Buchfink am 13.05.2009 um 13:54 Uhr
Jeden Donnerstagnachmittag arbeite ich ehrenamtlich in einem örtlichen Seniorenheim und helfe dabei die Bewohner zu beschäftigen. Einer unserer Heimbewohner kommt aus Dänemark und saugt wissbegierig die deutsche Sprache auf. Er verwendet dem Genitiv und nutzt den Konjunktiv, als wäre es seine Muttersprache.
Aber: Er bringt unbewusst "deutsche Sprichwörter" durcheinander, was dann zu den seltsamsten Sprachkonstrukten führt und ihn mehr als einmal der allgemeinen Belustigung aussetzte.
Wer im Glashaus sitzt, der werfe den ersten Stein
Der frühe Vogel hat Gold im Mund.
Ein geschenkter Gaul, braucht für den Spott nicht zu sorgen
Wer zuletzt lacht, den bestraft das Leben
Der Spatz in der Hand hat kurze Beine.
Vermutlich weiß er nicht so richtig, was diese Redensarten bedeuten und hat deswegen kein Gefühl sie richtig zu kombinieren. Er verwendet aber diese Redensarten unglaublich gerne. Natürlich verzweifelt er daran und bei Unterhaltungen mischt er sich schon gar nicht mehr ein, weil seine Mitbewohner ihn schon aufziehen, bevor er sich einer Gesprächsrunde überhaupt nähert.
Wie geht man damit nun um?
Verwandte Frage: http://www.gutefrage.net/frage/streitigkeiten-beim-scrabble-aerztekammer-und-der...

Trotzdem kann so ein kleines Buch nicht schaden ;)

Das macht ihn doch voll sympathisch xD
Buchfink am 13. Mai 2009 13:56 Sehe ich genauso.
Aber die anderen Bewohner sind da nicht derselben Meinung.

Sag ihm einfach einmal, wie lustig du das findest und das es einfach schon zu ihm gehört. Menschen, die Deutsch als Muttersprache haben, machen das, um aufzufallen. Wie wir in Österreich sagen würden: Bussel ihn ab, ich finde das äußerst drollig und liebenswert. Soetwas kann nicht mit dem Ratio lösen, nimm ihn an der Hand und lache mit ihm darüber.
Buchfink am 13. Mai 2009 13:58 Meine Meinung dazu kennt er.
Aber die anderen Bewohner ziehen ihn damit auf.
liegestuhl am 13. Mai 2009 14:00 Spiel ein Spiel: Wer kann am Besten Sprichwörter vertauschen ? Bring ein Beispiel ein. Das ist doch eine Kunst, wenn man es bewußt macht.
erweh am 13. Mai 2009 14:02 Gute Idee!

also ich finde das knuffig...das macht ihn doch so richtig sympathisch....

Ich weiß nicht recht, ob das ein Gag sein soll, auf jeden Fall finde ich das echt gut, machs auch manchmal. Nur der frühe Wurm entkommt der Katze.
Buchfink am 13. Mai 2009 14:03 Nein, leider kein Gag.

Der arme Däne sollte ein Buch schreiben, Zitate dieser Art müssen unbedingt der Nachwelt erhalten bleiben, das grenzt an Genialität !!
So wäre der arme alte Däne auch beschäftigt.
lg....strick

Und dann hätte er auch noch viel mehr Sprichwörter zum genial verdrehen gleich als Sammlung parat!
Laßt um Himmelswillen den armen Mann so wie er ist, und die humorlosen Mitbewohner sollen bleiben, wo der Pfeffer wächst!
Buchfink am 14. Mai 2009 21:52 Die scheinen aber zu wissen, wo das Kaninchen entlangradelt.
Maienblume am 14. Mai 2009 21:56 Dann könnte er ihnen sagen, daß sie ihm den Schuh aufblasen dürfen!
unterwegs am 15. Mai 2009 09:17 :-D

Den stakkels.


saulässig!

Das ist doch äusserst niedlich von dem alten Herrn. Ich würde ihn niemals verspotten, sondern würde seine skurrile Art, die Sprichwörter durcheinander zu werfen, als „eine liebenswerte Macke“ definieren.
Ich verändere manchmal ganz bewusst Sprichwörter. Mein Lieblings-Sprichwort ist: „Wer andern eine Grube gräbt, ist ein Erdarbeiter!“ Wie wahr!
Oder: „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe ja auf morgen!“ ;o)
Sprich mit den Mitbewohnern und macht ein Spiel daraus: Wer die verrücktesten Einfälle beim Zusammensetzen von zwei Sprichwörten hat, bekommt eine Belohnung (denk Dir da was aus). Die alten Herrschaften werden sich anstrengen und sich gegenseitig überbieten wollen mit ihren ausgefallenen Einfällen!
Buchfink am 23. Mai 2009 14:14 Das tue ich auch. Nur haben seine Mitbewohner Probleme damit.
Okay, aber das ist eine bewusste Abwandlung und keine unbewusste (Halb-und-Halb)Vermischung von zwei verschiedenen Sprichwörtern.
Und wenn sie sich dann endgültig gegen ihn verschwören, weil er im Vorteil ist?
MagnoliaNe am 23. Mai 2009 14:25 Nochmal:
Die Heimbewohner werden sich überbieten an aussergewöhnlichen Zusammensetzungen von verschiedenen Sprichwörten. An eine Verschwörung gegen den alten Herrn werden sie gar nicht denken.
Und wenn, dann soll er das Heim wechseln. Es gibt sicherlich auch Seniorenheime mit Bewohnern, die „Spass verstehen“! ;o)
Buchfink am 23. Mai 2009 21:36 Nochmal:
Er darf nicht wechseln. Den will ich behalten.


