Frage von ToniKim, 103

Braucht ein Mensch Paradigmen?

Beispiel: Ein Man fährt mit dem Auto den Berg hoch, auf einer Spiralstrasse, plötzlich erschreckt ihn eine Fahrerin und erwischt ihn beinahe, er flucht und sie schreit aus dem Autofenster, SCHwein! Er sagt, du bist selber eine Sau. 200 m höher, macht er Unfall mit einem Wildschwein.

Antwort
von Dxmklvw, 7

Die Natur und auch die spätere Lebenserfahrung hat dem Menschen einiges mitgegeben, das uns davor schützen kann, unsinnig überzureagieren.

Dazu gehören auch Zornesäußerungen, wenn man sie so versteht, daß es Warnsignale dafür sind, in welch einem risikoträchtigen emotionalen Zustand man sich befindet. Ein rechtzeitiges Warnsignal kann geeignet sein, Schlimmeres erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Gleichzeitig sind das aber auch ins Bewußtsein gerückte Warnsignale, die sich an einen selbst richten und quasi darum "bitten", auch einmal den Verstand zu benutzen. Die bessere Lösung wäre allerdings, den Verstand schon von Anfang an zu benutzen, es geschieht aber nicht allzu oft.

Verbale Zornesäußerungen sind auch Ventile, um emotionalen Stau so weit abzubauen, daß handgreifliche Steigerungen unterbleiben.

Zusätzlich wirkt aber auch noch das "Tausendfüßlerproblem". Wenn ein Tausendfüßler vor jedem Schritt nachdenken würde, wann er welches Bein wohin setzen muß, dann käme er vermutlich kaum noch vorwärts.

Aufgrund dieser Betrachtung halte ich es für übertrieben, jedes und alles gleich auf die Goldwaage zu legen (Beleidigungsklagen usw.), denn was unbewußt automatisch abläuft, läßt sich nicht gerne bewußt ein- und ausschalten.

Sehr oft läuft dabei aber auch etwas völlig aus dem Ruder. Manch einer benutzt aber auch häufig einen eher schwachen Emotionsstau, um ihn immer weiter hochzuschaukeln. Er tut also das Gegenteil von dem, was die Sache sinnvoll machen könnte (wobei man dann darüber grübeln könnte, ob es trotz des begleitenden Mißempfindens etwas ist, das jemand genießt).

Die Folgen solcher "Falschbenutzung" sind dann manchmal auch so etwas, wie es in der Fragebegründung beschrieben ist.Wegen der gleichen Falschbenutzung kann es dann auch dazu kommen, daß gerade erst gewisse verbale Ausbrüche die Eskalation herbeiführen.

Inwieweit aber ein gewählter Begriff einem darauffolgenden weiteren Verhalten eine Sinnhaftigkeit aufzwingt, so daß Nachfolgendes zum symbolischen Ersatzopfer für etwas wird, das vordem aus anderen Gründen unterlassen wurde, läßt zwar Raum für diverse Pro-Argumente, aber für beweisend würde ich sie nicht halten, auch wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit vermutet werden kann.

In solcher Richtung hatte ich mal selbst ein sehr interessantes Erlebnis.

Ich ging mit meiner Hündin durch den Park, und diese erleichterte sich im hochen Unkraut am Wegrand (damals gab es noch nicht die Pfllicht zur Beseitigung). Ich ging dann mit der Hünding langsam weiter. Ein Radfahrer kam mir schimpfend entgegen, konnte sich gar nicht mehr beruhigen und drehte sich auch danach immer wieder nach mir um.

Dicht an der Stelle, an der sich meine Hündin erleichtert hatte, kam der Radfahrer plötzlich etwas vom Weg ab, stürzte und fiel mit dem Gesicht direkt ... (in was wohl?).

Der Mann tat mir einerseits leid, aber andererseits strapazierte es dennoch auch noch lange danach immer wieder meine Lachmuskeln. Ich bin eben auch nur ein Mensch.

