Frage von Beatthestreet, 45

Brauchen wir Roboterethik?

Hallo, Was denkt ihr ? Brauchen wir Roboterethik? Eure Meinung ist gefragt mit begründung bitte

Antwort
von berkersheim, 24

Brauchen wir eine Extra-Ethik für Hammer oder Sägen? Es ist der Mensch, der die Werkzeuge benutzt. Es ist der Mensch, der Roboter programmiert. Und trotz aller Ethiken, an die sich die Mächtigen eh nicht halten, wenn sie sie nicht zur Maßregelung ihrer Untergebenen nutzen können, werden sich auch ausgeflippte Programmierer in ihrem Größenwahn keiner Ethik unterwerfen. Wir sind immer Opfer unserer selbst und pflegen dennoch seit Jahrhunderten ein Heiligenbild von uns selbst, obwohl es seit Jahrhunderten den Realitäten widerspricht. Den Illusionator Platon heben wir samt uns selbst in den Himmel und jemand, der nur ein wenig an diesem Heiligenbild kratzt, wie z.B. Epikur, den haben wir vernichtet und die Reste seiner Werke verdreht und möglichst in den Schmutz gezogen. Die Krone der Schöpfung will die Krone nicht ablegen und wenn er sich die Krone beweisen will, indem er gewalttätige Roboter schafft. Schau Dir doch mal diese seltsamen Endzeitfilme an, nur die pure Gewalt. Und ... sind die Kinos leer, weil keiner diesen Sch..ss anschauen will?

Antwort
von FelixLingelbach, 17

Ja und nein. 

Ja, wenn es es Roboter gäbe, die den Menschen nachgebaut wären, also künstliche Menschen. Für die hat Asimov schon längst eine Ethik vorgegeben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Robotergesetze

Nein, weil es solche Roboter (noch) nicht gibt und auch keiner ein besonderes Interesse daran hat, sie zu bauen.

Nun, meine Tochter lernt gerade, Maschinen mit Hilfe programmierter neuronaler Netze intelligent zu machen. (Ja, im Silicon Valley). Sie ist der Meinung, dass die KI, die künstliche Intelligenz, in nahster Zukunft große Fortschritte machen wird. Sie muss es wissen. Hat sie recht, wird man auf Asimov zurückkommen.

Ich bin da skeptisch. Ja, man kann heute schon ziemlich intelligente, selbstlernende Geräte konstruieren. Die können dann aber nur ein bestimmte Sache, z. B. eine Sprache übersetzen und laufen nicht in der Gegend rum. Einen Menschen kann man noch lange nicht nachbauen. Unsere Elektronik ist noch viel zu grob dafür.

 

Antwort
von zersteut, 24

nein, das halte ich für Schwachsinn!

Ein paar Philosophen und Ethnologen die kein Erfahrungen in dieser Materie haben, malen sich irgendwelche unrealistischen Szenarien aus. Die meiner Meinung nach nie vorkommen! 

Antwort
von grtgrt, 15

Der Roboter zuliebe brauchen wir sicher keine neue Ethik: Roboter wissen ja noch nicht mal - und können es prinzipiell auch gar nicht wissen -, was man unter ethischem Verhalten versteht.

Roboter sind einfach nur seelenlose, durch Menschen geschaffene Werkzeuge: Maschinen, die deutlich flexibler und sehr viel wirkungsvoller einsetzbar sind, als Maschinen, die man noch vor 1950 bauen konnte, die aber dennoch nur Mechanismen sind, welche genau das tun, was ein von Menschen gegebenes Regelwerk von ihnen verlangt zu tun.

Eine Ethik, welche die Existenz von Robotern und deren Leistungsfähigkeit mit berücksichtigt, werden wir - nicht der Roboter wegen, wohl aber der Menschen wegen, deren Existenz unkontrollierter Gebrauch solcher Maschinen zerstören könnte - dennoch benötigen.

Kommentar von Susanne88 ,

Roboter wissen ja noch nicht mal - und können es prinzipiell auch gar nicht wissen -, was man unter ethischem Verhalten versteht.

