Frage von banterman420, 74

Buddhismus warum sind Nonnen nicht gleichberechtigt?

Hey, Ich wollte einfach mal wissen warum Frauen im Buddhismus nicht mit den Mönchen gleichberechtigt sind? Vllt weil die Religion entstanden ist als die Frauen keine Rechte hatten und es sich bis heute nichts geändert hat? MfG

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 32

Ich bin Buddhist und werde dir gerne darauf antworten.

Im modernen Buddhismus, insbesondere in der westlichen Welt, ist der Sexismus keineswegs mehr so ausgeprägt wie befürchtet. Es hat sich im Laufe der Zeit sehr viel im Buddhismus geändert.

Inbesondere in Südoastasien, wo der konservative Theravada-Buddhismus dominiert, sind die Nonnen jedoch weiterhin den Mönchen nicht ebenbürtig.

Reformen im Theravada

Allerdings gibt es sogar dort feministische Reformbewegungen, die teilweise von ausländischen buddhistischen Lehrerinnen initiiert wurden. Die bekannteste ausländische Theravada-Nonne dürfte Aya Khemma sein.

Mittlerweile gibt es Kongresse und Konferenzen, die sich mit der Position der Nonne in der buddhistischen Gemeinschaft auseinandersetzen.

Das Problem sehe ich dabei wie so oft weniger in der religiösen Lehre, als vielmehr in der Vermischung  mit lokalen Gebräuchen und deren Rechtfertigung durch religiöse Regeln.

Nonnen in Japan

In Japan sind die Nonnen in das bürokratische System der religiösen Organisationen eingebunden. Bereits zu Beginn des Buddhismus in Japan waren Nonnen an der Gemeinschaft beteiligt.

Heute betreibt der Dachverband der Soto-Zen-Tradition mindestens zwei Ausbildungsklöster für Frauen (evtl. mehr, sind mir aber nicht bekannt).

Die Nonne Shundo Aoyama, die unter anderem im "Aichi Senmon Niso-do" ausgebildet wurde und dort unterrichtet, hat mit ihrem autobiographischen Buch "Pflaumenblüten im Schnee" eine weiblichere Sicht auf die buddhistische Lehre dort vermittelt.

Falls du dich tiefergehend mit dem Thema befassen willst, so gibt es das englischsprachige Buch "Women Living Zen: japanese Soto Buddhist Nuns", das in diesem Zusammenhang sicher empfehlenswert ist.

Außerhalb Asiens

Außerhalb Asiens  gibt es viele bedeutende weibliche Lehrerinnen, was aus meiner Sicht zeigt, dass hier nicht wirklich ein religiöser Sexismus vorliegt, sondern in Asien kulturelle Vorbehalte teilweise die Nonnen hemmen.

Da "der Buddhismus" aber nicht auf Asien beschränkt ist, würde ich den modernen Buddhismus der Gegenwart nicht pauschal als frauenfeindlich ansehen.

Im Christentum sah man ja bereits eine ähnliche Entwicklung. Forderte der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief noch, die Frau solle in der Gemeinde schweigen, gibt es nun auch weibliche Geistliche im Christentum.

Konservative Kräfte, Erzreaktionäre, Fundamentalisten und sexistische Macho-Schweine gibt es in jeder Religion - da sind weder der Buddhismus, noch das Christentum von ausgenommen.

Kommentar von Viktor1 ,

Hallo,
du bist Buddhist, müßtest also wissen, warum Nonnen (Frauen ?) nicht gleichberechtigt sind mit Mönchen (Männern?). Du bringst alles mögliche, über die Situation dort und da, Reformbewegungen, Dachverband - also alles was dir da so durch den Kopf geht - bis zu hier unpassenden  Seitenhieben auf das Christentum. Die Frage interessiert dich nicht.
Ich gehe mal davon aus, daß ihr Buddhisten das nicht immer so macht , und du auch nicht, auf ein anderes Thema zu wechseln wenn ihr kein Antwort habt.
Also - mich interessiert auch die Antwort. Hast du eine ?
Gruß Viktor

Kommentar von Enzylexikon ,
Umstrittene Äußerung

Es heißt, Buddha habe sich unglücklich gezeigt, als er sich von einem Schüler überreden ließ, auch Nonnen zu ordinieren. Er soll gesagt haben, er befürchte, dass sich der Zeitraum, in dem seine Lehre verstanden werde, verkürzen würde.

