Bodenarbeit mit dem Pferd, wie fange ich am besten an?

... komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Wenn es ein Araber ist, dann lass Parelli und erst recht Monty Roberts sein. Diese Rasse erträgt die Sklaverei, die diese beiden Pferdegurus predigen, nicht. Besorge dir ein Buch von Linda Tellington! Sie hat Wegweisendes für vertrauensbildende Bodenarbeit geschrieben.

Was ich nicht verstehe, ist, dass du das Ausreiten als nicht förderlich für Vertrauen ansiehst. Nichts ist besser als das. Im Gelände trifft das Pferd ständig auf Monster, und wenn es dem Reiter mit der Zeit glaubt, dass das nicht gefährlich ist, hast du das Ziel erreicht.

Was verstehst du unter Vertrauen? Bitte verwechsel Vertrauen nicht mit Gehorsam. Bodenarbeit kann helfen, ein Pferd gehorsam zu machen, aber sie schafft allein kein Vertrauen. Ich kenne Parellipferde, die sehr weit gefördert sind, die extrem gehorsam sind, aber ihren Menschen kein bißchen vertrauen. Ich würde diese Pferde nicht im Gelände reiten wollen, denn wenn in einer Krisensituation der Gehorsam doch mal "reißt", und dann kein Vertrauen da ist... dann aber Gute Nacht.

Vertrauen braucht Zeit, Zeit und noch mal Zeit. Vertrauen kann nicht anerzogen werden. Ein Pferd vertraut seinem Menschen, zu dem es eine Beziehung aufgebaut hat, der sich authentisch verhält und für das Pferd vorhersehbar ist. Putzen, Füttern, spazieren gehen, gemeinsame kleine Abenteuer erleben - das schafft mit der Zeit Vertrauen. Allerdings nur, wenn der Mensch dem Pferd vertraut. Er muss immer Vorschussleistung erbringen. Wenn ein Mensch seinem Pferd nicht vertraut - und ich kenne viele davon - wird sich das Vertrauen des Pferdes nie herstellen.

Ich habe mit meiner Araberstute ein Jahr lang Natural Horsemanshipunterricht bekommen. Ok, das war nicht schlecht, das rohe Pferd lernte gehorsam auf Signale rückwärts zu gehen, zu weichen, seitwärts zu gehen. Der Mensch lernte, dazu die richtigen Signale zu geben. Das war ok. Aber  Vertrauen wurde auf die Art kaum hergestellt.

Meine Stute, die ich seit 11 Jahren habe, vertraut mir sehr. Aber das kam nicht durch die Bodenarbeit. Bzw. wenig. Ich habe halt gelernt, das Pferd loszulassen, nicht festzuhalten, nicht zu ziehen und zu zerren. Das war´s aber auch schon. Ich habe seit 9 Jahren keine Bodenarbeit mehr gemacht. Ich finde es auch langweilig, geb ich zu. Aber letztlich ist Bodenarbeit alles, was man am Boden mit dem Pferd macht. Putzen, Satteln, Leckerli geben, streicheln....alles. Da brauchst du das "Wedeln und Strickeln" nicht.

Das Vertrauen passierte dadurch, dass ich bei meiner damals sehr schreckhaften Stute auf Monster zugegangen bin. Wenn es ging im SAttel, sonst halt zu Fuß. "ist nicht gefährlich", sagte ich zu ihr. Und mit der Zeit glaubte sie mir. Ich kenne eine Frau, die Bodenarbeit -besser als ich - bis zur Bewußtlosigkeit macht. Aber sich mit dem Pferd nicht ins Gelände traut, weil zwischen den beiden kein Vertrauen herrscht. Und sie hat das Pferd selbst gezüchtet, kennt es also seit Geburt. Aber wenn sie dem Pferd sagt: "Ist nicht gefährlich", glaubt ihr das Pferd nicht.

Es ist viel gehorsamer als meine Stute durch die viele Bodenarbeit. Aber beim erste Trekker außerhalb der Halle dreht es durch.