Hm, bist du sicher? Ich meine, die menschlichen Verhaltensweisen gründen, grob gesagt, auf chemische Abläufe im Körper.

2 Denkmodelle:
1. Nun könnte doch zumindest theoretisch ein Roboter gebaut werden, der auf ähnlichen chemischen Prozessen basiert. Oder ist das prinzipiell unmöglich? Wie sähe die Herleitung dieser Unmöglichkeit aus?

2. Ebenso könnte es möglich sein, diese chemischen Prozesse elektronisch nachzuahmen. Ist dies auch prinzipiell unmöglich?

Kommentar von grtgrt ,

Rein theoretisch kann man sicher nicht ausschließen, dass der Mensch irgendwann auch in der Lage sein könnte, biologische Lebewesen gezielt zu entwerfen und zu implementieren.

Das wären dann aber keine Roboter im heutigen Sinne. Und sie wären auch nicht gesteuert durch KI (künstliche Intelligenz) im heutigen Sinne dieser Begriffsbildung:

Wer heute von KI-gesteuerten Robotern spricht, spricht von Maschinen, die auf Basis heute verfügbarer Computer-Technologie entstehen, gesteuert also durch ein künstliches "Gehirn", welches - ganz anders als biologische Gehirne - kein Quantencomputer ist und daher nur streng deterministisch arbeiten kann.

Nun könnte man einwenden, dass heute ja schon versucht wird. Quantencomputer zu bauen. Tatsache aber ist, dass die ersten Exemplare, über die man derzeit verfügt, sich in ihrer Komplexität vom menschlichen Gehirn - ja schon vom Gehirn einer Maus - mindestens so stark unterscheiden, wie einige Zeilen Keilschrift auf einem 4000 Jahre alten Tontäfelchen vom gedruckten Inhalt sämtlicher Bücher in deutschen Bibliotheken.

Kommentar von grtgrt ,

Zudem sollte man beachten: 

Selbst wenn es einmal jede Menge von Menschen gebauter Quantencomputer geben wird, ist heute schon abzusehen, dass mit ihrer Hilfe nur Rechnungen ganz bestimmten Typs möglich sein werden. Und das liegt keineswegs nur daran, dass Quantencomputer schwieriger zu programmieren wären als herkömmliche Rechner. 

Auch weiß bisher niemand zu sagen, wie es in biologischen Gehirnen denn eigentlich zum Entstehen von Bewusstsein kommt. Bevor das nicht geklärt ist, werden uns auch Quantencomputer nicht helfen können, dem Menschen ebenbürtige Wesen zu schaffen, die tun, was er ihnen sagt.

Kommentar von grtgrt ,

Noch ein interessanter Punkt:

Quantencomputer - in dem Sinne, wie man sie sich heute vorstellen kann - definieren keinen neuen Berechenbarkeitsbegriff, sondern sind sämtlich durch eine sog. universelle Turingmaschine simulierbar. Aber schon herkömmliche Computer können - sofern ihnen hinreichend viel Arbeitsspeicher zur Verfügung gestellt wird - alles, was auch eine universelle Turingmaschine kann.

Damit weiß man, dass Quantencomputer [ so wie man diesen Begriff heute definiert ] keineswegs mächtiger, sondern einfach nur viel schneller als klassische Computer sind. Auch wenn jedes biologische Gehirn eine Art Quantencomputer ist: die Umkehrung gilt nicht: Keineswegs jedes Konzept "Quantencomputer" ist - prinzipiell wenigstens - so leistungsfähig wie ein Gehirn.

Kommentar von Susanne88 ,

Mich hat die Aussage "Roboter ... können es prinzipiell auch gar nicht wissen -, was man unter ethischem Verhalten versteht."

