Frage von Mitsaku, 133

Buddhistengruppe Diamantweg Karma Kagyü Ode Nydhal. Muss man sich dort um die Mitglieder sorgen?

Hallo,

eine gute Freundin von mir ( 37, mit Kind ) ist anscheinend dem Buddhismus verfallen. Sie ist der Gruppe Diamantweg Karma Kagyü von Ode Nydhal beigetreten ( seit Mai diesen Jahres ) um irgendwann vom Christentum zum Buddhistentum zu wechseln ( oder so ähnlich meinte sie zu mir ).

Was mich jedoch besorgt ist ihr Enthusiasmus den sie an den Tag legt. Obwohl nicht lange dabei, findet sie sich dort besonders gut aufgehoben ( alle seien so lieb zu ihr, so nett, verstehen sie und ihre Probleme sehr gut, usw. ) und hat auch schon ziemlich dicke Freundschaften mit dem ein oder anderen geschlossen ( das geht, wie sie sagte, soweit das sie einen schon auf den Mund ein Bussie gibt ).

Zwar möchte sie, angeblich, nur Meditation lernen ( um ihr inneres Karma, etc. zu finden ), aber denoch erzählt sie von Gemeinschaftlicher Zusammenkunft mit nahem Körperkontakt ( in den Arm nehmen, kuscheln, etc. ).

Was mich sorgt ist die Tatsache das sie mittlerweile sogar Termine mit Freunden und Bekannten absagt, nur um Sonntags in so ein Zentrum zu fahren und zu meditieren ( oder was auch immer ).

Unter der Woche kann sie nicht ( wegen ihrem Kind ), was mich momentan noch etwas beruhigt, aber jenachdem wie tief sie dort einsteigt ( oder von den Anderen manipuliert wird ), desto schlimmer kann es kommen.

Was kann ich tun um meiner Bekannten zu helfen ? Oder gibt es Anlaufstellen ? Kennt vielleicht jemand diese Gruppierungen und hat Erfahrungen ?

Gruß

Mitsaku

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 40

Ich bin Buddhist der Soto-Zen-Tradition und kann deine Besorgnis nachvollziehen.

Ole Nydahl ist durchaus eine umstrittene Person. Frühere Mitglieder kritisieren einen autoritären Führungsstil, der mittlerweile jedoch weniger extrem sein soll als früher.

Auch innerhalb des Buddhismus gab es daher schon Differenzen um seine Selbstdarstellung und sein Auftreten:

Nydahl wird unter anderem auch sexueller Missbrauch vorgeworfen. Er geht
jedoch mit Anwälten gegen diese Behauptungen vor  und lässt offenbar
entsprechende Inhalte aus dem Netz entfernen (Deutsch/Englisch):

Egal was man von den jeweiligen Vorwürfen halten mag - eine saubere Weste
hat diese Gruppierung bei solch einem Lehrer offenbar nicht.

Allerdings sollte man bei jeder Organisation kritisch sein, egal ob sie religiös oder politische Ansichten vertritt.

Auch in andere buddhistischen Traditionen gibt es Fälle von psychologischer
Manipulation, Verschwendungssucht, Machtmissbrauch, Drogenmissbrauch
durch den Lehrer und teilweise jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch -
man sollte sich keine Illusionen machen.

Das bedeutet nun keineswegs, dass der Buddhismus pauschal gefährlich wäre - genau so wenig, wie etwa das katholische Christentum.

Allerdings kann es eben nicht schaden, gerade auch bei Gruppen die einen "guten Ruf" genießen, einmal genauer hinzusehen.

Zu deinem konkreten Problem

Dazu kann ich leider vergleichsweise wenig sagen, denn die wesentlichen Punkte wurden eigentlich schon genannt.

Informiere dich über die Charakteristika von Psychogruppen und destruktiven
Kulten. Das "Love Bombing", das Überschütten mit Lob, Bestätigung und
Anerkennung ist beispielsweise eines dieser Kennzeichen.

Deine Freundin ist volljährig und steht nicht unter deiner Vormundschaft,
daher kannst du ihr den Umgang mit diesen Menschen nicht einfach
verbieten.

Wichtig wäre vor allem, sich mit ihren Bedürfnissen zu befassen. Welche Anziehung übt diese Gruppe auf die aus, die ihr sonstiges Umfeld nicht bietet?

Wo liegen ihre Schwerpunkte? Meditation ist nicht auf den Diamantweg-Buddhismus beschränkt, sondern kann auch anderswo erlernt werden.

