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Bräuchten wir eine Definition von Toleranz wenn die Welt ein bisschen toleranter wäre?

Frage von NicoPumpkin NicoPumpkin

Ich meine müsste es dann überhaupt eine Definition geben? Existierte dieses Wort überhaupt, wenn die Welt toleranter wäre?

Ist Toleranz relativ oder was versteht ihr sonst unter Toleranz?

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Antworten (4)

  • 4
    Hilfreichste & RatgeberHelden Antwort
    Antwort von Albrecht Albrecht

    Ein Wort existiert, wenn es in der Sprache verwendet wird, um etwas zu bezeichnen. Sprache unterliegt Entwicklungen und neue Wörter können geschaffen werden. Für die Existenz eines Wortes in der Sprache ist die stark verbreitete Existenz des Gegenteils in der Realität nicht unbedingt erforderlich, auch wenn Schwierigkeiten und ein dringender Bedarf an Gegenwirkung die Entwicklung von Begriffen in Gang setzen und vorantreiben können. Die Denkmöglichkeit ist für die Entstehung von Wörtern ausreichend.

    Die innere Einstellung und das Praktizieren von Toleranz sind wichtig und eine bloße Definition ist für das Leben in einer toleranten Welt nicht ausreichend. Deshalb Definitionen und Begriffe für völlig unnötig und entbehrlich zu halten, ist aber zu kurz gedacht.
    Wie kann Toleranz gelebt werden, ohne zu wissen oder einigermaßen zu verstehen, was dies ist?

    Toleranz stellt sich nicht unbedingt und selbstverständlich gleichsam naturwüchsig und mit gesicherter Zuverlässigkeit ein. Bei allgemeine Menschenfreundlichkeit und Wunsch nach liebevollem und harmonischem Miteinander könnte Toleranz auftreten, aber dazu gehört, sie als in diesen Motiven eingeschlossen zu behandeln. Intolerante können ja auch der Meinung sein, sie wollten etwas Gutes für die anderen, die sie von etwas abbringen möchten, und dann von ihren Überzeugungen Abweichendes nicht dulden.

    Toleranz ist auch etwas anderes als totale Indifferenz, die völlige/vollständige/gänzliche/restlose Unterschiedslosigkeit und Gleichgültigkeit (alles gilt gleich viel oder wenig). Indifferenz ist eine Hinnahme von Standpunkten ohne Bewertung, Urteilsbildung, Stellungnahme oder Interesse daran. Eine zu einem eigenen Standpunkt führenden Auseinandersetzung mit der Frage in der Sache wird unterlassen.

    Toleranz kann als Wert nur Orientierung geben, wenn das Wesentliche der Sache verstanden wird. Dazu gehört, Toleranz begrifflich zu erfassen. Es kommt nicht auf genaue Formulierungskünste an. Die sprachliche Seite ist erforderlich, um sich über Sachen zu verständigen. Definitionen helfen dabei, die Bedeutung eines Begriffs zu verstehen.

    Auch wenn die Welt sehr tolerant wäre, entfiele die Wichtigkeit von Toleranz nicht einfach. Toleranz wäre wichtig, damit die Welt tolerant bleibt.

    Die menschliche Natur und das Zusammenleben in der Gesellschaft schließen das Auftreten von Intoleranz nicht als Möglichkeit von vornherein aus. Daher werden auch Begriffe benötigt, um das wünschenswerte und das nicht wünschenswerte Verhalten zu bezeichnen und zu unterscheiden.

    Toleranz ist relativ. Toleranz ist ein Relationsbegriff, denn Toleranz ist auf eine Abweichung anderer von eigenen Überzeugungen bezogen. Toleranz ist nichts Absolutes, denn sie kann in einem mehr oder großem Grad vorhanden sein (es gibt z. B. Überschreitung von Toleranzschwellen) und sie verlangt nicht unbedingt, alles hinzunehmen, auch sehr Schlimmes. Toleranz hat Grenzen. Völlige Toleranz gegenüber Intoleranz würde zu einer Selbstaufhebung von Toleranz in einer Gesellschaft führen. Es bleibt die Möglichkeit zur Gegenwehr erforderlich, wenn ein Kernbestand von Werten und Normen bedroht ist.

    Toleranz ist vom lateinischen Verb „tolerare“ = „ertragen“, (er)dulden“, „aushalten“, „zulassen“ abgeleitet Substantiv (tolerantia).

