Frage von Phonemia, 79

Bin wirklich am Verzweifeln. Studium geschafft und nun?

Liebe Community,

mich umtreibt dieser Tage wirklich eine dringende Frage bzgl. der Gehaltsentwicklungen für "Berufseinsteiger" (die eigentlich keine sind, weil viele von Ihnen mind. drei oder vier Praktika absolviert haben). Ich habe vor kurzem erfolgreich mein Studium abgeschlossen. Bereits während des Studiums habe ich etliche - teilweise unbezahlte - Praktika gemacht, da es leider für einige Bereiche notwendig. So zahlt die UN bspw. nur in Ausnahmefällen und das Auswärtige Amt bspw. gar nicht. Darüber hinaus habe ich aber auch gejobbt, als Nighty gearbeitet, bin Putzen gegangen. Vor Arbeit scheue ich mich wahrlich nicht. Meine Abschlüsse habe ich ebenfalls alle im Alleingang nachgeholt und knapp zehn Jahre harte Arbeit in meine Zukunft investiert...:-/

Mein Lebensanspruch ist wirklich nicht hoch, aber wenn ich mir teilweise die Anforderungen der Unternehmen anschaue und die Rücklaufquote meiner Bewerbungen, bin ich schier am Verzweifeln. Wie soll man zeitweise von 1000 oder 1200 Euro leben? Wenn BaföG etc. zurück bezahlt werden müssen? Und bevor ich jetzt Schelte bekomme: Ja, ich habe ein geisteswissenschaftliches Fach studiert. Zusätzlich habe ich aber auch noch BWL/VWL abgeschlossen und auf dem praktischen Weg sogar umfangreiches Wissen im Bereich des Innovationsmanagements und in der IT gesammelt. Jede Pflegefachkraft sollte das doppelte von jedem Managergehalt bekommen, aber fertige Studis sollten doch ihre Zeit auch irgendwie bezahlt bekommen.

Geht es jemanden ähnlich wie mir? Und gibt es vielleicht noch strategische Tipps? Bin wirklich für jeden Hinweis dankbar!

Mit den besten Grüße

Eine stille Leserin

Antwort
von AnReRa, 27

Ohne Dir nahe treten zu wollen, denke ich, dass Du dir über die Zeit nach dem Studium zu wenig Gedanken gemacht hast.
Gerade wenn die Stärken im praktischen Bereich liegen war das Studium vielleicht nicht die beste Entscheidung. Und wieso gleich zwei Abschlüsse ?
Vermutlich bist Du - Deine praktischen Erfahrungen in allen Ehren - zu alt um den regulären Berufseinstieg eines normalen Studenten zu schaffen.

Gerade im BWL/VWL-Bereich kommen die Leute mit 23 / 24 Jahren (inklusive Auslandssemester) auf den Arbeitsmarkt. Du wirst aber etwas älter sein (nicht böse gemeint). Du wirst dich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Du immer hinter den jüngeren Leuten zurückstehen wirst.
Erst wenn Du einen Job hast, kannst Du u.U. Deine Erfahrung nutzen um schneller aufzusteigen. Aber erst mal muss man drinnen sein ...

Jede Pflegefachkraft sollte das doppelte von jedem Managergehalt bekommen

Mit dieser Einstellung wirst Du vermutlich nie eine Job bekommen.
Natürlich kann die soziale Arbeit gar nicht hoch genug bezahlt werden - aber niemand wird sich so eine Krankenschwester leisten können.
Bedenke bitte auch, dass  wenn ein Manager eine falsche Entscheidung trifft, die Folgen für die gesamte Belegschaft folgenschwer sein kann (ich jede jetzt nicht von den mafia-artigen Konstrukten der Riesen).

aber fertige Studis sollten doch ihre Zeit auch irgendwie bezahlt bekommen

Richtig. aber das dauert. Es geht dabei nämlich weniger um das Anfangsgehalt als um die Gehaltssteigerung.
Du darfst keinesfalls erwarten, dass Du mit dem Einstiegsgehalt innerhalb eines Jahres gleich die 10 Jahre Studium bezahlt bekommst.
Mein Bruder hat erst eine Lehre gemacht und dann BWL studiert und abgeschlossen. Aus heutiger Studium war das Studium echt für die Katz.
Als BWL'er war er zu alt ( = unflexibel),  als 'einfacher' Arbeiter  wäre er zu teuer gewesen.
Er hat dann über Jahre im Baumarkt gearbeitet und ist in BWL-Fragen ständig mit dem Teamleiter in Konflikt geraten, der zum einen jünger war aber von BWL eben kein Ahnung hatte ...