Möglicherweise könnte dir ein Beratungsgespräch mit einer Sektenberatungsstelle helfen, das kann ich aber nicht wirklich beurteilen.

Letztlich ist der Schlüssel zu einer vernünftigen Beziehung immer Kommunikation. Du wirst also nicht darum herum kommen, deine Sorgen zu schildern und darüber zu sprechen.

Alles Gute. :-)

Antwort
von peterobm, 71

was du beschreibst ist schon recht bedenklich, Begrüssung mit Kuss usw

schau mal auf seine Seite: http://www.lama-ole-nydahl.de/text_meditation.html

du solltest doch "aufpassen" deine Freundin scheint abzudriften

Kommentar von Mitsaku ,

Wieso recht bedenklich ? Inwiefern ? Wurde sie schon zu sehr manipuliert oder "eingesaugt" ?

Antwort
von Aleqasina, 68

Diese Richtung des Buddhismus gilt als unverdächtig und die Gruppe bei uns in der Stadt hat einen guten Ruf.

Wie es in der konkreten Gruppe deiner Freundin aussieht, lässt sich aus der Ferne natürlich nicht beurteilen.

Allerdings zeigt deine Freundin Emotionsmuster, die oft auch(!) bei Sympathisanten von anderen Sondergemeinschaften und Sekten vorkommen: das spontane Gefühl von Geborgenheit und geliebt werden. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, schließlich sind das ganz menschliche Grundbedürfnisse. Ebenso ist das Bedürfnis nach spiritueller Tiefe ganz natürlich. Vielleicht hat sie das auch noch nicht woanders erlebt.

Nur darf das nicht zu Abhängigkeit, Cocooning innerhalb der Gruppe und einer Selbsauslieferung auch in sexueller Hinsicht führen.

Du fragst: "Was kann ich tun um meiner Bekannten zu helfen?"

Versuche nicht, ihr gegen ihren Willen zu "helfen". Vielleicht fühlt sie sich garnicht hilfsbedürftig und würde deine Initiativen als übergriffig empfinden, was dann leicht zu einer Abgenzung dir gegenüber und zu einer noch engeren Bindung an die Gruppe führt.

Frag lieber, warum sie vorher keine (zu wenig?) Liebe und Geborgenheit erfahren hat.

Höre ihr aufmerksam zu.

Nimm sie ernst.

Nimm sie in ihren Bedürfnissen ernst und projeziere nicht deine Bedürfnisse und Bedenken auf sie.

Bedränge sie nicht.

Aber sei für sie da. Egal ob sie sich weiter an die Gruppe bindet oder nicht.

Kommentar von Mitsaku ,

Nun, sie sagt schon Treffen mit Freunden ab um dort hinzugehen. Küsst, wie sie sagt, den ein oder anderen "supertollen" Freund von dort schon auf den Mund.

Da finde ich kann was nicht stimmen...

Kommentar von Aleqasina ,

Was bietet ihr die Gruppe, was der Freundeskreis nicht bietet?

Kommentar von Mitsaku ,

Na das was sie dort suchen will ( Erleuchtung, Karma, Meditation ).

Deshalb habe ich Angst das sie am Ende NUR noch Leute von dort trifft und sehen will ( weil die ja das Gleiche denken )

Kommentar von Aleqasina ,

Oder vielleicht einfach Geborgenheit und Herzenswärme?

Antwort
von NewKemroy, 43

Dein Gefühl trügt Dich auf jedenfall nicht. Unter allen Richtungen im Buddhismus steht der Diamantweg Buddhismus inklusive Lama Ole Nydhal am meisten in der Kritik.

Ich persönlich schätze diese Richtung jetzt nicht so gefählich ein wie eine echte Sekte mit Weltuntergangs-Phantasien oder so. Aber als völlig harmlos würde ich sie auch nicht betrachten.

Meditieren lernen kann man auch bei anderen buddhistischen Richtungen. Vielleicht kannst Du deine Freundin ja dazu bewegen in einer anderen Vereinigung weiter zu machen. Als kosher wäre z.B. der Theravada-Buddhismus und der Zen-Buddhismus zu nennen.


Antwort
von OnkelSchorsch, 32

Ach der Nydahl mal wieder. Ja, du machst dir aus gutem Grunde Sorgen. Seriös geht anders.

Lies mal hier:

http://der-asso-blog.blogspot.de/2011/02/die-verkorksten-lehren-des-lama-ole.htm...

http://www.dasmili.eu/art/ole-nydahl-der-umstrittene-lama/

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fuerstenfeldbruck/germering-ohne-tiefgang-1....