Antwort
von nobytree2, 16

Wir brauchen Denkmuster, ansonsten wären wir zu langsam. Wenn wir jedes Mal kognitiv alle Möglichkeiten im Straßenverkehr, im Arbeitsleben, sonst durchkauen und auf Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit, auf Risiko etc. analysieren müssten, wären wir zu langsam. Stelle Dir vor, die Bremsleuchten des Vordermannes leuchten. Du bremst auch. Oder beginnst Du, alle Möglichkeiten von Bedeutungen dieses Signals zu durchdenken? Dann wärest Du wohl bereits auf ihn aufgefahren.

Auch Tiere reagieren nach Mustern im Gehirn, ansonsten würden sie nicht überleben.

Dein Beispiel ist die Folge von verallgemeinernden Mustern. Schwein bedeutet in der Regel ein Schimpfwort, hier war es ausnahmsweise eine Warnung. In dieser Situation war aber die Warnung zu schlecht von der Dame, sie hätte die Assoziation als Beschimpfung beim Adressaten antizipieren müssen, der Fehler geht auf ihre Kappe.

Aber es gibt viele andere Beispiele von Missverständnissen aufgrund vor-eingestellter Denkmuster, z.B. kratzen am Kopf - der zeigt mir den Vogel, Lichthupe im Straßenverkehr als Begrüßung - wird von anderen missverstanden etc., Bremsen als Vorlassen im Straßenverkehr, obwohl man sich nur unsicher war etc. etc. etc.

Antwort
von bikerin99, 58

Verstehe deine Frage und das Beispiel dazu nicht. Kannst du deine Frage anders formulieren. Paradigmen kenne ich nur aus der Wissenschaft und da gibt es unendlich viele.

Kommentar von ToniKim ,

Sie wollte Ihn nicht beleidigen sondern warnen.

Kommentar von bikerin99 ,

Ich finde diese Geschichte super als "(bildungssprachlich) Beispiel, Muster; Erzählung mit beispielhaftem Charakter" (lt. Duden).
Menschen suchen wir uns Vorbilder (ebenfalls eine Bedeutung von Paradigma), wir lernen von klein auf am Modell (Eltern, soziale Umgebung), das Gehirn sucht auch immer nach Mustern. Wenn wir intuitiv auf eine Gefahr reagieren, hat unser Gehirn, unbewußt für uns, das innere Muster gescannt und festgestellt, dass etwas aus der Norm läuft. Je älter man ist, umso mehr Muster haben wir gespeichert und können vielfach intuitiv Entscheidungen treffen.
Das Wort Paradigma hat so viele Bedeutungen (Wikipedia, Duden), dass deine Frage ganz viele Antworten zulässt, weil vielleicht einige oder viele unterschiedlich das Wort interpretieren.

Antwort
von MagicalMonday, 55

Bist du sicher, dass du weißt, was Paradigmen sind?

Kommentar von ToniKim ,

Ja, das sind die persönlichen Überzeugungen.

Kommentar von marcussummer ,

Und was hat ein Paradigma dann mit deiner Frage zu tun?

Kommentar von ToniKim ,

Dass der Mann die Frauen hasst, und wenn eine gute kommt, denkt er sie beleidigt ihn.

Kommentar von MagicalMonday ,

Das ist kein Paradigma, sondern ein Missverständnis.

Kommentar von nobytree2 ,

Den Hass hast Du bislang nicht genannt. Die Beleidigung mit "Schwein" dürfte eher kontraproduktiv sein.

Aber jetzt verstehe ich, was Du meinst. Das Paradigma, alle Frauen reden Unsinn, ist natürlich unbrauchbar, weil es völlig falsch und dumm ist. Das widerlegt jedoch nicht die Funktion von Paradigmen allgemein, es gibt auch gute Paradigmen wie z.B. auf seine Gesundheit achten, die Moral im Handeln als Paradigma etc.

Kommentar von MagicalMonday ,

Die Überzeugung, dass alle Frauen Unsinn reden, würde ich aber auch nicht als Paradigma bezeichnen.

Kommentar von nobytree2 ,

Hast recht, aber mit dieser Deutung bzw. Begriffsweitung wird die Frage etwas klarer. Aber schon sehr speziell und wenig verallgemeinerungsfähig, was als Frage herauskristallisierbar ist.

