Frage von fraesee, 149

Boxer-Hündin kastrierern?

Abend. Sind gerade am überlegen ob wir unsere Boxer Hündin kastrieren lassen sollen, da sie vor, während und nach der läufigkeit oft sehr aggressiv gegenüber anderen hunden reagiert. Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Auch mit evtl. Inkontinenz? Das Risiko bei Boxern ist ja relativ hoch.

Expertenantwort
von Berni74, Community-Experte für Hund, 38

Wenn ihre Agressivität wirklich in direktem Zusammenhang mit den Hormonveränderungen vor, während und nach der Hitze steht, denke ich nicht, daß es zwingend ein Erziehungsproblem sein muß. Wie ist sie denn sonst drauf, außerhalb von Hitze und Scheinträchtigkeit?

Ich selbst habe auch kastrierte Hündinnen, weil ich das besser finde, als sie ständig ihrem hormonellen Streß auszusetzen (bei Hündinnen zyklisch, bei Rüden im schlimmsten Fall ganzjährig, je nachdem, wo man wohnt und wie die Hündinnen der Nachbarschaft so läufig werden). Ich halte es so, daß ich sie erstmal läufig werden lasse und danach mit dem TA zusammen entscheide, ob es besser ist zu kastrieren oder nicht.

Meine Mädels sind im Laufe ihres Lebens weder inkontinent geworden (die erste Hündin wurde 13, die zweite über 10 Jahre), noch wurden sie dick oder haben schlechtes Fell bekommen. Auch haben sie ein völlig normales Sozialverhalten gegenüber Artgenossen entwickelt und gehabt, wurden von allen Hunden, ob männlich, weiblich, kastriert oder unkastriert, akzeptiert und respektiert. Wir hatten noch nie irgendwelchen Streß.

In Deinem Fall würde ich mich auch von einem guten Hundetrainer beraten lassen, ob die Aggression tatsächlich durch die Läufigkeit/Scheinträchtigkeit kommt oder ob sie andere Ursachen hat. Allerdings muß man hier auch wirklich aufpassen, daß man an einen objektiven Hundetrainer gerät. Ich kenne durchaus auch Hundeschulen, die bei 7 Monate alten Welpen generell zur Kastration raten, was meiner Meinung nach gar nicht geht. Solche würden dann aber auch nicht objektiv beraten, ob eine Kastration unbedingt nötig ist oder nicht.

Expertenantwort
von Naninja, Community-Experte für Hund, 85

Diese Frage würde ich unbedingt mit einem erfahrenen Trainer (und nicht mit einem Tierarzt) diskutieren, der sich den Hund vorher in solchen Situationen mit anderen Hunden angesehen hat. Ohne es böse zu meinen: Eine Kastration löst keine Probleme, die durch Menschenhand verursacht worden sind. Ob das so ist, solltest Du unbedingt vorher abklären lassen.

Guck Dir mal diesen Artikel an. Darin ist die Problematik ausführlich beschrieben: http://www.bernersennenvombirkenbusch.de/files/spf_2_kastration.pdf

Kommentar von Morwyn ,

Seufz

Zu der PDF:

Wäre Kastration gegen das Gesetz, würde auch gehandelt werden . Das Kupieren z.B. ist verboten und da würde jeder Tierarzt auch in Teufels Küche kommen (Außnahme weiterhin eingie Jagdhunde).

Dann mal weitergedacht, in manchen Regionen gilt eine Kastrationspflicht bei Katzen, aber für Hunde ist es der Weltuntergang ? ;) Ja der Zyklus ist anders, aber trotzdem ist Kastration nach wie vor  nicht so böse, wie manch einer behauptet. Hypersexen gehört nun mal leider auch oft zur der Natur der Tiere .

