Frage von HapsHaps, 44

Brauche dringend Tipps gegen Rotwerden - Das Rotwerden hält mich vom Leben ab?

Hallo!

Ich bin gerade wiedermal in der Situation, ich habe heute in der Universität eine interaktive Vorlesung, heißt, jeder kann jederzeit drangenommen werden und muss vor allen sprechen. Außerdem ist Partnerarbeit angesagt....

Ich werde nur irgendwie immer wenn ich etwas gefragt werde, egal ob in der Uni vor vielen Leuten, von jemandem bei der Partnerarbeit oder aber auch so privat nach der Vorlesung so rot, dass man mich darauf anspricht. Und dann ist sowieso alles vorbei. Ich hatte früher in der Schule nie Probleme damit, auch bei meinen Nebenjobs nicht. Eigentlich nur, wenn man mich etwas Privates gefragt hat (und das haben eben eher nur meine Freunde, bei denen ich nicht rot werde). Ich fühle mich auch gar nicht so unsicher und schüchtern, würde gerne am Unterricht teilnehmen... aber diese Sache mit dem Rotwerden blockiert mich mittlerweile. Meist ist es so, ich kriege eine Frage gestellt, fange an zu antworten, währenddessen merke ich wie all mein Blut in den Kopf steigt, sodass ich weder denken noch geradeaus gucken kann und dann rede ich nur noch Stuss,.... und dann schäme ich mich für den Stuss und meinen roten Schädel und versuche aus der Situation irgendwie rauszukommen.

Ich habe einiges probiert. Ich habe das auch wenn ich ganz locker drauf bin (Kneipenabend o.ä.). Ich habe das auch, wenn ich mir eine eiskalte Hand in den Nacken lege (wobei ich dabei ein bisschen besser die Kontrolle behalte). Ich kneife mir neuerdings immer heftigst in den Finger, wenn die Gefahr nach Errötung besteht, um mich etwas abzulenken. Das halt dann auch etwas, aber irgendwann spüre ich das Kneifen nichtmehr sondern fühle meinen Kopf, wie er heiß, schwer und drückend wird. Und dann bin ich schon längst rot (sehe auch meine Nase leuchten). Make-Up hilft nicht, egal wie viel ich auftrage (so, dass es noch nicht wie eine Maske wirkt), auch wenn das Gefühl anfangs dadurch besser war... weil ich dachte ich wäre nicht rot, war es aber.

Das ganze ist so ein riesiger Mist und ist ein riesengroßes Hindernis,.... ich bin jetzt total schüchtern, kenne deshalb kaum jemanden in der Uni (hab grad angefangen), traue mich nicht mich zu melden und komme meistens zu spät, damit ich nicht noch vor der Vorlesung mit den Kommilitonen rumstehe und dann ggf. etwas gefragt werden könnte.... Kann mir irgendjemand helfen? Wer kennt das? Wer weiß wie es geht? Sowas wie "denk nicht zu viel darüber nach, was andere denken" hilft nicht viel, das weiß ich, ich bin nur einfach ein rotes nacktes offenes Buch und würde so gern mal einen Tag lang ein bisschen normale Intimität erfahren. Ich hatte das inzwischen sogar schon einmal bei meinen Freunden und mehrmals unter meinen Brüdern... Die wunderten sich vielleicht. Einzig und allein mein Freund macht mich stark, wenn ich mit ihm zB. reise kann ich mich problemlos (blass!) sogar auf anderen Sprachen mit jedem unterhalten (auch wenn grad ich alleine bin und er einfach irgendwo in der Nähe).

Antwort
von Ollamasi, 41

Das "Problem" ist nicht das Erröten, sondern dass du inzwischen erlernt hast, darauf zu reagieren. Das menschliche Zentralnervensystem ist darauf ausgerichtet, situationsabhängig zu lernen und zu reagieren, und etwas zu "verlernen", was "funktioniert", ist praktisch unmöglich.

Diese erlernte Reaktion lässt sich zwar nicht mehr verlernen, aber ihre Auftretenswahrscheinlichkeit lässt sich vermindern.

Grundprinzip ist das Aushalten des Zustandes, sobald das Erröten auftritt. Denn eines kann das Erröten nicht: Für immer anhalten. Es lässt nach einer gewissen Zeit wieder nach. Das ist der Moment, den du üben, neu erlernen sollst, die Erleichterung, es geschafft zu haben, die Situation ausgehalten zu haben. Das funktioniert bei der Erythrophobie ähnlich wie bei anderen Phobien auch: Gehe es in kleinen Schritten an. du musst nicht sofort vor 250 Kommilitonen sprechen, versuche, gezielt erst mal vor an sich für dich "unwichtigen" (wenigen) Menschen zu erröten, bzw. dich verbal zu präsentieren.

Du wirst sehen mit der Zeit kommt es zu einer Runterregulierung, die Auftretenswahrscheinlichkeit nimmt ab, weil du lernst, dass du manches, manche Situation nicht beherrschen können musst, und das Gefühl, etwas überstanden, bearbeitet zu haben, besser ist, als Situationen auszuweichen.