Das klingt eindeutig sexistisch und ohne kritisches Hinterfragen würde ich diese Aussage auch ablehnen.

Doch der Buddha lehrte, das man alles mit gesundem Menschenverstand hinterfragen soll und so denke ich, muss man das ganze auch verstehen.

Ich sehe es so: Der Buddha lehrte nicht für die gesamte Menschheit indem er göttliche Gebote lehrte, die angeblich für alle gültig sind, sondern er sprach zu einer Gruppe von Anhängern, die um ihn herum saßen und ihn begleiteten.

Logischer Hintergrund

Wenn man jetzt daran denkt, was passiert, wenn Männer und Frauen in einer großen WG zusammenleben, wobei jeder Mensch sexuelle Bedürfnisse hat, werden die Bedenken verständlicher. ;-)

Damals war man noch nicht soweit, das die Antibaby-Pille und Safer Sex eine Schwangerschaft verhindert hätten - und jedes Paar hätte zur Ernährung der Kinder seßhaft werden müssen und hätte ihm nicht mehr nachvollgen können.

Für den Buddha wäre des traurig gewesen - aber nicht, weil er Sekten-Groupies verlor, sondern weil er den Menschen mit seiner Lehre helfen wollte. Wer wegen einer Schwangerschaft zurückbleiben musste, dem konnte er nicht länger persönlich helfen, sondern musste darauf vertrauen, dass andere sie ihnen erzählten.

Das macht also deutlich, weshalb das gemeinsame Umherreisen von Männern und Frauen unvorteilhaft war.

Dazu muss man wissen, das aus dem Palikanon hervorgeht, dass die Gefolgschaft Buddhas eher lose organisiert war.

Er war kein Führer, der erst für alles Regeln erließ und dann Einhaltung forderte, sondern die Regeln ergaben sich durch alltägliche Fragen.

Mönche müssen gemäß dem Vinaya 227 Regeln einhalten und Nonnen 311. Auf die Frage, weshalb das so ist, gab ein buddhistischer Lehrer mal die scherzhafte Antwort "Weil Frauen zwei Brüste haben".

Damit liegt er gar nicht so falsch, denn wie gesagt entwickelten sich die Ordensregeln des Buddhismus erst mit der Zeit.

Wenn zB die Regel für Mönche lautete, sie sollten ihr Gewand über die eine Schulter tragen und die andere Brustseite frei lassen, wird irgendjemand gesagt haben "aber erhabener Lehrer!!! Dann sind die Nonnen ja halbnackt!!"

Also wurde die Regel erlassen, dass Nonnen ihre Roben so tragen sollen, dass die Brüste bedeckt sind. Die scheinbar sexistische Ablehnung von Frauen hatte also möglicherweise durchaus rationale Gründe.

Das sind wie gesagt historische Hintergründe.

Im modernen Buddhismus gibt es keine Regeln, die eine Diskriminierung von Männern und Frauen vorschreiben und zumindest in der westlichen Welt gibt es auch keine Standesdünkel zwischen Mönchen und Nonnen.

Fazit;

Der "alte Buddhismus" mag sexistische Züge gehabt haben, oder aber es werden Textstellen einseitig frauenfeindlich ausgelegt - der moderne weltweite Buddhismus ist aber auch nicht diskriminierender als das Christentum.

Übrigens habe ich keinesfalls einen Seitenhieb auf das Christentum ausgeführt, sondern sogar für den Reformwillen und die Zulassung von Frauen zu geistlichen Ämtern in einigen christlichen Strömungen begrüßt.

Gleiches gilt für das Frauenrabbinat im Judentum, dass ich ebenfalls begrüße.

Es ist immer sehr leicht, eine Religion auf "alte Regeln" zu reduzieren und daraus unreflektiert Schlüsse über die Gegenwartsreligion zu ziehen, die sich teils gänzlich anders entwickelt hat.