Ich weiß nicht über Quantencomputer und deren spezielle Unterschiede zu gewöhnlichen Computern Bescheid. Jedoch sollte, egal wie ein Computer beschaffen ist, selbiger den Gesetzen der Logik folgen, wenn er brauchbar sein sollte. Nun postuliere ich mal, dass auch das menschliche Gehirn, im Großen und Ganzen wenigstens, logisch arbeitet. Solange rein logische Entscheidungen, sei es von Gehirn oder Computer zu treffen sind, kommen beide zum gleichen Resultat. Es also sollte ein biologisches Gehirn von einem Computer"gehirn", ob quantenmechanisch oder nicht, sich NICHT unterscheiden.
Aber nun die Problematik: Biologische Gehirne, zumindest menschliche, haben, ich nenne es mal so, "Gefühle". Auf Grund dieser Gefühle werden Entscheidungen getroffen, die der reinen Logik entweder widersprechen oder diese zumindest beeinflussen. Damit treffen Menschen Entscheidungen, die z. B. auf Mitgefühl beruhen. Ich kann mich erinnern, dass es Versuche gibt, bei denen diese Gefühle durch Gabe chemischer Substanzen (z. B. bei Depressionen) oder elektrische Stimulierungen bestimmter Gehirnareale beeiflussbar sind. Da heißt aber, dass diese Gefühle chemisch und/oder elektrisch steuerbar sind. Stimmen wir soweit überein?

Wenn dies aber so ist, so sind Gefühle nicht (oder zumindest nicht immer) willkürlich, soll heißen, dem freien Willen unterworfen (etwa: ich kann nicht willentlich wütend oder traurig oder lustig oder depressiv werden), sondern eine Folge des chemischen oder elektrischen Zustandes des Gehirns. Wenn ich weiß, welche Areale oder/und welche chemischen Stoffe ich einsetzen muss, kann ich bei einer Person entsprechende Gefühle "injizieren". Damit könnte ich schon mal einen Menschen steuern. Wenn ich es jetzt noch schaffe, das Gehirn körperlich nachzubauen respektive  nachzubilden, dann habe ich einen biologischen Roboter, den ich steuern aber auch Gefühle empfinden lassen kann. Gefühle wird ein solcher Roboter, ein solches Gehirn, aber dann auch ohne Stimulation empfinden können, da ja der Nachbau entsprechend ist. Da ethisches Verhalten auf Gefühlen beruht und nicht (nur) auf Logik, hätte ich nun ein Wesen, das ethisch denkt und handeln kann.

Ich wüßte deshalb nicht, was prinzipiell dagegen spricht.

Ich meine, dass ein solches Gehirn nicht nur biologisch, also elektrochemisch, funktionieren kann, sondern auch elektronisch. Aber das sei mal dahingestellt.

Es ist mir klar, dass die Problematik der künstlichen Ethik uns während unserer Lebenszeit nicht tangieren wird.

Liebe Grüße

Kommentar von grtgrt ,

Wenn du recht hättest, müssten auch biologische Systeme voll deterministisch arbeiten. Die Quantenphysik aber beweist uns, dass das nicht richtig ist, da ja Gehirne sehr komplexe Quantensysteme darstellen, und bei zunehmender Komplexität auch immer mehr zum Tragen kommt, dass ständig stattfindender "Kollaps der Wellenfunktion" so ein System ständig - wenn auch stets nur im Rahmen bestimmter wohldefinierter, uns aber im Detail unbekannter Wahrscheinlichkeiten - absolut zufällig abändert: Viele Milliarden Mal pro Sekunde wird seine Wellenfunktion durch eine leicht abgeänderte zufällige Version ihrer selbst ersetzt.

Auch ein klassischer Computer - die CPU deines PCs etwa - ist ein Quantensystem. Auch seine Wellenfunktion wird ständig rein zufällig leicht abgeändert. Warum eine CPU aber dennoch deterministisch arbeitet, liegt daran, dass sie ausschließlich faktisch gewordene Information berücksichtigt, statt - wie unser Gehirn - auch Wissen über nach einem Kollaps der Wellenfunktion neu entstandene Möglichkeiten.

Den Unterschied zu verstehen ist nicht ganz einfach, wenn man sich nicht vorher ausführlich mit Quantenphysik beschäftigt hat. Vielleicht hilft es dir, zu lesen (in dieser Reihenfolge):

Die dritte dieser Notizen etwa zeigt einen wesentlichen Unterschied zwischen Gehirn und CPU: 

Wo eine CPU auf Daten zugreift, erhält sie eine Kopie, wobei das Original erhalten bleibt. 

