Frage von GedankenGruetze, 112

Bin ich schlecht, weil es mir schwer fällt mich zu solidarisieren?

Erst mal, ich will den Terror gar nicht gutheißen, rechtfertigen oder gar relativieren.

Wenn ich das so sehe, dann werd ich irgendwie traurig, aber auch wütend. Komischerweise aber nicht wegen den Terroranschlägen, sondern weil ich immer daran denken muss, wie ich früher gegen den Afghanistan- und Irakkrieg war. Die Bilder, die man heute im Internet sieht: So hab ich mir den Alltag mit westlichen Bomben vorgestellt, als in beiden Kriegen über 20 000 Zivilisten getötet wurden und alles im Namen der Demokratie. In Europa hat das aber niemanden gekratzt. Da haben wir das ganz kaltschnäuzig mit "Demokratie fordert halt seine Opfer" abgetan und niemand hat getrauert oder sich mit Menschen, die ihre Kinder verloren haben, solidarisiert.

Heute empfinde ich es fast als heuchlerisch, dass wir mit unter den IS durch unsere Destabilisierungspolitik so stark gemacht haben und wir wütend auf die feigen Mörder sind (was sie in meinen Augen ja auch sind), aber sind wir besser oder rechtfertigen wir die Welt einfach mit unserer westlichen Moral, dass wir unschuldig sind und andere es verdient haben?

Antwort
von Suboptimierer, 69

Ich finde es immer schwer, in Kriegsgebieten die Unschuldigen von den Schuldigen auseinander zu halten. Da sagt mir jemand, dass einer der dort getötet wurde, ein unschuldiger Zivilist war, aber niemand kann sagen, wie viele Leichen dieser selbst im Keller hatte. Wenn er sich wirklich aus dem Krieg herausgehalten hat, dann wäre das in der Tat sehr traurig, dass er so einem Anschlag zum Opfer gefallen wäre.

Wenn irgendwo in Belgien ein Terroranschlag verübt wird, kann man sich irgendwie sicherer sein, dass diese Zivilisten nichts in Bezug auf einen Krieg zu Schulden kommen lassen haben, selbst wenn die Regierung in der Vergangenheit übel mitgespielt haben sollte.

Außerdem ist die Kultur ähnlicher, sodass es leichter fällt, sich in einen Belgier hinein zu versetzen als in einen Iraner. Umso mehr Gemeinsamkeiten man mit jemandem sieht, desto einfacher fällt es, Empathie zu empfinden.

Das berücksichtigend sehe ich die Scheinheiligkeit nicht.

Aus deiner Frage geht auch nicht ganz genau hervor, an wen dein Vorwurf geht. An die Belgier oder an Belgien oder an die Deutschen oder an Deutschland? Ich finde, da sollte man ruhig auch nochmal unterscheiden. (Deutscher bist du, gehe ich mal von aus, auch)

Die Verhältnismäßigkeit regt mich auch auf. Die Tat der Täter war so gewaltsam und schlimm, da braucht man doch nicht mit einer Goldwaage dahergehen und messen, wer für wen am meisten Mitleid empfindet. Das lenkt nur von den Tätern ab.

Kommentar von Suboptimierer ,

Es kommen noch zwei Punkte hinzu: Unkenntnis und Gewöhnung

Vielen Bürgern ist es nicht bewusst, wie viel des Krieges Deutschland zu verantworten hat. Manche verdrängen es oder denken sich "Das war ich nicht." Der einzelne Bürger fühlt sich nicht als Täter.
Das ist übrigens häufig beobachtbar. Welcher Täter fühlt sich schon als Täter? Es sind immer die "wahren" Opfer. Und ein Täter fühlt sich meistens im Recht.

Wenn jeden Tag in Belgien Terroranschläge wären und das über Jahre so ginge, so würde man sicherlich den letzten Toten nicht derartig gedenken, wie man den ersten Opfern gedenkt hat.

Kommentar von kkkk444 ,

"wie viel des Krieges Deutschland zu verantworten hat."

Und das ist der Punkt...der Westerwelle hat sich davor noch gehütet - in Lybien einzugreifen wie Sarkozy und Blair, aber unsere Mutti möchte "den Assad stürzen" und die "Opposition unterstützen", und "nach der Konferenz sollte Assad nicht denken, dass er bleiben darf"... (sie ignorriert syrische Wahlen)

Sagt sie uns auch wieviel Menschen in Syrien jetzt obdachlos sind?

Sie ist eine Kriegstreiberin.