Und, ehrlich gesagt, die Strickler und Wedelleute in  meinem Stall  brauchen unweigerlich Stunden, bis das Pferd in den Hänger steigt. Mein Pferd hat Angst vor dem Hänger, der ist ihr nämlich unheimlich. Aber sie hat eine Verladezeit von 5 Sekunden - weil sie mir vertraut. Und ich kann, da ich keinen Hänger besitze, auch nicht üben dafür.

Linda Tellington ist sehr gut für einen Araber geeignet. Parelli und Co... nein. NIcht für Araber. Vielleicht für Quarterhorses, aber nicht für sensible Araber. Diese Rasse ist gezüchtet, um enge Bindungen mit ihrem Menschen einzugehen. Und sie braucht auch diese Beziehung.




Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von paulinchen230
26.11.2016, 21:38

Danke das war eine sehr hilfreiche Antwort die mich auch ein wenig zum nachdenken (positives) angeregt hat.

0

Mit einem Bodenarbeitskurs - da gibt es viele die das anbieten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

guck einfach mal ab, wie wir es machen, wenn ein Pferd "neu" ist für die RB:

 unter

 http://tipps-fuer-pferdefan.jimdo.com

und dann schmökere dich durch: 

erste TAge mit dem Pferd

                          und natürlich

Bodenarbeit....

viel Spaß beim nachmachen

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was hast du denn versucht? 

Am Einfachsten und am Sinnvollsten ist es, mit Führtraining anzufangen. 

Allerdings würde ich dir empfehlen, wenn du wirklich keine Ahnung hast, einen Trainer zu holen. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Dahika
26.11.2016, 19:31

ein einigermaßen erfahrener Miteinsteller reicht auch.

0

Huhu,

am besten holst du dir eine erfahrene Person dazu. Anleitungen können oftmals viel besser umgesetzt werden, wenn ein Trainer dabei ist und dir ggf. deine Fehler erklären kann. Falls das nicht möglich ist wäre es allerdings sinnvoll, das Ganze erstmal langsam anzugehen.

Am Anfang würde ich dir Führtraining empfehlen. Das hört sich erstmal relativ langweilig an, allerdings scheitert es oftmals schon hierbei. Dein Pferd sollte dir hierbei natürlich folgen und anhalten, wenn du es verlangst. Wenn das klappt kann man dann noch das Rückwärtsrichten hinzunehmen.

Wenn diese ersten Schritte getan sind kann man natürlich noch mehr in die Arbeit einbringen, das kommt darauf an, in welche Richtung du gehen willst. Zur Bodenarbeit gehört nämlich auch Schrecklosigkeitstraining, Freiarbeit etc..

Dementsprechend kannst du dein Pferd auch mal mit ungewohnten Dingen wie Bällen, Luftballons, Plastikplanen usw. konfrontieren und damit ein wenig arbeiten ("Fußballspielen", ...).

Im Bezug auf die Freiarbeit ist die Sache etwas anspruchsvoll, denn dein Pferd deine Anweisungen am Strick bereits im Schlaf befolgen und dir auch bei leicht durchhängendem Strick noch immer gehorchen.

Wenn das funktioniert kannst du irgendwann einfach den Strick abmachen und das Ganze ohne Strick versuchen (dann aber am Besten wieder erstmal mit leichten Übungen anfangen: Halten - Losgehen - Halten usw....) - allerdings ist es hierbei wichtig, dich nicht plötzlich anders zu verhalten. Bewege dich genauso, als wäre der Strick noch immer da - andernfalls kannst du es deinem Pferd nicht verübeln, wenn es ebenfalls anders reagiert.

Du siehst also, dass die Bodenarbeit dir eigentlich recht viel Spielraum lässt. Man kann ziemlich viele verschiedene Elemente einbringen - das Wichtige ist eben, dass du dich in deiner Körpersprache klar ausdrückst.

Wie gesagt: Ich würde dir für den Anfang einfach mal Führtraining empfehlen und hierbei die Anforderungen langsam steigern. Damit kann man (theoretisch) nichts falsch machen =)

Liebe Grüße =)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung