Frage von Tumblinleaf, 99

Braucht meine Mutter psychologische Hilfe?

Meine Mutter, unberechenbar. Seit ich (27 J.) denken kann, rastet sie bei kleinen Sachen völlig aus, wir wurden als Kinder geschlagen, ignoriert oder lange im Zimmer eingesperrt. Ich erlebte und erlebe sie als eine sehr unglückliche, wütende, verwirrte Frau. Wir die 3 Kinder haben wenig Liebe erhalten und nach Aussen versucht sie unsere Familie immer als normal wirken zu lassen. Seit ich denken kann, kritisiert sie an uns herum, belästigt mich ständig mit ihren Problemen, dass sie sich von unserem Vater trennen möchte, da er ja so ein böser Mensch ist, sie betrügt etc., aber das nie durchgezogen hat, weil sie sehr unselbständig ist und er sie vielleicht auch noch nicht deswegen verlassen hat. Wir haben unseren Vater gern, da er im Gegensatz zu ihr, uns noch Liebe zeigt. Sie hat sich nie wirklich für uns interessiert, Hauptsache wir mussten gute Noten schreiben, damit sie bei Ihren Verwandten angeben konnte. Ich bekam dann in der Pubertät Depressionen, habe aber trotzdem noch meine Ausbildung geschafft und bin dann so bald als möglich ausgezogen. Eine grosse Befreiung für mich. Jedoch mein jüngerer Bruder, hat die Ausbildung leider noch nicht geschafft und sucht noch nach einer Praktikumsstelle und wohnt zuhause. Der Arme ist völlig verstört, verkriecht sich in sein Zimmer und trifft sich mit keinem Freund mehr. Ich kann mir vorstellen wie verloren er sich fühlt, bei so einer verständnislosen Mutter. Als ich damals und heute nach Hilfe holte, zuerst beim Hausarzt, dann beim Psychologen, ist sie wiedereinmal komplett ausgerastet. Was soll das? Ich hatte wenigstens die Kraft dazu etwas verändern zu wollen und sie kritisiert mich wieder einmal weil es ihr peinlich wäre. Wäre es ihr lieber gewesen wenn ich und mein Bruder uns stattdessen das Leben genommen hätten? Vielleicht. Egal, ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass sie so ist wie sie ist und erwarte nicht mehr viel von ihr. Jedoch jedesmal wenn ich wieder nach Hause gehe um meinen Vater und Bruder zu besuchen, ist sie halt auch da und ich muss mich dem Terror jedes Mal stellen. Manchmal macht mich das so kaputt, dass ich jedesmal in Tränen ausbreche und wieder in kurze Depressionen verfalle. Was ist nur los mit ihr? Sie wirkt auf mich wie ein verrückt gewordenes Monster. Ich weiss schon lange nicht mehr über was ich mit ihr normales reden kann, sie ist au nicht so kommunikativ und nicht gerade die intelligenteste, aber trotzdem sollte sie vielleicht auch aus Langeweile uns nicht immer so fertig machen,unterschwellig höre ich manchmal auch heraus, dass sie eifersüchtig ist auf die Beziehung von uns Kinder zu unserem Vater. Ich weiss nur, dass ich jetzt meinem Bruder helfen will und muss, weil es ihm (23 J.) schlecht geht und ich sehe, dass ich ihm noch am ehesten helfen kann. Mein Vater ist halt auch oft ratlos. Würdet ihr das als eine gute Idee für unseren Familiensegen finden, wenn wir unsere Mutter zu einem Psychologen schicken? Wie stellen wir das an ohne dass sie wieder ausrastet?

