Frage von lindgren, 68

Bruder ist seit genau 1 Woche in Therapie (Dissoziale Persönlichkeitsstörung) und taucht ständig hier bei mir auf - lange Geschichte, was tun?

Mein Bruder hat ein Alkoholproblem (den er nicht einsieht) und befindet sich zur Zeit in einer Klinik, die sich auf psychologische Probleme spezialisiert hat. Es ist ein offenes Haus - die Insassen können kommen und gehen wie sie wollen.

Er ist gerade mal 5 Tage dort und ich bin kurz vor dem Ausflippen. Seine Lebensgefährtin hat die Beziehung mit ihm beendet, das kann er nicht akzeptieren. Ich soll mich bei ihr melden und mit ihr reden. (Hatte schon vor ca. 6 Monaten und nochmal kurz davor vermittelt). Angeblich soll das sein Psychotherapeut gesagt haben, dass es empfehlenswert wäre, wenn "jemand" aus seinem Umfeld mit ihr spricht. Dieser Jemand soll nun schon wieder ich sein. Ich glaube nicht, dass ein Psychotherapeut so etwas sagt.

Ich habe meinem Bruder gesagt, dass ich das nicht tun werde. Er soll sich auf seine Therapie konzentrieren und nicht ständig in der Gegend herumfahren. Außerdem hat er im Mai mit einer gemeinen Lüge einen Keil zwischen mir und seiner Lebensgefährtin getrieben - nachdem ich auf Bitten meines Bruders zuvor vermittelt hatte.

Jetzt war er wieder vor meiner Türe und wollte sich beklagen, "da siehst du, was sie mit mir macht". Ich erklärte ihm zum 100x, dass er das alles selbst zu verantworten hat und es endlich mal einsehen soll. Er ist nicht das Opfer.

Ich lasse mich nicht mehr von ihm manipulieren und auch nicht mehr belügen. Allerdings habe ich unterschwellig die Angst, dass er sich was antut. Er sagte, dass er noch kurz vorher beim Notar gewesen wäre und hätte "alles geregelt, für den Fall, wenn was mit mir ist".

Ich sehe den Sinn der Therapie derzeit überhaupt nicht - jetzt will er noch eine Wohnung suchen - während der Therapie.

Was ist das denn für eine Klinik, wenn das so ist? Was ist mein Bruder für ein Mensch, der mich bei seiner Freundin erst nach der Vermittlung mit Lügen denunziert und monatelang keinen Kontakt mehr mit mir hatte - und jetzt, wo es ihm schlecht geht, macht er mich fertig - so mit Suizidandeutungen.

Danke

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von toomuchtrouble, 21

Auch in einem offenen Haus spricht man Abwesenheiten und vor allen Dingen die Kontaktaufnahme mit Angehörigen vorher ab. In der Regel wird vereinbart und auch von den meisten Patienten akzeptiert, dass für die ersten 4 Wochen keine Außenkontakte gesucht werden, auch und gerade nicht an Wochenenden.

Dein Bruder ist natürlich der komplette Gegenentwurf zu einer normalsinnigen Lösung, was allerdings zu den "Betriebsgeräuschen" einer solchen Störung genauso gehört wie die dauernden Suizid-Androhungen.

Nur ein vorübergehender Abbruch aller Kontakte - zugegeben, ein sehr schmerzhafter Prozess - kann dauerhaft funktionieren. Ich würde die Bereitschaft zu Familienarbeit signalisieren. In Absprache mit Therapeuten kann es nach einigen Wochen durchaus zu einem Gespräch mit nahen Angehörigen oder Freunden kommen. Diese Option würde ich zumindest offenhalten, aktuell aber nur gegenüber der Klinik.

Ich würde in der Klinik anrufen und deutlich machen, dass Du aktuell keinen direkten Kontakt zu Deinem Bruder wünscht und dass das in der Klinik kommuniziert werden soll. Ich würde auch deutlich machen, dass die Ex-Freundin sich dauerhaft getrennt hat und ebenfalls keinen Kontakt wünscht. Er wäre übrigens nicht der erste Patient, der sich selbst und den Therapeuten vorspielt, dass er zumindest noch einen Rest an sozialer Verankerung hat. Das sollte von Dir gegenüber der Klinik richtiggestellt werden.

Zuletzt: Pass auf Dich auf!


Kommentar von lindgren ,

Danke, die Antwort hilft mir sehr. Ich werde an die Klinik schreiben und ich weiß auch, dass seine Ex-Freundin in der Klinik angerufen hat und gesagt hat, dass sie keine Beziehung mehr mit ihm will. Er darf aber weiter bei ihr wohnen bleiben, bis er eine eigene Wohnung gefunden hat - nach der Therapie. (Einliegerwohnung).

Danke nochmal!

Kommentar von toomuchtrouble ,


Er darf aber weiter bei ihr wohnen bleiben, bis er eine eigene Wohnung gefunden hat


Aus therapeutischer Sicht und auch für ihn ist das nicht gut. Diese Einliegerwohnung wird dann mit Sicherheit sein einziger Anker bis hin zur fixen Idee, weil das für ihn wie eine Option auf eine Weiterführung der Beziehung klingt. Das wird alle Alternativen blockieren (betreute WG, Wohneinrichtung).

Jede Klinik hat einen Sozialdienst, die sich z.B. um ein Wohnungsproblem oder andere soziale Probleme während der Auswilderung kümmern.

Hier ist es günstiger, wenn er wirklich durch Kündigung von Wohnungsnot bedroht ist. Seine Ex-Freundin tut sich keinen Gefallen mit ihrer Zusage.

Kommentar von lindgren ,

Okay. Ich werde es ihr ausrichten.

Antwort
von Manioro, 29

Die Wirkung die Dein Bruder mit seinen Andeutungen erzeugt ist verheerend. Er versucht Dich (sehr vereinfacht gesagt) emotional zu erpressen. Er möchte Dich dazu bringen, dass Du das tust, was er möchte. Und das Schlimme daran ist, dass er Dich in ein moralisches Dilemma bringt. Beide Wege fühlen sich nicht gut an.

Letztendlich kannst Du nur auf Deine Grenzen pochen. Klar machen, was Du willst und was nicht. Ich würde an Deiner Stelle mit ihm auch nicht endlos und immer wieder diskutieren.

Antwort
von bikerin99, 23

Wende dich an die Klinik, es gibt sicher auch die Möglichkeit für Angehörige, dass sie sich melden. Hole dir die Unterstützung der Klinik, dass er nicht mehr bei dir auftaucht. Erzähle auch von seinen versteckten Suiziddrohungen.
Du bist nicht verantwortlich für ihn. Es ist legitim, dass du dich von ihm abwendest und den Kontakt abbrichst.
Er ist selbst verantwortlich für sein Leben und sein Handeln.

Antwort
von Strolchi2014, 26

Vielleicht kannst du mal mit den Ärzten bzw. Psychologen in der Klinik sprechen. Dann erfährst du auch, ob sie deinem Bruder so etwas gesagt haben. Und sie könnten dann auch auf ihn einwirken, das er dich in Ruhe lässt.

Ich denke dein Bruder fühlt sich auch hilflos.

Antwort
von Harald2000, 25

Wenn es dich belastet, solltest du dich raushalten !

Kommentar von lindgren ,

Ich versuche ja, mich heraus zu halten. Es gestaltet sich nur schwierig, wenn er jeden Tag vor der Türe steht.

Antwort
von diePest, 15

Dein Bruder ist krank .. 

Du verstehst sein denken / handeln nicht .. weil du es nicht nachvollziehen kannst. Du verurteilst ihn, anstatt zu lernen ihn zu verstehen und zu helfen. 

Ob du das willst, musst du entscheiden .. falls ja, hol dir Hilfe .. lass dich beraten .. kontaktiere die Einrichtung in der er ist. 

Wie es aussieht willst du da aber nicht .. dann mach ihm das klar und lebe mit den Konsequenzen. 

Kommentar von lindgren ,

Die Antwort ist "die Pest"! Ich weiß, dass er krank ist - und ich weiß auch, dass ich mich nicht von ihm manipulieren lasse. Ich kann mich nicht von ihm kaputt machen lassen mit seinen Lügen. Das macht einen fertig. Ich habe ihm immer geholfen - jetzt geht das nicht mehr. Nicht, wenn ich merke, wenn ich darunter leide. Wenn es mir nicht gut tut.

Kommentar von diePest ,

Dann bleibt dir nur der Weg einen Bruch in der Beziehung zu deinem Bruder zu machen .. du bist eben nicht bereit dich dafür einzusetzen.. du bist nicht stark genug. Kann eben nicht jeder aushalten. 

Kommentar von lindgren ,

Danke, ich habe hier schon sehr gute, vor allem hilfreiche Antworten erhalten. Deine gehört nicht dazu.

Kommentar von diePest ,

Meine ist aber vermutlich die ehrlichste.. ^^

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