Antwort
von AjaxderKleine, 5

Jedes Volk der Erde,jede Religion,jede Gruppierung dieser Erde, versucht seit jeher andere von ihren Werten zu überzeugen,wie interessiert nicht.Schon immer kämpfen Religionen gegen einander,doch ich glaube wir müssen aufhören uns aufzuregen über Dinge die andere für richtig halten .doch was passiert wenn ich mich daran halte,doch andere,in dem Fall die Taliban,anderen ihre Menschenverachtenden Gesetzte aufzuzwingen und die Bevölkerung tyrannisieren? Ich finde wir als westlichen staaten haben die Aufgabe dies zu ändern,vorallem wenn das Volk um Hilfe ruft.Doch darf nicht radikaler vorgegangen werden als irgendwie nötig,keine Jahre lange besatzung,sondern wenn ein vereinter Schlag MIT Rücksicht auf Verluste.

Kommen wir zu der Solidarität:Ich habe mich auch überhauptnicht persönlich getroffen gefühlt von den Anschlägen und den hunderten Toten,da interessiert mich der Tod von dem Mädchen aus dem Nachbarort ,dass man persönlich gar nicht kannte ,bedeutend mehr. Doch das liegt in der Natur des Menschen und man sollte sich nicht schämen, für solch eine Einstellung

Antwort
von Nijori, 78

Also ganz zuerst mal....keiner führt im nahen Osten wirklich Krieg damls wie auch heute um irgendwem die Demokratie zu bringen ich denke jedem an hoher Stelle ist klar das dort in den nächsten paar Generationen noch nichteinmal Frieden herrschen wird geschweige denn Demokratie...gehen wir mal davon aus das Demokratie etwas tolles ist.

Da gehts nur um Profit und wer Krieg führt um Profit zu machen während man das ganze mit "Für den Frieden" maskiert hat keine Moral, Terroranschläge jedoch finden im eigenen Vorgarten der "zivilisierten" Welt statt man ist selbst betroffen also sucht man händeringend nach Mitleid, während das ganze einem doch eigentlich in die Hände spielt um die Überwachungsstaaten von denen die Regierungen träumen zu realisieren, denn verängstigte Bürger sagen nicht nein.

Soviel zu Staaten, nun kommen wir doch mal zum Normalbürger, da müssen wir nichtmal bis zu Motivationen denken, dem durchschnittlichen Menschen ist alles was ihn nicht direkt betrifft oder ihn "ins Ziel rückt" zimmlich egal und Punkt.

Das meiste "ach die armen Leute" ist nur ein Versuch Popularität auf dem Mitleid der anderen aufzubauen.

Ganz zuletzt noch, ich finde es auch nicht gut wenn irgendwelche Fanatiker sich selbst und die nähere Umgebung sprengen, aber mal ehrlich, als Bürger einer Demokratie sind wir alle dafür wie unsere Regierung handelt mitverantwortlich.
Die derzeitige Terrorsitiuation ist definitiv nicht nur die Schuld der Terroristen, sondern der Staaten, die Menschen dazu treiben.

Da hat sich jeder von uns selber ein Ei gelegt, indem wir unseren Staaten gestatten solche Länder, wie im nahen Osten, in ihre persönlichen Waffentestfelder zu verwandeln oder auszubeuten.

Kommentar von Modem1 ,

Wer etwas versucht nachzudenken weis das . Nur im Alltag haben die Menschen ihre eigen Probleme zu bewältigen: In der Familie,am Arbeitsplatz oder mit ihrer Gesundheit.Das überlagert Vieles. Deshalb haben es die Bösewichte dieser Welt auch leicht für ihr teuflisches Spiel.(....Da hat sich jeder von uns selber ein Ei gelegt......)

Kommentar von Nijori ,

Es ist schon klar, das man in einer Gesellschaft die seid vielen Generationen die Zügel bereitwillig aus der Hand gibt und nicht hinterfragt in welche Richtung man gelenkt wird, wenn man dann was ändern will keine guten Karten mehr ausgeteilt bekommt, egal wie man sich bemüht.
Aber um mal bei der Kartenmetapher zu bleiben, solange man nicht den ganzen Stapel durchmischt  werden die Mächtigen immer die Asse für sich behalten.

Natürlich hat sich da jetzt nicht jeder persönlich in die Sch eiße geritten, aber es versucht auch kaum einer noch raus zu kommen wie es scheint.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Politik, 48

wie ich früher gegen den Afghanistan- und Irakkrieg war. Die Bilder,die man heute im Internet sieht: So hab ich mir den Alltag mit westlichen Bomben vorgestellt, als in beiden Kriegen über 20 000 Zivilisten getötet wurden und alles im Namen der Demokratie.

