Brennstoff. Die Zellen haben Rezeptoren an denen das Hormon Insulin andockt und sie für die Glucose öffnet. Bei einer Insulinresistenz verleiren die Rezeptoren Ihre Sensitivität und es wird mehr Insulin benötigt, um eine Zelle für Glucose zu öffnen.

Das dumme ist, das die Resistenz sich nach und nach steigert (über Jahre) und die Betazellen immer mehr Insulin produzieren müssen, um den Zucker in die Zelle zu befördern. Irgendwann erreichen die Betazellen die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit und schalten aus Selbsterhaltung auf Sparflamme. Das ist der Zeitpunkt, wo es dann nur noch erhöhte Blutzuckerwerte gibt.

Ich denke Deine Betazellen stehen kurz davor und haben schon das Ende der Fahnenstange erreicht, aber noch nicht ganz aufgegeben. Sie pumpen immer wieder eine ausreichende Menge Insulin ins Blut, das ist der Moment, wo Deine Werte noch stimmen. Aber sie brauchen längere Erhohlungsphasen dawischen, das ist der Zeitpunkt, wo Deine Werte nach oben gehen.

Wenn Du zu einem Diabetologen gehst und Dir ein Langzeitinsulin verschreiben lässt, hilfst Du ihnen. Je früher Du damit anfängst, desto länger werden sie überleben. Den Rest hatte ich oben ja schon geschrieben.

Expertenantwort
von Lirin, Community-Experte für Diabetes, 13

Hallo!

Der Blutzuckerspiegel ist von sehr vielen Faktoren abhängig! Es spielen da die Hormone hinen und nicht zu knapp, bei manchen Menschen spielt Stress eine große Rolle - meist steigt der Blutzuckerwert aber auch alle möglichen Emotionen können sich auswirken.

Deine Werte sind noch nicht schlimm und dass du abgenommen hast, hilft sicherlich sehr gegen die Insulinresistenz! Ich würde einen Diabetologen aufsuchen, denn ein normaler Hausarzt, selbst mit Zusatzqualifikation, kann deinen Blutzucker nicht so gut einstellen und das rächt sich eines Tages.

Nimm deine Blutzuckerwerte mit und, wenn möglich ein Blutbild mit Hba1c (Langzeitblutzuckerwert der letzten 8-10 Wochen). Er gibt viel merh Aufschluss! Außerdem solltest du ca. 2 Wochen, ganz regelmäßig Blutzucker messen.

++ Nüchternwert

++ vor den Hauptmahlzeiten

++ 2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten

Wenn du dann noch aufschreibst was du wann gegessen hast, dann hilfst du dem Arzt sehr.

Ich wünsche dir alles Gute und allzeit gute Blutzuckerwerte!

Gruß Lirin

Antwort
von SmartTim98, 23

Das ist absolut normal und kann und muss auch nicht im Einzelfall erklärt werden. In der Früh-, bzw. Vorphase der Diabetes-Erkrankung ist das nun einmal so.

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