Frage von Rottx1512, 8

Buch schreiben - Inneren Kritiker besiegen?

Hi!

Ich schreibe momentan an einem Fantasy Roman und stecke wirklich meine ganze Kraft und motivation hinein um den Plot gut rüberzubringen.

Manchmal kristisiere ich mich aber selbst. Manchmal sogar zu stark, wie ich finde. In letzter Zeit beim schreiben taucht immer dieser "Innere Kritiker" auf der einem sagt, dass ich das besser kann, dass das totaler Mist ist den ich da schreibe und , dass das nie jemand lesen wird etc. Ist das denn normal oder bin ich da der Einzige? LG

Antwort
von Bethmannchen, 5

Den kleinen Teufel hat wohl jeder Autor auf der Schulter sitzen. Den muss man sich erst einmal erziehen. Ich gebe ihm immer dann frei, wenn ich schreibe. Der darf dann so lange machen was er will, ist aber jetzt partout nicht dran.

Manchmal kommt der wie ein kleines Kind doch wieder angekleckert, aber für seine Gebrabbel habe ich beim Schreiben keine Zeit. Bleibt man konsequent, gewöhnt der sich mit der Zeit daran, wie ein kleines Kind auch. Nein bedeutet wirklich Nein . Auch das wird mit Konsequenz zur Routine.

Manchmal kommt mir auch plötzlich so etwas unter wie: "Szene bla,bla muss ich ändern, damit es hierzu passt". OK, kurz notiert, und weiter im Text. "Da sollte ein stärkeres Wort hin" OK, erst mal dieses rot färben für später, und weiter im Text. Name des Charakters vergessen, heitßt dann erst einmal ???

Am Rechner lässt sich das ganz einfach machen. die Fragezeichen, Rauten, andere Sonderzeichen, kann man mit der Suchfunktoion ganz schnell wiederfinden, und dann ändern. Abweichende Farben kann man auch im Durchlauf schnell wiederfinden. Denk dir da eine Routine aus, die schnell geht.

Und wenn du fertig bist, ein oder mehrere Kapitel stehen, du wirklich nicht weiter weißt, holst du dir deinen Kritiker und lässt dich von ihm beraten bei der Überarbeitung bis hier hin und vielleicht zu wie und was der Fortsetzung. Hier zwei nützliche Links:

http://synonyme.woxikon.de/synonymliste

http://www.andreaseschbach.de/schreiben/10punkte/10punkte.html

Antwort
von federreiter, 5

Du hast wirklich schon tolle und ausführliche Antworten bekommen, denen kaum noch etwas hinzuzufügen ist.

Jeder, der schreibt, kommt früher oder später in die Phase, dass ihm der eigene Text nicht mehr gefällt. Oft liegt es auch daran, dass man sich zu sehr damit beschäftigt. Für mich ist es superwichtig, gerade in diesen Moment nach vorne zu schauen, weiterzuschreiben.

Wenn ich das Gefühl habe, die letzten Seiten sind nicht besonders geworden, dann strenge ich mich einfach an, es auf den nächsten besser zu machen. Wenn du in diesem Moment zurückgehst, bist du meistens noch viel zu befangen, um deinen Text selbstkritisch zu sehen und zweitens nimmt es dir die Energie weiterzumachen.

Korrigieren kann man hinterher immer noch. Wenn du dich ein bisschen umhörst, wirst du schnell mitbekommen, dass viele Autoren ihre Texte mehrmals überarbeiten, bis sie zumindest so zufrieden sind, sie einem Testleser zu geben. Die Arbeit am fertigen Text ist eigentlich die anstrengenste, darum lass dich nicht von der inneren Stimme herunterziehen, mache einfach weiter.

Ich habe auch schon mal eine Nebenperson geopfert und später festgestellt, dass ich sie doch noch brauche. Also habe ich sie eben schnell wiederbelebt ... wusste ja keiner außer mir. Sehr viel später hat genau diese Person sogar eine noch viel größere Rolle bekommen und ich musst eigentlich alles um diesen einen Charakter neu schreiben. Hätte ich früher auf den inneren Lektor gehört, wäre ich vermutlich noch nicht sehr viel weiter im Text, daher: schreib weiter, lese nicht zurück!

Kommentar von Rottx1512 ,

Danke für die ausführliche Antwort. Du hast recht...ich steh mir in gewisser hinsicht nur selbst im Weg. Ich bleibe dran.