Die "Aussage aus dem Tierschutzbericht der Bundesregierung"  das der Teil des Tierschutzgesetzes " .... zur Verhinderung der unkontrollierten Fortpflanzung oder - soweit tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen - zur weiteren Nutzung oder Haltung des Tieres eine Unfruchtbarmachung vorgenommen wird." nicht für Hunde gelten sollte, ist mir nicht bekannt. Gerne nehme ich den Artikel entgegen

Kommentar von xttenere ,

Du wirst immer Kastrationsgegner haben, welche lieber eine ungewollte Trächtigkeit in Kauf nehmen, als eine Hündin kastrieren zu lassen. Ist natürlich auch eine Geldfrage. Bei uns in der Schweiz kostet dieser Eingriff zwischen 700.- und 900.- Fr. Und trotzdem sind bei uns die meisten Hündinnen, welche man nicht zur Zucht verwendet geschnitten.

Bei einem Rüden sehe ich das etwas anders. Einen Rüden kastriere ich nur, wenn es medizinisch notwendig ist. Z.B. wenn nicht beide Hoden unten sind, oder er im roten Bereich dreht und auch das Fressen verweigert, wenn läufige Hündinnen in der Gegend sind. Rüden sind danach weder Fisch noch Vogel, und werden gerne von Artgenossen gemoppt.

Kommentar von Naninja ,

Morwyn und xttenere,

Eure Seufzer und Kastrationsgegner- Keule könnt Ihr stecken lassen. Meine Hunde habe ich beide kastrieren lassen. Und gerade deshalb kann ich sehr genau beurteilen, welche Verhaltensänderungen eine Kastration bei einer Hündin auslöst und plädiere dafür, sich sehr genau zu informieren, abzuwägen und auch kritische Artikel wie den von mir zitierten in die Überlegung mit einzubeziehen, damit sich die Probleme der Fragestellerin und ihres Hundes nicht noch weiter verschärfen. Ihr habt beide den wesentlichen Teil, der sich mit der hormonell bedingten Veränderung beschäftigt, und auf den ich explizit verwiesen habe, komplett ignoriert.

Ihr hängt Euch beide an Punkten auf, die hier überhaupt nicht gefragt waren und die für das Wohl des Hundes an dieser Stelle überhaupt keine Rolle spielen. Auch einen weiteren Punkt scheint Ihr völlig überlesen zu haben: nämlich dass eine Kastration im Einzelfall durchaus sinnvoll sein kann. Aber gut, dass diese völlig irrelevanten Punkte nun auch zur Sprache gekommen. Eine für mein Empfinden ziemlich unfeine Art, die Argumente eines Diskussionspartners disqualifizieren zu wollen.

Kommentar von Morwyn ,

Mein Beitrag fing an mit "zur PDF". Die hast du nun mal verlinkt und diese wird sicher auch gelesen und als Informationsquelle angesehen.

Diese Halbwahrheiten sind nun mal nicht ok und verunsichern viele Halter.

Ja ein Trainier ist sicher gut, aber auch ein Tierarzt. Ein guter Tierarzt würde nie einfach nur so zu einer Kastration raten, gerade bei einer Boxer-Hündin.

Weil du eine kastrierte Hündin hast, kannst du leider eben nicht das generelle Verhalten beurteilen. Da gibt es eben Tierärzte, die täglich 10-30 Tiere sehen und mit Haltern sprechen.

Es ist sicher nicht unfairt, wenn man zu einer geposteten Informationsquelle etwas sagt ;)

Kommentar von MiraAnui ,

Zwischen Katzen und Hunden liegen jedoch Welten.

Auf einen Hund kann man ein wirken. Man führt ihn an der Leine, erzieht ihn und passt auf.

Ein Freigänger Kater/Katze entzieht sich jedem einwirken seines Besitzers.

Bei Hypersexen nützt eine Kastration, aber oft ist das nicht der Grund für einr Kastration sondern einfach Faulheit und Wunschdenken, dass Erziehungsprobleme sich in Luft auflösen.

