Frage von EinTypEben, 218

Bin ich normal und wie soll ich damit leben?

Hallo,

Seit Monaten bin ich nun am überlegen was ich machen soll. Ich habe das Problem das ich nicht weiß ob ich mal zum Psychologen sollte damit der mir sagt was mit mir nicht stimmt. Allerdings habe ich eine generelle Abneigung gegen Ärzte und vor allem bin ich sehr voreingenommen Psychologen gegenüber. Darum soll es jetzt nur nicht so sehr gehen.

Mein Problem ist das ich seit ich denken kann absolut kein Mitgefühl habe. Das heißt falls ich Nachrichten schaue wie damals beim 11. September wo tausende Menschen sterben, ist mir das völlig egal. Wenn Familienangehörige sterben verdrücke ich nicht eine Träne. Wenn Ich arme Leute auf der Straße sehe denke ich mir nur gehe arbeiten und nerv mich nicht. Wenn jemand Liebeskummer oder private Probleme hat höre ich mir das gezwungen an obwohl es mich nicht interessiert. Sollte jemand gestorben sein sag ich halt mein Beileid aber es juckt mich null. Diese Liste könnte ich unendlich weiterführen, allerdings denke ich das Problem ist klar. Ich empfinde dabei kein Mitgefühl sondern ich bin meist nur genervt davon oder manchmal sogar schadenfroh.

Desweiteren bin ich ständig von anderen Menschen genervt und denke nur das sie einfach alle sterben sollen. Ich höre ein Baby weinen und würde diesem am liebsten den Hals umdrehen. Oder wenn jemand etwas lauter ist und dumme Sachen redet kann ich mit dem Augenrollen nicht mehr aufhören. Und das alles wird mit der Zeit immer schlimmer, ich schaue mir zurzeit nur Leute an die alle im "Mainstream" rumlaufen, was heißt eben mit Primark oder H&M Klamotten. Dabei blond gefärbte Haare haben und sich über ihren neuen Veganen Lebensstil unterhalten. Diese Typischen Normalos eben die sich alle so ähnlich sehen als wären sie Geschwister. Alle diese Menschen erachte ich dauernd als überflüssig da sie uninteressant sind und sie wie jeder andere sind. Ich hasse sie alle.

Das Ding ist eben das ich damit Momentan noch gut Leben kann, aber ich merke das mich das immer mehr nervt und mich manche Dinge schon total aus der Fassung bringen. worüber ich mich Stunden aufregen könnte.

Ich will nur wissen ob das mit 22 Jahren nur eine Phase ist oder ob das ein Fall wäre wo ich mal mit einem Psychologen sprechen sollte. Wäre gut zu wissen ob es Leute gibt die ähnliches miterleben und die einen Weg kennen wie ich nicht ständig genervt bin.

Und bitte keine Kommentare die mir sagen was ich doch für ein A...loch bin, denn das weiß ich selbst und hilft mir nicht weiter.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von CountDracula, 79

Hallo,

ich glaube, dass Dir ein Psychotherapeut weiterhelfen kann.

Es gibt dabei psychiatrische und psychologische Psychotherapeuten. Psychiatrische Psychotherapeuten sind Ärzte; psychologische Psychotherapeuten sind das nicht.

Einen Grund voreingenommen zu sein gibt es nicht. Ein guter Therapeut bewertet Dich nicht, sondern versucht, Dir zu helfen. Dass man Dich dort als A...loch beschimpft, musst Du also nicht befürchten - und wenn es doch passiert, dann suchst Du Dir eben einen neuen Therapeuten.

Den Therapeuten kannst Du dann nach Selbsthilfegruppen oder Gruppentherapien für Menschen wie Dich fragen. Dort lernst Du viele Menschen kennen, denen es so geht; alleine bist Du mit Deinen Problemen nämlich auf keinen Fall.

Antwort
von 6bombe, 27

Hallo! Ich glaube schon, dass ich dir den richtigen Rat geben kann, die Frage ist allerdings, ob es dir gelingt, ihn auch zu befolgen:


Seit Monaten bin ich nun am überlegen was ich machen soll


Damit ist schon das Hauptproblem genannt: Der Verstand ist ein Instrument zur Lösung von Problemen. Allerdings können die meisten von uns dieses Instrument nicht nach belieben hervorholen und benutzen und es nach getaner Arbeit wieder weglegen. Denn der Verstand hat eine gewisse Eigendynamik. So wie das Herz ständig schlägt, die Atmung ständig atmet, so ist auch der Verstand ständig am denken, am Versuchen zu verstehen, am Problemlösen. Hinzu kommt, und das ist überhaupt der größte Knackpunkt an der Problematik, dass die meisten von uns nicht erkannt haben, dass der Verstand nur ein Instrument ist, welches zu unserem System dazu gehört; vielmehr sind die meisten fest davon überzeugt, dass sie dieser Verstand sind. Sie sind mit ihm identifiziert - eine fatale Fehleinschätzung (die vom aktuellen wissenschaftlichen Paradigma unterstützt wird)!


