Klar, Zucker ist schwer, der sinkt nach unten. :)
Im Ernst: Messfehler sind häufig und es zeugt von hervorragender Berufsauffassung, dass Du den Messwert mit dem Patientenbild abgeglichen hast! Gratulation.
Bei zwei Werten ist natürlich die Frage, welchem man trauen sollte. Das musst Du aufgrund des Patientenzustands entscheiden. Du hast eine dritte Messung gemacht, auch das finde ich sehr gut... (92 bzw. 100mg/dl ist natürlich im physiologischen Bereich, je nachdem, auf was der Patient auch eingestellt ist).
Was könnte passiert sein? Typische Fehler bei der BZ-Messung:
starkes drücken, so dass vorrangig Gewebeflüssigkeit auf den Meßstreifen kommt, anstatt Kapillarblut. je nach BZ-Spiegelverlauf und Messmethode kann damit durchaus ein falsch-höherer Wert auftreten (Vorsicht, ist auch mal falsch-niedrig möglich!). Das wäre vor allem bei Durchblutungsstörungen in den Fingern naheliegend.
zu wenig Probenmaterial: nicht alle Messgeräte nehmen das sehr genau - und das kann die Messung schon ziemlich verfälschen
Zucker an den Händen des Patienten: vorher versucht, Schokolade, Dextrose oder Zuckerwasser zu sich zu nehmen? Solange das noch auf der Haut hängt, kann es eine BZ-Messung extrem hochtreiben. Du hast zwar gründlich gewaschen, aber vielleicht ist Dir doch was entgangen. Die Kontaminationsgefahr ist natürlich am Ohrläppchen weit geringer.
Zucker an den Händen des Untersuchenden: gleiches Problem wie oben, vielleicht sogar beim Waschen selbst kontaminiert. Beim Einstecken des Messtreifens kann das dann darauf kommen und mitgemessen werden..
Gleiches wie für den Zucker an den Patienten-/Untersucher-Händen gilt auch für anderes, wie z.B. Seife, Fette/Salben o.ä. - das verfälscht auch. Kreuzkontaminationen durch den Tisch, auf dem das BZ-Messgerät liegt oder durch frühere Behandlungen, bei denen vielleicht ein Tropfen Glucose auf die Messgerätetasche gefallen ist, sind theoretisch ebenfalls denkbar...
Möglicherweise sind aber auch die Batterien des Gerätes schwach oder es besteht ein Problem mit dem Streifen: passt die Kalibrierung zwischen Streifen und Gerät? Ist er überaltert, ggf. auch durch falsche Lagerung?
Es geht sogar so weit, dass mal Messgeräte falsch herum abgelesen werden und aus "125" eine "521" wird oder "81" zu "18" mutiert.
Auch wenn man alles richtig macht, kann mal ein Messwert daneben liegen. Gut, wenn man dann noch den Patient ein bisschen beachtet. :)
DH!