Also ich bin (fast) gelernte Buchhändlerin (fast am Ende mit der Ausbildung) und die Kette, bei der ich arbeite, stellt z.B. nur gelernte Buchhändler ein. Grundsätzlich tendiere ich dazu, dass eine Ausbildung auf jeden Fall solider ist und man damit auf der sicheren Seite ist. Zu finanziellen Aspekten kann ich leider nichts sagen, weil wie gesagt bei uns nur gelernte Buchhändler arbeiten und ich kenne auch niemanden persönlich, der als Quereinsteiger in dem Beruf arbeitet.
Die Bedenken wg. der Berufsschule kann ich vll. ein bisschen mindern: Da die allermeisten Unternehmen nur Leute mit Abitur zur Ausbildung einstellen und bei sonst gleichen Bedingungen Bewerber mit abgeschlossenem Studium sogar teilweise bevorzugen, sind die 18-20-jährigen in meiner Klasse eher in der Minderheit. Es gab zum Anfang genau eine, die noch nicht 18 war (wurde mit Realschulabschluss eingestellt), alle anderen waren 19-30. Die meisten haben schon mal ein Studium oder eine andere Ausbildung begonnen bzw. einige haben sogar schon ein abgeschlossenes Studium.
Eine hatte sogar schon ein Kind und zwei wurden während der Ausbildung schwanger, beide waren schon ende 20.
Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass mir die Berufsschule schon viel gebracht hat, obwohl ich Abitur habe. Gut, auf manche Fächer kann man echt verzichten, aber gerade die buchhandelsspezifischen Fächer (Buchhandelsbetriebslehre, Bibliografie, Literaturkunde, Verlagswesen) fand ich schon sehr hilfreich und man hat da auch Sachen gelernt, die man in der täglichen Berufspraxis nicht so genau mitbekommen hat und ich trotzdem als wichtig erachte. Was in einem Unternehmen vll. nicht so wichtig ist, weil der Bereich ausgelagert ist (was bei vielen Ketten der Fall ist), kann in einem anderen Unternehmen zum Alltag gehören und da ist es schon hilfreich, wenn man zumindest schon einmal von bestimmten Sachen gehört hat.
Da man mit Abitur nicht mehr schulpflichtig ist, kann man den Berufschulunterricht theoretisch auch nicht in Anspruch nehmen und sich selber auf die Abschlussprüfung vorbereiten, was ich aber sehr schwierig finde (vll. nicht unbedingt vom Stoff her, aber einfach von der Motivation, etc. und man weiß halt dann gar nicht, was einen erwartet), außerdem muss der Betrieb auch damit einverstanden sein. Meines Wissens kann man sich aber deswegen vom Sportunterricht befreien lassen, das kann man z.B. beantragen.
Fazit: Der Berufschulunterricht und die Ausbildung machen einen zum "echten" Buchhändler, die betriebsinterne Ausbildung kann dazu führen, dass man von bestimmten Bereichen, die zum Beruf gehören, nichts mitbekommt, was dann für spätere Arbeistverhältnisse hinderlich sein kann.
Wenn du mehr/Genaueres wissen willst, kannst du mich gerne nochmal fragen...
LG,
Charlotte
Hallo,
danke für die sehr ausführliche und auch informative Antwort! V.a. mit dem Alter der potentiellen "Mitschüler" macht mir Mut, da ich für die Ausbildung umziehen würde, wäre die Berufsschule also auch eine Möglichkeit neue Bekanntschaften zu schließen... So aus Neugier: Wie groß ist deine Berufsschule bzw. deine Klasse?
Wenn ich mich für die Ausbildung entscheide, dann werde ich auch die Berufsschule besuchen. Die Abschlußprüfungen zu bestehen, ohne entsprechende schulische Vorbereitung scheint mir eine echt schwer lösbare Aufgabe. Kannst Du mir bitte noch sagen, in welchen Fächern die Abschlußprüfungen stattfinden?!
Ich habe derweilen noch etwas recherchiert und bei Jobangeboten wird z.t. extra gesagt, dass nur gelernte Buchhändler gesucht / eingestellt werden. Das ist aber "nur" bei ca. 30% so, die anderen nehmen - zumindest laut Profil und somit theoretisch - auch "gern" Leute, mit entsprechender Berufserfahrung . Mein Plan ist also morgen bei 2-3 anzurufen, so zu tun als würde ich mich gern bewerben, aber sagen, dass ich Quereinsteiger bin. Und dann mal die Reaktion abwarten bzw. bewerten...
Jedenfalls lieben Dank für Deine Mühe ;-)
Lg,
blume1980
Also in meiner Klasse sind ein bisschen über 20 Leute, es gibt insgesamt 2 Klassen in meinem Jahrgang. Die Parallelklasse ist ungefähr genauso groß. In meine Berufsschule gehen alle Azubis, die ihre Ausbildung in Nordbayern (Franken und Oberpfalz) machen und die nicht in Frankfurt an der Buchhändlerschule sind (die Azubis von Thalia werden z.B. nach Frankfurt ins Internat geschickt).
Die Abschlussprüfungen finden an 2 Tagen statt. Am ersten Tag wird Buchhhandel geprüft (2 Prüfungsteile, einer besteht aus Literatur und bissl Buchhandel-Fragen, der zweite ist eine große Situationsaufgabe zum Buchhandel, da bauen die Fragen bissl aufeinander auf).
Der zweite Tag ist dann WiSo (wirtschafts- und Sozialkunde) und Rechnungswesen.
So ist das bis jetzt noch in ganz Deutschland außer Baden-Württemberg. Allerdings hat sich das Berufsbild "Buchhändler" gerade geändert und alle Azubis, die jetzt dann neu anfangen, werden nach dem neuen Berufsbild geprüft, zu dem ich leider nicht so viel sagen kann. Unsere Lehrerin meinte nur, dass Buchführung nicht mehr geprüft wird, sonder nur noch Kosten- und Leistungsrechnen. Mehr weiß ich leider auch nicht, aber du kannst dir das mal anschauen: http://www.ausbildung-verlag.de/de/home/ausbildung/buchhaendlerin/354121
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fein, danke ;-)
weißt du, was in baden-württemberg anders ist? da würde ich nämlich ggf. hinziehen ;-)
Ich weiß nur, dass bisher die Prüfungen von einem zentralen Prüfungsausschuss für ganz Deutschland außer BaWü erstellt wurden. Was da jetzt genau anders ist, weiß ich auch nicht...
ok, dann weiß ich, was ich ggf. noch erfragen muß...
lieben dank für deine infos!