Zitat: >>"Der Diamantweg repräsentiert den tibetischen Buddhismus bewusst in einer stark verwestlichten Form", erklärt Pöhlmann. Texte und Meditationsformen seien stark an die europäische und nordamerikanische Kultur und auch an Esoteriktrends angepasst. "Damit stellt sich die Frage, in wie weit auch die buddhistischen Lehren umgeformt wurden." <<

Ich halte das für eine Geschäftsidee aus dem Umfeld der pseudobuddhistischen Sekten.

Kommentar von Mitsaku ,

Ja, aber werden die Mitglieder dann auch so ?

Ich habe halt Angst das sie am Ende NUR noch mit Leuten von dort abhängt weil die ja das Gleiche denken und fühlen wie sie

Kommentar von AaronMose3 ,

Ja, aber werden die Mitglieder dann auch so ?

Was heißt "werden auch so". Sie bekommen halt eine pseudo-buddhistische Lehre ausgequatscht die mit der ursprünglichen nicht mehr viel zu tun hat. 

Das ist aus der Sicht von "richtigen" Buddhisten natürlich schon fast eine Katastrophe, das Menschen dann wirklich denken, sie würden das "richtige" lernen.

Aber das ist für deinen Fall eben irrelevant. Vielleicht zeigst du deiner Bekannten einfach mal diese Artikel und bittest sie die Situation mal kritisch zu betrachten. 

Wenn das nichts nützt, bleibt dir nichts anderes übrig als die Situation zu akzeptieren. Sie ist erwachsen und entscheidet deshalb auch selbst was sie tut.

Antwort
von BellAnna89, 47

Kannst du ihr denn nicht ihr Glück einfach gönnen? Buddhismus ist eine friedliche Religion, mit durchweg vorbildlichen Grundsätzen. Buddhismus lebt Liebe. Dann ist es doch ok, dass man sich umarmt. Ich bin zwar selbst Atheist, aber meiner Erfahrung nach ist das die einzige Religion, die nicht zerstört (so wie Christentum oder Islam) sondern aufbaut. Geh doch selbst mal hin!

Kommentar von Mitsaku ,

Ich finde es aber schon irgendwie bedenklich WIE sie das Ganze lebt. Wenn es schon soweit ist das man Freunden absagt um dorthin gehen zu können, dann finde ich schon das da was nicht richtig läuft.

Kommentar von BellAnna89 ,

Wieso? Ist doch ihre Entscheidung, auf welchem Weg sie zu ihrem inneren Frieden/Glück findet, das Hochgefühl, dass durch Meditation entsteht, ist eben viel stärker und tiefer, als ein Kaffeeklatsch mit Freunden. 

Kommentar von Mitsaku ,

Du klingst wie einer von dieser Gruppe. Rekrutierst du Leute ?

Sorry, aber Freunde sollten aber VOR solchen "Gruppierungen" stehen.

Kommentar von BellAnna89 ,

Das ist DEINE Meinung, die muss weder ich noch deine Freundin teilen. Und nein, ich rekrutiere niemanden, ich kiff ab und zu einen mit meinem Mann, das ist meine Meditation😎

Kommentar von Enzylexikon ,

Es gibt in buddhistischen Gruppen genau so Ausbeutung und Missbrauch von Mitgliedern, wie in anderen Organisationen auch.

Einige buddhistische Lehrer sind durch jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch, Alkoholsucht und Drogenmissbrauch aufgefallen.

Ich bin selbst Buddhist und muss  klar sagen, dass man nicht zu naiv sein sollte, nur weil der Buddhismus einen "guten Ruf" haben mag.

Kommentar von BellAnna89 ,

Genau wie in jeder anderen Glaubensgemeinschaft auch, ich kenne genug Leute, die als Kinder misshandelt wurden wegen der 'Kirche', aber die sind nicht vor Freude strahlend und knutschen die anderen Mitglieder.

Antwort
von baindl, 67

Buddhismus ist von allen Religionen sicher nicht die schlechteste.

https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus

Zur Person des Lamas:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ole_Nydahl#Auszeichnungen

Wenn sie dort glücklich ist, solltest Du Dich da nicht einmischen.

Kommentar von Mitsaku ,

Naja, im Internet gibt es durchaus sehr kritische Stimmen zu dieser Gruppierung. Sektenartig kann man oft lesen

Und ob sie bewusst glücklich ist, oder nur manipuliert glücklich, ist leider schwer zu sagen.

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