Frage von Majestic2000, 117

Bundeswehr Offizier - Erfahrungen?

Seit längerem informiere ich mich für die Laufbahn des Offiziers der Bundeswehr. Ich interessiere mich für Militärgeschichte und zeige große Neugier als Offizier bei der Bundeswehr zu dienen. Aber ich stelle mir immer die Contras vor... Versetzungen, Gefahr in Auslandseinsätzen, ...

Ich würde hier gerne Erfahrungen eines Offiziers/Offiziersanwärters in der Bundeswehr lesen.

Dazu habe ich einige Fragen parat:

  1. Wie sieht ein normaler Tagesablauf eines Offiziers aus?

  2. Sind Versetzungen eines Offiziers wahrscheinlich? / Gibt es Auswege dafür?

  3. Wie wird man Adjutant eines Generals?

  4. Was macht der Stabsoffizier (Oberst, Oberstleutnant, Major) im Gegensatz zum Offizier (Hauptmann, OberLt, Leutnant)?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DerTommy86, 37

1: Abhängig von Teilstreitkraft und Verwendung. Als Zugführer setzt man die Vorgaben seines Chefs hinsichtlich Ausbildung, Übung und Einsatz um. Man bereitet selbst Ausbildungen vor, die durch Offiziere gehalten werden müssen (z.B. Wehrrecht, Innere Führung usw)., plant und steuert die Ausbildungen, die durch seine Unteroffiziere gehalten werden, organsiert alle Möglichen Vorhaben (Truppenübungsplatzaufenthalte, Weiterbildungen usw.). Und im Einsatz führt man eben seine unterstellten Soldaten .

Beispiel könnte sein:
- Morgens zwei Stunden Wehrrecht
- Vormittags Chefbesprechung, währenddessen macht der Zug Ausbildung im Gruppenrahmen (da sind dann die Feldwebel in Charge)
- Nachmittags Politische Bildung
- Kurz vor Dienstschluss Sport

Es gibt da ehrlich gesagt alles Mögliche, deshalb ist es schwierig, da ein allgemeingültiges Beispiel zu finden.

2: Wahrscheinlich: Ja. Gibt es Auswege, teils ja, teils nein. Es gibt Truppenteile, die haben Personalmangel. Mir sind z.B. Fälle aus der Gebirgsjägertruppe bekannt, da waren Offiziere von ihrer ersten Truppenverwendung bis zum Dienstzeitende (SaZ 12) an ein und demselben Standort. Zuerst eingesetzt als Zugführer, dann als Kompanieeinsatzoffizier, dann als S3-Offizier im Stab.
Aber damit sollte man bei der Einstellung nicht rechnen. Letztendlich kommen solche Konstellationen nur dann zustande, wenn sie den Bedürfnissen des Dienstherrn entsprechen.
Die Versetzungen könnte man umgehen, wenn man z.B. Familienmitglieder pflegen muss und dadurch eine Härtefallregelung in Anspruch nehmen kann. Das wünscht man aber niemandem...

3: Das sind Dienstposten, die üblicherweise im Rahmen eines Auswahlverfahrens (man nennt es intern auch "Casting") an sehr, SEHR leistungsstarke Offiziere vergeben werden, die bereits Berufssoldaten sind. Neben Spitzenbeurteilungen stellt man sich persönlich beim jeweiligen General vor und der entscheidet dann, wen er haben will.
Teilweise haben die Adjutanten selbst noch unterstellte Adjutantengruppen, in denen dann auch junge (auch leistungsstarke) SaZ-Offiziere arbeiten. Ich weiß aber nicht, ob das die Regel ist. Man ist dann auch nicht selbst Adjutant, sondern halt der Knecht vom Adjutanten ;)

4: Das definiert sich nicht über den Dienstgrad, sondern die Dienststellung bzw. den Dienstposten.
In einem Bataillon wird der B- und C-Zug einer Kompanie von jungen Leutnanten/Oberleutnanten geführt. Der A-Zug wird von einem Hauptmann geführt, der gleichzeitig stellv. Kompaniechef ist. Der D- und E-Zug wird durch erfahrene Feldwebel geführt. 
Der Kompaniechef ist Major, der im Prinzip das selbe macht, wie ein Zugführer, nur eine Ebene höher. Er hält teils selber Ausbildungen, teils steuert er die Ausbildungen seiner unterstellten Züge. darüber hinaus hat er Disziplinarbefugnis der Stufe 1 und ist somit dafür zuständig, Vergehen seiner Soldaten zu ahnden, Beurteilungen zu schreiben usw.
Der Bataillonskommandeur ist Oberstleutnant und der macht im Prinzip nichts anderes, als ein Kompaniechef, nur eben wieder eine ebene höher und mit Disziplinarbefugnis der Stufe 2.