Antwort
von Rikkin, 31

ja, eure mutter gehört definitiv in therapie und ihr alle zusammen auch. nicht falsch verstehen, das ist nicht als angriff gedacht, sondern als hilfe.

das was ihr erlebt habt hinterlässt ein schweres trauma und kann unbehandelt zu schwerwiegenden auswirkungen führen. ihr könnt körperlich krank werden weil ihr solch seelischen stress habt und wie man raushört habt ihr bereits einen seelischen knacks.

es klingt sehr sehr traurig, aber aus solch einem elternhaus müsst ihr weg, denn das wird euch zerstören auf kurze oder lange sicht.

meine frau hat fast das selbe erlebt. körperliche und seelische misshandlungen wie schläge (auf nicht - sofort - sichtbaren körperstellen), einen ganzen löffel pfeffer im mund behalten und diesen dann mit seife auswaschen, manipulationen, eingesperrt zu werden, oder ausgesperrt zu sein, die selbst gekauften gegenstände zerstört und auch geschenke an die mutter wurden von ihr selbst zerrissen. die kinder waren nie gut genug aber nach außen hin spielt sie die heilige.

hast du eine wohnung? bist du bereits ganz von deiner mutter weg?

wir konnten den bruder meiner frau nur so helfen das wir gesagt haben "bro, pack alles was dir wichtig ist zusammen in ein paar säcke, wenn deine mom in der messe ist holen wir dich da raus" er hat sich bei uns angemeldet und es gab noch ein paar kleine probleme, aber im endefekt geht es ihm jetzt besser. er meinte sogar es würde ihn etwas überfordern das er jetzt so viel zuwendung erhällt, aber er ist glücklich darüber und hat auch endlich ein angenehm geregeltes leben.

also versuch deinen bruder da raus zu holen. entweder eure mutter lässt sich helfen mit einer therapie oder nicht, aber so oder so ... es wäre nur ratsam mal abstand zu bekommen. ich denke auch das euer vater auch hilfe brauchen wird, aber mit ihm kann man ja scheinbar in ruhe darüber reden.

was auch möglich wäre ... was aber nur funktioniert wenn eure mutter wirklich austickt (sachen zerstört, selbst zu nichts im stande ist wie essen, waschen, etc., versuche macht sich selbst um zu bringen oder euch gar verletzt) den arzt zu kontaktieren zusammen mit der polizei. dann wird das aufgenommen und sie könnte in die psychiatrie kommen, wenn sie sich wehrt erst recht und der aufenthalt wird länger. keine sorge, da wird ihr dann natürlich geholfen. aber wie gesagt, das wäre nur für einen extremfall möglich.

ansonsten muss sie selbst entscheiden ob sie die therapie annimmt oder nicht.

Kommentar von Tumblinleaf ,

Danke für deine Antwort und Geschichte. Ja ich habe eine eigene Wohnung in der Stadt. Sie wohnen etwa 1h entfernt auf dem Land. Ja das wäre auch meine Idee gewesen meinen Bruder da raus zu holen. Würde ihm bestimmt gut tun.

Kommentar von Rikkin ,

du kannst es ja versuchen damit ihn zu überreden das er so zusagen bei dir urlaub nimmt, etwas zeit mit dir verbringt außerhalb des elternhauses für ein paar tage. wenn er sieht das es ihm bei dir besser geht kommt er vieleicht selbst drauf.

wie gesagt, den bruder meiner frau zu überreden hat auch lange gebraucht und er ist auch bereits 25. er hat aber gesehen wie sich seine mom selbst in den abgrund drückt und ihn mitreißen droht.

da er aber jetzt weg ist hat seine mutter wieder anreize selbst ihr leben auf die reihe zu bekommen, weil sie muss und nicht mehr an ihrem sohn zehrt.

Antwort
von WelleErdball, 31


Meine Mutter, unberechenbar. Seit ich (27 J.) denken kann, rastet sie
bei kleinen Sachen völlig aus, wir wurden als Kinder geschlagen,
ignoriert oder lange im Zimmer eingesperrt. 

Du schreibst es bereits selbst: Du bist 27 Jahre alt, kein abhängiges Kind mehr und für dich selbst verantwortlich. Ich habe durchwegs den Eindruck, dass du dich von deiner Mutter nicht abgrenzen kannst, nicht fähig bist zu ihr "Stop" zu sagen.

