Frage von Rosenblad, 91

Brauchen wir nur die „richtige“ Angst?

Occupy war gestern, die marktorientierte AfD ist heute und gibt die "richtigen" Ängste aus um andere Ängste (z.B. vor wachsender Verarmung, Deregulierung, Multitasking, sozialer Entwurzlung und Entwertung, Überwachung/NSA, Lobbyismus) zu sedimentieren?

Antwort
von eleteroj3, 21

Ob wir wohl überhaupt Angst brauchen? Angst, wie alle Emotionen, kommt wie ungerufen. Sie ist ein Alarmsignal, das die Wachsamkeit maximiert und die Tätlichkeit minimiert. Aber als Ratgeber, als Anleitung zum eigenen Handeln, taugt sie wohl ebensowenig wie Haß oder Vergötterung des Ungöttlichen.
Wie gerufen kommt dagegen meine Angst denen, die sie mir machen. Sie profitieren davon, indem sie wohlbegründete Ängste weiter schüren, statt den angstmachenden Phänomenen auf den Grund zu gehen und in Lösungsstrategien zu überführen.
Leider fällt nicht mal der LINKEN dazu was anderes ein, als den Menschen, die ihnen noch zuhören, Angst zu machen vor dem Rechts-Popanz und einer Wiederauferstehung Hitlers. Höcke ist eben nicht Goebbels, und die Kanzlerin steht in ihrem Maulkampf gegen Rechts selber so weit rechts, dass sie schon fast wieder links im Nebel verschwindet, sie ist weder eine Klara Zetkin noch eine Rosa Luxemburg.

Das, was du in deiner Frage ansprichst, ist den Linken ohnehin kaum mehr der rede wert. Wenn dagegen Sahra Wagenknecht über was anderes spricht als über 'Edler Fremder. Garstiger Deutscher.' dann schmeißen ihre Genossen mit ALDI-Torten.
Die klassischen Politikfelder der ehemaligen Linken, die sind leider bei keiner der etablierten Parteien mehr beackert. Wen wundert es, daß sie von anderen außerhalb aufgegriffen werden.

Wie die Angst in breiten Widerstand transformiert werden könnte, hat vorbildlich die Kampagne/Demo gegen TTIP gezeigt.

Heute, in anderen Grundsatzfragen, ist leider Grabesruh. Gäbe es die AfD nicht, dann wäre es das Ende öffentlicher Debatten darüber, wie wir heute und morgen leben möchten. Dann würde die Abschaffung Deutschlands volkskammermäßig nur noch abgenickt und durchgewinkt. Egal wieviel begründete Angst wir als Volk hätten oder auch nicht.

Kommentar von Nunuhueper ,

Auch die Etablierten haben ihre Ängste. Die Trump-Wahl machte das.

Kommentar von eleteroj3 ,

und, wie ich zu hoffen wage, wohlbegründete Ängste. Oder, mit einem Wort von good old Fidel Castro: "eine Regierung sollte sich nie so weit entfernen, daß sie nicht mehr den heißen Atem des Volkes im Genick verspürt."

Kommentar von Rosenblad ,

Es gab ja einmal einen solchen "Aufruhr" - nach der sog. Bankenkrise von Occupy - aber in diesem Format ging es um Kapitalismuskritik und eine solche kritische Entgegensetzung war nicht gewünscht, da macht sich eine Ventilierung und Kanalisierung gegen Flüchtlinge in ihrer affektiven Punktierung natürlich einfacher "händelbar" - hier bleibt die "Grabesruh", bleibt es ganz still - nur nicht die marktkonsensualen Verläufe stören oder gar die Eliten (zu denen übrigens auch ein Donald Trump gehört, aber das ist dann schon wieder eine "Geschichte" deren politische Trajektorie noch geschrieben werden wird. Die AfD als Lautsprecher und Ruhestörer? Bestimmt nicht am "Kapitalismus", denn dann stände man in den Protesten woanders, völllig woanders, aber dann gäbe es die "Blauen" auch nicht im staatspolitischen Farbenbanner.