In Ämtern ist es üblicherweise so, dass die normalen Dezernenten/Referenten, also die Sachbearbeiter, Hauptleute oder Majore sind. Die übergeordneten Dezernatsleiter sind dann Oberstleutnante und die Gruppenleiter sind Obristen.

Aber auch hier gilt wieder: Es gibt sehr viele unterschiedliche Varianten und Besonderheiten.

Antwort
von Hamburger02, 33

1. Im Prinzip wie in der freien Wirtschaft: es kommt auf die Stelle an, die man begleitet. Die Arbeitszeit richtet sich normal nach den Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst. Bei Übungen oder Einsätzen sieht es dann völlig anders aus, da ist man praktisch 24h im Dienst, erhält dafür aber einen finanziellen oder Freizeitausgleich.

2. Ja, ganz ohne Versetzungen geht es nicht, außer man verzichtet auf Beförderungen und Karriere. Die BW bezahlt aber sämtliche Umzüge.

3. Das kann man nicht gezielt ansteuern. Ein Kumpel von mir war Adjutant von einem Admiral und fand den Posten klasse. Zum einen hatte er ziemlich viel "Macht", da niemand ohne einen Termin von ihm an den Admiral rankam und zum anderen, weil er dadurch im Admiralstab bekannt wurde, was seiner Karriere durchaus genutzt hat.

4. Die Stabsoffiziere sitzen im Stab, also der übergeordneten Verwaltungseinheit. Sie führen größere Einheiten sowohl vom Büro aus als auch im Einsatz.

Nur nebenbei: im Straßenverkehr kommen viel mehr Menschen um als Soldaten im Ausland.

Expertenantwort
von navynavy, Community-Experte für Bundeswehr, 27

Wie sieht ein normaler Tagesablauf eines Offiziers aus?

Das kann man nicht allgemein sagen, da das völlig von der Truppengattung, von der Verwendung, vom Dienstposten und letzten Endes auch vom Dienstgrad des Offiziers abhängig ist, was er tut. Es gibt Offiziere, die Kompaniechefs sind und somit unmittelbar für im Schnitt für die Ausbildung, den Einsatz und die Führung von 120 Soldaten verantwortlich sind, Offiziere, die einer Stabsabteilung vorstehen und somit einen klassischen 9-Stunden-Bürojob haben oder Offiziere, die einen technischen Bereich leiten oder einen Kampfjet fliegen.


Sind Versetzungen eines Offiziers wahrscheinlich? / Gibt es Auswege dafür?

Klare, knappe Antwort: Nicht nur wahrscheinlich, sondern selbstverständlich. Mindestens die ersten Jahre als Offizieranwärter wirst Du kreuz und quer durch Deutschland geschickt (Lehrgänge, Truppenpraktika, Studium). Das ist einfach so und gehört zum Soldatenberuf dazu. Auswege? Nö. Offiziere bleiben dann schon einmal ein paar Jahre auf ihren Dienstposten, aber eine Garantie, dauerhaft an einem Standort zu bleiben, gibt es nicht.


Wie wird man Adjutant eines Generals?

Indem eine entsprechende Planstelle frei wird und man sich dafür bewirbt bzw. vom General augesucht wird. Ob das allerdings ein besonders erstrebenswerter Posten ist, wage ich persönlich zu bezweifeln - man ist halt Assistent/Sekretär/Mädchen für alles in einer Person.


Was macht der Stabsoffizier im Gegensatz zum Offizier?

Zunächst mal sind natürlich auch Stabsoffiziere Offiziere :-) Ich erkläre es mal humorvoll - kennst Du die Offiziersdienstgradabzeichen der Bundeswehr? Ich schreib's mal dazu:

Folgender Witz wurde mir in meiner Dienstzeit erzählt, und ich fand ihn hübsch ausgedacht:

Leutnant (1 Stern): Kann lesen. Oberleutnant (2 Sterne): Kann lesen und schreiben. Hauptmann (3 Sterne): Kann lesen, schreiben und telefonieren. Major (1 Stern & Eichenlaub): Kennt jemanden, der lesen kann usw. Brigadegeneral (1 Stern & Eichenlaub in Gold): Kennt jemand, der jemand kennt, der lesen kann usw.

Humorvoll verpackt bedeutet das, dass Leutnante und Hauptleute eher als die "Arbeitstiere" gesehen werden, die im täglichen Dienst eher für Mannschaften und Unteroffiziere sichtbar sind und auch den "handfesten" Dienst mitmachen. Stabsoffiziere haben so hohe Führungsfunktionen, dass sie in erster Linie Schreibtischjobs haben und v.a. zur Dienstaufsicht draußen im Grünen aufschlagen. Natürlich ist deren Arbeitsbelastung und v.a. Verantwortung noch höher - aber sie findet eben auf einer anderen Ebene statt. 