Antwort
von AnReRa, 29

Ohne Dir nahe treten zu wollen, denke ich, dass Du dir über die Zeit nach dem Studium zu wenig Gedanken gemacht hast. Gerade wenn die Stärken im praktischen Bereich liegen war das Studium vielleicht nicht die beste Entscheidung. Und wieso gleich zwei Abschlüsse ? Vermutlich bist Du - Deine praktischen Erfahrungen in allen Ehren - zu alt um den regulären Berufseinstieg eines normalen Studenten zu schaffen. Gerade im BWL/VWL-Bereich kommen die Leute mit 23 / 24 Jahren (inklusive Auslandssemester) auf den Arbeitsmarkt. Du wirst aber etwas älter sein (nicht böse gemeint). Du wirst dich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Du immer hinter den jüngeren Leuten zurückstehen wirst. Erst wenn Du einen Job hast, kannst Du u.U. Deine Erfahrung nutzen um schneller aufzusteigen. Aber erstmal muß man drinnen sein ... Jede Pflegefachkraft sollte das doppelte von jedem Managergehalt bekommen Mit dieser Einstellung wirst Du vermutlich nie eine Job bekommen. Natürlich kann die soziale Arbeit gar nicht hoch genug bezahlt werden - aber niemand wird sich so eine Krankenschwester leisten können. Aber bedenke auch, dass wenn ein Manager eine falsche Entscheidung trifft, die Folgen viel größer sein könne (ich jede jetzt nicht von den mafia-artigen Konstrukten). aber fertige Studis sollten doch ihre Zeit auch irgendwie bezahlt bekommen Richtig. aber das dauert. Es geht dabei nämlich weniger um das Anfangsgehalt als um die Gehaltssteigerung. Du darfst keinesfalls erwarten, dass Du mit dem Einstiegsgehalt innerhalb eines Jahres gleich die 10 Jahre Studium bezahlt bekommst. Mein Bruder hat erst eine Lehre gemacht und dann BWL studiert und abgeschlossen. Das Studium war echt für die Katz. Als BWL'er war er zu alt ( = unflexibel), als einfacher' Arbeiter gemäß Ausbildung zu teuer. Er hat dann im Baumarkt gearbeitet und ist in BWL-Fragen ständig mit dem Abteilungsleiter in Konflikt geraten ...

Kommentar von Phonemia ,

Danke Dir! Doch, ich habe mir sehr, sehr viele Gedanken gemacht und irgendwann das gemacht, was ich als wichtig empfand. Zumal sich der Arbeitsmarkt seither stark gewandelt hat. Jeder, der meinen Lebenslauf sieht, kann das nicht verstehen. Und ich glaube nicht, dass ich "Jüngeren" in etwas nachstehe. Sicher, ich habe den klassischen Weg nicht machen können, weil ich mit 23/24 halbtot in einer Klinik saß. Persönliches Pech, das ist nun einmal so, aber ein Hinweis darauf, dass ich den "klassischen" Weg nicht "geschafft" habe, ist gerade wenig motivierend und auch nicht wirklich zielführend.

Kommentar von AnReRa ,

aber ein Hinweis darauf, dass ich den "klassischen" Weg nicht "geschafft" habe, ist gerade wenig motivierend

Wenn das so rübergekommen ist, dann muss ich mich in aller Form entschuldigen. Es ging mir keinesfalls darum, dass Du etwas nicht geschafft hast. Ganz im Gegenteil. wenn man das obige liest.
Nur erweckte der 'doppelte Abschluss' eben den Eindruck eines 'Langzeitstudenten' der eher nicht arbeiten will ...
Da muss ich mich echt entschuldigen ...

Ich kenne ja Deine beruflichen Präferenzen nicht, aber vielleicht solltest Du es eher bei den kleinen/mittelständischen Unternehmen probieren, weil sich dort weniger 'frische' Absolventen bewerben.
Deine Geschichte ist vermutlich eher etwas, was man in einem Bewerbungsgespräch klären kann und da dürften die Chancen bei einem 'kleinen' Unternehmen dann eben besser sein.
Allerdings muss man dann auch die Gehaltsvorstellung etwas 'anpassen'. Selbst wenn es nur ein 'Sprungbrett' sein sollte.