Sofern konkrete Probleme vorhanden sind, ist das auch ok so. An denen kann der Verstand dann arbeiten, von denen ist er dann beansprucht. Wenn aber kein konkretes echtes Problem ansteht, dann fängt der eigendynamische Verstand an, nach weiteren Problemen zu suchen. Das braucht er, dafür ist er da. Notfalls werden dann auch eher an den Haaren herbeigezogene Probleme erfunden oder zumindest künstlich aufgebauscht.

Auch neigt der Verstand dazu, negative Aspekte stärker zu betonen als positive: Angenommen du stellst fest, es sind dir €100 abhanden gekommen - das würde ein gewisse Dramatik für dich beinhalten. Angenommen du stellst fest, dir fallen irgendwie unerwartet €100 zu - das würde eine gewisse Freude o.ä. mit sich bringen. Und nun vergleiche die Intensität der beiden Erfahrungen. Sind beide gleich stark, oder wird eines von beiden intensiver, "gewichtiger" erlebt?


Ich habe das Problem das ich nicht weiß ob ich mal zum Psychologen sollte damit der mir sagt was mit mir nicht stimmt.


Die von mir oben beschrieben Funktionsweise des Verstandes, insbesondere die (nicht beweisbare aber von einigen, u.a. auch von mir, erkannte) Tatsache, dass wir nicht der Verstand sind, sondern lediglich einen haben, ist nur den wenigsten Psychologen bekannt. Diese Erkenntnis ist aber essentiell, um den Fallstricken des Verstandes nicht zum Opfer zu fallen. Daher denke ich, dass Psychologen dir höchstens partiell helfen könnten - nämlich beim Relativieren destruktiver Gedanken.


Mein Problem ist das ich seit ich denken kann absolut kein Mitgefühl habe


Ist das wirklich war? Hast du in deinem ganzen Leben keinen einzigen Moment des Mitgefühls erlebt?


Am 11. September: war ich zunächst mal ungläubig überrascht, dann empfand ich eine gewisse Genugtuung. Ich fand, dass wäre die nicht ungerechtfertigte Rechnung für die rücksichtslose arrogante Haltung der USA gegenüber den anderen Völkern des Planeten.


Bei Sterbefällen habe ich bislang auch noch kein einziges Tränchen verdrückt.


Wenn Ich arme Leute auf der Straße sehe denke ich mir nur gehe arbeiten und nerv mich nicht.


Das ist keine Empfindung sondern ein Gedanke... ;)

Aufgrund der überbordenden Flut von Bettlern und Konsorten in meiner Stadt fühle ich mich von denen i.g. auch meistens genervt, und die Reaktion der meisten anderen Passanten scheint mir auch nichts anderes zu spiegeln.


Diese Liste könnte ich unendlich weiterführen, allerdings denke ich das
Problem ist klar. Ich empfinde dabei kein Mitgefühl sondern ich bin
meist nur genervt davon oder manchmal sogar schadenfroh.


Ich denke, das Problem war dir noch nicht klar. Das eigentliche Problem ist nämlich, dass dein hartnäckig nach Problemen suchender Verstand genau jenes Feld für sich entdeckt hat, auf welchem, wenn er sich dort "problemlösend" betätigt, diese Betätigung sich selbst durch sich selbst immer weiter Nachschub liefert und sich immer weiter hochschaukelt, sich somit immer mehr und mehr selbst bestätigt bis zum bitteren Ende. Und dieses Betätigungsfeld ist *Trommelwirbel, tata* DU!!!


Du bist mit diesem Übel übrigens bei weitem nicht der einzige. Tatsächlich ist unsere ganze Gesellschaft davon stark durchzogen, beim einen mehr, beim anderen weniger. Was du ganz klar erkennen kannst: je älter die Menschen sind, umso unzufriedener, mürrischer und enger im Kopf sind sie oft. Warum? Weil diese unheilvolle Eigendynamik des Verstandes sich bereits weiter entfalten konnte.


Ein spezieller Trick des Verstandes ist dabei auch immer das Vergleichen mit anderen. "Die anderen fühlen was, ich nicht, mein Gott muß ich krank sein."

Nur der Witz ist, jeder hat irgendwelche Punkte wo er anders ist als die anderen, und viele werden wahrscheinlich gerade in diesem Punkt auch von ihrem Verstand gequält: Oh Gott, ich bin dicker, dümmer, kleiner, blöder, emotionaler, emotionsloser, reicher, ärmer, schöner, häßlicher usw. als die anderen (und ja, auch vermeintlich positive Aspekte (reich, schön) können vom Verstand zum Problem gemacht werden).