Daher freue ich mich über kritische Fragen.

Kommentar von Enzylexikon ,

Wo wir gerade bei Kontroversen sind

Gemäß den alten Ordensregeln sind übrigens auch Menschen mit verschiedenen Behinderungen vom Mönchstum ausgeschlossen.

Jetzt könnte man dem Buddhismus ebenfalls Diskriminierung vorwerfen.

Allerdings ist auch hier der historische Kontext interessant

Ab einem bestimmten Zeitpunkt hatten Buddha und seine Schüler eine gewisse Bekanntheit erlangt. Sie zogen als Bettelmönche durch die Gegend und die Menschen gaben ihnen Essen, weil sie sich nach hinduistischer Vorstellung davon gutes Karma erhofften.

Normale "Krüppel" und Behinderte wurden weit weniger respektiert, war es nach Vorstellung der Hindus ihr eigenes schlechtes Karma, dass sie in diese Situation gebrachte hatte.

Findige Bettler und Schnorrer hätten sich nun den Kopf scheren und eine Robe aus Lumpen zusammenschustern können, um für einen Schüler Buddhas gehalten zu werden, um  so vom Prestige der echten Mönche zu profitieren.

Irgendwann wäre den Bürgern aufgefallen, dass viele von diesen berobten Bettelheinis nicht mal eine einzige Lehrrede aufsagen konnten, weil es verkleidete Schnorrer waren.

Zudem wären selbst echte spirituelle Sucher mit einer Behinderung vermutlich nicht in der Lage gewesen, die ständigen Wanderungen durchzustehen - sie auszuschließen diente also auch ihrem eigenen Schutz.

Also wurde die Regel erlassen, Menschen mit bestimmten Erkrankungen und Behinderungen keine Ordination zu geben.

Dadurch wurde verhindert, dass die Chancen der Mönche, freiwillig Essensspenden zu erhalten, sanken und sie hungern mussten.

Das ist also der historische Kern.

Allerdings gibt es - insbesondere im Theravada-Buddhismus - heute noch buddhistische Gemeinschaften, die diese Grundsätze des Vinaya tatsächlich als Maßstab nehmen.

In unserer modernen Zeit ist ein solch sinnloses Festhalten an Regeln, die nicht mehr erforderlich sind, nach meinem Empfinden sowohl diskriminierend, als auch gegen das buddhistische Prinzip von Mitgefühl gerichtet und für mich nich akzeptabel.

Das ist ein Beispiel dafür, dass man der Lehre Buddhas aus dem Kalama Sutta folgen und auch die von ihm überlieferten Regeln hinterfragen soll.

Kommentar von Enzylexikon ,

Im Kalama Sutta (Anguttara Nikaya III. 66) heißt es

Geht, Kalamer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach  Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht
nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen,  nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters!

Wenn ihr aber, Kalamer, selber erkennt: 'diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden', dann, o Kâlâmer, möget ihr sie aufgeben.

[....]

Wenn ihr aber, Kâlâmer, selber erkennt: diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von Verständigen gepriesen, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl', dann, o Kâlâmer, möget ihr sie euch zu eigen machen.

Wenn also in alten buddhistischen Schriften sexistischer Mist steht, dann sollte der heutige Buddhist dem Rat seines Lehrers folgen und diese Dinge verwerfen und aufgeben.

Antwort
von josef050153, 22

In den ganzen Gegenden dort, wo der Buddhismus herkommt, sind Frauen NICHT gleichberechtigt. Was willst du also von einer konservativen Ausrichtung dieser Religion anders erwarten?

Was in Europa unter Buddhismus verkauft wird, ist eher ein Abklatsch von dem, was Gautama ursprünglich gemeint hat. Deshalb ist die Ungleichheit hier viel weniger ausgeprägt.

Antwort
von Draggyblackdots, 14

Beschäftige dich mal mit Karmapa Urgyen Thinley Dorjee. Man kann ihn als Nachfolger des Dalai Lama sehen. Er hat grade die letzten Ungleich-Behandlungenvon Mönchen und Nonnen abgeschafft. Aber nur soweit sein Einfluss-Bereich geht. Er kann nicht ändern, was Theravada- Buddhisten tun. Ich weiß aber gar nicht so genau, wie das dort ist.

