Frage von Daedric, 86

Bundeswehr- Hubschrauber entwendet- welche Strafe?

Hallo zusammen,

ich habe gerade eine Folge von den Rettungsfliegern gesehen, mit dem SAR71. In dieser Folge entführt jemand gewaltsam mit Waffe den SAR71 und zwingt die Besatzung, seinen angeschossenen Bruder zur Ostsee zu fliegen, weil er dort ein Boot liegen hat. Natürlich wurde er dort von der Polizei überwältigt. Und obwohl es natürlich alles nur aus den Köpfen der Drehbuchautoren stammt frage ich mich, was würde jemand für eine Strafe bekommen, wenn er so etwas durchführt. Militäreigentum entwenden. Steht das unter besonderer Strafe oder wird das durch das normale StGB geregelt?

Danke im Voraus f. Antworten

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von uni1234, Community-Experte für Recht, 23

Je nach Lage des Falles kommt eine Geiselnahme nach § 239b StGB in Betracht. Aufgrund des sehr hohen Strafrahmens (mind. 5 Jahre) muss man hier aber wirklich sehr genau gucken, ob die Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind. Gerade bei diesem Straftatbestand ist das immer problematisch.

Je nach Art der Waffe würde der Entführer sich zudem nach §§ 51, 52 WaffG strafbar machen. Bei einer Schusswaffe gibt es aber grundsätzlich mind. sechs Monate Freiheitsstrafe (§ 52 Abs. 1 WaffG). Daneben kommt noch eine Strafbarkeit nach § 19 LuftSiG in Betracht. Hierfür gibt es eine Freiheitsstrafe von bis zu 2 Jahren.

Eine Rechtfertigung nach § 34 StGB oder ein Entfall der Schuld nach § 35 StGB ist hier nicht ersichtlich.

Dass es sich um einen Militärhelikopter spiegelt sich bei den
einschlägigen Straftatbeständen damit nicht wider. Es kann allerdings im
Rahmen der konkreten Strafzumessung berücksichtigt werden.

Sollte § 239b StGB tatsächlich einschlägig sein kommt hier - je nach Vorstrafenregister - eine Freiheitsstrafe von ca. 5-8 Jahren in Betracht. Eine derartige Strafe kann selbstverständlich auch nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.

Kommentar von smilenice ,

Das nenne ich doch mal eine qualifizierte Antwort. Man merkt, dass du weißt, was du schreibst. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen Zeitgenossen...

Antwort
von piobar, 39

Es wird geregelt durch StGB, BGB und WaffG.

Wenn du menschliches Leben retten musst, so darfst du jedes Mittel einsetzten die diesen Weck dient - auch ein Panzer klauen. Jedoch muss man die Prozesskette, befolgen, das kleinste Mittel zuerst und sich durch alle Mitteln hoch kämpfen - sogar bis zu einer Flugmaschine.

Kommentar von Daedric ,

Okay, naja gut, zwischen einem Leben retten oder ein Luftfahrzeug stehlen, bzw. entführen. Aber das man in solch einem Fall sogar einen Panzer nehmen kann? Okayyy :D Danke f. die Antwort

Kommentar von piobar ,

Es ist immer eine Sache der Rechtfertigung. Beispiel: du gehst spazieren und siehst eine Person in Lebensgefahr am Boden liegen. Kein Handysignal möglich, da keine Antennen, keine Häuser nur ein Auto das dir nicht gehört. So kannst du das Auto aufbrechen und kurzschließen und die Person zur nächsten Stadt fahren

Kommentar von Daedric ,

Okay

Kommentar von uni1234 ,

Eine Rechtfertigung wird hier allerdings sehr schwer. Es scheint ja nicht so zu sein, dass der Entführer das Leben seines Bruders retten wollte. Es ging ihm anscheinend eher um dessen Freiheit.

Antwort
von antwortbittejap, 39
  1. §88 Verfassungsfeindliche Sabotage
  2. Diebstahl
  3. ggf. Landesverrat oder Hochverrat
Kommentar von Daedric ,

Okay, evtl. auch gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr?

Kommentar von uni1234 ,

Alles ziemlich daneben... da stimmt noch nicht einmal der Diebstahl...

Kommentar von smilenice ,

Zu 1, der verfassungsfeindlichen Sabotage:  Meh. Ein einzelner Helikopter mag zwar für eine Person lebenswichtig sein, aber nicht für die Bevölkerung.

Des weiteren dient dieser SAR-Helikopter sinngemäß nicht der öffentlichen Sicherheit oder der Aufrechterhaltung der Sicherheit...

Aber da §88 vorraussetzt, dass diese Handlung sich bewusst gegen "Bestand oder die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder gegen Verfassungsgrundsätze" richtet, ist das definitiv nicht der Fall.

Es sei denn, durch die Rettung des Bruders würde sein internationales Terrornetzwerk bekannt, welches die BRD bedrohen kann.

Zu 2: Er nimmt den Helikopter den "Besitzern", also den Piloten ja nicht weg, er nötigt sie vielmehr nach §240 StGB. 

Aber hierüber könnte man mit viel Fantasie noch diskutieren, wäre da nicht §250 StGB, schwerer Raub, der aufgrund der Waffe und der damit verbundenen Androhung von Gewalt erfolgt.

Zu 3: Weder Landes - noch Hochverrat, die Gesetze zu lesen, bevor man sie verwendet hilft bisweilen

(1) Wer es unternimmt, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt
1.
den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu beeinträchtigen oder
2.
die auf dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beruhende verfassungsmäßige Ordnung zu ändern, [...]"
(1) Wer es unternimmt, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt
1.
das Gebiet eines Landes ganz oder zum Teil einem anderen Land der Bundesrepublik Deutschland einzuverleiben oder einen Teil eines Landes von diesem abzutrennen oder
2.
die auf der Verfassung eines Landes beruhende verfassungsmäßige Ordnung zu ändern,
wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft. [...]

Das ist die Hochverrat nach §§81, 82 Wie die Entführung eines eines Helikopters eines der Bestimmungsmerkmale erfüllt, ist mir schleierhaft.

Zum Landesverrat:

(1) Wer ein Staatsgeheimnis
1.
einer fremden Macht oder einem ihrer Mittelsmänner mitteilt oder
2.
sonst an einen Unbefugten gelangen läßt oder öffentlich bekanntmacht, um die Bundesrepublik Deutschland zu benachteiligen oder eine fremde Macht zu begünstigen, [...]"

Wir stellen fest: Die Entführung eines Helikopters ist da wohl nicht miteinbegriffen.

Wir stellen außerdem fest: Nachdenken vorm Schreiben ist auch ganz nützlich.. 

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