Frage von AOMkayyy, 126

Braucht der Mensch Feindbilder?

Die Frage steht ja im Prinzip schon im Titel? Intressant wäre vielleicht noch eine halbwegs ordentliche Begründung eurer Antwort. Vielen Dank :)

Antwort
von whabifan, 49

Nein. Ich denke wenn du es als Mensch schaffst jede Art von Feindbilder bei dir selbst abzuschaffen hast du sehr viel erreicht. 

Jedoch werden Feindbilder oft von Menschen verwendet um ihr persönliches Versagen zu rechtfertigen. Viele philosophische, politische oder religiöse Ansichten basieren auf Feindbildern. 

Rechtsextreme sehen in Ausländern und Kommunisten den Feind, Linksextreme sehen in Rechten und in grossen sowie mächtigen Unternehmen den Feind, viele Religionen sehen in anderen Religionen (oder Atheiste) den Feind usw. 

Ich selber finde das Denken in Feindbildern ist relativ beschränkt und ziemlich unnötig. 

Antwort
von Sabotaz, 45

Ich glaube schon. Nicht der Mensch als einzelnes Individuum, sondern die Menschheit als Spezies. Es mag Ausnahmen geben - Menschen, die niemals Hass verspühren, aber ich glaube, diese sind so selten, dass sie nicht gezählt werden können...

Es ist mir jetzt etwas unangenehm, auf einen Film Bezug zu nehmen, aber ich finde das sehr passend:

Bei Matrix hat mal der Agent erklärt, warum die Matrix nicht (mehr) so programmiert wurde, dass es kein Leiden, keine Kriege, keinen Hass, keine Hungersnöte oder Krankheiten gab. Die Menschheit ging daran zugrunde, sie konnte nicht existieren. Sie hatte keine Motivation zu überleben, weil sie dafür nicht kämpfen mussten, so wurden sie Träge und begangen suizid. (Oder so - ist lange her, hab den Wortlaut nicht im Kopf, aber die Botschaft sollte ziemlich ähnlich gewesen sein)

Ich denke auch, dass das ein Urinstinkt ist, der den Menschen vorantreibt. Jede Spezies entwickelt sich weiter, indem sie sich selbst selektiert oder von einer stärkeren Spezies ausgerottet wird (Bsp. Mensch und Mammut). Die Starken und Klugen überleben. Gibt es kein Leiden, überleben alle und es entsteht ein Chaos auf der gesamten Welt. In jeder Generation gibt es ein paar winzige Experimente der Natur, die sich entweder durchsetzen und weitergegeben werden oder aus dem Erbgut verschwinden, weil sie nicht weitergegeben werden.

An dieser Stelle entsteht der Hass bzw. das Feindbild. Etwas, das anders ist und einem unterlegen scheint, kann leichter als Feindbild akzeptiert werden, als etwas, zu dem man hochschaut. Dazu kommt das Gefühl einer bestimmten Gruppe zugehörig zu sein, die sich einer anderen Gruppe überlegen fühlt - da ist es noch leichter, andere zu hassen, da man in seiner Meinung bestätigt wird.

Auch eigenes Versagen braucht ein Ventil und man will sich niemals selbst die Schuld geben. Das ist aber wieder von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Feinde gibt es schon immer. Wenn man zurückblättert, über den Neandertaler bis zum Schimpansen, welcher sich in Gruppen heute noch in Afrika "bekriegt". (siehe Jane Godall)


Reicht jetzt... Das ist meine Denkweise zu dem Thema. Es ist traurig, aber ich schätze die Menschheit so ein und erkläre mir das so.

(Basiert auf keiner wissenschaftlichen Studie sondern ist eine selbst angeeignete Meinung :D )


Grüße!

Kommentar von Pescatori ,

Es gibt viele belastbare Argumente für den Sozialdarwinismus.

Meine Utopie eines solidarischen, emphatischen Miteinander wird dadurch aber nicht erschüttert.

Kommentar von Sabotaz ,

das ist doch mal schön! ☺

Kommentar von Robert7194 ,

Sie hatte keine Motivation zu überleben, weil sie dafür nicht kämpfen mussten, so wurden sie Träge und begangen suizid. (Oder so - ist lange her, hab den Wortlaut nicht im Kopf, aber die Botschaft sollte ziemlich ähnlich gewesen sein)

so so daher wohl Depressionen

Kommentar von Sabotaz ,

Naja, irgendwie so ähnlich ;) :D

Antwort
von JanHH80, 50

Ich glaube nicht, dass ein einzelner Mensch unbedingt Feindbilder braucht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine große Gruppe von Menschen für den Zusammenhalt Feindbilder braucht. Gemeinsame Feinde stärken eine Gruppe.