Nein mein Frageansatz ging auch und gerade in die Richtung von einer Kunstangst die gegenwärtig wieder erzeugt wird - eine "neue" (und doch so probate Angst der Herrschenden, die schon im Mittelalter als die Angst vor dem "Juden" so schlagkräftig erzeugt und sanktioniert wurde, damit niemand vor den "Palästen" steht)

Der Großverdiener und mammonhuldigend Thilo Sarrazin, der immer wieder auch von sich reden machte in dem er den Hartz IV Empfängern empfahl doch mit weniger auszukommen (siehe: http://www.tagesspiegel.de/berlin/finanzsenator-sprueche-wirbel-um-sarrazins-ide... und auch immer wieder mit Vorschlägen zu Kürzungen in der Berliner Sozial- und Bildungspolitik sich hervortat tingelt wieder durch die deutschen Ländle und gibt den Leuten ihre Angstgegner, die er vorher düpierte? Und der Kopp Verlag gibt dazu in seinen Veranstaltungen für einen horrenden Eintritt den nötigen mentalen und materielle Survival-Kit für die kommenden Katastrophenzeiten.

Wird hier die „richtige“ Angst initiiert?

Warum aber ist es ist nicht die Angst vor einer neuen Finanzkrise, vor einer immer größer werdenden Schere zwischen arm und reich, vor Klimaauswirkungen, vor wachsender Ausbeutung, vor immer mehr Deregulierung, Flexibilität (mehrere Jobs) und Multi-Tasking (mit möglichen psychischen Krankheitsbildern), vor Entwurzlung und sozialer Entwertung, vor totaler Überwachung und ausufernden Lobbyismus, davor das die Großkonzerne Billionen Beträge am Fiskus (ganz legal versteht sich) vorbei“schleuchsen“ können?
Ist die „richtige“ Angst, die vor Assimilierung (der Deutsche weg, da alle 60 Millionen Flüchltinge weltweit nur ins gelobte Merkelland drängen), vor Islamisierung (der Glauben weg und Scharia noch dazu) und vor ökonomischer Pauperisierung (Geld weg, Staatsbankrott – weil die Flüchtlinge nach neuesten ökonomischen Milchmädengleichungen sogar schon 600 Milliarden €/Jahr kosten sollen) ?

Konnte Angela Dorothea Merkel, als „unsere Mutti“ Anfang September dem „Kapitalismus“ (den es natürlich in der originären Reinfigur so nicht mehr gibt, sonder nur marktgeleitete Funktionsmechanismen mit Anstaltscharakter) nicht eigentlich einen besseren Dienst erwiesen als fast eine Million (gefühlt 5 Millionen) Flüchtlinge (ausgestattet mit Bombengürteln) herein zulassen um für die systemischen „Ängste“, für die Kränkungen, für die Überforderungen einen neuen Affektcontainer zu generieren? Postfaktisch meinen Sie? Und jetzt droht noch die Vogelgrippe (wo manch einer wieder seine geliebte Badeente Hermenine beim Gesundsamt impfen lassen wird)? Postaffektiv?

Brauchen wir nur die richtige Angst, damit niemand mehr nach Sinn, Zweck und Vergabe von Religion, massivster Ungleichheit oder Waffengeschäften mit islamischen Staaten fragt?

Müssen wir aus der „richtig“ (politisch) vermittelten Angst nur wie schon immer in der Menschheitsgeschichte nur nach „Unten“ auf die Schwachen, Opfer und Armen (anfänglich noch verbal) draufschlagen, um damit die verschwindet, es „uns“ psychisch (manche glaube auch materiell) „besser“ geht – und selbst der Migrant sich nicht mehr in der Gesellschaftspyramide ganz „unten“ (quasi subsedimentiert) stehen sieht?

Brauchen wir so sehr die „neuen Ängste“? Was aber brauchen wir wirklich? Vielleicht eine „bessere“ Welt?

Naiv, träumerisch, zu polemisch, zu einfältig, zu überheblich meine Gedanken - vermutlich sogar dumm und einfältig!

P.S. Das was Du mit den "Linken" anspricht hat übrigens seine eigene Wahrheit - eine Partei die, wie einst die Grünen, längst im (kapitalinferenten) System "angekommen" ist und nur noch sprachlich von sich spricht.

Antwort
von Nunuhueper, 36

Als Eigentümer oder Mieter einer Wohnung schließt Du die Tür ab oder lässt sie unverschlossen?

Lässt Du jeden rein, der sich das Recht dazu nicht nehmen lassen will?

Wenn Du keine Angst hast, dann mach es doch so wie die Mehrzahl der Neuseeländer.

Ich treffe lieber achtsame Vorsorge, damit ich keine böse Überraschung erlebe.

Kommentar von Rosenblad ,

Diese rhetorische Versatzfigur taugt in seinem pseudogentilen Privatumsatz genauso wenig als gesellschaftliches Bild, wie Merkels dümmlicher Satz über die schwäbische Hausfrau als Allegorie für einen Staatshaushalt taugte.

Kommentar von Nunuhueper ,

Da fragt man sich nur, welche Kategorien von "rhetorischen Versatzfiguren" Du bevorzugst, wenn  ja alles nichts taugt.

