Frage von NurEineFrageRai, 48

Bipolare Störung, was dann?

Hallo GuteFrage-Community! Zur Information davor, ich bin männlich und 17 Jahre alt. Ich bin vor kurzem durch einen Freund dem ich das Herz ausgeschüttet habe auf eine sogenannte "Bipolare-Störung" gestoßen. Ich habe mich darüber informiert, und sehe mich in diesen Symptomen selbst sehr gut wieder. Besonders deutlich wird dies durch meine stark ausgeprägten Stimmungsschwankungen, teilweise bin ich extrem glücklich an Tagen, komplett grundlos, andererseits gibt es auch Tage wo ich mich wirklich am liebsten umbringen würde oder auch sehr sehr reizbar bin. Das trage ich jetzt seit ein paar Jahren mit mir rum.

Seit kurzem hab ich auch andere Probleme, wie dass ich mich im falschen Körper manchmal fühle, oder einfach am liebsten meine Sachen packen würde und abhauen. Aber ich denke diese beiden Sequenzen hatte jeder schonmal, oder?

Jedenfalls würde ich gerne mit meinen Stimmungsschwankungen zum Facharzt gehen, allerdings liegt das Hauptproblem daran, dass ich wie gesagt, erst 17 Jahre alt bin und es eigentlich verhindern möchte dass meine Eltern davon erfahren.

Was soll ich denn jetzt machen? Lieber ein Jahr warten und selbständig agieren?

Antwort
von raphaelduque, 23

Guten Tag NurEineFrageRai,

wie schnell ändert sich denn deine Stimmung? Wie lange dauern die Phasen an? Gibt es auch Tage in denen du dich "neutral" fühlst? Wie gehts dir mit dem Schlaf in den jeweiligen Stimmungen? Kannst du die Hochphasen genießen? Für die Diagnose Bipolare Störung muss man sehr viele Fragen stellen.

Am wichtigsten finde ich die Frage: was verändert sich für dich, wenn du deinen "Symptomen" einen Namen geben kannst? Geht es hier um die Frage ob deine Stimmungsschwankungen und dein Gefühlsleben noch "normal" sind? 

So wie du es schilderst würde ich sagen es hört sich für mich nach durchaus turbulenten Zeiten an, die du gerade durchmachst, wenn du immer wieder reizbar bist, dich manchmal am liebsten umbringen würdest und dich im falschen Körper fühlst. Was belastet dich denn zur Zeit? Und was macht dich dann wiederum so extrem glücklich?

Solltest du wirklich stark unter den Schwankungen leiden könntest du dich für eine Abklärung an einen Psychologen, deinen Hausarzt oder einen Psychiater wenden. Was wäre denn schlimm daran, wenn deine Eltern es erfahren? Hier geht es schließlich um dein Wohlbefinden und deine Gesundheit.

Auf der anderen Seite sind solche Stimmungsschwankungen vor allem in der Adoleszenz sehr häufig und normaler Bestandteil der Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Ich finds super, dass du dich mit deinem Freund so offenherzig austauschen kannst. Vielleicht kannst du auch noch mit anderen Freunden reden und von ihnen erfahren wie es mit ihren Gefühlen so ausschaut - du bist ziemlich sicher nicht alleine. Dieser Austausch kann auch dabei helfen den eigenen Umgang mit Gefühlen zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen

Raphael Duque, Online-Psychologe bei Instahelp                                            (https://instahelp.me/at/?utm_campaign=RaphaelDuque)

Kommentar von NurEineFrageRai ,

Meine Stimmung bleibt meistens ein paar Tage hintereinander gleich, auch wenn das variiert. Neutrale Tage gibt es durchaus, oft bin ich ein Mittelding oder fühle mich halt.. normal. 

Wegen dem Schlaf ist das ganz interessant, ich hatte schon immer kleine Probleme mit dem Einschlafen, ich brauche meist 20min oder so bis ich wirklich schlafe. Deswegen weiß ich nicht wirklich ob das einfach so bei mir ist oder das jetzt daran liegt dass ich schon immer so eine "Störung" hatte. Als ich etwas jünger war hatte ich eine ähnliche, sehr depressive Phase. Bei den Hochphasen freue ich mich natürlich darüber, allerdings bin ich auf oft verwirrt warum ich denn jetzt so glücklich bin und denke dann meist zu-oft darüber nach.

Ich schlafe nochmal eine Nacht über die Entscheidung mit meinen Eltern, vielen Dank für deine Hilfe.

Antwort
von Kreativst, 22

Ich verstehe diese Angst vor den Eltern immer nicht, klar sind solche "Störungen" nichts schönes aber wenn du dir ein Bein brichst wartest du ja auch nicht 1 Jahr bis du zum Arzt gehst, wenn du dir Sorgen machst das du so eine Erkrankung haben könntest dann geh zum Arzt! 

Ich kann dir aus Erfahrung sagen, je länger man das geheim hält, sich schön redet oder wartet bis man überhaupt was unternimmt, umso schlimmer kanns werden also lieber direkt Hilfe in Anspruch nehmen. Solche "Probleme" können auch durch Schilddrüsenprobleme hervorgerufen werden, also das auch direkt abklären lassen, ansonsten alles gute. :)

Antwort
von watchdog, 22

Depressionen sind ernsthafte Gemütserkrankungen. Wenn du jetzt eine ernsthafte Stoffwechsel- oder Hormonstörung hättest, würdest du da auch 1 Jahr warten bevor du zum Arzt gehst? Sicher nicht! Also tu dir selbst diesen Gefallen und mach so bald es geht einen Termin bei einem Psychiater. Die Wartezeiten für einen Gesprächstermin sind lang. Mitunter mehrere Wochen.

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