Die beiden Kategorien 'Optimismus' und 'Pessimismus' sind bei vielen Einschätzungen von Zuständen komplexer Lebenszusammenhänge untaugliche 'Instrumente'. So auch in dem von dir geschilderten Fall. Eine Finanzkrise hat stets so viele Facetten, dass man mit einfachen Bewertungen wie 'positiv' und 'negativ' hier nicht weiter kommt. Eine Krise ist doch immer eine Verschiebung ganz unterschiedlicher Parameter, durch die in der Regel ein ganzes Bündel von Aktivitäten verwirklicht wird. So werden z.B. bei einem Anwachsen von Schulden die Bedrohungssignale immer deutlicher erkennbar: Menschen verschieben Vermögenswerte; bestimmte Güter mit angeblich krisensicherem Wert werden gehortet; Aktivitäten in Bezug auf bestimmte Beschäftigungen werden weit häufiger gezeigt; leichtlebige und kostspielige Vergnügungen werden zurückgestellt; es findet Besinnung auf alternative Lebensprinzipien statt, und vieles mehr. Bei jeder dieser Aktivitäten und Veränderungen kann man nun Wertungen einfließen lassen. So kann man z.B. durch die Krise verantwortungsvoller denken, oder sich rückbesinnen auf die Endlichkeit verfügbarer Ressourcen, alte Werte wie Familie, ein bescheidenes Lebensglück ohne lärmende Expansivitäten, Lektüre kritisch durchreflektierter Problemfelder oder naturverbundener sportlicher Aktivitäten. Das sind lauter positive Momente, die mit einer wirtschaftlichen Krise einhergehen, und die man normalerweise nicht mitdenkt, weil man primär nur die möglichen Verluste von Vermögenswerten im Blick hat. Wenn also eine Krise als rechtzeitiges Warnsignal mit der Aktivierung kompensierender Handlungen wirksam wird, kann sie auch 'optimistisch' eingeschätzt werden. -- Wenn man noch einmal die Aussage deines Vaters "schlimmer geht es gar nicht", betrachtet, so ist damit ja nicht gemeint, dass er sich nicht denken könnte, dass nicht noch viel desaströsere Szenarien vorstellbar wären. Er will damit nur andeuten, dass er die negativen Auswirkungen für gravierend hält und unterstreicht das durch eine 'Absolutsetzung'. Aber das gehört zu den rhetorischen Gepflogenheiten, die man - bei realistischer Einschätzung des Gesagten - auch angemessen einstufen kann. Bilanz: Optimistische oder pessimistische Wertungen kann man meist nur bei sehr einfachen Sachverhalten anwenden. Alle großen komplexen gesellschaftspolitischen Veränderungen haben stets so viele Facetten, dass diese Zweiteilung der Einschätzung unzulänglich ist.
Das ist einleuchtend :D
Jetzt muss ich nur noch wissen, wie ich es meine