Frage von Laramaus13, 76

bin ich meinen Eltern gegenüber verpflichtet?

Eltern leben im tiefsten Osten, Sohn im Westen, Entfernung ca. 750 km. Vater hat vor gut einem Jahr einen Schlaganfall erlitten, vor 1 Woche dann einen schweren Anfall (noch nicht klar, ob Schlaganfall oder nicht). Die Mutter ist mit der Situation überfordert (sie 65/er 63). Fakt ist, man kann mal eben nicht gerade 750km fahren und der Vater war direkt am nächsten Tag schon aus der "akuten" Situation auf eine andere Station verlegt worden.

Mal abgesehen von diesem Fall setzt die Mutter ihren Sohn permanent indirekt unter Druck: ich kann nicht mehr, ich bin auch krank, ich bin alleine, ich schaffe das nicht mehr, dein Vater würde sich freuen, wenn Du kommen würdest, das gäbe ihm Mut . . . . wir haben für Dich . . . .

Persönlich finde ich dieses "Unter Druck" setzen und den Vater zu "missbrauchen," um die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, als Eltern total daneben. Auch versteht die Mutter, die seit der Wende nicht mehr arbeitet, nicht, dass man selbst einen verantwortungsvollen Job hat und nicht mal eben alles hinschmeißen kann und dass man ggf. seine Wochenenden zur Erholung benötigt. Im Gegenteil, man hat das Gefühl, man geht nicht arbeiten in den Augen der Mutter, sondern in den Kindergarten spielen.
Stattdessen heult sie immer wieder, wie schlimm alles ist. Beide Eltern haben aber in der Patientenverfügung ausdrücklich unterschrieben, dass sie nie aus ihrer Stadt weg möchten.

Was macht man in einer solchen Situation? Muß man immer springen, wenn die Eltern rufen? Sie bestimmt ja tag täglich schon unsere Tagesgesaltung, in dem sie einem vorschreibt, wann es ihr beliebt, zu telefonieren. Wir fragen uns, was wird, wenn auch sie mal ein Pflegefall wird . . . . .

Gibt es hier jemanden in ähnlicher Situation, der Einzelkind ist und auch einen verantwortungsvollen Job hat, den er nicht mal eben so liegen lassen kann, weil er auch Personalverantwortung hat? Darf man sich von seinen Eltern als Kind vorwerfen lassen, man habe auch alles fürs Kind getan?

Antwort
von Bethmannchen, 17

Auch versteht die Mutter, die seit der Wende nicht mehr arbeitet, nicht, dass man selbst einen verantwortungsvollen Job hat und nicht mal eben alles hinschmeißen kann

Das passiert, wenn Menschen erst einmal "aus dem Raster gefallen" sind. Dazu noch Leben im "tiefsten Osten" - Wende nie wirklich mitgemacht. Aber ihr beschauliches Leben sieht sie als "für jeden normal" an. Sie kann die reale Situation ihres Kindes also gar nicht mehr nachvollziehen. 

Nimm aus der Sache mal alle Emotionen heraus, und betrachte die Lage ganz realistisch:

Einerseits soll man seinen Eltern im Alter zur Seite stehen. Andererseits hat der Sohn im "fernsten Osten" wohl keine eigene Zukunftsperspektive. Deshalb   kann er nun nicht in die Provinz zurück, nur damit Mama und Papa happy sind. Dem Sohn die Zukunft zu vermasseln, weil man partout hinter dem Mond leben will, dazu haben keine Eltern der Welt das Recht.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Die Eltern finden sich damit ab, dass sie in ihrem Kuhdorf oft und lange allein gelassen werden, irgendwo dort in ein Pflegeheim gehen, oder sie ziehen näher zum Sohn, um von ihm öfter auch für Kurzvisiten besucht werden zu können. Das eine was man will, das andere, was man muss. 

Du solltest ihnen die beiden Möglichkeiten aufzeigen, und die müssen sie so akzeptieren. Hilfe von deiner Seite - so weit möglich gerne und jeder Zeit - Job aufgeben, und umziehen, steht für dich aber nicht zur Debatte. Punkt. Mach reinen Tisch - entweder so, oder gar nicht. 