Würde ich so machen.


...alles halb so wild
... und Hauptsache, Du musst ihn nicht in Strömen oder am Ende des Ganges abholen, ist beides weit weg.





Damit tut er doch keiner Mücke was zur Fliege....

aber er sollte sie aufschreiben und in einem kleinen büchlein immer mit sich tragen

vielleicht wäre es wirklich genial die sachen so wie er sie anbringt zu veröffentlichen. ich denke trotzdem dass so ein buch, welches sprichwörter erklärt, für den mann der reinste "festschmaus" sein müsste. und es würde ihm beim sprache-lernen buchstäblich flügel verleihen.

Ist das süß!! Und ganz schön toll, wenn die alten Leute mal was zu lachen haben! Aber da das für den netten Herrn ja doch bisweilen eher peinlich wird, könntest du so vorgehen: Ihn erstens für sein Bemühen um die deutsche Sprache loben und für seine gute Grammatik, die ja für Ausländer verteufelt schwer ist. Und ihm dann einige seiner Lieblingssprüche in Ruhe richtigrum erklären. Viel Spaß weiterhin mit dem Guten!
So lernt er es am Besten und macht sich nicht weiter lächerlich.

Na, ich kenn Leute, die versuchen solche Sprüche absichtlich zu verdrehen. Wenn es denn bei einem Senioren so charmant verdreht herauskommt, ist es absolut liebenswert.
Buchfink am 15. Mai 2009 22:07 Unwissenheit schützt vor Spott nicht.

Unbedingt muss er weitermachen, das ist wirklich genial, und die anderen können ihm doch - wenn du ihm den Rücken stärkst - völlig egal sein. Richte ihm ein Beispiel dessen aus, was eine mir nahe stehende Verwandte immer sagt (und was ich immer aufschreibe): Man soll so schnell das Handtuch nicht ins Korn werfen!

damit zeigst Du ihm, dass Du sein Problem ernst nimmst und an einer Besserung mindestens so interessiert bist, wie er sicherlich auch selbst.
Ich finde, das sollte so bleiben.. also meiner Meinung nach kommt das sehr gut an.

Ich finde ihn jetzt schon total sympatisch und lustig :) Wenn es ihn selbst verunsichert ist es natürlich schwierig, ich würde ihm zwar sagen, dass sie verdreht sind, aber gleichzeit auch, dass ich es toll finde, wie er damit spielt und dass so ganz neue Bilder entstehen. Vielleicht könnte man ja auch ganz offensiv ein Spiel daraus machen: Es gibt Karten mit dem 1. Teil und Karten mit dem 2. Teil bekannter Sprichtwörter und dann setzt man sie zusammen und überlegt gemeinsam, was das neue Sprichwort bedeuten könnte. Das stelle ich mir sehr lustig vor und der nette ältere Herr wird nicht bloßgestellt, sondern seine Kreationen werden gewürdigt.
Buchfink am 22. Mai 2009 17:34 Sehr schöner Tipp!



Ich finde es recht amüsant. Solange er nach dem verdrehten Sprichwort, seine Meinung dann in normaler Sprache seinen Mitmenschen mitteilt, gibt es auch kein Verständnisproblem :)


Oh, lieber Buchfink, deine Überschriften sind jedes mal ein Erlebnis zur Beschreibung...:)



Dort wird er garantiert seine Fehler sehen, und vielleicht sogar selber dadrüber lachen (;


Lieber Buchfink,ich habe heute zum 3.mal alles durchgelesen und dabei viel Spass gehabt.Danke. Und danke dem Dänen,Dänen lügen nicht.

Kannst sogar noch einen draufsetzen und Wechstaben verbuchseln spielen, kommt steil und steigert die cerebrale Leistungsfähigkeit! ;-)
Buchfink am 3. Juni 2009 16:58 Brain-Twister?
Das sollte ich mir patentieren lassen.

er sollte sich viel mit anderen unterhalten, dadurch lernt er es auch!


Es ist doch lustig wenn er die Sprichwörter durcheinanderbringt und neue Bedeutungen schafft und ich finde es macht ihn extrem sympatisch!





Mir fällt dazu nur ein:
Das schlägt dem Fass die Krone auf!


er soll den Deutschen dänische Sprichwörter (auf dänisch!) näher bringen.
Anmerkung... wie oft kommt diese Fragen denn jetzt noch???
Buchfink am 9. Juni 2009 18:10 Frage: Wo gab es diese Frage denn noch, außer hier?
Bevor ich die Frage stellte, bemühte ich die Suchfunktion und fand nichts Vergleichbares.

Wer zuerst kommt, hat den Spatz in der Hand
...oder so.
Wer den Fink nicht ehrt ist den Pfennig nicht wehrt,....oder so ;)
Der frühe Vogel fällt nicht weit vom Stamm
...oder so.
Ich meinte natürlich wert,..ehem.
Ein Fink, macht schonmal einen Sommer.
...oder?
Man soll den Fink nicht vor dem Abend loben
...oder so.
Auch schön: Wer anderen eine Grube gräbt, hat eine Taube auf dem Dach! (Ich glaube, ich mache mal mit meinen 4 Patchworkkindern ein Spiel daraus, wie oben vorgeschlagen)
Kreativ mit Sprache umgehen kann man gar nicht früh genug erlernen.
Noch ein Stück mehr und wir sind beim Dadaismus! ;-)