Nein, nicht "im Namen der Demokratie", sondern angeblich im Kampf/Krieg gegen den islamistischen Terror, um die Sicherheit und Freiheit aller friedliebenden Völker zu behaupten. Der Versuch, in diesen Ländern "Demokratie" einzuführen, war nur ein Nebenprodukt.

In Europa hat das aber niemanden gekratzt. Da haben wir das ganz kaltschnäuzig mit "Demokratie fordert halt seine Opfer" abgetan und niemand hat getrauert oder sich mit Menschen, die ihre Kinder verloren haben, solidarisiert.

Diese Darstellung ist Propaganda und schlichtweg falsch! Beide Kriege waren in Europa äußerst umstritten. Gerade in der Bevölkerung gab es deutliche Kritik und Proteste gegen die rücksichtslose Vorgehensweise besonders der USA gegen die Zivilbevölkerung in Afghanistan und im Irak und die Versuche der amerikanischen Politiker, solche Opfer als "Kollateralschäden" zu beschönigen.

Heute empfinde ich es fast als heuchlerisch, dass wir mit unter den IS durch unsere Destabilisierungspolitik so stark gemacht haben und wir wütend auf die feigen Mörder sind (was sie in meinen Augen ja auch sind), aber sind wir besser oder rechtfertigen wir die Welt einfach mit unserer westlichen Moral, dass wir unschuldig sind und andere es verdient haben?

Mit Verlaub: das ist sinnloses Geschwätz! Gewiss wurde der sog. IS durch eine verfehlte - besser: fehlende Politik besonders der USA begünstigt. Aber in Europa wurden diese Mängel erkannt und keineswegs unter den Teppich gekehrt. Aber wäre es besser gewesen, rücksichtslose Diktatoren an der Macht zu lassen? Oder islamistische Fanatiker in Afghanistan einfach alles an Grausamkeiten machen zu lassen? Wer denkt noch an die Opfer und die betroffenen Familien der Völker dieser Islamisten? Hinterher ist man natürlich immer schlauer - und manche ganz besonders Schlaue gefallen sich in der Rolle des Pharisäers.

Was die sog. "westliche Moral" angeht: die Bevölkerung in den europäischen Ländern ist gewiss in der übergroßen Mehrheit "unschuldig" und hat es keineswegs "verdient", das Opfer von gewissenlosen, mörderischen islamistischen Verbrechern zu werden! Auch nur anzudeuten, dass die von Terroranschlägen betroffenen Frauen, Kinder und Männer mit einem gewissen Recht ihr Schicksal getroffen habe, widerspricht vollkommen der "westlichen Moral", die sich davon verabschiedet hat, die völlig überflüssigen, bedauernswerten Opfer in allen betroffenen Völkern selbstgerecht gegeneinander aufzurechnen! "Auge um Auge, Zahn um Zahn" - wer dieses durch die Aufklärung obsolete Denken zu reaktivieren und im Zusammenleben der Völker wieder alltagstauglich zu machen versucht, der begibt sich auf das geistig-mittelalterliche "Niveau" der fanatisierten islamistischen Verrückten, die im Namen ihres Gottes rücksichtslos Frauen, Kinder und Männer vernichten, nur weil diese ihrem unmoralischen Weg des Daseins nicht folgen wollen. 

MfG

Arnold

Antwort
von Modem1, 71

Eines möchte ich klarstellen: Kampf gegen den Terror muss sein um unsere Zivilisation genau so wie wir sie kennen zu erhalten und nicht preiszugeben an fanatische gewaltbereite Muslime deren Brutstätten sich in der EU eingenistet haben dank "kluger" Politiker. Einen sauberen Krieg gibt es nicht. Den wird es auch nicht geben. Daher ist im Kampf gegen das Böse mit den Tot von Zivilisten zu rechnen was aber in Wirklichkeit aber  keiner will. Politik ist kein Wunschkonzert-es muss manchmal sogar mit brutalen Diktatoren (wenns keine andere Möglichkeit gibt)ein Bündnis geschlossen werden nach dem bekannten Spruch: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.Das ist Realpolitik. Gefühle haben da keinen Platz.

Kommentar von Akainuu ,

Krieg im Namen des Friedens und Kampf gegen das Böse, so ist das also.

Wisst ihr was das Witzige ist? Die Gegenseite denkt auch, dass sie im Namen des Friedens und der Gerechtigkeit gegen das Böse kämpft.

Es kann ein Jahrtausend vergehen, es können zwei Jahrtausende vergehen: Menschen scheinen immer die gleichermaßen einfach gestrickten haarlosen Affen zu sein. 

Diese Art von Politik ist Dreck. Das zeigt dir die Menschheitsgeschichte immer und immer wieder und Menschen denken immer und immer wieder, sie könnten durch Krieg Frieden oder Ordnung bringen.

Und anstatt endlich mal davon zu lernen und nach wahrem Frieden zu suchen, rechtfertigt man Terrorismus immer noch mit "Mit dem Tod von Zivilisten ist zu rechnen". Krieg ist nicht die Antwort, akzeptiere das. Frieden ist kein so einfaches Ziel, als das es durch Krieg gewonnen werden kann.

Lass mich dir folgende Frage stellen: Wenn du jetzt irgendein armes Schwein in einem dieser Länder wärst und auf der anderen Seite kommt einer mit

"Hey, du musst leider sterben, aber keine Sorge: Das ist Politik und das ist der Kampf gegen das Böse, dein Tod ist gerechtfertigt" - Wie fühlt man sich dabei?

Und sagst du das auch den Angehörigen dieser Leute? 

Was denkst du: Warum hat die Anzahl der Terroristen in den letzten Jahrzehnten derart zugenommen? Weil Menschen für falsche Ideologien anhänglich sind, wenn sie nach Rache suchen, das Produkt unseres Problems sind Fehler, die die Politik Jahre lang gemacht hat und das ist die einzige Wahrheit, der sich die Menschen erstmal stellen müssen. 

Kommentar von Modem1 ,

Deine letzten 5 Zeilen kann ich  unterstützen .Ich könnte noch was dazu anhängen . 

Antwort
von brido, 11

Je näher die Opfer, umso größer normalerweise die Anteilnahme, weil man sich mit ihnen identifiziert. 

Antwort
von voayager, 64

Wir sind natürlich nicht unschuldig, schon weil wir bis zu einem gewissen Grad am Irak, u. Libyenkrieg beteiligt waren, bei dem in Afghanistan gar direkt. andere haben da nix "verdient", wieder andere, die hier Bomben legen, sind hart zu bekämpfen. Im übrigen ist nicht die gesamte hiesige Bevölkerung schuldig, etliche waren und sind gegen die Militärinterventionen.

Kommentar von Modem1 ,

Mit Sicherheit mehr als die Hälfte war dagegen.

Antwort
von Bikerdaddy, 8

Wie bitte was ?

Die USA und die Sowjetunion haben destabilisiert, nicht Europa.

Europa war im Kalten Krieg nicht mehr als eine Marionette und jetzt sollen Europa, welchen nichts dafür kann büßen ?

Das wäre wie, wenn der Sohn für die Verbrechen seines Vaters ins Gefängnis käme.

Also denk doch bitte erstmal drüber nach, bevor du sowas schreibst.

Antwort
von admeyermax, 9

Ich finde weder Terror noch Krieg moralisch vertretbar. Aber wir sollten uns die Relationen vor Augen führen und uns fragen, wie viele Menschen in Kriegen ums Leben kommen, die, wie du ja schon sagtest, angeblich im Namen der Demokratie geführt werden.

Wenn wir uns die wahren Gründe für Krieg anschauen, geht es meistens weder um Demokratie oder Gerechtigkeit, sondern schlicht und ergreifend um Rohstoffe und, letztlich, Geld und Macht.

Du hast ebenfalls Recht, wenn du sagst, dass der IS durch eben diese Kriege erst stark geworden ist. Allem Anschein nach wird er sogar von Saudi Arabien, dem Verbündeten der USA, gefördert, um Syrien zu destabilisieren. 

Der Grund hierfür könnte eine Öl-Pipelinetrasse von Qatar in die Türkei sein, die durch Syrien führen würde, an der auch die Amerikaner profitieren würden.

Russland hingegen ist gegen den Bau dieser Pipeline, weil Russland Europas Hauptlieferant für Erdöl und Gas ist. 

Alle diese Fakten lagen bereits vor dem Syrienkrieg auf dem Tisch.

Auch ich kann Terror nur verurteilen, aber dasselbe gilt für Kriege, die aus purer Gier geführt werden und die der Grund dafür sind, dass sich Millionen Menschen auf der Flucht befinden.

Antwort
von TheLegendary, 61

Du hast ganz gänzlich recht, dieser Krieg ist weit weg von hier und "im Namen der Demokratie" ist nur ein Vorwand, um Ressourcen in diesen Ländern zu sichern, an mehr sind die Regierungen nicht interessiert.

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