Kommentar von nobytree2 ,

Das ist leider nicht korrekt, eher Denk-Schema oder Muster oder Beispiel etc., also immer Sinn von festgelegtes oder vorgestelltes Muster (im Sinne von Grundsätzen oder Ausgangsaussagen). Deswegen passt leider das Beispiel nicht, es würde allerdings zu "persönlichen Überzeugungen" auch nicht ganz passen, zumindest für mich nicht ersichtlich.

Magst Du uns Dein Beispiel und die Frage einfach nochmals deutlich erklären?

Kommentar von ToniKim ,

Wenn du so nett fragst, der Mann hat vermutlich keine guten Erfahrungen mit Frauen gemacht und findet, dass die Frauen ihm niemals helfen können, in der Situation wo die Frau ein Wildschwein sah und dann das Auto vom Mann fast ramte, wollte sie ihn warnen, dass oben ein Schwein steht, und sie selbst fast es gerammt hat, da die Frau zwar gutmutig war aber gestresst und die Zeit fehlte, aus dem Fenster einen ganzen Satz zu schreien. Sagte sie nur Schwein, indem Sinne, dass oben eins ist und es gefährlich ist, sie wollte sich anscheinen auch entschuldigen, dass sie den Mann fast gerammt hat. Der Mann nahm dies als Beleidigung, er dachte, dass sie ihn als Schwein bezeichnet.

Kommentar von nobytree2 ,

Du hast recht, Denkmuster können das Denken erschweren. Da gibt es aber etwas viel fieseres:

Aufgabe:

8801 = 5

7721 = 0

1010 = 2

9916 = 3

8980 = 6

1111 = 0

2582 = ?

Das Problem ist bekannt und läuft in Richtung Deiner Frage!

Also was ist die Lösung?

Kommentar von nobytree2 ,

Jetzt doch die Lösung zu diesem Zahlenrätsel. Es ist einfach, kleine Kinder ohne "Paradigmen" oder ohne Voreinstellungen lösen es schnell, gebildete Personen lösen es in der Regel nie.

Auf der linken Seite stehen Zahlen, auf der rechten die Anzahl der geschlossenen Flächen, eine 8 hat zwei geschlossene Flächen (geschlossene Kreise), 6,9,0 jeweils eine, die sonstigen Zahlen keine.

Das ist ein schönes Beispiel für Denkschranken aufgrund automatischer Assoziationen.

Kommentar von ToniKim ,

ist das deine tn?)

Kommentar von nobytree2 ,

Was ist tn? Wenn Tel-Nr., die gebe ich im Internet nie raus, vor allem nicht auf eine öffentliche Seite. Ich habe aber einen anderen Kommunikationsweg aufgemacht, kannst Du nutzen oder wieder schließen, wie Du magst.

Kommentar von MagicalMonday ,

Das ist ein Irrtum aufgrund eines persönlichen Vorurteils. Es erfüllt nicht die Kriterien einer gesetzten Lehrmeinung, wie sie mit dem Wort Paradigma gemeint ist.

Ein Paradigma wäre es erst, wenn z.B. in Fahrschulen unterrichtet würde, dass Frauen im Straßenverkehr nicht ernst genommen werden sollten.

Kommentar von nobytree2 ,

Das Wort Paradigma passt nicht, korrekt. Aber ich denke, ToniKim will auf das Problem hinaus, dass bestimmte Worte mit Bedeutungen assoziiert werden, die im Einzelfall nicht passen. So soll der Ausruf "Schwein" in seinem Beispiel auf Wildschweine, die frei auf der Straße herumlaufen, hinweisen, wird aber aufgrund der allgemeinen Verwendung bei Ausschreien als Schimpfwort als solches missverstanden.

Entsprechend können diese Voreinstellungen, diese automatischen Assoziationen, im Einzelfall ineffizient sein.

Das ist wohl dasjenige, was ToniKim hier adressiert. @Toni - oder?

Kommentar von MadXMario ,

2582 = 2

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