Ein weiterer Aspekt dieser Dynamik sind die Emotionen: Wer ungutes denkt, fühlt sich auch ungut. Wer sich ungut fühlt, der tendiert dann auch wiederum zu unguten Gedanken. Das schaukelt sich gegenseitig hoch.


Ich will nur wissen ob das mit 22 Jahren nur eine Phase ist


Das ist nicht nur eine Phase, das ist die Funktionsweise des Verstandes, der in deinem Fall eben eine ausgeprägtere Eigendynamik hat.


Aber Kopf hoch. Es gibt ein Mittel gegen dieses Problem. Es ist sehr einfach zu verstehen, aber nicht einfach umzusetzen. I.G. hast du aber nur die Wahl, entweder das Mittel umzusetzen, oder von deinem Verstand in immer dunklere Bereiche gezogen zu werden. Die Entscheidung liegt bei Dir, und zwar nicht nur einmal, sondern für den Rest deines Lebens in jedem einzelnen Augenblick (und deshalb ist es auch so schwierig, weil es lebenslange Disziplin erfordert).


Hier das Mittel:

Wann immer dein Verstand mit welchen Texten auch immer daher kommt, bemerke, was da abgeht und mißtraue dem. Überlasse den automatisch ablaufenden (i.d.R. negativen) Gedanken nicht die Deutungshoheit über die Wirklichkeit - weder über andere, noch über dich selbst. Sofern dein Verstand nicht gerade ein ganz konkretes Problem zu lösen hat, kannst du (nicht absolut immer, aber) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es Blödsinn ist. Höre einfach nicht darauf, erkenne es als das was es ist: destruktiver Blödsinn, der weder dir noch sonst jemandem etwas nützt.


Mit den Emotionen ist es umgekehrt: erlaube dir so konsequent wie möglich, das zu fühlen, was da ist. Es gibt keinen Gott- oder sonstwie gegebenen Katalog, in dem drinnen steht, wer was wann fühlen soll. Jeder Mensch hat seine ganz eigene einzigartige Art. Wie die anderen unterwegs sind ist deren Sache. Wie du unterwegs bist ist eben so wie es ist. Lass es einfach so sein. Du mußt nicht wie irgendwelche anderen Leute sein. Der Verstand wird dann auch wieder mitreden wollen: "jetzt hättest du aber nicht das fühlen sollen, sondern das und das", "omg, in dieser Situation sind andere betroffen, und du fühlst einfach gar nichts, was für ein kranker Typ du doch sein mußt!" usw. usf...


Nochmals in Kurzform:

Don't you ever listen to your mind!

Allow yourself to be the way you are, to feel or not feel whatever is there -  without listening to the judgement of your mind!


ps: was für deinen Verstand gilt, gilt prinzipiell auch für alle anderen. Alle haben die Neigung zu bewerten und zu beurteilen, idR. negativ! ;)



Kommentar von EinTypEben ,

Naja, erstmal danke für den Aufsatz den du mir geschrieben hast, hätte nicht soviel erwartet um einer Person weiter zu helfen. Ich werde versuchen zumindest im Ansatz was um zu setzen, wobei ich doch meinen Verstand mag.

Ist das wirklich war? Hast du in deinem ganzen Leben keinen einzigen Moment des Mitgefühls erlebt? 

Und da ist der Punkt ich empfinde absolut nichts wenn es anderen Menschen oder Tieren schlecht geht. Als Beispiel bin ich tierisch genervt über all die Veganer die einem Schuldgefühle dafür geben wollen das man Tierische Produkte isst. Als ich damals noch in der Schule war und wie uns Dokumentationen über Massentierhaltung anschauen mussten waren Leute die regelrecht geheult haben. Mir war das völlig egal und habe danach weitergelebt wie immer. Oder auch die Menschen die sagen man müsse für Kinder in armen Ländern spenden und ich ihnen sage das diese mir völlig egal wären, werde ich als schrecklichen Menschen behandelt. Dabei denke ich mir nur das diese Heuchler wahrscheinlich selbst nie auch nur 1€ gespendet haben.

Ich habe eben das Problem das ich an sich schon gerne ohne Mitgefühl bin, aber es nicht leiden kann deshalb an meinem Leben benachteiligt zu sein. 

Als Beispiel, gibt es bei der Bundeswehrmusterung Psychologische Tests, und wenn die merken das ich nicht mehr alle Latten am Zaun haben stellen die einen nicht ein. Und das kann ich auf viele Dinge im normalen Leben beziehen. Und zum Heuchler will ich nicht werden weil ich Lügen nicht leiden kann.

