Frage von kraftwerk1155, 83

Bin ich zu dumm trotz hohem IQ?

Ich arbeite in einem Elektrounternehmen seit einem Jahr. In letzter Zeit fühle ich mich dort nicht mehr wohl weil alle der Meinung sind das ich für das Arbeitsleben nicht geeignet bin. Der Beruf gefällt mir sehr gut doch ich vergesse sehr viel, obwohl ich mir es notiere. Ich bin sehr unsicher und frage immer öfters nach wie eine Aufgabe zu machen ist, damit ich nichts falsch mache. Das Hauptproblem ist ich kann das gelernte von der Schule nicht in die Praxis umsetzen. Selbst bei Alltäglichen Sachen habe ich keine Ahnung, z.b. Geld überweisen, Versicherung abschließen usw. Alle in der Firma geben mir das Gefühl ich sei total dumm. Neulich habe ich meine Vorgesetzten belauscht wie sie über mich geredet haben und gesagt haben das ich dumm bin und sie mich raushaben wollen aus der Firma. (Mein Vertrag läuft Ende September aus.

Ich habe allerdings in diesem Jahr bei einem Psychologen einen IQ-Test gemacht, der nach internationalem Standard aufgebaut war. Das Ergebnis war das ich einen IQ von 120 habe. Wie kann das sein das ich dann im Job so dumm bin?

Antwort
von Tasha, 23

Versagen in der Praxis hat nicht unbedingt etwas mit Intelligenz zu tun. Intelligenz zeigt eher, wer schnell gut denken kann, auf neue Lösungen und Ideen kommt und bedingt, wer ein gutes Gedächtnis hat.

Das Gedächtnis kann allerdings stark beeinträchtigt werden, unter anderem durch Stress, Angst, Nervosität, "Lampenfieber". Wenn du also Angst davor hast, Dinge zu vergessen, falsch zu machen oder dass andere dich für dumm halten, bist du viel, viel schlechter, als wenn du total entspannt wärest.

Man kennt das ggf. aus Prüfungssituationen: In der Prüfung weiß man etwas nicht, hinterher fällt es einem sofort ein. Oder beim ersten Date: Man verhaspelt sich, verspricht sich, sagt etwas Unüberlegtes, "Dummes", weil man plötzlich aus Nervosität über Dinge nachdenkt, die man sonst ohne nachzudenken problemlos schafft. 

Versicherungen, Überweisungen: Hast du das vorher schon oft gemacht? Man braucht immer Übung und Routine. Ich kenne viele Ältere, die jahrelang nur Geld am Schalter abgehoben haben und völlig nervös und überfordert waren, das nun am Automaten zu machen. Viele brauchten bei den ersten (vielen) Gängen Begleitung, die am Ende nur noch als Sicherheit daneben stand. Einige vergaßen, die EC-Karte wieder aus dem Gerät zu nehmen und warten dann lange auf ihr Geld ("Der Automat ist kaputt! Oder ist mein Konto leer!?" - Panik!).

Empfehlungen an dich:

Liste machen mit allem, was Schwierigkeiten bereitet. Einiges nach der Arbeit googeln, z.B: welche Versicherungen brauche ich, wie vergleiche ich die usw.

Anderes zu Hause aufschreiben, im Geiste mehrfach durchgehen, einfache (!!!), übersichtliche Listen erstellen: Erst mache ich das, dann das, dann das, dann prüfe ich noch mal, ob ich alles gemacht habe. Es ist normal, dass man sich am Anfang verhaspelt und etwas übersieht. Mal völlig banales Beispiel: Ich hasse es, dass ich an einer bestimmten Stelle im Einkaufszentrum immer gefragt werde, ob man meine Brille säubern sollte. Mir kommt das wie ein Tadel vor, "hey, deine Brille ist dreckig!" Also nehme ich jetzt die Brille ab, bevor ich dort vorbei gehe. Kürzlich war ich in Zeitnot und habe es prompt vergessen und wurde auf Hin- und Rückweg wieder angesprochen. Habe es also aufgrund der Zeitnot zweimal vergessen. So etwas ist normal, weil die Zeitnot eine neue Komponente ist, die sonst nicht im Ablauf wäre.

Genauso sind Nervosität, ungewohnte Fragen oder Anweisungen, Angst, etwas falsch zu machen, kritische Blicke etc. Gründe, etwas zu vergessen, sich zu verhaspeln, einen Blackout zu haben.

Hilfe dagegen: Vor einer Aufgabe kurz tief durchatmen, überlegen, was alles zu tun ist. Evtl. langsam sprechen oder auch laut sagen, was man tun muss ("Moment, da muss ich kurz im Computer nachsehen!" etc.). Oder auch die Frage oder Komponenten davon wiederholen.