Antwort
von purushajan, 4

den kritiker kennt jeder schriftsteller. er ist notwendig bei der überarbeitung, aber er stört sehr bei der ersten niederschrift, weil er den schreibfluss vollkommen blockieren kann.

deswegen gibt es eine altbewährte technik, ihn bei der erstellung des rohmanuskriptes auszuschalten: ein schreibmarathon oder ein national writing month. eine vielschreibeperiode, die am besten in der gruppe gelingt, zum beispiel in einer internet-autorengruppe, aber es geht auch allein: nimm dir für einen monat lang vor, täglich so viele wörter wie möglich zu papier zu bringen, egal wie gut oder sinnvoll sie sind. zum beispiel täglich 1000 wörter oder irgendein anderes pensum, und zähle am ende die wörter und notiere sie in einer tabelle mit datum.

dieser fokus auf quantität statt qualität trickst den inneren zensor aus, so dass er keine chance mehr hat, deinen schreibfluss zu blockieren. du kannst jeden mist aufschreiben und zum beispiel damit beginnen, dass du schreibst: "was soll ich bloß schreiben, mir fällt nichts ein, was soll das nur, mir fällt nichts ein …" damit hast du schon wieder wörter gesammelt und bist langsam in den schreibfluss gekommen, und nach spätestens zwei minuten fällt dir plötzlich doch ein, wie deine story am besten und vor allem überraschend weitergeht. mach mit diesem fokus auf quantität statt qualität solange weiter, bis du das wörtchen "ende" unter dein manuskript schreiben kannst.

dann gönn dir eine wohlverdiente schreibepause und mach was vollkommen anderes und feiere das erfolgreiche abschließen deines rohmanuskripts. denn anschließend beginnt die eigentliche klenarbeit: das überarbeiten deines manuskripts mit hellwachem kritiker.

jetzt, nachdem du ein flüssiges und lebendiges rohmanuskript hast, darf der kritiker all seine skepsis und all seine zweifel ungehindert äußern, denn es geht nicht mehr darum, texte aus deinem unterbewusstsein frei herausfließen zu lassen, sondern darum, möglichst viel von dem geschriebenen wieder zu streichen. zum streichen ist der kritiker unbezahlbar, denn sein nörgelnder charakter findet fast alles mist, was du geschrieben hast. aber eben nicht alles. manche stellen sind im schaffensrausch so wunderbar gelungen, dass selbst der strengste kritiker nur den hut ziehen kann und daran absolut nichts auszusetzen hat. diese stellen sind die seele deines romans oder buches. daran wird nicht gerüttelt, kaum ein wort lässt sich daran ändern.

nach dieser überarbeitungszeit legst du das manuskript wieder ein paar tage auf eis und gehst dann zur zweiten überarbeitung, um den feinschliff in angriff zu nehmen.

vergleich mit einem bildhauer: die erste niederschrift war nur dazu da, einen klumpen ton zu haben, den du bearbeiten kannst. die erste überarbeitung war dazu da, diesen klumpen in form zu bringen, damit jeder schon mal sehen kann, welche skulptur aus dem klumpen entstehen soll. und jetzt beginnt die eigentliche feinarbeit: welche stellen waren zu oberflächlich ausgedrückt, welche lassen sich noch genauer, noch eigentümlicher, noch charakteristischer, noch eindringlicher, noch gefühlvoller oder gefährlicher oder spannender beschreiben? welche nebenbemerkungen lassen sich ersatzlos streichen, damit der handlungsfaden besser fließt und mehr schwung und tempo bekommt? dieser feinschliff kann in einem rutsch erledigt werden oder in mehreren durchgängen. manche schriftsteller lesen und überarbeiten ihr manuskript 10-20 mal, bevor sie es als durckreif empfinden.

hemmingway sagte zum beispiel: "ich kann nicht schreiben, aber überarbeiten."

und michelangelo sagte zu einem besucher, der sich wunderte, warum er immer noch an der schon fertigen skulptur weiterfeilte: "es sind immer nur kleinigkeiten, die zur vollendung führen. aber die vollendung ist keine kleinigkeit."

in diesem sinne. lass den kritiker sausen beim ersten durchgang und vertröste ihn auf die späteren überarbeitungen, wo er der wertvollste mitarbeiter ist, den du hast.

viel erfolg bei deinem schreibprojekt und freien schaffensrausch.