Kommentar von AOMkayyy ,

Ja, das ist auch meine Meinung dazu.

Antwort
von Freezo, 67

Nein!

Die Begründung ist ziemlich simpel, Feindbilder nutzt der Mensch um einen Grund für Sachen zu finden die in seinem Leben falsch laufen.
Da man meistens selber der Grund ist und das Feindbild nur nutzt um sich besser zu fühlen, ist das sowohl für den Menschen selber als auch für die Gesellschaft kontraproduktiv.

Kommentar von Gustavolo ,

Freezo:

Genau,  so ist es. Es gibt keine treffendere Begründung.

Kaschieren der eigenen Unfähigkeit.

Kommentar von AOMkayyy ,

Sind Menschen mit Feindbild nicht vielleicht dein Feindbild? Ist zwar etwas paradox, aber ich denk du verstehst hoffentlich was ich mein.^^

Kommentar von Freezo ,

Das ist nicht paradox sondern einfach nur Schwachsinn.

Ein Feindbild ist eine Gruppe von Menschen, wichtig ist hierbei die Gruppenzugehörigkeit.
Man kann bspw. eine Religionsgemeinschaft oder eine Nationalität als Feindbild haben.

"All diese Ausländer sind Schuld daran, dass ich keine Arbeit habe." ist ein typisches Beispiel für ein Feindbild.

Kommentar von AOMkayyy ,

"Diese verdammten Faschisten mit ihren Feindbildern, nur wegen denen ist die Welt so sch***e" Man kann doch das Besitzen von Feindbildern zum Merkmal einer Gruppe machen und diese dann hassen. Mag sein, dass meine Aussage Schwachsinn ist, aber deine Begründung warum sie das ist, ist ebenfalls schwachsinnig. 

Kommentar von HolgerSchneider ,

Wer einen Feind hat, projiziert verdrängtes Inneres nach außen.

Wenn jemand z.B. rumjault, nur weil Spitzbuben während seines Urlaubes sein ganzes Haus leergeräumt haben, liegt das an seinem eigenen unterdrückten Wunsch, selber ein aufregendes Verbrecherleben zu führen, seine Spießerexistenz hinter sich zu lassen.

Antwort
von soissesPDF, 42

Der Mensch ist der größte Feind des Menschen, das war noch nie anders, in den 40.000 Jahren seiner Entwicklung.

Umgekehrt ist es eine romantische Vorstellung "one World, one Future".
Der Mensch braucht keinen Feind, er ist sich selbst genug (Feind).

Kommentar von Dxmklvw ,

Meiner Ansicht nach ist der schlimmste Feind der Menschen die unheilvolle Ansicht, daß die Definition "Mensch" nach dem Aussehen und nach den Genen bestimmt werden soll anstatt danach, welche Kreaturen Menschlichkeit in sich haben und welche nicht.

Das bedeutet keineswegs, daß ich ausgrenzende Maßnahmen für eine gute Lösung halten würde, aber es bedeutet ganz stark, daß ich es als schädlich empfinde, zu meinen, daß Kreaturen ohne Menschlichkeit den selben Lebensbedingungen unterliegen wie Kreaturen mit Menschlichkeit.

Kommentar von HolgerSchneider ,

Vom bloßen Bezeichnen von bestimmten Menschen als Nichtmenschen bis zum Massenmord ist es nicht sehr weit.

Antwort
von voayager, 41

Es gibt nicht "den" Menschen, schmik dir diesen bloßen Biologismus mal ab. Vielmehr isses so, dass wir meist Produkte der äußeren Umstände sind. Wie sagte doch Marx: "das gesellschaftliche Sein, bestimmt das Bewußtsein."

Kommentar von HolgerSchneider ,

Wenn der Fragesteller sagt "der Mensch", ist das kein bloßer Biologismus. Ein solcher bedeutet, ALLES, was ein einzelner Mensch tut, von seiner biologischen Existenz abzuleiten. Ein beliebter Strohmann, kenne niemanden, der das tut.

