Frage von Twifan007, 35

Biomechanik der Felgrolle?

Hey,

ich muss eine Bewegungsbeschreibung zur Felgrolle machen. Habe dazu zwei verschiedene Biomechanische Methoden aufgeschrieben, von denen ich mir nicht sicher bin, ob oder welche richtig ist bzw. ob sie sich überhaupt ausschließen.

http://sport.freepage.de/cgi-bin/feets/freepage_ext/41030x030A/rewrite/lksport/f...

  • Prinzip von Actio-Reactio: Der Turner/die Turnerin erzeugt durch das Drücken der Hände gegen den Boden eine Kraft, die auf den Boden wirkt (actio). Durch das Blockieren der anschließenden Hüftstreckung wird die Kraft auf den Boden kleiner, sodass die Gegenkraft in entgegengesetzter Richtung auf den Turner/die Turnerin wirkt und ein Öffnen des Arm-Rumpf-Winkels ermöglicht.
  • Impulsübertagung: Die Streckbewegung des Bein-Rumpf-Winkels erzeugt einen Impuls, der durch das Blockieren der Bewegung auf die Arme übertragen wird. Der Impulsgewinn ermöglicht ein vollständiges Strecken des Arm-Rumpf-Winkels.

Kann mir jemand helfen?

Antwort
von Bellefraise, 25

Halloooo . . .  habe mir erst mal das Prinzip der Felgrolle suchen müssen. Da gibte es wohl auch mehrere Variantgen.

Das ist aber schon ein heftiges Problem! Die Frage ist: wo setzen wir mit dem Modell an? Ich äußere einfach ein paar Gedanken. Das komplette Modell ist sicher recht aufwändig.

Ich nehme an: 2 Massenpendel (physikalisches Pendel). Masse 1 sind die Beine, Masse 2 der Oberkörper. Die Massen sind über ein aktives Element gekoppelt.

Phase 1: Turner "setzt" sich mit gestreckten Beinen

Mehrmassensystem mit Drehpunkt in en Fersen, fällt zu Boden, geeigneter Ansatz für die Position und Koppelwinkel der Massen 1 und 2 nötig. Massenträgheitsmomente usw sind abzuschätzen. Phase 1 ist zu Ende, wenn der Po den Boden berührt. Nun Umschalten der Gleichungen:

Phase 2: Drehpunkt ist der Po

Kinetische Energie und Drehimpuls werden umgesetzt in eine Drehung um den Po-Punkt. Strecken der Beine bewirkt eine Abnahme der Rotationsgeschwindigkeit bis die Hände die Stützkraft aufbauen können. Massenträgheitsmoment verändert sich.

Phase 3: Hände übernehmen

Hier wird die vertikale Bewegung aufgebracht und die Reste der Rotation abgebaut. Die Rotation sollte eh schon gering sein (durch die Streckung der Beine).

Phas 4: Abschwung

Den würde ich durch ein gekoppeltes Pendel bis zum Fußaufstand modellieren

Phase 1 und 2 dürft über Impulssatz , bzw Bewegungsgleichungen laufen. Phase 3 sehe ich als reine Kraftphase.

Soweit meine rudimentären überlegungen. Eine sehr interessante Aufgabe!

Kommentar von Bellefraise ,

Hi - Danke für dein Kompliment!! ich versuche komplexe Vorgänge immer in ein Modell zu packen und mir gleich die Differentialgleichungen vorzustellen. Das Doppelpendel schien mir in diesem Zusammenhang geeignet.

So sehr weit scheinen mir die Interpretationen gar nicht auseinander.

Das System ist in jedem Fall nicht passiv. Durch die Muskulatur wird Energie reingepumpt. Habe gestern ein paar Übungen gemacht, um hier einen Ansatzpunkt zu finden.

Ist aber schwierig.

Stell dir vor, du liegst auf dem Rücken, ziehst dann die Beine an. krümmst die Wirbelsäule und streckst dann die Beine als Kerze zur Decke .. das geht alles quasistatisch ohne die Umschichtung von Energien.

Die Felgrolle ist aber hochdynamisch.
Ich denke aber , ein geübter Turner wird die Rolle auch quasistatisch hinkriegen Für mich die Frage: spielen kinetische und Rotationsenergie überhaupt eine entscheidende Rolle oder sind das nur unterstützende Energien.

Kommentar von korbluma ,

Ich selbst bin Geräteturnerin seit über 11 Jahren. Bei korrekternTechnik (wovon bei der biomechanischen Beschreibung ja wohl ausgegangen wird) benötigt man keinerlei Kraft um die Feldrolle auszuüben. 

Ich weiß nicht, ob ich deine Antwort falsch verstanden habe, aber so wie ich sie verstanden habe, muss ich Phase 3 deines Modells widersprechen, da keine Kraft benötigt wird.

Ich selbst bin der Meinung, dass es sich um eine Impulsübertragung handelt, wenn man die Biomechanik der Felgrolle beschreiben möchte. 

LG

Korbluma

Kommentar von Bellefraise ,

Hi - vielen Dank für deinen Kommentar! Ich turne selbst nicht, habe mir nur ein paar videos zu diesem Thema angeschaut.

ok -  wenn ich dich nun recht verstehe, dann haben wir

1. die Umsetzung von potentieller Energie in Rotationsenergie (quasi Phase 1+2)

2. In phase 3 dann durch geschickte Positionierung des Handaufstandpunktes die Umsetzung von Rotationsenergie (mit Miskelunterstützung der Rumpfmuskeln) wieder in potentielle Energie ... ohne nennenswerten Einsatz der Arm-Streckmuskulatur.

Ja - damit kann ich leben. Jegliche Modellierung muss mit der Praxis übereinstimmen.

Das Ganze tatsächlich in ein DGL-System zu packen ist eine kurze Angelegenheit..... wäre aber höchst interessant!

Dank nochmal für Deine Antwort.

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