    Toleranz ist Duldsamkeit und die Bereitschaft, andere Einstellungen, Überzeugungen und Verhaltensweisen zuzulassen und nicht zu versuchen, sie zu unterdrücken, auch wenn sie von den eigenen abweichen und die anderen abgelehnt werden (sie werden für schlecht gehalten bzw., mißfallen).
    Toleranz verzichtet darauf, etwas zu bekämpfen oder zu behindern. Die Grenze besteht da, wo etwas für zu schlecht und damit nicht hinnehmbar gehalten.

    Achtung und Respekt gehen über ein Zulassen hinaus.

    Rainer Forst, Toleranz. In: Handbuch Ethik. Herausgegeben von Marcus Düwell, Christoph Hübenthal und Micha H. Werner. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2002, S. 533: „So empfiehlt sich die Respekt-Konzeption als die für eine pluralistische Gesellschaft als die am besten geeignete. Der Begriff ›Respekt‹ allerdings lässt sich auf zweierlei Weise verstehen. Erstens kann damit die Achtung für den Anderen als ethisch autonomes Wesen gemeint sein, dessen Entscheidung für eine bestimmte Konzeption des guten Lebens zu respektieren ist. Dies setzt freilich nicht nur den Wert der Autonomie voraus, es erscheinen auch lediglich Überzeugungen und Praktiken als tolerierbar, die – nach einem schwer festzulegenden Maßstab – autonom gewählt sind, woraus enge Grenzziehungen folgen, während andererseits weite Grenzziehungen resultieren, wenn der Respekt für ethische Autonomie es gebietet, individuelle Entscheidungen an sich zu achten.

    Kommentar von Albrecht AlbrechtAlbrecht

    Zweitens kann mit Respekt die gegenseitige Achtung als politisch-moralisch gleichberechtigte Bürger/innen gemeint sein, welche ein Recht darauf haben, dass die grundlegenden Normen, denen sie unterworfen sind, ihnen gegenüber und durch sie gerechtfertigt werden können. Gemäß diesem Prinzip scheiden zur Begründung solcher Normen umstrittene ethische (z. B. religiöse) Argumente aus, die nur den Überzeugungen eines Teils der Bürger/innen entsprechen. Toleranz bedeutet damit, die Bereitschaft zu akzeptieren, dass in grundlegenden Fragen des politischen Zusammenlebens nur wechsel- und allseitig teilbare Gründe Legitimität schaffen können. Die Überzeugungen, die nicht in der Lage sind, auf diese Weise Legitimität zu begründen, können weiterhin als Auffassungen des Guten vertreten werden und müssen toleriert werden, sofern sie selbst den Grundsatz der reziprok-allgemeinen Rechtfertigung anerkennen.“

    Marcus Düwell, Kompromiss. In: Handbuch Ethik. Herausgegeben von Marcus Düwell, Christoph Hübenthal und Micha H. Werner. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2002, S. 416:

    „Beim Respekt lasse ich die Überzeugungen des anderen nicht nur zu, sondern begegne ihnen sogar mit Achtung, wenngleich ich sie mir nicht zu Eigen mache. Respekt bringt man zudem nicht allein Verhaltensweisen und Überzeugungen, sondern auch Personen entgegen. Im Unterschied zur moralischen Achtung, die von individuellen Unterschieden bewusst absieht, bezieht sich Respekt stets auch auf Besonderheiten individueller Personen, Verhaltensweisen und Überzeugungen.“

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    Antwort von wernilein wernilein

    Es braucht keiner diese Definition,man muss es nur leben.Das alleine reicht.

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    RatgeberHelden Antwort von berkersheim berkersheim

    Sprache benötigen wir, um uns über Phänomene zu verständigen. Aber Sprache macht nicht die Phänomene. Wernilein hat Recht, tolerant sein muss man leben. Eine Grundvoraussetzung dazu ist glabue ich ein gesundes Selbstvertrauchen, das "Andersartigem" nicht gleich mit Angst entgegentritt, mit dem Misstrauen, es könnte ein Angriff auf das Eigene sein. Aber da es immer tolerante und intolerante Menschen geben wird - fürchte ich - wird man das Wort brauchen, um dieses Verhalten qualifizieren und benennen zu können.

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    Antwort von Syberius Syberius

    Eine Tolerante Welt wäre eine weltoffene Welt für die das Wort tolerant dann wohl überflüssig wäre. Vorrausgesetzt die Welt sind alle und alles. So denke ich darüber. Gute Frage btw.

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