Im Gehirn aber bewirkt jeder Zugriff auf Gedächtnisinhalte eine Abänderung dieser Inhalte (um wie wenig auch immer). Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass "Messung" im quantenphysikalischen Sinne (= Abholen eines Gedächtnisinhaltes durch ein biologisches Gehirn) stets zunächst den Zustand dort verändert (durch Projektion, d.h. eine nicht mehr rückgängig zu machende Abänderung) und dann die so veränderte Version abliefert. Sie ist Information über den durch diese "Messung" faktisch gewordenen Zustand, wohingegen der vorher vorhandene Gedächtnisinhalt Information über bis dahin noch Mögliches war.

Kommentar von Susanne88 ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Nun ja, angenommen der proklamierte Zusammenhang zwischen Gehirn und Quantenphysik stimmt, dann besagte dies doch erstmal nur, dass eine exakte Kopie eines Gehirns unmöglich wäre. Eine solche exakte Kopie finde ich jedoch nicht nötig für die Erschaffung eines Gehirns mit Gefühlen, und somit einer Ethik. Jedem der Milliarden menschen wird eine Ethik zugestanden, obwohl jeder ein anderes Gehirn hat. Ja selbiges ist ja nicht mal zu jeder Zeit identisch, sondern mit jedem Gedankengang anders.

Und die Nachbildung eines ethischen Roboters wäre dann zumindest mittels eines Quantencomputers möglich?

Jedenfalls werde ich mich mit dem Thema noch etwas beschäftigen müssen, mir ist da einiges noch nicht klar....

Kommentar von grtgrt ,

Was verstehst du unter einem "ethischen" Roboter? 

Aus meiner Sicht gilt: Ethik macht erst Sinn, wo die Existenz von freiem Willen unterstellt werden kann. 

Für KI, Computer und sogar für Quantencomputer ist sie sicher nicht gegeben. 

Jeder Quantencomputer (im heutigen Sinne des Wortes) ist zwar ein Quantensystem, aber eben doch eines mit nur ganz bestimmten Eigenschaften. Er kann nur faktisch gewordene Information liefern und hat keinerlei Bewusstsein. Gehirne dagegen können ganz bewusst auch über Möglichkeiten nachdenken, ja sogar über sich selbst.

Kommentar von Susanne88 ,

Ein Computer oder welche Maschine auch immer, welche sich verhalten kann wie ein Mensch, kann ich auch eine Ethik unterstellen.

Die Annahme, Menschen hätten grundsätzlich einen freien Willen, ist auch umstritten.

Zumindest ist sie nicht beweisbar. Aber wir kommen so zu weit in philosophische Themen. Ich brauche noch einige Infos für mich um die Thematik zu überblicken.

Kommentar von grtgrt ,

Durch KI gesteuerte Maschinen (Roboter) scheinen sich zu verhalten wie intelligente Wesen - in Wirklichkeit aber verhalten sie sich gar nicht: Sie sind nur "Räderwerk", gesteuert durch ein Regelwerk, welches Menschen ersonnen und in Software implementiert haben.

Ich schrieb oben "wo Existenz von freiem Willen unterstellt werden kann" - ob er tatsächlich gegeben ist, wissen wir nicht; das ist schon richtig.

Kommentar von Susanne88 ,

"Durch KI gesteuerte Maschinen (Roboter) scheinen sich zu verhalten wie intelligente Wesen - in Wirklichkeit aber verhalten sie sich gar nicht"

Das könnte man dann aber auch Lebewesen unterstellen. Denn definitv wissen wir nicht, ob diese einen freien Willen haben.

Was ja Vorraussetzung für ethishes Verhalten ist.

Kommentar von grtgrt ,

Nicht zu wissen, ob wir Willensfreiheit haben, bedeutet noch lange nicht, dass wir annehmen dürfen, sie nicht zu haben.

Kommentar von Susanne88 ,

Ja.

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