Kommentar von voayager ,

Gut, das muß man allerdings schon mehr erahnen, denn der Ausdruck "der Mensch", ist so was von schwammig, zumal es "den Menschen" garnicht gibt, sondern stets sind es ganz konkrete Einzelmenschen mit einer spezifischen Individualität. Etwas anders sieht es hingegen von der biologischen Seite aus, nämlich dann wenn ein Vergleich mit anderen Tierarten erfolgt. Dann ist die Bezeichnung "der Mensch" durchaus angebracht, andernfalls kann man die genannte Ausdrucksweise in die Tonne kloppen. 

Kommentar von HolgerSchneider ,

Ähnlich, wie es den Menschen gibt, gibt es auch DEN Japaner, der sich von seinem Äußeren von DEM Schweden deutlich unterscheidet. Es gibt DEN Arbeitnehmer, DEN Steuerzahler und jede Menge andere Kategorien unterhalb der Obergruppe Menschheit und über dem einzelnen Individuum.

Kommentar von voayager ,

Ja, aber immer im Vergleich zu etwas anderem, nur dann macht es Sinn. Da gehört es auch ausdrücklich hin, nicht aber darüberhinaus, dann kommen nämlich nur unzulässige Verallgemeinerungen heraus. 

Kommentar von HolgerSchneider ,

Ohne Verallgemeinerungen können wir gar nicht existieren. Denken ohne Kategorien gibt es nicht, Prädikate wie "Hans ist klug" können keine absoluten sein, einen Klugen gibt es nur dort, wo zuvor ein Vergleich mit dem Dummen einen Unterschied ergeben hat.

Jeder gesunde Organismus orientiert sich über ein Vorurteilssystem von Verallgemeinerungen, die so etwas sind wie Wahrscheinlichkeitsannahmen. "Der Japaner hält sich gerne bedeckt." "Das Kind kann noch nicht viel Verantwortung übernehmen."

Kommentar von voayager ,

Sicherlich sind auch Verallgemeinerungen zuweilen angebracht, doch sollte man sie möglichst gering halten, sofern keine Vergleiche anstehen.

Kommentar von HolgerSchneider ,

Wahrnehmungen ohne Vergleiche gibt es nicht. Wenn der Peter nicht wahrnimmt, daß der Michael anders ist als er, kann er sich mit sich selber begnügen, sein Gegenüber hat ihm dann ja nichts Neues zu bieten.

Antwort
von Dxmklvw, 55

Wer keine Feinde hat, der braucht auch keine Feindbilder.

In früheren Zeiten waren manche Feindbilder überlebenswichtig, z. B., wo Menschen ein Feindbild von großen Raubtieren hatten.

Heutigentags haben die meisten Feindbilder pervertierte Schlußfolgerungen als Anfangsursache.

Beispiel:

Jemand legt es darauf an, sich auf Kosten eines anderen einen faulen Lenz zu machen, ggf. durch Betrug. Er denkt dabei aber vorab auch darüber nach, wie der andere wohl darauf reagieren wird, wenn er herausfindet, wer ihn betrogen hat.

Von sich selbst auf andere schließend wird so einer dann mitunter eine sehr heftige aggressive Reaktion unterstellen. Daraus entsteht die pervertierte Schlußfolgerung: "Der Typ wird vermutlich aggressiv auf mich losgehen, also ist er mein Feind."

Niemand braucht so etwas, aber die meisten haben es dennoch aufgrund der eigenen Fehlerhaftigkeit.

Erkennbar wird es, wenn man sich in Ruhe durch den Kopf gehen läßt, unter welchen vielfältigsten Umständen sich eine Unmenge und oft auch absurdeste Feindbilder aufbauen können.

Kommentar von AOMkayyy ,

Wer keine Feinde hat, der braucht auch keine Feindbilder.

Ist es nicht gerade so, dass jemand der keinen Feind hat ein Feindbild braucht. Mit einem Feindbild, das man sich häufig selbst bildet, projiziert man ja eigene Fehler oder die Ursachen von seinen Problemen auf jemanden bzw. eine Gruppe und das geschieht ja häufig, wenn man kein wirklichen Feind hat. Kann sein das ich komplett falsch liege, dann klär mich auf :)

Kommentar von Dxmklvw ,

Ich sehe es nicht so, sondern mehr in der Richtung, daß es jede Menge Menschen gibt, die feindlich Neigungen im weitesten Sinne in sich haben (die Neigung, sich gegenüber anderen schädigend zu verhalten), und sich aus diesen Gründen künstlich Feindbilder schaffen, mit denen sie späterhin auch noch total unsinnig versuchen, ihr Verhalten zu rechtfertigen.

Der bedeutsame Unterschied besteht dabei zwischen "brauchen" und "herstellen", wobei bei letzterem erst hinterher auch noch ein "brauchen" aufgepfropft wird.

Ich glaube nicht, daß du irgendwo komplett falsch liegst. Du befindest dich lediglich in einer Phase, in der du die ganze Angelegenheit noch nicht genügend bis in die kleineren Details hinein durchdacht hast und deshalb erst nicht sehr brauchbare Zwischenergebnisse deiner Gedanken zur Verfügung hast.

Betrachtet man das alles aber aus noch einer ganz anderen Sichtweise, dann kann man auch sagen, daß das vermeintlich gebrauchte Feindbild in Wirklichkeit ein Teil des eigenen Selbst ist, dem man feindlich gegenübersteht (die eigene Moral haßt die eigene negative Begehrlichkeit - und umgekehrt), welches dann in andere hineinprojiziert wird, um so den anderen als Feind orten zu können.

Du liegst also auch dort mindestens im Groben richtig, wo du in eine solche Richtung weitergedacht hast.

Die Schlußfolgerung aus allem sollte meiner Ansicht nach jedoch sein, daß man ein Feindbild grundsätzlich nicht braucht, solange man keine echten Feinde hat, weil ein gedeihliches Miteinander langfristig einfach vorteilhafter ist als der Kampf gegeneinander.

Deine dargestellten Überlegungen bestätigen lediglich das, was ich in meiner Erstantwort nebenher ebenfalls meinte, es aber nicht in der Weise zum Ausdruck gebracht habe, wie du es nun getan hast.

Unter dem Strich bleibt also nur der schon erwähnte kleine und doch so bedeutsame Unterschied übrig zwischen "von vornherein brauchen" und "erst herstellen, woraus sich später ergibt, daß es dann auch gebraucht wird".

Antwort
von earnest, 29

Nicht DER Mensch, aber mancher Mensch.

Gruß, earnest

Antwort
von Pescatori, 33

Gern halte ich mich für wertvoll. Und je wertloser die anderen sind, umso wertvoller kann ich mich erleben. Feindbilder sind dabei sehr hilfreich.

Nun kann ich ja auch klüger werden und den Selbstbetrug dieser Strategie durchschauen.

Dann brauche ich keine Feindbilder mehr.

Aber leider - ich  habe ich sie noch:

-Donald Trump

-Recep Tayyip Erdoğan

-Victor Orban

u.s.w

Antwort
von Andrastor, 54

Nein, braucht er nicht.

Viele Menschen kommen gänzlich ohne Feindbildern aus und benötigen auch keine.

Antwort
von Rocker73, 51

Ja, braucht er.

Er sucht fast reflexartig nach Feindbildern, um so für seinen Frust und Ärger eine Art Punchingball zu finden. Vollkommen willkürlich, wenn es erwischt, aber meistens Personen, Gruppen oder Ethnien, über die schon genug getuschelt wird, die also schon ein beliebter Punchingball sind.

LG

Kommentar von Rocker73 ,

Wobei man hier natürlich nicht verallgemeinern kann...

Kommentar von earnest ,

Wer ist dieser seltsame "ER"?

Kommentar von Rocker73 ,

Eine notwendige Frage, die nach einer notwendigen Antwort schreit.

mit "er" bezog ich mich auf den Menschen.

LG 

Kommentar von earnest ,

Ach, auf DEN. 

Schade, dass ER mir so nur selten begegnet ist.

Naja, doch wohl nicht sooo schade...

Antwort
von HolgerSchneider, 29

Nicht jedes einzelne Exemplar der Art homo sapiens hat Feinde. Der Eunuch beobachtet das Balzgeschehen gleichgültig, er kann keinem Nebenbuhler grollen.

Wer nicht lieben kann, besitzt auch nicht die Potenz, zu hassen. Der Liebende haßt den Feind, der das Objekt seiner Liebe bedroht.

Gute Menschen lieben alle Menschen auf dieser Erde. Das Feindbild der guten Menschen sind all jene, die das Interesse ihrer Eigengruppe vorrangig verfolgen.

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