Kommentar von Morwyn ,

Ich schrieb der Zyklus ist anders, ja. Es geht darum dass aber sicher nicht alle kastrierten Tiere eine Wesensänderung oder extreme Probleme haben.

Bei Boxern muss man natürlich schon sehr abwägen, das stimmt. Die Argumente in dem PDF sind aber so nun mal nicht wirklich haltbar

Kommentar von Naninja ,

Morwyn,

ich lese die PDF völlig anders als Du. Abgesehen davon finde ich es fast schon niedlich, dass Du Gansloßer als studierten Biologen, Dozenten, Autoren, einem der führenden Verhaltensbiologen und Wissenschaftler in diesem Bereich und der Co- Autorin, einer Tierärztin, gefährliches Halbwissen unsterstellst. ;-) 

Es ist auch bemerkenswert dass Du glaubst, meine Erfahrung auf Basis der Aussage, dass ich aktuell eine kastrierte Hündin habe, beurteilen zu können.

Eigentlich sollte es doch kein Problem sein, Argumente sachlich zu widerlegen, wenn sie Deiner Meinung nach nicht stimmen. Stattdessen lese ich nur, dass alle, die aus konkret genannten Gründen zur Vorsicht raten, auf dem Holzpfad sind und Deiner Meinung nach nicht die Ahnung haben, die Du für Dich beanspruchst. Leider ist außer dieser bloßen Behauptung nichts erkennbar, dass diese Aussage sachlich und inhaltlich nachvollziehbar macht.

Ich finde die Diskussionen hier generell sehr hilfreich. Allerdings enden sie- wie hier- auch regelmäßig an Punkten, an denen es um das bloße Rechthaben und nicht mehr um die Sache geht. Sehr schade!

Kommentar von Morwyn ,

Ich sagte, man kann mir gerne zeigen, wo explizit steht, dass Hunde von dem Part des Tierschutzgesetzes ausgeschlossen sind und somit ein Kastrationsverbot besteht.

Dann wäre die Frage wieso so viel Tierärzte ohne Strafe kastrieren.

Ich denke dort waren genug Argumente + Frage, die jedoch ignoriert wurden und es direkt persönlich wurde.

Schade

Kommentar von Naninja ,

Die Stelle zeige ich Dir gerne. § 6 I S. 2 Nr. 1 a) i.V.m. I S. 2 Nr. 5 TierSchG i.V.m. BT-Drucks. 13/7015 S. 18 mit Verweis auf die entsprechende Kommentierung bei Kluge-Hartung, Tierschutzgesetz, § 6 Rn 3, a.a.O. § 6 Rn 6; Lorz/-Metzger, Tierschutzgesetz, § 6 Rn 10, a.a.O. § 6 Rn 38, Hirt/Maisack/Moritz, Tierschutzgesetz, § 6 Rn 20.

Antwort
von Weisefrau, 34

Hallo, ich kenne die ganze Problematik gerade mit Boxern. Aber ich kann dir nichts wirklich Raten. Es kann halt immer so oder so ausgehen in Bezug auf eine evt. Inkontinenz.

Wenn sich zwei Hündinnen begegnen dann ist das Hundesicht so. Eine von uns ist überflüssig, denken die Hündinnen! Es besteht eine Konkurrenz wer sich paart und wer die Welpen aufzieht. Daher sind Beißereien zwischen diesen Tiere sehr schlimm.

Es gibt aber auch Hündinnen die nicht so drauf sind!!

Auch die Kastration ändert nichts mehr an diesem Verhalten.... Aber durch die konsequente Erziehung kann viel wieder aufgeholt werden. 

