Frage von 123egalju345, 25

Hat jemand ein Tipp, wie ich mit Folgendem umgehen soll?

Vor einem dreiviertel Jahr ist meine beste Freundin bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Am Anfang wusste ich gar nicht wie ich damit umgehen soll, aber mit Beruhigungsmittel wurde es nach einiger Zeit halbwegs erträglich. Aber jetzt fangt alles wieder von Vorne an und es kommt alles wieder hoch. Ich kann mittlerweile selbst nicht mehr ins Auto steigen ohne daran denken zu müssen, dass ich unbedingt zu ihr will und auch alles mögliche dafür tun würde. Ich versage in der Schule, meine Noten werden immer schlechter, kann in der Nacht kaum schlafen weil ich ständig dran denken muss und will einfach nicht akzeptieren dass sie nicht mehr da ist. Ich schau immer denn anderen zu und sehe, wie sie das alle gut verarbeiten und auch gut damit umgehen können. Ich frage mich dann immer, warum ich das nicht schaffe. Hat vielleicht irgendjemand einen Tipp für mich wie ich damit umgehen soll?

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Antwort
von Windlicht2015, 23

Ich kann sehr gut nachvollziehen was du fühlst und wie es dir geht! Habe selber vor 2 Jahren meine damals 16 jährige Tochter verloren. Ich habe alles versucht um stark zu sein für meine anderen beiden Kinder, habe alles verdrängt und nur noch funktioniert! Seit 1 Jahr mache ich eine Therapie, wo ich lerne mit diesem Verlust umzugehen! Akzeptiert habe ich das bis heute noch nicht! Es gibt Tage an denen ich die Welt hasse, niemanden ertragen kann! Ich frage mich auch, wie andere so schnell über sie hinweggekommen sind, vor allem ihr Freund, der ein paar Monate nach dem Tod von meinem Kind, bereits eine neue Freundin hatte und das überall gepostet hat! Ein starker Schlag für mich! Kann dir nur raten, auch eine Therapie in Erwägung zu ziehen, es könnte dir helfen! Und wenn der Schmerz sehr groß ist, schreibe Briefe an deine Freundin, schreibe ihr alles, was dich bewegt, was du denkst und fühlst! Mir hilft das sehr! Und denke daran, sie ist immer bei dir! Was die Schule anbelangt , ist es normal, dass du dich nicht konzentrieren kannst und schlechter wirst, du musst dir die Zeit geben, diesen Verlust zu verarbeiten und das schaffst du nicht allein! Also hole dir Hilfe! Versuche auch nicht nur zu Hause zu sitzen, gehe fort, mache Sport, verkrieche dich nicht! Es ist schwer, das weiß ich! Aber das Leben geht auch für dich weiter und vielleicht kannst du irgendwann wieder lächeln und glücklich sein, das hätte deine Freundin bestimmt gewollt! Alles Gute und ganz viel Kraft!

Kommentar von 123egalju345 ,

Vielen Dank für die kräftigenden Worte! Es tut mir ebenfalls sehr leid wg deiner Tochter...sie ist jetzt genauso alt wie ich :) und mit Sicherheit ein wunderschöner Engel, der auf euch aufpasst!

Danke!

Kommentar von Windlicht2015 ,

Dankeschön und Kopf hoch! Du bist nicht allein!

Antwort
von Philipp59, 12

Hallo 123egalju345,

einen lieben Freund oder Freundin zu verlieren, ist wahrhaftig ein großer Schmerz und kann zu dem Schlimmsten gehören, was man je erleben muss.

Dass Du noch weit davon entfernt bist, das Geschehene verarbeitet zu haben, zeigen Deine gegenwärtigen Empfindungen. Du schreibst, dass die Beruhigungsmittel Dir geholfen haben, einigermaßen mit der Situation umgehen zu können. Darf ich fragen, ob Du die Beruhigungsmittel inzwischen abgesetzt hast? Falls ja, könnte das evtl. der Grund dafür sein, dass, wie Du schreibst, "alles wieder hochgekommen" ist?

Die Trauerbewältigung ist kein leichter Weg und kann manchmal so schwierig sein, dass man eine Zeitlang sogar professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss. In jedem Fall braucht man jedoch die Hilfe und Unterstützung liebevoller und verständnisvoller Menschen.

Da ich selbst vor wenigen Jahren sowohl meine beiden Elternteile als auch meine Schwester verloren habe, kann ich Deine Empfindungen  einigermaßen nachvollziehen. Ich weiß daher, dass der Schmerz nach dem Verlust eines geliebten Menschen sehr groß sein kann und man braucht unter Umständen sehr viel Zeit, um diesen Schmerz verarbeiten zu können.

Mir hat jemand einmal erklärt, dass jeder auf eine andere Weise trauert und es auch kein Zeitmaß für die Trauer gibt. Das hat mir schon sehr geholfen. Ich finde es auch immer sehr hilfreich, wenn man mit jemandem über seine Gefühle sprechen kann, der vielleicht  Ähnliches erlebt hat und sich am besten in die Lage des anderen hineinversetzen kann. Allein jemanden zu haben, der einem mitfühlend zuhört, kann bereits große Erleichterung bringen.

Was ebenfalls dazu beiträgt, den tiefen Schmerz etwas zu lindern ist, wie ich finde, zu weinen. Ja das Vergießen von Tränen der Trauer ist ein wichtiger und notwendiger Bestandteil des Heilungsprozesses. Hinterher fühlt man sich immer ein wenig erleichtert. Ich glaube, es ist gar nicht gut, wenn man irgendwie versucht, vor anderen seine Gefühle zu verbergen und stark sein zu wollen. Seinen Tränen freien Lauf zu lassen, hilft am besten bei der Trauer.

Mir hilft auch ungemein die Hoffnung, die die Bibel im Hinblick auf die Verstorbenen gibt. Da ich mich viel mit der Bibel beschäftige, hat es mich sehr getröstet, das zu lesen, was Jesus einmal über die Toten sagte: " Denn so, wie der Vater die Toten auferweckt und sie lebendig macht, so macht auch der Sohn die lebendig, welche er will. Wundert euch nicht darüber, denn die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, seine Stimme hören  und herauskommen werden, ..." (Johannes, Kapitel 5, Verse 21, 28 u. 29a). Davon überzeugt zu sein, den lieben Verstorbenen eines Tages wieder in seine Arme schließen zu können, kann die Trauer sehr erleichtern.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass es Dir im Laufe der Zeit gelingt, den Schmerz ein wenig besser zu verarbeiten. Natürlich wird der Gedanke an den Verlust immer schmerzvoll bleiben, doch mit und mit wird der ganz große Schmerz nachlassen und Du wirst ein wenig Abstand gewinnen.

Und zum Schluss noch einen Tipp: Schließe Deine Befürchtungen, Gedanken und Gefühle niemals in Dich ein. Suche Dir Menschen, zu denen Du Vertrauen hast und mit denen Du über alles sprechen kannst. Wenn Du Menschen an Deiner Seite hast, die Deinen Schmerz teilen und mit Dir mitfühlen, wird es Dir wahrscheinlich viel leichter ums Herz werden und Dein Leben mag wieder erträglicher werden.

LG Philipp

Kommentar von 123egalju345 ,

Vielen Dank Philipp! Du hast mir seht geholfen. Tut mir sehr leid dass du sowas erleben musstest! Sowas verdient einfach niemand. Gott und dir Engel helfen mir ebenfalls sehr viel weiter. Ohne diesen schönen Gedanken, sie früher oder später wieder in die Arme schließen zu können wäre es noch viel unerträglicher. Dankeschön nochmal! 

Antwort
von XXpokerface, 25

Das ist wirklich ganz tragisch. Vielleicht hast du deine Gefühle unterdrückt und jetzt kommt alles wieder. Ich glaube, du solltest dir jetzt eine Auszeit nehmen und in Therapie gehen, denn das hilft dir, alles besser zu verarbeiten. Vielleicht kannst du das Schuljahr wiederholen dann. Wichtig ist, das du dir vor Augen hälst, dass du nichts dafür kannst. Sprich auch mal mit ihren Eltern. Sie können eine wichtige Stütze sein. Sie wird immer eine besondere Stelle in deinem Herzen haben und vielleicht wirst du irgendwann wieder glücklich, das hätte sie bestimmt auch gewollt.

Kommentar von 123egalju345 ,

Das ist eine gute Idee, mit den Eltern zu sprechen! Aber glaubst du, sind sie dann böse oder wissen nicht wie sie darauf reagieren sollen? Davor hab ich nämlich ein bisschen Angst. Denn für die Familie ist es noch viel schlimmer und unerträglicher...

Kommentar von XXpokerface ,

na ja, geteiltes Leid ist halbes Leid. Wenn dir die Tränen kommen, solltest du sie einfach mal bitten, sie umarmen zu dürfen. Ihr macht das Gleiche durch. Vielleicht solltest du gucken, wie es ihnen gerade geht.

Antwort
von Kerstin96, 19

Bist du in Behandlung? Eine regelmäßige Therapie würde dir auf jeden Fall weiterhelfen, bis es dir wieder besser geht.

Kommentar von 123egalju345 ,

Hab nächsten Dienstag meinen ersten Termin für eine Therapie...

Glaub auch dass ichs brauche..

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