Antwort
von mexp123, 25

Ich kann dir sagen was meine Freundin in ihrem ersten offiziersanwärterjahr bisher erlebt hat.
Also der Tagesablauf ist immer anders, weil sie jetzt während der Ausbildung alle drei Monate was anderes macht. Zuerst hatte sie sechs Monate Grundausbildung, dann 3 Monate Schule zu Geschichte, usw. Und gerade hat sie ihr truppenpraktikum fertig. Es ist bei jedem aber anders. Wenn du zB schlecht in Fremdsprachen bist, machst du einige Monate Sprachkurse.
Der Tag fängt immer sehr früh an, so um 5. man hat wenig Zeit für sich tagsüber, kaum Zeit zu essen, kein Handy,... Um 8 hatten sie meistens regulär Schluss, dann macht die Truppe noch was zusammen. Die kameradschaft ist sehr gut und sie hat viele neue Freunde gefunden in ihrer Ausbildung.
Manchmal haben sie aber nich länger Dienst, also man ist auch mal drei Tage unterwegs oder muss mal bis 10 Uhr nachts noch im Wald rumlaufen.

Sie ist halt hart im nehmen und sie konnte sich da schnell dran gewöhnen. Aber wie das für andere ist kann ich nicht beurteilen.

Mit den Versetzungen: also bisher ist meine Freundin schon ganz viel rumgekommen und war bisher in 4 verschiedenen. Bundesländern. Auch der Offizier, der unsere Klasse mal für einen Karrieretag eingeladen hat, meinte dass er in seiner Karriere schon viermal versetzt wurde, aber dass der Bund sich da um alles kümmert und dass die Familie dann ja auch mitziehen kann und so.

Antwort
von GhostOA, 26

1. Aufstehen, fertig machen, Dienstbeginn, Dienstende, Vor oder Nacharbeiten, schlafen.

Ehrlich gesagt ist die Frage dumm. Jede Truppengattung macht etwas anderes. Es gibt auch nicht den Offizier. Truppendienstoffiziere und Stabsoffiziere haben verschiedene Aufgaben und wege ihre Aufgaben zu erfüllen.

2. Ja sind wahrscheinlich, aber nicht zwingend innerhalb Dtl, kann auch sein das du im Btl versetzt wirst. Ausweg-bekleide ein politisches Amt (Stadtrat oder Bürgermeister) dann wars das aber in der Regel auch mit Beförderung.

3.Gute Frage

4.Stabsarbeit, Offiziere führen und Disziplinarmaßnahmen liegen meist in den Händen von Stabsoffizieren. Hängt aber von Blick ab. So ist der Stab des Btl mit Truppendienstoffizieren besetzt, aber höhere Stäbe weisen mehr Stabsoffiziere auf.

Antwort
von JBEZorg, 18

Wenn du schon über die GEFAHR der Auslandseinsätze sprichst ist es vielleicht die falsche Laufbahn für dich. Ein Militärdienst ist verkaufen deiner Leistung für teures Geld in einem GEFÄHRLICHEN Job.

1.Es gibt Waffengattungen, es gibt Aufgabenfelder. Jeder ist anders.

2.Das ist das Militär. Dort gibt es eine Befehlskette und keine Diskussionforen. Ein Offizier, der ständig etwas an einer Versetzung auszusetzen hat ist auch im falschen Beruf.

3.Wie wird man General?

4.Derhat mehr Schreibtischarbeit und weniger Staubschlucken aber man wechselt schnell hin und her uasser man ist in der obersten Riege angekommen.

Dir ist hoffentlch klar, dass eine Offizierslaufbahn gleichzusetzen mit einem Studium ist, also sind auch entsprechende Qualifikationen notwendig.

Und zuguterletzt riskierst du in etzter Zeit als Bundeswehroffizier das Schicksal der Wehrmachtsoffiziere zu wiederholen.

Antwort
von Jewiberg, 18

Zur Versetzung kann ich dir was sagen, da ich eine Freundin hatte deren Vater Offizier war. Sie ist ca. Alle 3 bis 4 Jahre umgezogen, weil der Vater versetzt wurde. Das lag meist an den Beförderungen. Und da du ja erst mal als Leutnant anfängst, stehen dir wohl einige Umzüge bevor. Dann kenne ich noch einen ehemaligen Flieger. Der ist mit40 im Majorsrang ausgeschieden, mit ner schönen Abfindung und betreibt jetzt mehere Trinkhallen. Oder auch Kiosk genannt.

Antwort
von Ruffy5286, 13

Das sind Fragen, die du einem Bundeswehr-Karriereberater stellen kannst. Ich denke die kennen sich da sehr gut aus^^

PS: Zur Gefahr in Auslandseinsätzen. Ich denke man sollte dieses Thema nicht zu locker sehen und auch Vorkehrungen für den Fall der Fälle schaffen.

Antwort
von OnlinePolizei, 17

Am besten du informierst dich da bei einen Berater im Karrierecenter. 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community