Antwort
von xttenere, 39

Die Inkontinenz bei Hündinnen kommt gemäss Studie bei einem von 10 Tieren vor. Es hat nichts mit der Grösse des Hundes, sondern mit seinem (Über)Gewicht zu tun. Wenn Du eine Hündin vor der 1. Läufigkeit kastrieren lässt, ist die Gefahr dass sie nur noch faul herumliegt etwas geringer. Auch würde ich eine minimalinvasive OP vorziehen, bei welcher nur die Eierstöcke entfernt werden, und die Gebärmutter als Organ erhalten bleibt. Diese stützt die Blase etwas.

Wichtig nach der Kastration ist Bewegung und falls die Dame zunimmt, das Futter zu reduzieren.

noch was...ob Deine Hündin danach umgänglicher wird, kann Dir keiner garantieren.

Expertenantwort
von YarlungTsangpo, Community-Experte für Hund, 32

Das Risiko zur Inkontinenz bei der Boxerhündin liegt bei über 60 % (!)

http://www.poodle-of-the-curly-future.de/mediapool/131/1313327/data/kastration.p...

Das ist ein kleiner Auszug zum Buch, Kastration des Hundes aus verhaltensbiologischer Sicht... Kastration und Verhalten beim Hund, Autoren: Gansloßer, Strodtbeck 

Lese es, lese den Text im Link genau. Das negative Verhalten Deiner Hündin wird sich dergestalt verändern, daß sie sich in Zukunft nicht mehr nur zur Läufigkeit und Scheinträchtigkeit extrem dominant - aggressiv verhält - sondern das gesamte Jahr, 365 Tage lang.

Bitte suche Dir eine gute Hundeschule mit einem gut ausgebildeten und erfahrenen Trainer. Positve Verstärker sollten die Grundlage sein.

Unter IBH-Hundeschulen und Deiner Postleitzahl findest Du solche Ansprechpartner in Deiner Nähe. Ändere Dein Verhalten gegenüber Deiner Hündin, lerne Situationen zu übernehmen.

Schon wird das Verhalten Deiner Hündin rund um das Fortpflanzungsverhalten weniger Probleme machen. Man kann Verhalten nicht operieren!

Kommentar von YarlungTsangpo ,

Noch zum Argument Hündin, Kastration und Gebärmutterentzündung und Scheinträchtigkeit.

Meine letzten drei Hündinnen wurden alle drei aus medizinischen Gründen kastriert.

- Beauty beim Züchter wg. Kaiserschnitt

- Nala bei mir wg. Dauerhitze (Zysten in Gebärmutter und Eierstöcken)

- Ambi wegen immer extremer werdenden Scheinträchtigkeiten zum Schluß mit trockener Gesäugeentzündung

Alle drei Hündinnen wurden regelmäßig scheinträchtig! Zwei Hündinnen hatten/haben Probleme mit Stumpfpyometra und Harnleiterentzündung (Achtung Niere!) 

Alle Hündinnen haben ein deutlich stärkeres Dominier-Drohverhalten entwickelt = Rüdinnen.

Zwei Hündinnen wurden, obwohl vollkommen normalgewichtig - Inkontinent, eine davon sehr extrem! Das ist Rasseabhängig

Alle drei Hündinnen haben ein total verändertes Riesenwüchsiges Haarkleid bekommen, eine davon derart, daß nur noch geschoren werden konnte. Unpflegbare Hunde!

Antwort
von MiraAnui, 35

Meine Hündin wurde kastriert mit ca. 2,5 Jahre da wir einen Rüden bekamen.

Sie ist ca. 2 Jahre danach Inkontinent geworden und musst täglich eine Tablette nehmen.

Ihr wesen hat sich null geändert sie war aber vorher schon sehr wesensfest.

Meine Hündin hat dennoch Phasen wo extrem gut riecht für Rüden.

Es kann dir passieren das deine Hündin durch die Kastration ständig aggressiv ist. Denn so ein Eingriff in den Hormonhaushalt ist nicht ohne und vorallen kann es nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Eine gesteigert Aggression ist während der Läufigkeit gegenüber Geschlechtsgenossen nicht selten sind ja alles Konkurrentinnen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten