Frage von WasserballFreak, 179

Buddhismus - 5 Silas - unrechte Sexualität - Was bedeutet das?

Was bedeutet unrechte Sexualität gemäß den 5 Silas im Buddhismus?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus, 119

Ich bin Buddhist und gebe mal meinen Senf ab.

Die dritte der fünf Sittlichkeitsregeln (Pancasila) lautet;

"Ich nehme die Übungsregel, kein sexuelles Fehlverhalten zu üben, auf mich"

In Pali

"Kamesu micchacara veramani sikkhapadam samadiyami"

Diese Regel bedeutet für Laien, das man verantwortungsbewusst mit der eigenen Sexualität umgehen und die Schaffung von Leiden vermeiden soll.

Leiden wird dann geschaffen, wenn man sich selbst, oder einer anderen Person Schaden zufügt, oder materiellen Anhaftungen erliegt.

Das Problem sind also nicht grundsätzlich Masturbation und Homosexualität, sondern beispielsweise Vergewaltigung, Untreue, Sexsucht und Pornographiekonsum.

All diese Formen der Sexualität sind explizit mit Leiden verbunden, da sie entweder Schaden zufügen, oder mit Anhaftung verbunden sind.

Das ist eine heute allgemein akzeptierte Interpretation unter Buddhisten, denke ich, auch wenn ich sie hier mit eigenen Worten wiedergegeben habe.

Schauen wir uns das aber mal wörtlich an

Was sagt die Regel wörtlich?

Das auf sich nehmen der Übungsregeln "veramani sikkhapadam samadiyami" findet sich bei allen fünf Sittlichkeitsregeln.

 "micchara" ist der "falsche Weg" für "kamesu" - der zugrunde liegende Begriff "kama" bedeutet "Freude durch sinnliche Befriedigung".

Dass der Buddha damit explizit sexuelle Befriedigung meinte, wird in den weiteren Textstellen aus dem Palikanon deutlich

Er führt einen unrechten Wandel in Sinnenlüsten; vergeht sich gegen Mädchen, die unter der Obhut von Vater, Mutter, Bruder, Schwester oder Verwandten stehen, gegen Mädchen, die unter dem Schutze der Religionsgemeinschaft stehen, die einem Gatten versprochen wurden, , die öffentlich Anverlobten, bis zu den durch Überwurf eines Blumenkranzes Anverlobten

(Quelle: Palikanon Anguttara Nikaya, X, 206).

Im Saleyakka Sutta erklärt er die zehn heilsamen und zehn unheilsamen Handlungen. Dort heißt es:

Aufgeben sexuellen Fehlverhaltens; Er nimmt von sexuellem Fehlverhalten Abstand, er hat keinen Geschlechtsverkehr mit Mädchen, die unter dem Schutz ihrer Mutter, ihres Vaters, Bruder, Schwester, oder Verwandten stehen, gegen Mädchen die einen Ehemann versprochen sind, die durch Gesetz geschützt, oder bereits in einer Beziehung sind

(Quelle: Palikanon Majjhima Nikaya 41, Saleyyaka Sutta).

In dieser ursprünglichen Form dienen sie also explizit dem Schutz von Frauen vor sexueller Ausbeutung.

Da in weiteren Lehrreden des Buddha die Anhaftung an Sinnesfreuden - siehe obiges "kama" - kritisiert wird, ist klar, dass diese Aussagen dann auch den sexuellen Genuss einbeziehen.

Hoffe, die Antwort war hilfreich.

Antwort
von dhammo, 92

Ja, die Antwort von  Enzylexikon ist sehr hilfreich und orientiert sich an den alten Texten, die vor 2600 Jahren dargelegt wurden. Hier muss man bedenken, welche Rechte die Frauen damals in Indien hatten und welche sie heute haben - da hat sich nicht viel geändert - und eine moderne, westl. Frau würde sich bei der dieser Auslegung von  Enzylexikon unten beschrieben fragen: 'Habe ich da auch ein Wörtchen mitzureden?' Und wenn man ins Detail geht mss es für unseren Kulturkreis auch umgeschrieben werden. Ich sage an dieser Stelle: Unrechtes sexuelles Verhalten ist es dann, wenn man sich selbst oder andere zu sexuellen Handlungen zwingt, sie sich durch Manipulation erchleicht, oder - noch weiter gefasst - aber das ist mein Sicht - wenn sie sich nicht aus der Liebe heraus entfaltet. Aber man kann ja mal fühlen wie das ist, wenn man mal wieder Sex hatte einfach nur um den Trieb zu befriedigen - und wie schal sich das manchmal anfühlt. .........

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