Frage von lilao, 100

Warum kann ich bei Herzinfarkt Furosemid geben?

weil Ödeme habe ich ja nur bei einer Rechtsherzinsuffizienz -

(ps. kann mir das nochmal erklären wie das mit dem Rückstau funktioniert, und dem Fl.-Eintritt in das Gewebe, weil der doch von den Lymphgefäßen kommt, oder? aber das Blut ist doch in den normalen Gefäßen und es ist ja eigentlich nicht das Blut das ins Gewebe übergeht sondern die Lymphflüssigkeit, oder!?, sonst müssten wir ja Hämatome sehen)

aber zurück zum Punkt, also Furosemid für die Ödeme aber warum bei Herzinfarkt, was hat Ö. mit HI zu tun?

VIELEN LIEBEN DANK für eure genauen Antworten
lg lilao

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von garfield262, 46

Moin,

zunächst ist eine medikamentöse Diurese kein primärer Therapiebestandteil eines akuten Koronarsyndroms. Diese besteht in erster Linie aus Antikoagulation (mit Heparinen), dualer Plättchenhemmung (z.B. COX-Hemmer wie ASS + ADP-Rezeptoreninhibitor wie Ticagrelor) und Rekanalisation per PTCA (Katheteruntersuchung, Ballondilatation, ggf. Stentimplantation) oder (eher seltener) per Lysetherapie.

Zuzüglich werden Verfahren der Analgesie (zumeist mit Morphin), ggf. Senkung des myocardialen Sauerstoffverbrauchs mit Betablockern (gefährlich bei Hinterwandinfarkten), Sauerstoffgabe mit Zielsättigungen von ca. 94-95%, ggf. Vorlastsenkung mit Nitraten (gefährlich bei rechtsventrikulärer Infarktbeteiligung) und Sedierungen im Sinne der Stressabschirmung/Sympathikolyse angewandt.

Alle weiteren Maßnahmen sind symptomorientiert. Besteht ein/e hypertensive Krise/Notfall, wird der arterielle Blutdruck gesenkt; besteht eine akute Linksherzinsuffizienz mit Rückwärtsversagen und ein Lungenödem tritt ein, muss je nach Situation (Kontraindikationen etc.) abgewägt werden, ob eine Vorlastsenkung mit Nitraten oder eher eine kombinierte Vorlastsenkung/Ödemausschwemmung mit Diuretika erfolgen sollte, und so weiter. Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, muss über radikalere Methoden nachgedacht werden. Diese Fälle sind jedoch eher die Ausnahme. Ein peripheres Ödem bei Rechtsherzinsuffizienz hingegen wird in der Notfallmedizin nicht (an-)behandelt.

Um auf deine Kernfrage einzugehen: Ein Myokardinfarkt verursacht je nach Lokalisation und Ausdehnung des Infarktareals sowie in Abhängigkeit von Vorerkrankungen etc. nicht selten eine Herzinsuffizienz, welche gut und gerne in einem Lungenödem enden kann. Ein Ödem entsteht jedoch aus einem erhöhten Druck (hydrostatisch, kolloidosmotisch, whatever) des Blutes und nicht der Lymphe auf das Gewebe. Ein Hämatom entsteht nicht, da die festen Blutbestandteile (inkl. Erythrozyten mit Hämoglobin, welches im Abbau als Bilirubin für die hämatomtypische Hautfärbung sorgt) nicht ins das Interstitium übertritt; der Übertritt betrifft nur das Plasma. Ein Ödem ist dabei auch nicht an eine Rechtsherzinsuffizienz gebunden, sondern an ein Rückwärtsversagen (ob links oder rechts).

Konnte ich dir soweit helfen oder ist noch etwas offen geblieben?

Lieben Gruß ;)

Kommentar von garfield262 ,

Sorry, es gibt natürlich auch Lymphödeme, sie stehen jedoch nicht primär in Zusammenhang mit kardialen Ereignissen wie einem Myokardinfarkt mit Pumpversagen. Das ist das, was ich meinte... ;)

Antwort
von Spezialwidde, 54

Bei einem Herzinfarkt ein schleifendiuretikum geben? Ganz schlechte Idee! Höchstens in der Nachsorge unter strenger Kontrolle! Bei einer Herzinsuffizienz? dann ja! 

Wenn sich irgendwo Blut staut, sei es wegen eines kranken organs, kann auch die Leber sein oder Linksherzinsuffizienz ist die Lunge betroffen, erhöht sich der Druck im Kapillarbett. Infolgedessen wird Blutwasser (nicht lymphe) ins Gewebe abgepreßt, das sammelt sich dort und bildet ein Ödem. das Furosemid erhöht die Wasserausscheidung über die Nieren und hilft so überschüssiges Wasser zu entfernen. das ist aber mit Vorsicht zu genießen weil das Wasser ja dem Blut entzogen wird und es so eindickt. Das kann Infarktgeschehen verschlimmern!

Kommentar von lilao ,

danke, das war zwar nicht meine Frage, aber sinnvoll, was du geschrieben hast. Nächstes Mal bitte die Frage beachten.

lg lilao

Expertenantwort
von dadamat, Community-Experte für Medizin, 19

Ein Diuretikum Lasix / Furosemid wird zur Vorlast-Entlastung des Herzens eingesetzt. 

Kommentar von lilao ,

Danke für die Info, aber leider war auch das nicht meine Frage

Antwort
von Coza0310, 49

Beim Herzinfarkt gibt man nicht regelhaft Furosemid. Sondern nur dann, wenn beispielsweise durch den Infarkt eine Linksherzinsuffizienz (Lungenödem) auftritt. Voraussetzung wäre ein ausreichender Kreislauf.

Kommentar von lilao ,

das war leider nicht meine Frage

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