Frage von Robo267, 65

Frage zum Brexit?

Ich verstehe das alles irgendwie nicht. Warum/Wer kam man auf die Idee, die EU zu verlassen? Was hatte es für Vorteile und Nachteile? Und was hat Griechenland (Grexit) jetzt auf einmal damit zu tun? Kann mir das mal jemand für Dumme erklären bitte? Gruß

Antwort
von DerTroll, 28

Das Schlagwort "Grexit" ist schon älter als der "Brexit". Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Punkte. Erst einmal sind die Voraussetzungen andere, weil Griechenland ja auch den Euro hat. Und da ging es um die wirtschaftlichen Folgen des geringen Exports von Griechenland und der somit steigenden Verschuldung. Die sind auf Kredite angewiesen, die sie nie zurückzahlen werden können. Und deshalb kam die Forderung von einigen, daß man Griechenland aus der EU beseitigen sollte, weil sie angeblich der europäischen Wirtschaft schaden. Das sind aber eher Aussagen von Leuten, die nicht wirklich Ahnung von Volkswirtschaft haben, die nur stur sehen, daß Deuschland immer viel zahlt und die viel kassieren und trotzdem nichts bringen. Das wäre aber ein Diskussionsthema für sich. Fakt ist nur, daß man Griechenland extrem schaden würde, wenn man die ausschließt bzw. bei Griechenland ging es ja vor allem um den Ausschluß aus dem Euroraum. Aber man darf nicht vergessen, daß sämtliche Schulden in Euro sind. Also wenn Griechenland zur Drachme zurückkehren würde, könnten die zwar mehr Geld in Umlauf bringen, aber dadurch würden die Schulden nur noch stärker werden. Bei Großbrittanien ist es ganz anders gelagert. Da ist ein EU-Austritt absolut unlogisch. Das merkt man auch, daß gerade viele mit höherem Bildungsstandard sich dagegen aussprechen oder wenn man bei den Brexitbefürwortern mal deren Argumente angehört. Das ist alles nicht rational durchdacht. Es ist eher dieses "stolz drauf ein geigenes Land zu seiin" oder "eine Insel, die sich nichts sagen lassen will" usw. Ich verstehe auch nicht, wie man für so etwas kritisches ein Referendum durchführen könnte. Nun haben leider viele das nicht ernst genommen, sind nicht wählen gegangen, die Gegner hatten so ein leichtes Spiel, die Mehrheit zu bekommen. Nun haben die den Salat. Die Regierung würde sich nun unglaubwürdig machen, wenn sie erst schon das Volk abstimmen lassen wollen und dann, wo das Volk nicht so abgestimmt hat, wie man es sich erhofft hat, die Abstimmung ignoriert. Momentan ist davon auszugehen, daß der Brexit jetzt durchgezogen wird, während man beim Grexit ja eher versucht, alles zu tun, um das zu verhindern.

Antwort
von Interesierter, 35

Im Fall von GB kann ich es teilweise verstehen. GB ist ein Netto-Zahler. Das heisst, GB zahlt mehr in die EU ein, als Geld von der EU zurückkommt. Ausserdem hat GB eine negative Aussenhandelsbilanz. Es wird mehr ein- als ausgeführt.

Durch den Ausstieg aus der EU würden die Zahlungen an und von der EU wegfallen. Bei einem Netto-Zahler wäre dies für den Aussteigenden ein Vorteil.

Durch den Ausstieg aus dem Binnenmarkt könnte sich GB besser gegen billige Importe aus anderen Ländern schützen.

Das große Problem der Briten ist der Finanzmarkt. GB ist ein großer Finanzplatz. Befindet sich dieser nun nicht mehr in der EU, wird er an Bedeutung verlieren. Investoren würden abspringen. Durch die Verringerung der Investitionen gehen Wirtschaftsleistung und damit Arbeitsplätze verloren.

Bei Griechenland sieht es komplett anders aus. Griechenland ist abhängig von der EU wie kein anderes Land. Im Fall eines Austrittes, wäre Griechenland von heute auf morgen einfach nur pleite. Niemand würde Griechenland auch nur einen einzigen EURO leihen. Griechenland ist ein Netto-Empfänger. Das heisst, im Fall des Ausstieges würde Griechenland von diesen Zahlungen abgeschnitten, die zusätzlich im Haushalt fehlen.