Antwort
von Demeter86, 48

Ich möchte dich ja nicht beunruhigen, aber deine Schilderung klingt 1 zu 1 nach einem (umgangssprachlich) "Psychopathen" oder Soziopathen, weshalb ich dir tatsächlich empfehle, dich mal entsprechend irgendwo vorzustellen, da das - wenn zutreffend - dein Leben sehr wahrscheinlich mal in vielleicht für dich sehr unschöne Bahnen lenken könnte, wenn du deinen Gewaltphantasien dann doch einmal nachgeben solltest. Vielleicht kann man ja in deinem Alter noch irgendwie was reißen, so diese Diagnose wirklich auf dich zutreffen sollte.

Tatsächlich ist Mitgefühl wahrscheinlich das einzige Gut (neben vielleicht noch der Sorge vor den juristischen Konsequenzen), welches die Menschen im Alltag überhaupt davon abhält, sich gegenseitig aufgrund ihrer jeweiligen Defizite zu verletzen.

Bezüglich deines Misstrauens/Voreingenommenheit gegenüber Psychologen solltest du von deinem Recht Gebrauch machen, den Arzt gegebenenfalls zu wechseln.

Antwort
von ichweisnetwas, 34

ganz ehrlich.

als im fernsehr das mit dem 11. september oder auch die welle kam war mir persönlich das relativ egal.

Ich hab mitgefühl mit MEINER welt und den menschen die mir darin wichtig sind. Da ich über so entfernungen und mit meinem normalen 0815 lohn eh nichts ausrichten kann sind mir so kathastophen relativ egal.

Finde dieses geheuchelte mitgefühl der leute zig mal schlimmer. Wenn da nicht grad einer ihrer bekannten war dann kann man die trauer kaum nachvollziehen da es einfach nix zu trauern gibt

Antwort
von Alex313, 12

Hallo ...,

ein Gespräch mit einem Psychologen wäre aus meiner Sicht insofern hilfreich, dass er Dir mehr oder weniger Verständnis für Deinen Mangel an Empathie bekunden kann und Dir ggf. ein paar Empfehlungen aussprechen könnte, wie Du Mitmenschen in Situationen begegnen kannst, in denen Empathie gefragt ist.

Grundsätzlich wird ein Psychologe eher dabei helfen einen Menschen zu desensibilieren als ihn zu sensibilisieren, da eine Hypersensibilität - in einer zunehmend egoistisch geprägten Gesellschaft - eine größere Bedrohung für Menschen mit zu viel Mitgefühl darstellt als umgekehrt 

Empathie ist die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich in die emotionale Welt und die Einstellung anderer Menschen (hin)einzufühlen, wobei auch das Verstehen der eigenen Gefühlswelten von Bedeutung ist.

Empathisch zu sein bedeutet also nicht nur die Gefühle und Reaktionen seiner Mitmenschen zu verstehen, sondern auch in sich selbst richtig hineinfühlen und seine eigene Gefühlswelt(en) und Reaktionen und Verhaltensmuster verstehen zu können.

Wenn Du also zunächst an der Bereitschaft arbeitest, öffnet sich vielleicht auch der Blickwinkel für die emotionalen Welten.

Antwort
von hepla, 65

Du bist doch kein Arsch loch. Du bist halt nicht empathisch.

Allerdings machst du dir zu viel Gedanken. Und du lässt dich nerven, das ist dann schon Dein Problem. Kinder (schreiende Babys) solltest du nicht umbringen, vor allem nicht als Vater dieses Kindes.

Bleib coll, reg dich nicht auf.

Vielleicht bist du noch in der Spät-Pubertät? Evtl. fehlen dir ein paar Mineralstoffe. 

Du solltest allerdings etwas toleranter werden, gegenüber den anderen.

Evtl. gehst du mal zum Arzt. Scheint schon eine "Anpassungsstörung" zu sein.

Antwort
von teafferman, 21

Zunächst mal: 

Eine psychiatrische Diagnose erstellt ein Facharzt. Also kein Psychologe oder Psychotherapeut ohne fachärztliche Ausbildung. 

Dann möchte ich Dir zunächst mal empfehlen, täglich eine halbe Stunde von Hand auf Papier Tagebuch zu schreiben. Achte weder auf Rechtschreibung noch auf Sinn, wenn Du schreibst, Schreibe einfach. 

Bist Du nach einem Jahr immer noch davon überzeugt, es sollte sich mal ein Fachmensch mit Deinem Gefühlserleben beschäftigen, so möchte ich Dir einen Psychiater empfehlen, der dynamische Psychotherapie anbietet. In der Regel sind sie nach meiner Kenntnis sorgfältig und arbeiten nicht so schnell mit chemischen Mitteln. 

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