Frage von DBKai, 16

Braucht Europa/die Menschheit den Kapitalismus?

Wenn ja - inwiefern? Wenn nein - inwiefern nicht?

Meine Meinung dazu: Nein - eigentlich könnte man immer mehr in Richtung Gemeinwohl-Wirtschaft umsteigen und von der hätten dann alle was - es wäre global gut. Wenn ein Unternehmen wesentlich mehr erwirtschaftet als es zur Deckung der laufenden Kosten benötigt, dann kann der Überschuss ja wieder für global gute Projekte verwendet werden. Jedes Unternehmen legt sich eine Reserve für den Notfall an und ein deutlicher Gewinn-Überschuss wird gut verwendet. Was würde hier dagegen sprechen?

Antwort
von Funfroc, 7

Hallo,

im Prinzip reden wir bei deinem Vorschlag über einen demokratischen Sozialismus. Und ja, das wäre sicher eine der besten Formen des Wirtschaftes.

Nach dem Motto: Jeder gibt soviel er kann und nimmt soviel er braucht. Es scheitert leider aber daran, dass der Mensch im allgemeinen ein egoistisches Charakterschwein ist.

Denn sobald auch nur eine Person auf den Gedanken kommt, sich ein Brot mehr zu nehmen, als er eigentlich braucht... ist die Lawine ins rollen gebracht. Dann bist du schnell wieder im Kapitalismus.

LG, Chris

Kommentar von DBKai ,

Da hast du bestimmt recht... das wird das Problem sein... Damit es klappen kann, müssen immer mehr Menschen erwachsen werden....

Über diverse Dinge könnte/kann man ja reden... Wovon wird wie viel gebraucht? Und nachdem kann man dann gehen.... darauf kann man aufbauen.

Die Kommunikation muss sich dafür verbessern... auf Augenhöhe... Fair... und die Einstellung der Leute müsste eine global gute Ausrichtung bekommen... und Hoffnung darauf, dass das auch gut geht und klappen kann....

Antwort
von tryanswer, 5

Was wäre dann der Anreiz überhaupt einen Überschuß zu erwirtschaften? Und was sind denn "global gute Projekte"?

Jeder, gleich ob Unternehmer oder einfacher Angestellter kann im Kapitalismus seinen Gewinn nach seinem Gusto einsetzen und so auch, nach seiner Definition, "global gute Projekte" fördern - wenn er das den überhaupt will.

Das Problem ist nicht der Kapitalismus, der spiegelt nur die Natur des Menschen wieder.

Kommentar von DBKai ,

Der Überschuss ergibt sich meist von selbst.... Es gibt doch immer ein paar Leute, die viel zu viel haben... ein paar Unternehmen, die übertrieben viel erwirtschaften... viel mehr, als gebraucht wird... Würden diese den Überschuss nun wieder für gute Projekte verwenden, käme es allen zu Gute...

Global gut kann vieles sein...

  • Mini-Wohnungen
  • Aufklärung über Verhütung
  • Bildungsangebote
  • neue Arbeitsplätze

Jede global gesehene Win-Win-Aktion ist es....

Das Problem ist der Kapitalismus - denn dieser kann im Endeffekt - wenn man es mal zu Ende gedacht hat - nur in einer Sackgasse enden.... Denn es geht nicht, wenn jedes Unternehmen immer nur das Ziel "Profit steigern" hat... und wenn dieses Ziel erreicht ist, soll der Profit noch weiter gesteigert werden.... Das führt ja gerade dazu, dass eine Minderheit auf Kosten von einer Mehrheit immer reicher wird und die anderen aber ärmer und keine faire Chance haben aufzusteigen.... Das schafft viele Probleme. Ausbeutung.... Unterdrückung... Ungerechtigkeit...

Das sollte ja alles am besten für immer von der Bildfläche verschwinden.

Stattdessen könnte es sozialer zugehen... die Kommunikation und die Bildung könnten sich enorm verbessern - dadurch kann der Alltag leichter und angenehmer werden.... Keine Ausbetuung mehr.... fairer und freundlicher Umgang... und daran gewöhnt man sich dann ja auch.... und es wirkt sich eben global gut aus....

Die Natur des Menschen ist nicht so schlimm, wenn dieser gut aufgewachsen ist und auch gute Erfahrungen gemacht hat.... Menschen sind und werden meist dann schlecht, wenn sie viele schlechte Erfahrungen machen... wenn sie überfordert sind.... wenn sie schlecht gebildet sind und sich schnell nicht mehr selbst zu Helfen wissen...

Dementsprechend profitieren alle Menschen von einer Gemeinwohl-Wirtschaft.... während - wenn man es genau nimmt - alle Menschen unter dem Fortbestand des Kapitalismus nur leiden werden.

Kommentar von tryanswer ,

Mini-Wohnungen: Darum kümmert sich bereits die Bauwirtschaft und eine Vielzahl von Investoren, die genau dafür Aufträge erteilen.

Aufklärung über Verhütung: Ich vermute die katholische Kirche wird in diesem Punkt widersprechen.

Bildungsangebote: Auch das läßt sich gut Privatwirtschaftlich regeln, wenn es nicht ohnehin als staatliche Aufgabe gesehen wird.

neue Arbeitsplätze: Entstehen in erster Linie durch Investitionen von Unternehmern, welche ihre Produktion ausweiten.

Fazit: Das was du forderst passiert schon im Kapitalismus und zwar ganz ohne zusätzliche Transaktionskosten, Bevormundung und Enteignung.

Das Arme keine Aufstiegschancen haben stimmt einfach nicht. Nur muß man um aufzusteigen auch entsprechende Leistungen erbringen. Und dazu sind die wenigsten bereit, zumal das auch immer mit diversen Unbequemlichkeiten und Verzicht einhergeht.

Die Natur des Menschen ist gar nicht so schlimm - da stimme ich dir zu. Ich behaupte auch nicht das der Kapitalismus schlecht sei - eigentlich sogar das Gegenteil.

Eine Gemeinwohlwirtschaft hat jedoch immer den Nachteil, daß Erfolg bestraft wird, indem man den Erfolgreichen die Früchte ihrer Arbeit wegnimmt und dann irgendeine Interessengruppe darüber entscheidet, was mit dem Geld angestellt werden soll. Bis zu einem gewissen Punkt, ist das auch akzeptabel (so funktioniert unser Sozialstaat). Wenn es aber dazu führt, daß Unternehmer (also diejenigen, die unseren Wohlstand überhaupt erst begründen) dadurch den Anreiz verlieren tätig zu sein, schneiden wir uns mit solchen Experimenten ins eigene Fleisch.

Und ganz nebenbei: Genau daran ist der Sozialismus zu Grunde gegangen. - Wir müssen also den selben Fehler nicht noch einmal machen.   

Kommentar von Funfroc ,

Das Problem ist nicht der Kapitalismus, der spiegelt nur die Natur des Menschen wieder.

Mit anderen Worten und überspitzt: Das Problem ist nicht der Kapitalismus, das Problem ist der Mensch.... stimme ich zu.

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