Frage von Konzulweyer, 26

Bis anfang der siebziger Jahre liefen in den Kinos Filme ab 21 Jahre. Man war erst mit 21 volljährig. Durfte aber mit 18 Auto fahren und mit Einwilligung der..?

Eltern heiraten und mußte in der Regel mit unter 21 zur Bundeswehr. Nur in den Film ab 21 durfte man nicht. Was waren das damals für Filme. Kann mich als Kind noch an einen Film erinnern,der bei uns im Dorfkino ab 21 lief, nämlich "Jerry Cotton und der rote Jaguar". Dieser Film lockt heute wahrscheinlich keinen 12-jährigen hinter dem Ofen vor. Warum war das so?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Ghostwriter2, 22

"Bis anfang der siebziger Jahre liefen in den Kinos Filme ab 21 Jahre."

Kannst du ein Beispiel nennen? Ich habe diese Zeit noch miterlebt, aber ich erinnere mich an  keinen einzigen Film, der erst ab 21 Jahren freigegeben war. Oswalt Kolle, Pornos, "Das Schweigen" von Ingmar Bergman (der Skandalfilm, als er 1963 in die Kinos kam) ... alles  Freigegeben ab 18 Jahren.

Kommentar von Konzulweyer ,

Der genannte Film Jerry Cotton der Tod im roten Jaguar lief bei uns ab 21, das weiß ich ganz genau. Das muß so ende der sechziger gewesen sein. War damals 11, 12 Jahre alt. Aber ich kann mich noch gut an den Aushang mit den Bildern und der Altersfreigabe ab 21 erinnern. Hab bei Wiki nachgeschaut, steht ab 16. Aber ist wahrscheinlich nach heutigen Maßstäben. Es liefen damals auch Filme ab 14. Diese Abstufung gibts heutzutage glaub nicht mehr.

Kommentar von Ghostwriter2 ,

Kann es sein, dass es da regionale Unterschiede gab? Dass z.B. die Landeskultusministerien verschiedene Maßstäbe angelegt haben?  Jerry Cotton ab 21 - das erscheint mir schlichtweg unmöglich. James Bond, Jerry Cotton, Kommissar X und andere James-Bond-Verschnitte waren alle ab 16  (nicht einmal ab 18!) freigegeben.

Hier ein Auszug aus der Selbstbeschreibung der FSK:

"Bereits 1951 trat das "Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit" (JÖSchG) in Kraft ... Es sah erstmals die Einstufung von Filmen nach Altersgruppen vor, die 1957 nochmals in die bis heute geltenden Alterskategorien frei ab sechs, 12, 16 und 18 Jahren geändert wurden. "

Hier enthalten (Abschnitt "FSKL und Jugendschutz"):

http://www.fsk.de/?seitid=16&tid=473


Kommentar von Konzulweyer ,

Das ist möglich. Der Film lief bei uns aufn Land im Dorfkino. Das Kino gehörte ner älteren Frau. Ich weiß noch wie sie bei Winnetou im Tal des Todes rumgezimpert hat, daß er zu Brutal sei.

Antwort
von uncledolan, 26

Die Altersbeschränkungen stammen aus der Zeit der nicht-globalisierten Nationalstaaten, aus der Zeit vor dem Internet, aus der Zeit des Beginns der modernen Pädagogik etc. Das heutige Niveau an zur Verfügung stehendem Material grausamer, gesellschaftsfeindlicher, politisch inkorrekter und für Kinder ungeeigneter Art ist absolut nicht damit zu vergleichen, was es früher gab.

Es fand ein starker gesellschaftlicher Abstumpfungsprozess statt, durch die voranschreitende Kommerzialisierung und Verbreitung exzessiver Gewaltfantasien (die wohlgemerkt omnipräsent sind und waren, früher lediglich stärker tabuisiert) in Film, Fernsehen, Internet und Videospielen.

Die Altersbeschränkungen sind so etwas wie ein Kompromiss verschiedener sich gegenüberstehender Interessen rund um dieses Thema:

Auf der einen Seite stehen Kunstfreiheit, Handlungsfreiheit der Zuschauer im Sinne eines mündigen Bürgers, kommerzielle Vorteile (Gewalt in Kinofilmen z.B. ist ein gigantisches Geschäft bzw. erhöht das Interesse der Menschen) und auch der Gedanke, dass Abgrenzung von der Gesellschaft durch Jugendkultur auch mit Mitteln stattfinden darf, die der ältere Generation nicht gefallen (das ist gerade der Reiz, so war es schon immer) und man dies mit einer gewissen Gelassenheit hinnehmen muss (sich aufzuregen befeuert diese Abgrenzung nämlich noch). 

Z.B. Indizierte Videospiele sind allesamt Bestseller im Internet und werden massiv runtergeladen, weil das Verbot dem Nutzer impliziert, dass es sich um etwas besonders Reizvolles weil Verbotenes handelt. Deswegen hat man endgültig damit aufgehört, PC-Spiele zu "verbieten", weil es heutzutage fast das selbe ist, wie ein Qualitätssiegel aufzudrucken.

Dem gegenüber stehen der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Sinne einer pädagogischen Vermittlung von Werten und Normen, die Warnung vor der Abstumpfung der Gesellschaft und der Gedanke, dass der Staat seine Bürger vor bestimmten Dingen beschützen muss.

Im Grunde finde ich es auch richtig, dass man versucht, Kinder und Jugendliche von so einem Material fern zu halten, allerdings sind diese Inhalte im Leben von Jugendlichen so oder so präsent, da im Internet, über Freunde etc. solches Material jederzeit zugänglich ist. Kinder rigoros zu versuchen davon fernzuhalten, kann die Gefahr bergen, dass diese als Außenseiter wahrgenommen werden bzw. solches Material nur "noch mehr Schaden" anrichtet, weil es diese Kinder ohne jede Vorbereitung trifft. Das ist ähnlich wie mit Sekten, für die vor allem nicht-religiöse Menschen anfällig sind oder mit radikalen politischen Ansichten, für die insbesondere "unpolitische" Menschen leicht zu ködern sind. Wenn man ein Thema naiv ignoriert und so tut, als würde es nicht existieren, hat man auch keinerlei Meinung zu dem Thema und lässt sich von jeder Kleinigkeit beeindrucken oder sich mit Leichtigkeit überzeugen, dass eben doch das bisher als komplett falsche Wahrgenommene das Richtige ist. Vielleicht ist es besser, in Maßen mit diesem Thema konfrontiert zu werden und sich eine eigene Meinung dazu zu bilden.

An deinem Beispiel mit dem Film aus den 70ern sieht man, wie rasant die Vorstellung von akzeptabler Gewaltverherrlichung sich wandelt. Ich bin mir jetzt mit 23 Jahren schon absolut sicher, dass ich von dem, was sich in 20 Jahren als "Jugendkultur" bezeichnet, nicht begeistert sein werde und mich wundern werde, wie man so etwas nur als Ausdruck von auch nur irgendwas verstehen kann. Aber wie gesagt, das ist gerade der Reiz. Etwas neues, nach bisherigen Maßstäben grenzüberschreitendes und krasses wird immer abgefeiert, allein schon weil es eine solche Aufmerksamkeit erzeugt. In Zeiten von facebook und Youtube lässt sich kein Trend erkennen, dass es in Zukunft weniger bunt, auffällig oder kontrovers wird.

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