Antwort
von duckman, 3

Ich schreibe zwar nicht aber das hört sich in deinem Falle sogar sehr gesund an.

Wenn nicht der innere Schweinehund wäre der durchgehend sagt dass man noch besser sein muss und sich verbessern muss, dann würde das Buch vielleicht nur halb so gut sein =)

Eine gesunde Kappe Ehrgeiz scheint das zu sein

Kommentar von Rottx1512 ,

Na dann hoffe ich dass du recht hast :) danke

Kommentar von LouPing ,

Hey Rottx1512 

 Manchmal kristisiere ich mich aber selbst. Manchmal sogar zu stark, wie ich finde. In letzter Zeit beim schreiben taucht immer dieser "Innere Kritiker" auf der einem sagt, dass ich das besser kann, dass das totaler Mist ist ....

Was du durch machst ist während eines Prozesses des Schaffens völlig normal, das wird dich bis zum Abschluss deine Buches begleiten. Selbstkritik zeugt erstmal von Stärke, der Kritik muss nun ein noch stärkerer Wille es zu schaffen gegenüberstehen. 

Hier nun ist dein Ehrgeiz gefragt. 

Ich drücke dir die Daumen. 

Antwort
von Huflattich, 3

Das sich selbst im Weg stehen kenne ich gut. Machen -  mehr kann man wirklich nicht tun. Selbst wenn jetzt Dein Roman ein Flop wird kann mir vorstellen, dass es den meisten Schriftstellern so geht .

Geh einfach weiter und schau einfach mal wie die Öffentlichkeit drauf reagiert .mehr als schiefgehen kann es nicht .Gibt immer nur ja oder nein .Irgendwann ist es dann ein ja

Das wird schon . 

Kommentar von Rottx1512 ,

Also ich hab einen Teil der Story bereits im Internet veröffentlicht :) und hab bis jetzt nur gutes gelesen.

Kommentar von Huflattich ,

.........und da zweifelst Du noch? Weiter so !

Antwort
von Akelo, 1

Also ich schreibe selber und muss und erzähle dir jetzt mal was über Kritiker Reviwes etc.

Die bedeuten nichts, gar nichts, nada. Warstdu schon mal in einem Film und dachtest dir "wow der war klasse" nur um nachhause zu kommen und zu sehen dass der nur 2 sterne bei imdb hat. Wen interessiersts. Schreibst du um irgendeinem Standart zu entsprechen oder um deinen Geist auf papier zu bringen. Kritiker mochten suicide squad nicht und doch ist dieser film mehr als beliebt. Und über solche Geschichten wie twighlight will ich gar nicht erst anfangen. Kritiker sind keine Schriftsteller, sie haben eine checkliste (z.B. story, characktere, filler etc.) und die Arbeiten sie ab. Also schalte deinen inneren Kritiker ab und schreib was du willst. DEIN Buch und nicht das was irgendwelche redakteure gut findn :)

Kommentar von Rottx1512 ,

Wie kann man Suicide Squad nicht gut finden? hab ihn geliebt :D

Danke für dein Kommi. Hast irgendwie recht. Was meinst du aber mit du MUSST schreiben?

Kommentar von Akelo ,

Danke und ja habe ich auch :) Und wo habe ich sowas geschrieben du MUSST schreiben ? :o

Kommentar von Deponentiavogel ,

Gute Kritiken erkennen, ob ein Stück Literatur gut ist oder nicht. Ob es flach, aber trotzdem unterhaltsam war. Ob es flach und einschläfernd war. Ob es gut ist. 

Jeder weiß, ob so ein Stück Literatur gut ist oder nicht. Gute Kritiken analysieren, warum es so oder so ist. 

Dann kommen natürlich noch unterschiedliche Geschmäcker dazu.

Kommentar von Akelo ,

Objektivität durch Subjekte lässt sich nicht erreichen. Was heißt den Gut ? Das was die meisten Leute anspricht ? Ich meine damit hat man ja ein Werk erschaffen was den durchschnittlichen mensch am besten gefällt oder doch etwas komplexes was nur wenige verstehen ? Und was ist mit dingen die so herrlich schlecht sind das sie mehr unterhalten als "gute" bücher ? Darauf gibt es keine Antwort. 

Guckt euch lieber an WARUM ein Kritiker das gut findet und ob ihr auf solche dinge wert legt. 

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