Wenn du deinen Bruder und den Vater treffen willst, kannst du das auch außerhalb der Wohnung tun, dann geht ihr spazieren, Kaffee trinken etc. Es gibt einiges an Freizeitaktivitäten.

Ihr könnt eure Mutter zu keinem Psychotherapeuten schicken. Sie ist eine erwachsene Frau und wird selbst entscheiden ob sie eine Therapie benötigt oder nicht. Ein Therapeut behandelt niemanden gegen seinen Willen. Therapie macht nur dann Sinn wenn der Klient sich behandeln lassen möchte und eine Veränderungsmotivation mitbringt. Dein Vater bleibt passiv in der Siuation verharren und dein Bruder ist auch erwachsen und könnte längst für sich etwas tun.

Ich kann die Situation verstehen aber nur passiv in der Opferrolle sitzen bleiben und der Mutter für alle Umstände die Schuld geben das macht die Situation auch nicht besser. Sie könnt ihr nicht ändern, ihr könnt nur euch selbst ändern.

Kommentar von Tumblinleaf ,

Ja da hast du recht. Ich dachte nur, vielleicht würde es uns allen gut tun, wenn ich ihr jetzt mal auf eine andere Weise helfe. Denn eben jedes mal wenn ich nach Hause komme, sehe ich, dass sie leidet, mich zuerst voll heult wie traurig ihr Leben ist, warum ich mich nie bei ihr melde etc., bevor sie dann komplett irgendwie ausrastet und uns die ganze Schuld für Ihr Dilemma gibt. Das ist einfach verwirrend.

Nach Hause gehe ich vor allem um auch meine geliebten Haustiere zu sehen und weil mein Bruder sich nicht überreden lässt aus dem Haus zu gehen.

Antwort
von Dahika, 11

Ihr könnt eure Mutter nicht zu einem Therapeuten schicken. Wenn sie selbst es nicht will, nützt keine Therapie der Welt etwas. Und kein fähiger Therapeut arbeitet mit einem "geschickten" Patienten. Zeitverschwendung, und dieser Patient würde nur die Wartezeit für andere Patienten blockieren.

Antwort
von valvaris, 46

Der Textblock ist mir zu lang, drum hab ich nach der Hälfte aufgehört, aber es klingt sehr nach einer Borderline-Störung, speziell wenn schnell Wutanfälle dazu kommen, du dann ignoriert wurdest und wirst oder mehr oder weniger haltlose Schuldzuweisungen kommen, auch wenn die ewig her sind...

Ich würde empfehlen, du gehst selbst mal zu einem Psychologen, berätst dich mit dem und er kann dir sicher weiterhelfen. Auch angehörige haben dazu durchaus das Recht.

Vielleicht kann er dir auch Hinweise zum Umgang mit deiner Ma geben und vor allem ist er zur Verschwiegenheit verpflichtet. Selbst deiner Mutter gegenüber.

Wenn du selbst bei einem bist, lieffert das vielleicht auch einen Vorwand, dass sie mal mit geht.

Antwort
von djNightgroove, 14

Ihr könnt eure Mutter nicht zum Psychologen schicken, wenn sie das nicht will. Deiner Mutter schein es wichtiger zu sein, was "die Leute denken" als euer Wohl. Wahrscheinlich wäre eine Therapie das Beste für sie, aber die muss sie selbst wollen.

Ich würde dir raten, dich in Zukunft mit deinem Vater und Bruder außerhalb deren Zuhause zu treffen. Bei dir oder in einem Café oder wenn's warm ist im Park. Vielleicht kann dein Bruder auch manchmal bei dir übernachten, damit er wenigstens zeitweise dieser unschönen Situation entfliehen und neue Kräfte schöpfen kann.

Auf jeden Fall solltest du deinen Bruder dabei unterstützen, seine Freundschaften zu pflegen. Wahrscheinlich mag er niemanden mit nach Hause bringen und zieht sich deshalb zurück. Aber gerade Freunde sind in so einer schwierigen Situation wichtig und es wäre besser für ihn, wenn er ab und an mal rauskäme.