LG

OM

Kommentar von HapsHaps ,

Dankeschön. Ich kann mich aber auch an eine Situation erinnern, da musste ich ein Projekt einem recht großen Publikum als Gruppe vorstellen, wir standen etwa 30 Minuten vorne und ich war durchgehend rot (wurde mir auch später noch schön von allen gesagt...). Den Text konnte ich zum Glück auswendig, aber dieses Gefühl.... Erst als ich wieder von der Bühne war, als ich zur Ruhe kam und mein Herz aufhörte wie wild zu pumpen konnte ich spüren wie die Hitze nachlässt. Dieses "Überwinden" findet bei mir also wirklich erst dann statt, wenn ich aus der Situation raus bin. Aber Du hast auch Recht, ich bin ja doch froh es überlebt bzw. geschafft zu haben. Danke :)

Kommentar von Ollamasi ,

Eventuell wird es je nach Situation auch länger als 30 Minuten dauern. Worum es geht, ist, dass du die Erfahrung machst, dass es, während die Situation noch andauert, nachlässt. Sobald du erlebt hast, dass es nachlassen kann und du zurück zu deinen "eigenen" Gedanken findest, und die spezifische Situation an sich nicht mehr als entscheidend für das Erröten wahrnimmst, kannst du dich anders (eben positiv) "bewerten". Befrage die Leute, die dich beobachtet haben, nach "Zeichen" deines Erfolgs in der Präsentation. Vielleicht könnte auch helfen, wenn du dich einer Theatergruppe anschließt oder ein Kampfsportraining betreibst.

Antwort
von MarkFragtNach, 40

Hallo HapsHaps,

aus Deiner Beschreibung kann man deutlich herauslesen, dass Dich Dein leichtes Erröten stark beschäftigt und einen Leidensdruck verursacht.

Ich persönlich finde es aber überhaupt nicht schlimm, wenn mein Gegenüber schnell rot wird, besonders bei Frauen find´ich das sogar eher süss..

Ist es nicht so, dass man sich selbst immer wesentlich kritischer wahrnimmt, als die Umgebung/ Deine Mitmenschen?

für alle Fälle hab ich hier noch einen link mit Tipps, den ich zu dem Thema ganz gut fand:

http://de.wikihow.com/Rot-werden-vermeiden

Liebe Grüße und alles Gute!

Kommentar von HapsHaps ,

Vielen Dank! Ja, an sich ist das mit der Wahrnehmung ja so, aber ich wurde einfach schon total oft darauf angesprochen. Ich weiß nicht wieso Leute sowas tun, als wüsste ich selbst nicht dass ich rot werde, als könnte ich das einfach abschalten... Manche tun mir dann auch den Gefallen und sprechen mich nicht direkt drauf an, aber dann nachher "Was war das denn eben?" und dann bin ich auch wieder im Boden... Ich würde niemanden der rot ist darauf ansprechen...

Kommentar von MarkFragtNach ,

naja, liebe HapsHaps, es gibt leider viele Idioten, die sich über die Schwächen anderer lustig machen, vermutlich um von eigenen Fehlern abzulenken und die eigenen Unzulänglichkeiten besser zu verkraften.. mit denen sollte man sich nicht weiter beschäftigen und schön ist doch, dass Du einen Freund hast, der Dich stärkt, will sagen, die Menschen, die Dich lieb haben, stört Dein Rotwerden nicht und auf die Menschen kommt es doch im Leben an, nicht wahr?

Antwort
von Bonbonglas, 35

Du hast ein Problem mit deinem Selbstvertrauen, denn die ganze Sache würde sich nicht so extrem zuspitzen, wärst du nicht darauf fokussiert, blass zu bleiben. Du hast Angst davor, dass andere sehen, wie du dich aufregst, mit dem Ergebnis, dass du dich aufregst. Dein Problem ist nicht dein rotes Gesicht (hey, habe ich auch), sondern deine Angst. Kämpfe nicht gegen die Errötung, sondern gegen die Angst, also akzeptiere, dass du rot wirst (ganz wichtig!) und konzentriere dich auf den Inhalt deiner Sätze. Du wirst merken, je mehr Routine du bekommst, desto weniger wirst du rot. Ziehe dich nicht aus der Affäre, hier hilft nur die Flucht nach vorne!

Kommentar von HapsHaps ,

Das klingt leichter als es ist....

Kommentar von Bonbonglas ,

Das Hindernis, das du so schwer findest, ist in deinem Kopf, nicht in deinem Gesicht. Lerne, dein Gedankenkarussell zu stoppen und das tust du lieber jetzt als später, denn sonst entwickelst du eine Phobie und dann wird es, das kann ich dir versprechen, nicht mehr so einfach dein Problem in den Griff zu bekommen, als es jetzt noch ist.

Kommentar von HapsHaps ,

Danke, das ist ein Ansporn. Ich will nicht dass es noch schlimmer wird!

Kommentar von Bonbonglas ,

Lasse dich nicht davon entmutigen, dass es nicht gleich klappt. Die Geschichte hat sich allmählich hochgeschaukelt, also muss sie auch langsam auspendeln. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wenn du dranbleibst, wirst du positive Veränderungen feststellen. Wenn du kannst, mache Yoga oder Wing Tsun. Die Körperhaltung hat einen großen Einfluss darauf, wie selbstsicher du bist (wie auch umgekehrt). Erfolgserlebnisse stärken das Selbstbild und nehmen dir das Gefühl der Ohnmacht. Ich bin selbst in diesem Prozess und ich bin froh, die gemachten Schritte getan zu haben. Das Leben ist mir heute wesentlich leichter und mehr noch, ich bin gestärkt für die Zukunft.

Antwort
von fvcked, 44

Hey ich kenn das, zwar nich so extrem aber ja... Man kann was dran ändern, zb te dir kalte händen aufs gesicht oder denk dir du wärst allein beziehungsweise sag dir dh bisr gott (oder so) und alle bewundern dich, klingt komisch aber hilft

Kommentar von HapsHaps ,

Danke! Mal sehen ob mein Hirn auf sowas reinfällt, werd ich mal probieren. ;) Das mit den kalten Händen mache ich automatisch, aber gegen die Hitze im Kopf kommt nicht viel an!

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