Hast Du noch Kontakte zu den Anbietern der Praktika ?
Vielleicht können die Kontakte (und Empfehlungen) geben ?
Ich habe - nach einer betriebsbedingten Kündigung - erst mal gejobt und hab darüber Kontakte knüpfen können.

Kommentar von Phonemia ,

:-) Danke Dir! Ja, das mache ich ja schon und bewerbe mich auch auf Assistentenfunktionen, um einfach in die Unternehmen zu kommen. Klappt aber auch nicht. Und ich glaube auch, dass ich mir keine Mülltüte über den Kopf ziehen muss, noch leide ich an schiefen Zähnen (was auch tragisch wäre) oder an Übergewicht, was Unternehmen ja leider auch als "Makel" sehen. Ihr habt mir dennoch sehr geholfen. Vielen lieben Dank noch einmal.

Antwort
von apachy, 24

Nun für dein Studium kriegst du kein Geld und dein Aufwand interessiert niemanden. Das Unternehmen interessiert wie viel Geld du generieren kannst. Mit einem Studium sollte das Einstiegsgehalt bei gut 35k liegen, was gut 1,8k Netto sein sollten.

Klar gibt es je nach Ort und Firmengröße Unterschiede. Wenn du dich mit deinem Studium nicht aufgefragte Berufe bewerben kannst, dann ist das eben so. Wenn du meinst du kannst damit genug Umsatz generieren aber es wird nicht gewürdigt, dann bleibt eine Freelancer-Tätigkeit oder Selbstständigkeit.

Kommentar von Phonemia ,

Das ist mir auch klar. Aber ich bringe Unternehmen meiner Ansicht viele neue Sichtweisen mit. So habe ich bspw. neben dem Studium noch eine Coaching-Ausbildung gemacht, mich in Kreativitätstechniken weitergebildet und viele eigene ehrenamtliche Projekte umgesetzt. Selbstverständlich habe ich auch noch einmal meinen Lebenslauf gegenchecken lassen. Einstimmige Meinung: Kreativ und sehr gut strukturiert...

Hilft mir aber dennoch nichts. :-( Deshalb meine Frage. Tatsächlich haben mir Unternehmen 1000 Euro angeboten: Für eine Stelle als Marketingmanagerin, Vertrieblerin, Innovationsmanagerin, Eventmanagerin, PR-Arbeit und die Buchhaltung sollte ich auch noch machen. Das Unternehmen generiert ca. 3 Mio. Euro Umsatz im Jahr...

Kommentar von apachy ,

Die meisten Unternehmen wollen aber gar nicht so kreativ sein. Das ist ggf. in einen Bereich wie Grafikbearbeitung wichtig. Normale Industriebetriebe sind aber eher ziemlich altbacken.

Ich arbeite z.B. in der IT und schlag mich täglich mit Geräten aus den 90igern rum, denn was funktioniert wird nicht ersetzt.

Frage ist doch konkret auf was für Stellen du dich bewirbst, was du machen kannst, was das Unternehmen mit dir einnehmen kann.

Das du viele verschiedene Sachen gemacht hast ist schön und gut, meist werden aber eben Fachidioten benötigt. In Unternehmen gibt es für verschiedene Tätigkeiten nun einmal verschiedene Abteilungen oder zumindest Mitarbeiter.

Also erzähl uns einmal konkret auf was für Stellen du dich bewirbst. Welcher Ort, welche Unternehmen oder die Mitarbeiteranzahl und was für Stellen. Ich bin ziemlich sicher daraus leitet sich das Gehalt sehr gut ab.

München oder Frankfurt in einem Konzern, bei etwas sehr spezialisierten bedeutet nun einmal ordentlich Kohle. In einem 10 Mann Unternehmen Mädchen für alles in Leipzig bedeutet eben knapp über Mindestlohn. Auch mit der selben Bildung.

Kommentar von Phonemia ,

:-D Das hast Du schön zusammen gefasst mit den Gehältern.
Bewerbungen schicke ich zurzeit vor allem in Bereich der öffentlichen Verwaltung, da hier die Gehaltsstrukturen andere sind, als bspw. im Stiftungsbereich, wo ich ebenfalls viel gearbeitet habe. Nebenbei bilde ich mich auch in E-Learning und Data Science weiter, da dass gerade ziemlich Hand in Hand mit den Innovationsdingen zusammen geht. Hier habe ich auch nachweisbare Zertifkate.

Ja, und da hast Du des Pudel´s Kern ganz gut erfasst. Ich bin keine "Fachidiotin", sondern "Mädchen für alles" im Bereich Projektmanagement in den unterschiedlichsten Bereichen. Ich werde schon irgendeinen Weg finden. Danke Euch von Herzen für die Stellungnahmen.

Kommentar von apachy ,

Das Problem am Mädchen für alles ist folgendes. Das Unternehmen ist halbwegs klein. Hat nicht wirklich genug Arbeit im Bereich X um damit eine Stelle zu besetzen, selbes gilt für Bereich Y. Also denkt man sich diese zwei "unwichtigen" Bereiche fassen wir in eine Stelle zusammen, lassen die Person noch ein bisschen Buchhaltung und Dokumentation machen usw.

Das ist in der Summe alles sehr viel und auch anstregende Arbeit. Und sich in so vielen Bereichen halbwegs fähig anzustellen erfordert auch was. Das Unternehmen sieht es aber für das Unternehmen selbst als eher unwichtige Tätigkeiten. Gibt dir dann ggf. tolle Titel wie Marketingleiterin (was auch sehr viel bringt, wenn man die einzige Person in der Abteilung ist) usw. und hofft damit zu ködern. Gehälter sehen dann aber meist mager aus.

Bei spezifischen Stellen ist es eben meist der Fall, das man gesehen hat, dass man z.B. Kunden ablehnen musste oder ein Kollege nicht mehr am Bord ist und ersetzt werden muss und hier dem Geschäft konkret schwarz auf weiß Geld verloren geht. Das wieder rum lässt sich so ein Unternehmen dann kosten, weil es wichtig ist die Stelle schnell und Kompetent aufzufüllen.

Ob die Buchhaltung noch der Kollege Xy 1-2 Monate länger nebenbei macht ist wieder rum egal. Da findest sich schon jemand Dummes, wenn man lang genug wartet.

Das ist so zwar nicht fair, leider aber die Realität. Willst du mehr Geld, schau dass du etwas relativ Spezifisches findest, das lässt sich ja meist schon von den Stellenanzeigen erwahnen.

Ich hab persönlich auch mehr Spaß gehabt und fand es herausfordernder als ich in meiner Lehre im IT-Bereich sowohl programmiert habe, das Ganze in zig Sprachen, dazu ein wenig mit Netzwerken, Servern und Virtualisierung gearbeitet hab, in der Realität wird sowas aber leider nicht gesucht und wenn es gesucht wird, wird es unterirdisch bezahlt aus oben genannten Gründen.

Kommentar von apachy ,

Ansonsten bietet sich eben bei eher abstrakten Studiengängen das Lehramt an. Denn genau dafür ist man eben der Fachidiot und gefragt. Oder eben Literatur/Kurse und co. für diesen Bereich erstellen.

Kommentar von Phonemia ,

Ja, da hast Du Recht. Aber da rutscht man so rein. Wenn auch ungewollt. Mach ich ja jetzt mit der Spezifikation. Und Data Science ist jetzt nicht ganz ungefragt und macht mir unglaublichen Spaß. Werde schon etwas finden. Wünsche Dir von Herzen weiterhin viel Erfolg. Herzlich

Antwort
von Rationales, 42

Wähle vor allem so entsetzliche Politker wie Merkel nicht mehr, die ausschließlich für Banken und Großkapital arbeiten.

Kommentar von Phonemia ,

Ach Du, :-) Danke für Deine Antwort. Nein, die Merkel macht zunächst einmal Politik. Und die Politik muss alle möglichen Löcher stopfen. Bin eher eine Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und obschon der "widrigen" Umstände, die ich vorfinde, frage ich mich einfach, was man besser machen kann. Und alles an der Merkel festzumachen, ist auch keine Lösung. Da füttere ich meine schlechte Laune nur noch, und das ist auch nicht gut.

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