Antwort
von Sibylled, 37

Hallo

der heutige Buddhismus hat nur noch wenig mit den Lehren Siddharthas zu tun, er selbst war sehr streng. die Mönche durften den Frauen die Hand nicht geben, wenn sie an einer Tür gebettelt hatten und ihnen eine Frau geöffnet hatte, mussten sie wieder gehen, wahrscheinlich damit sie nicht auf störende Gedanken kamen. 

Ebenso geht die Abneigung auch auf den heutigen Dalai Lama zurück, Tibet hat sehr unter seinen Vorgängern gelitten, bis die Chinesen kamen. China brachte Tibet mehr Freiheit zurück. Die Frauen erfuhren weniger Unterdrückung.

Der heutige Dalai Lama hat jedoch auch nichts geändert, weil er Frauen nicht mag. Er musste sogar geschult werden, bevor er nach Europa kam, er musste lernen wie er hier mit den Frauen umzugehen hat und dass er seine Abneigung nicht zeigen darf. Die Ironie daran ist, dass ihn sogar eine Frau darin schulen musste.

Der Buddhismus ist reine Männersache, warum dem so ist wissen wahrscheinlich die Buddhisten selbst gar nicht.

Der Buddhismus ist allgemein keine Frauenfreundliche Religion, wie zum Beispiel das Christentum, Jesus liebte alle Menschen, er machte um die Geschlechtern keinen Unterschied. 

Sibylle

Kommentar von Draggyblackdots ,

Diese Antwort ist falsch. Die Gleichheit von Mann und Frau ist in den ältesten Schriften des tibetischen Buddhismus verankert. Es wird auch permanent wiederholt in Belehrungen des tibetischen Buddhismus. Heute würde man es glaube ich auch als gender-Mainstream bezeichnen, was da gelehrt wurde und bis heute gelehrt wird: Dass es keine Unterschiede gibt, bis auf die Geschlechtsorgane. Wer sich als Androgyn bezeichnet, das ist normal im Buddhismus.

Es ist buddhistisch auch begründbar. Das heißt also man muss sich nicht mal als Mann oder Frau bezeichnen. Mann und Frau gelten als geistig gleich. Und auf den Geist kommt es im Buddhismus an.

 "Denn zu einem Unterschied zwischen Mann und Frau hat der Herr der Gleichheit nichts zu sagen." 

So etwas gibt es in keiner anderen Religion.

Übrigens die traditionelle tibetische Kleidung und Schmuck sind ebenfalls gleich. Seine Heiligkeit Sakya Tritzin Rinpoche läuft bis heute nie ohne seine Hänger- Ohrringe rum. Lange Haare hat er auch.

 So sahen die tibetischen Männer traditionell immer aus. Die Kleidung war auch eher ein Kleid. Also beide Geschlechter sahen so aus, wie wir es als Frauenkleidung eines Stammesvolks empfinden würden. Auch Mönche und Nonne tragen das gleiche. Es gibt nicht wie im Christentum eine Haube oder anderes Kleidungsstück was weiblich ist für Nonnen.

Antwort
von 666Phoenix, 31

bantermann, 

frage Dich doch zunächst, warum in Deinem "christlichen Abendland" die Frauen nicht gleichberechtigt sind (Belege dafür? - no problem!)

Wie es sich um die Stellung der Frau (nicht sexuell gemeint) handelt, kann man u. a. hier sehen:

http://www.lerntippsammlung.de/Die-Stellung-der-Frau-in-den-verschiedenen-Weltre...

Kommentar von banterman420 ,

Ich habe in Religion eine Arbeit über 'Religion' im allgemeinen geschrieben und diese Frage war darunter ich wollte mich nur versichern ob ich evtl die Frage falsch beantwortet habe, wie das in anderen Religionen ist, ist mir egal ich glaube persönlich dass das alles haupsächlich schwachsinn ist.

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