Antwort
von Erdbeerman82, 55

Ich weiß nicht, ob ich deine Frage richtig verstanden habe. Allerdings, denke ich, zum Thema AFD, folgendes.
Die Partei ist gut darin, Ängste zu bennenen. Dadurch fühlen sich die Menschen angesprochen (Populismus). Wenn es aber darum geht, Lösungen zu finden, stehen sie ratlos da oder kommen mit der Holzfällermethode (z.B. auf Flüchtlinge schiessen). Zudem ist sie eine Partei, die unsere liberallen Werte nicht vertritt. Werte, die Deutschland so lebenswert gemacht haben. Stattdessen kooperieren sie mit Russland. Einem Land, dass Menschenrechte und die Pressefreiheit untergräbt.

Kommentar von Nunuhueper ,

Wie würdest Du denn Impfungen beurtelen? Werden da nicht auch Ängste geschürt? Wenn sich  aber dadurch Menschen angesprochen fühlen, nennst Du das auch Populismus?

Kommentar von Erdbeerman82 ,

Das ist ein fragwürdiger Vergleich. Impfungen sind ja eine Lösung und keine Angstmacherei. Zudem ist der Sinn, von Impfungen, wissenschaftlich belegt. 

Also,

Impfung=Lösung

AFD=Angstmacherei (keine Lösung)

Kommentar von Nunuhueper ,

Die Angst vor der AfD ist anscheinend größer als vor einem Terroranschlag. 

Alternativen, so auch eine Impfprophylaxe, sind immer sinnvoller, als etwas als alternativlos zu bezeichnen.

Selbst nach einer Impfung gibt es "wissenschaftlich belegt" gelegentlich schwerste Komplikationen.

Antwort
von 1988Ritter, 49

Ich kann jetzt nur von mir sprechen.

Ich habe keine Angst. Ich habe aber eine richtige Wut darüber, wie die Politik der Parteien über das Volk hinweg, und an den Menschen vorbei gemacht wird.

Ich wähle zukünftig AfD nicht weil ich Angst habe. Ich werde die AfD aus meiner Verärgerung wählen.

Kommentar von gxrlxgxrl ,

Das ist genau der gleiche hohle Schwachsinn wie in der USA. Nur aus Verärgerung zu wählen? Die AFD ist genauso wie Trump, erzählen viel aber machen? Machen nichts! ohne jetz jemanden angreifen zu wollen, aber ich find das wirklich dumm aus Protest jemanden zu wählen. Wollen wir wieder in die NS Zeiten rutschen? Ich glaube das das alle halbwegs normalen Leute nicht wollen. Bitte nicht nur aus Protest wählen!

Kommentar von Erdbeerman82 ,

Aus Protest gegen die Altparteien AfD zu wählen ist, als tränke man aus Protest gegen den hohen Trinkwasserpreis aus dem Klobürstenhalter.

Kommentar von Erdbeerman82 ,

Das ist richtiger AFD sprech.

"wie die Politik der Parteien über das Volk hinweg, und an den Menschen vorbei gemacht wird."

Ich gehöre auch zum Volk und sehe das nicht so. Also, bitte nicht pauschalisieren. Sind nicht alle deiner Meinung.

Kommentar von 1988Ritter ,

Das ist ja das was die Demokratie ausmacht.

Kommentar von Nunuhueper ,

Der "hohle Schwachsinn" der jetzigen Politik wird bei uns von den "halbwegs normalen Leuten" ausgebremst. So langsam kommen die etablierten Parteien ins Nachdenken über begangene Fehler.

Kommentar von Erdbeerman82 ,

Nein, genau das ist das eben nicht. Demokratie heisst nicht zu pauschalisieren, sondern Meinungen zuzulassen und zu differenzieren.

Kommentar von Nunuhueper ,

Genau das tun wir hier, nur Du bist damit nicht einverstanden.

Kommentar von Erdbeerman82 ,

Bitte belege mir, wie du darauf kommst, dass ich damit nicht einverstanden bin? Vielleicht kannst du meiner Aussage einfach nicht den Kontext zuordnen?!

Kommentar von Nunuhueper ,

Weil Du Fäkalienvergleiche anbringst, wenn jemand eine andere Ansicht hat als Deine, und sei es nur aus Protest.

Kommentar von Erdbeerman82 ,

Fäkalien kommen in meinem Vergleich gar nicht vor. Der Vergleich soll nur die, aus meiner Sicht, nicht vorhandene Logik aufzeigen.  Hat wohl nicht geklappt.....

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