Antwort
von lukgeasyer, 28

Die Briten, die gegen die EU und für den Brexit gestimmt haben, taten dies unter anderem wegen des Flüchtlingsstromes. Vielen hat das nicht gefallen, dass immer mehr Asylanten zu ihnen ins Land kommen sollten. Großbritannien allgemein galt auch schon immer als etwas introvertiert, wenn es um eine europäische Gemeinschaft ging. Ihr geliebtes Pfund haben sie bis heute nicht aufgegeben. Oft ist auch ein gewisser Nationalstolz Grund für eine Aussprache gegen die EU gewesen. Sie wollten "ihr eigenes Ding" durchziehen. Nicht zu vernachlässigen waren auch die unzähligen Versprechungen der Leave-Kampagne: die Wirtschaft würde dadurch angekurbelt und einige Milliarden, die derzeit in die EU einbezahlt werden, könne man dann im eigenen Land nutzen. Dass diese Zahlen oft schlichtweg falsch waren, und Großbritannien auch enorm von der EU als Wirtschaftsraum profitiert, wurde unter den Tisch gekehrt. Der Großteil der für den Brexit wählenden Menschen gehörten zur unteren Mittelschicht der Gesellschaft, die sich von "der Elite" betrogen und kontrolliert fühlten. Sie haben Angst, ihre ohnehin schon schlechten Arbeitsplätze zu verlieren und der Armut hilflos ausgeliefert zu sein. Genau gegen diese "Elite" sprach sich dann das Brexit-Lager aus, ohne, so wurde nach der Abstimmung bekannt, einen tatsächlichen Plan zu haben, wie es außerhalb der EU mit Großbritannien weitergehen soll. 

Die Griechen werden oft als Analogie hergezogen, weil diese vor einigen Jahren auch für einen Austritt aus der EU abgestimmt haben (Grexit), der damals aber gescheitert ist.

Kommentar von CamelWolf ,

Das kapieren die deutschen Brexit Fan's wohl nie......Die Briten wollen mit dem Brexit u.a.  die Einwanderung von EU-Ausländern begrenzen.

Antwort
von StevenArmstrong, 7

Hallo,

einige britische Politiker forderten den Austritt Großbritaniens schon 2012/2013.

David Cameron (lehnte den Brexit ab) meinte auf die Forderungen nach dem Berxit, dass es 2016 eine Volksabstimmung geben soll, ob Großbritannien in der EU bleiben soll oder ob Großbritanien aus der EU austreten soll.

Nachteile für Großbritanien sind nun eine schlechtere Wirstchaft. Vorteile wiederum sind mehr Unabhängigkeit von der wirtschaftliberalen EU-Komission, die in der EU macht, was sie will.

Vorteile für die europäischen Staaten sind, dass Großbritannien, ein EU- Mitgliedsstaat, der nie Beiträge gezahlt hat, endlich draußen ist. Dies soll aber schlecht für die Wirstchaft der europäischen Staaten sein, denn nach wie vor werden Grenzkontrollen seitens Großbritanniens durchgeführt.

Die Diskussion um den Grexit gab es schon 2010. Einige forderten, dass Griechenland aus dem Euroraum austritt und die alte Währung (Drachme) wieder einführt. Manche forderten sogar den Austritt Griechenlands aus der EU.

Wenn du noch Fragen hast, schreib es mir in die Kommentare :)

MfG

Steven Armstrong

Antwort
von voayager, 8

Die Gründe für den Brexit wurden hier schon dargestellt, nun isses interessant zu beobachten, dass GB noch immer keinen Austrittsantrag gestellt hat, so dass das Referendum so langsam zur Farce zu werden droht. Es fragt sich zudem, ob die britische Regierung überhaupt ein entsprechenden Antrag in Brüssel einreicht. Möglich aber auch, dass dieses Land einen VErhandlungspoker durchzieht, um bessere Vertragsbedingungen zu erhalten. Siegt es damit, sofern dies vorgesehen ist, dann wird die EU allerdings zu einem bloßen Basar degradiert. Nun, wir werden noch ein wenig warten müssen, um zu erfahren, wie und wo der Londoner Hase lang läuft.

Der angedachte Grexit hat mit dem Brexit lediglich die Endung exit gemeinsam. Wobei das britische Wort exit Ausgang bedeutet, also ein nettes Wortspiel ist so gegeben.

Antwort
von ThommyGunn, 19

In GB gab es schon lange eine großen Unmut ggü. der EU, es ist ja nun nicht so, dass die EU überall beliebt ist. Die Engländer durften eben abstimmen und haben sich gegen die EU entschieden. Andere Länder hatten nie die Wahl.

Antwort
von deKlaus, 12

Ich finde Hans Werner Sinn hat das unlängst gut erklärt, davon gibt es ein youtube Video:

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