Lass nicht zu, dass Emotionen die Vernunft beiseite Schieben, sonst ruinierst du dich. Wenn Eltern zur Arbeit gehen, müssen ihre Kinder doch auch in den Kindergarten, oder sonst was. Für das Kind gibt es dann auch keine Option. Deine Eltern müssen sich nur entscheiden, wo der Kindergarten (Betreutes Wohnen/Pflegeheim...) liegen soll, in den sie gehen, und mehr nicht. 

Antwort
von Johannisbeergel, 32

Ich bin schon öfters 1200km zu meinen Großeltern gefahren, wenn irgendwas war. Es geht ja nicht darum, dann zwei Wochen dazubleiben, sondern einfach mal 2-3 Tage zu zeigen, dass man noch da ist. 

Kann natürlich nicht das Verhältnis kritisieren, aber bei nem Krankenhausaufenthalt würde ich sofort alles stehen und liegen lassen. Gerade wenn es so "zu Ende" geht, bereuen normale Menschen doch, dass sie nicht doch nochmal gefahren sind. 

Antwort
von Kosova27, 26

Es geht um deine Eltern die dich erzogen haben und vl. Auch mal die Arbeit geschmissen haben um für dich da zu sein
Und deinem Vater geht es glaub ich nach den Anfällen garnicht gut
Ich glaub nicht das die Mutter irgendwen "missbraucht" um dich unter Druck zu setzten sondern einfach will das du kommst ganz einfach

Antwort
von Hexe121967, 36

also wenn mein vater jetzt plötzlich ins kh müsste, stände es für mich ausser frage alles stehen und liegen zu lassen und zu ihm zu fahren. 1. um ihm mut zu machen und 2. um meiner mutter beizustehen. 

den job vorzuschieben finde ich dann doch sehr arm. niemand ist unersetzbar und dementsprechend kann in einer notsituation alles geregelt werden.

dieses "ich kann nicht mehr du musst kommen und mir helfen" lässt sich auch regeln. entweder ziehen die eltern in die nähe des sohnes oder halt in ein betreutes wohnen etc. hängt wohl alles von der gesamtsituation ab.

Antwort
von berlina76, 47

Nach einem Schlaganfall sollte man schon bereit sein, mal bei seinen Eltern vorbeizuschauen.

Allerdings können sie nicht verlangen , das du dein Leben aufgibst.

Hier bleibt auf dauer nur das deine Eltern eine Pflege beantragen und eventuell in ein betreutes Wohnen ziehen, hierbei kannst du versuchen sie zu unterstützen und zu beraten. Möglichst aber ohne Druck auszuüben. 

Antwort
von TheQ86, 28

Habe ähnliche Situation. Eltern Berlin, ich Nürnberg. Vater hatte Schlaganfall etc.

Ich hab spontan ne Woche Urlaub genommen und bin hin. Ansonsten hätt ich auch krank gefeiert, nen Arzt der mir ne Irgendwaseritis bescheinigt hätt ich sicher auch noch gefunden.

Ich hab dann in der Woche mit Hilfe meiner Mutter nen Pflegedienst organisiert, der täglich nach dem Rechten schaut. Ich meine man muss ja nicht sein Leben lang da bleiben, aber so lang Hilfe nötig ist und es für einen auch möglich ist, sollte man schon helfen.

Antwort
von KingTamino, 27

Hier gibt es kein "richtig" oder "falsch" und auch keine "Verpflichtung"

Das musst du mit dir selbst ausmachen, sind dir deine Eltern derart unwichtig das du nach dem zweiten Anfall deines Vaters nicht mal vorbei fahren willst?

Ich will dir nichts vorschreiben, es gibt Familien wo die Verhältnisse halt nicht so gut sind.

Aber ich denke nahezu jeder Chef hat Verständnis, wenn du die Situation schilderst und fragst ob  du einige Tage zu denen fahren kannst..


Kommentar von Laramaus13 ,

wir fahren sowieso in 2 Wochen dorthin, haben schon Flüge, etc. gebucht. Klar hätte man sofort hinfahren müssen, hätte ich bei meinem Dad auch gemacht (hier geht es nicht um mich und meine Eltern), vorrangig geht es hier vielmehr um den Druck, den die Mutter ausübt und das finde ich nicht ok.

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