Frage von librarygirl, 194

Bin weiblich, lebe in creationistisch, fanatisch, dogmatischer Familie und steh auf Frauen?

Meine gesamte Familie (inklusive Großeltern, Tanten, Onkels, Kusinen, Cousains) sind Mormonen. Ich führe schon ziemlich lange wie eine Art Doppelleben: meiner Familie sage ich aus purer Angst sie würden mich nicht akzeptieren wie ich bin, dass ich (obwohl meine wirkliche Einstellung eher atheistisch ist), an ihren Gott glaube und ich war sogar mit einem Typen zusammen den ich gar nicht so gern mochte, nur weil ich Angst hatte, sie könnten darauf kommen, dass ich eine Freundin habe. Ich bin so tief in meinem Lügennetz verstrickt (wer kennt wem? Wem kann ich ehrlich sagen was ich denke und wem nicht? Wie viel von meiner politischen Meinung darf ich nach deren Dogma sagen?...), dass ich es einfach nicht mehr aushalte ständig zu lügen aber ich habe eigl keine Wahl. Dabei hasse ich es zu lügen. Ich hatte einen Traum (ich male mir immer wieder aus was passieren würde würde ich ihnen die Wahrheit sagen) in dem mein Vater mich gesehen hat, wie ich meine Freundin küsse und Alkohol trinke (bei mormonen absolut verboten) und er mir, nachdem ich ihm ehrlich meine Meinung gesagt hab, gesagt hat, ich sei nicht mehr seine Tochter und hat mich weggeschickt und dann war ich ganz allein ohne Haus und ohne Familie. Würde das wirklich so passieren? Was kann ich tun um das auszuhalten? Werde ich jemals ehrlich sein dürfen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von randomhuman, 63

Hey,

Ich weiß zwar nicht wie alt du bist aber ich schätze unter 18 so wie das klingt.

Du befindest dich natürlich in einer ausgesprochen ungünstigen Lage aber du hast doch sicher auch Freundinnen/Freunde in der Schule denen du dich anvertrauen kannst oder auch Lehrer. Mit denen kannst du zumindest erstmal über diese Glaubensfrage reden musst dabei ja nicht  gleich die Katze aus dem Sack lassen, dass du lesbisch bist.

Wenn dir deine Familie aber gar nicht gefällt und sie dich einfach ablehnen wenn du nicht das machst was sie wollen dann würde ich vielleicht das Jugendamt einschalten. Denn Kinder bei Fundamentalisten aufwachsen zu lassen grenzt schon fast an Missbrauch, auch wenn deine Eltern sonst gut zu dir sind. Kinder/Jugendliche brauchen eine freie Entfaltung und jeder hat ein Recht darauf.

Wenn du dann 18 bist kannst du dich zumindest aus diesem Fundamentalisten Kreis entfernen und hoffentlich dein eigenes Leben führen. 

Ich wünsche dir viel Glück. Liebe Grüße ;)

Kommentar von librarygirl ,

Doch, ich bin mittlerweile 18, aber ich wohne nach wie vor bei meinen Eltern weil ich noch zur Schule gehe. Abgesehen von ihren Einstellungen sind sie ja auch wirklich nett und ich liebe meine Familie (siehe Kommentar zu IdentitaererNRW). Ich will einfach nur wissen, wie ich die Situation ertragen kann so wie sie ist, weil ich immer mehr merke wie ich immer mehr innerlich daran zerbreche in diesem großen Netz aus Lügen gefangen zu sein. Und ja ich meine, ertragen so wie sie ist, nicht outen, denn ich weiß dass ich das eh nicht tun werde. Gute Freude helfen wirklich und ich bin sehr dankbar für meine Freude. Musik hilft auch (ich spiele Geige, Gitarre und ein kleines bisschen Klavier), aber irgw bin ich trotzdem nie wirklich glücklich. 

Kommentar von randomhuman ,

Ja dann hast du zumindest ein bisschen wohin du dich verflüchtigen kannst. Mit 18 könntest du auch in eine WG ziehen oder eine kleine Wohnung. Du würdest ja dann eh das Kindergeld von deinen Eltern bekommen und vom Staat würdest du da sicher auch Hilfe bekommen. 

Wenn du aber nur noch ein Jahr oder so in die Schule gehst und dann eh umziehst dann musst du es leider noch etwas aushalten. Tut mir leid...

Antwort
von Rockige, 98

Ich sag es mal so. Wie deine Familie im speziellen reagiert, das ist nicht vorhersehbar.

Mein bester Freund (Amerikaner) ist "ausgestiegen" als er volljährig wurde. Er hat noch immer viel mit Mormonen zu tun (allen voran seine Framilienmitglieder, aber auch ein paar vereinzelte Freundschaften). Dennoch sagt er für sich "Ich suche mir meinen Glauben selbst".

Und selbst wenn deine Familie derart heftig reagieren würde, was würde sich für dich ändern? Du wärest noch immer die selbe Person mit der selben Grundeinstellung und der selben Liebe zu Frauen. Familie kann man sich nicht aussuchen, aber man kann sich Freunde aussuchen. Man kann sich seinen Lebensweg realtiv selbst aussuchen. Man hat die persönliche Macht darüber ob man sich wohl fühlt in der eigenen Haut oder sich lieber verstellt und dadurch unwohl fühlt.

Antwort
von IdentitaererNRW, 73

Mach das, was dein Herz dir sagt!

Ich denke mal, dass dir deine Freundin im schlimmsten Fall (deine Eltern+ Verwandten wollen nicht mehr mit dir reden etc)  auch helfen wird, wenn ihr euch von ganzem Herzen liebt, dann schafft ihr zwei das schon^^

Ich kann dir nur raten dich zu outen, du wirst merken, dass es dir danach deutlich besser geht und vlt reagieren sie ja auch gar nicht so schlimm darauf:)

Mfg Victor

Kommentar von librarygirl ,

Ich kann mich einfach nicht outen. Meine Angst ist einfach viel zu groß dazu. Meine Freundin würde immer zu mir halten, aber meine Familie ist mir ja trotzdem wichtig. Nur weil ich nicht die gleichen Meinungen habe wie sie heißt das ja nicht dass ich meine Familie nicht liebe. Aber gerade weil ich meine Familie ja eigl. gern habe und sie mir wichtig ist habe ich ja so große Angst.

Kommentar von IdentitaererNRW ,

Ich kann und möchte dir hier nichts aufdrängen, aber aus eigener Erfahrung sage ich dir, dass der erste Schritt sehr schwer ist, aber wenn dich deine Eltern wirklich lieben, werden sie deine Meinung akzeptieren und es geht ja schließlich um dich und nicht um deine Eltern. Wenn meine Eltern meine Meinung/Vorlieben nicht akzeptieren würden, wären sier für mich einfach nicht mehr meine Eltern. Mfg

Antwort
von ThomasJNewton, 50

Es ist dein Leben, und nach meiner Überzeugung das einzige.

Niemand wird es dir danken, wenn du dich selbst verleugnest. Es ist nicht als Dank zu werten, wenn dich alle als gut funktionierendes Mitglied der "Gemeinschaft" loben. Als gut geöltes Rädchen im Getriebe.

Lebe dein eigenes Leben, und du wirst dir dein eigenes Leben erschaffen. Sei echt, und du wirst echte Menschen kennenlernen. Klar dauert es einige Jahre, aber dann hast du ein neues Leben, dein Leben.

Ich habe nicht so krass mit meinem früheren Leben brechen müssen. Oder habe es einfach nicht getan.

Ich unterscheide aber. Inzwischen besteht mein Leben zu 99 % aus meinem Leben, und auf das eine Prozent kann ich auch verzichten.

Tu, was du willst, und wenn du Eltern brauchst, adoptiere ich dich. Bin allerdings momentan Single, dü hättest also nur einen Vater.

Antwort
von nowka20, 15

mache weiter so, denn das leben wird dich noch oft überraschen

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