Ruhig auch mal sagen: "Lassen Sie mich kurz überlegen" und dann wiederholen, was der Kunde oder Mitarbeiter wollte und überlegen, wie man da jetzt vorgehen kann. Notfalls sagen, "Moment, da frage ich vorsichtshalber noch mal bei Mitarbeiter B nach!"

Abends dann recherchieren, was du nicht wusstest, aufschreiben, die Antwort/ den Ablauf/ die Komponenten lernen (da hilft evtl. Gedächtnistraining: Listen lernen mit Routenmethode). Morgens vor der Arbeit diese Dinge noch mal kurz wiederholen, ggf. eine Notiz mit zur Arbeit nehmen. Einfach jeden Tag ein bisschen lernen.

Es hilft, freundlich auf die Mitarbeiter/ Kunden zuzugehen und Fehler zuzugeben, statt sie verkrampft vertuschen zu wollen. Oft können dann beide zusammen lachen, wenn man etwas Schusseliges getan hat. Das passiert durchaus jedem Mal.

Halte dich an deinem IQ-Ergebnis fest: Du bist durchaus in der Lage zu lernen und flexibel zu reagieren, du musst es nur üben!

Man kann nie alles wissen, aber man kann vieles lernen!

Man muss nicht alles wissen, aber man kann alles (in der Freizeit) nachschlagen!

Gehe ruhig auf die Kollegen zu, sage, dass du in letzter Zeit etwas verpeilt warst und es dir Leid tut, wenn du ihnen dadurch Mehrarbeit beschert hast, du aber gerade daran arbeitest, dich zu ändern und besser zu werden. Dass du durchaus dazu in der Lage bist, nur die Nervosität dir im Wege steht und du gerade daran arbeitest, sie zu bewältigen.

Suche mal Entspannungstechniken und übe diese. Eine ist eben die kurze Pause vor der Aufgabe und das mentale Durchgehen der anstehenden Aufgabe.

Antwort
von Whitecheetah, 21

Ergänzend zu den bisherigen Kommentaren, kommst Du mir eher vor,als hättest du ein niedriges Selbstbewusstsein und bist mit den Gedanken was weiss ich wo. Ausserdem wenn man sich irgendwo nicht wohl fühlt blockt man automatisch ab und macht Fehler. Vlt ist gefeuert zu werden bei dir sogar gut und du findest ein Job oder ein Unternehmen, wo du besser hinein passt.

Antwort
von TightLP, 26

Das hat nichts mit dem IQ zu tun wie zuverlässig du in deinem Job bist.

Vielleicht ist der Job auch nicht das richtige für dich, und du musst dir was in deinem Begabungsbereich suchen ;)

LG

Antwort
von DougundPizza, 36

Manche Menschen blühen total in der Theorie aber Versagen komplett in der Praxis. Kannst du nicht einen Beruf finden wo du ausschließlich mit deinen Stärken arbeitest?

Antwort
von UserDortmund, 13

Hoher IQ schützt nicht vor sozialer Dummheit

Antwort
von NebenwirkungTod, 37

Allzu hoch ist der IQ auch ned.

Aber vergesslichkeit hat nic mit IQ zu tun.

Kommentar von AntwortMarkus ,

IQ von 100 ist Durchschnitt.  Für 120 muss man sich nicht schämen.

Kommentar von NebenwirkungTod ,

Ich weiss das der Durchschnitt in europa zwischen 90 und 100 liegt, dennoch, DURCHSCHNITT bleiubt Durchschnitt, 120 ist noch ned so viel.

Ab 130 etwa bist du hochbegabt, wobei du bei Tests immer um die 10+/10- rechnen musst

Kommentar von Tasha ,

Na ja, 120 ist laut Definition m.W. "überdurchschnittlich begabt". Kein Genie, aber jemand, der gut denken kann, Lösungen finden kann und normalerweise auch ein gutes Gedächtnis hat. Vielleicht keines, bei dem er alles, was er hört oder liest, sofort komplett behält, aber doch eines, bei dem er Dinge, die er mehrfach in Ruhe (!) gelernt hat sicher abrufen können sollte. Kann er das nicht, hängt es also eher an der mangelnden Ruhe als an der mangelnden Gedächtnisleistung!

Insofern sind die 120 Punkte schon beruhigend. Sie sagen ihm, im Gegensatz zu z.B. 85 Punkten, dass er durchaus lernen und Dinge behalten kann, dass er dazu grundsätzlich gut in der Lage ist und es eben an anderen Faktoren liegt, wenn das nicht so (gut) klappt.

Kommentar von NebenwirkungTod ,

Das Gedächtnis ist in 4 Teile gegliedert, episodisches, wissens, prozedurales und Priming.

Nur weil du einen hohen IQ hast, musst du nicht gut lernen können!

Es kann auch sein dass du Logische Zusammenhänge einfach gut erkennst

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