Wie steht dein Vater eigentlich zu der ganzen Geschichte? Verhält sich deine Mutter ihm gegenüber genauso? Jedenfalls ist er eigentlich derjenige, der dafür sorgen sollte, dass dein Bruder geschützt wird. Vielleicht kann er deiner Mutter eine Familientherapie vorschlagen, da fühlt sie sich nicht als "die Bekloppte" abgestempelt und ist vielleicht eher bereit hinzugehen.

Antwort
von armabergesund, 21

leider kann niemand Deiner Ma helfen, wenn Sie keine Hilfe annimmt...

Gerade Menschen mit schlechter Vernetzung sind stur, ignorant und halten alle anderen für krank....

Du reibst Dich nur vergebens auf, wenn Du Dich einbringst....

Einem Süchtigen fällt es am Einfachsten zu entsagen, wenn er ganz unten ist...

Ich würde den Druck auf Deine Ma erhöhen, Ihr einen Spiegel vorhalten, keinesfalls irgendwelche Dämpfer einsetzen...

Du könntest Sie auch isolieren, damit Sie Euch keinen Schaden mehr zufügen kann...

Aber Sie ist halt Deine Ma mit einer Störung, die nur ein Fachmann lösen kann....schwer da aussen vor zu bleiben...

Antwort
von Glueckskeks01, 47

Man kann es ihr nur anraten. Wenn sie es nicht selber will, dann wird das nichts.

Antwort
von Tumblinleaf, 7

Herzlichen Dank für die vielen hilfreichen Antworten. Es tut gut, wenn einem einfach mal "zugehört" wird und auf so viel Verständnis zu stossen. Ich gehe mal eine Runde im Wald spazieren um meinen Kopf durchzulüften.

Wünsche euch einen schönen Tag

Antwort
von keinfacebook, 31

Ich habe keine Antworten. Wenn ich aber manchmal solche Dinge lese, dann überkommt mich ein Gruseln - vielleicht Dankbarkeit (was mir erspart blieb), vielleicht Wut (was mir nicht erspart blieb).

Ich kann gut zuhören und habe echtes Mitgefühl.

.

Kommentar von keinfacebook ,

Danke für dein Danke !

Antwort
von keinfacebook, 39

Du bist sehr, sehr traurig, nicht wahr ? Was dir passiert ist, ist sehr schlimm!

Du darfst mir gerne weiter erzählen, ich glaube, du mußt einfach nur erzählen.LG, stefanie sophia.

Kommentar von keinfacebook ,

Es gibt Dinge, die mag ich mir gar nicht vorstellen. Meine Familie war auch nicht immer gut, aber : Schläge, Armut, etc habe ich ich nicht so kennengelernt. Manchmal stelle ich mir vor, wie schlimm das wohl war! Mein tiefes Mitgefühl, ganz echt. Trotzdem sind so schöne Menschen entstanden wie hier - sonst würden sie diese Fragen nicht stellen! Ganz besonders warmherzige Grüße, Stefanie.

Kommentar von Tumblinleaf ,

Vielen Dank Stefanie. Das ist sehr lieb von dir. Ja das bin ich sehr. Ich bin traurig und wütend. Und kann vor lauter Wut manchmal mein Leben nicht mehr geniessen.

Sie hat mir in der Pubertät vieles verboten, ich durfte nie weg, keinen Freund haben, kein Sex vor der Ehe, sie hat mir befohlen mein Zimmer abzuschliessen weil sie nicht wollte, dass mein Vater in der Nacht in mein Zimmer kommt (was zur Hölle..!?).

Das ist doch total gestört? Ich mache jetzt eine Weiterbildung in Pädagogik und da kommen mir halt all die alten verstörenden Situationen wieder auf.

Und jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich das mit ihr irgendwie nicht mehr nur ignorieren will, sondern ihr entweder helfen möchte, oder eben um uns zu schützen sie zu einem Psychologen bringen, damit sie uns nicht mehr so terrorisiert.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten