Frage von Skippy14, 183

Bin ich jetzt Transsexuell?

Hi, ich bin weiblich, 17 Jahre alt (sehe aber aus wie 14-15 und weiß nicht ob ich trans* bin oder nicht.

Ich habe schon seid längerem das Gefühl, dass ich teilweise viel lieber ein Junge wäre als ein Mädchen... Seid kurzem gucke ich mir auch viele Videos und Blogs über Transsexualität an. Habe meine Vermutungen auch schon meiner Mutter mitgeteilt, aber diese meint, das wäre eine Phase und geht nach der Pubertät wieder vorbei.

Ich fühle mich nicht wirklich von ihr verstanden, da ich eigentlich seid ich denken kann öfters die Rolle des Jungen übernommen habe, z.B im Kindergarten wollte ich in der Puppenecke immer der Vater sein und habe in der Grundschule auch fast nur mit Jungs gespielt. Ich wollte immer eher zu ihnen gehören und war sogar teilweise eifersüchtig aus sie.

Andererseits bin ich aber auch Zeitweise sehr gerne Mädchen bzw. denke gar nicht daran ein Junge sein zu wollen (was vielleicht damit zu tun hat, dass ich, seit ich auf einem Mädchengymnasium bin, zu 0 Prozent Kontakt zu Jungen habe).

Ich hasse meine langen Haare und hoffe sehr dass ich sie mir vor den Sommerferien abschneiden lassen darf (meine Mutter ist dagegen).

Ich bin mir einfach nicht sicher ob das wirklich alles nur eine Phase ist oder nicht.

Wenn ich aber zum Beispiel daran denke, Hormone nehmen zu wollen um wirklich zum Mann zu werden, denke ich momentan dass ich das nicht will.

Was würdet ihr denken, bin ich jetzt Trans oder nicht? Bei mir fühlt sich das so 50/50 an...

Bitte helft mir

Antwort
von jovetodimama, 95

Da gibt es nun eigentlich drei Möglichkeiten:

1) Du bist ein Mädchen. Punkt.

2) Du bist ein (trans*-)Junge. Punkt.

3) Du bist genderfluid. (So nennen sich Menschen, die sich manchmal mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren, manchmal mit dem anderen Geschlecht, und manchmal mit keinem von beiden.)

Für Möglichkeit 1 spricht:

ich bin weiblich, ich bin zeitweise sehr gerne Mädchen, ich denke zeitweise gar nicht daran ein Junge sein zu wollen, ich bin auf einem Mädchengymnasium, ich will keine Hormone nehmen

Für Möglichkeit 2 spricht:

ich habe schon seid längerem das Gefühl, dass ich viel lieber ein Junge wäre, ich fühle mich nicht wirklich von meiner Mutter verstanden, ich habe seit ich denken kann öfters die Rolle des Jungen übernommen, ich habe
in der Grundschule auch fast nur mit Jungs gespielt, ich wollte immer
eher zu den Jungen gehören, ich hasse meine langen Haare

Für Möglichkeit 3 spricht:

ich weiß nicht ob ich trans* bin, ich bin mir einfach nicht sicher, ich will keine Hormone nehmen, bei mir fühlt sich das so 50/50 an...

Nun würde, wenn Möglichkeit 2 (Du bist ein trans*Junge) zutreffen würde, das Feld unter Möglichkeit 1 (Du bist ein Mädchen) vermutlich leer geblieben sein bzw. es stünden andere Formulierungen da (z.B. ich bin in einem weiblichen Körper geboren/ich bin anatomisch weiblich; es gelingt mir das Mädchen zu spielen, aber eigentlich hasse ich es; ich bin auf einem Mädchengymnasium, aber ich fühle mich furchtbar dort)

Wenn aber Möglichkeit 1 zutreffen würde, dann würde das Feld unter Möglichkeit 3 vermutlich leer geblieben sein. (Viele Mädchen wären lieber ein Junge, fühlen sich unverstanden, spielten in der Grundschule lieber bei den Jungen mit usw., doch auch solche burschikosen Mädchen zweifeln nicht daran, dass sie Mädchen sind.)

Nachdem ich das, was Du geschrieben hast, nun so durchgegangen bin, halte ich es für am wahrscheinlichsten, dass Du genderfluid bist.

Damit hast Du nicht die einfachste Variante "erwischt". Aber im Vergleich zu Variante 2 brauchst Du wenigstens keine aufwändige medizinische Behandlung, um zu Dir zu finden. Das ist ein Vorteil. Ein Nachteil ist, dass es sich nicht um eine Phase handelt, da genderfluide Menschen ihr Leben lang genderfluid sind.

Lasse Dich nicht unter Druck setzen, Dich unbedingt einem der beiden Geschlechter zuordnen zu müssen. Rein offiziell (Personalausweis, Krankenkassenkarte usw.) musst Du Dich natürlich dem weiblichen Geschlecht zuordnen, aber privat und Deiner Selbstdefinition nach kannst Du das ruhig ein bisschen lockerer sehen. Du bis Du und das ist okay. Du bist eine einzigartige, perfekte Mischung. Ohne Dich wäre die Welt ärmer. Punkt.

Kommentar von Skippy14 ,

Vielen vielen Dank für deine lange und hilfreiche Antwort! Ich glaube ein paar Argumente von dir haben mir wirklich weitergeholfen. Allerdings bin ich mittlerweile der Auffassung, dass ich vermutlich doch Trans* bin, habe aber Angst dass ich mich in das Thema so reinsteigere, dass ich einfach nur glaube ich bin es, bin es aber gar nicht...ich stelle mich nun täglich vor den Spiegel und "verkleide" mich als Junge - stecke meine Haare unter eine Cap, ziehe jungenhafte T-Shirts und Boxershorts an - habe ich übrigens als ich kleiner war auch immer gemacht. Das ganze lässt mich einfach nicht los. Es ist als ob ich eine Art "Erhellung" hatte und nun endlich begreife was die ganzen Jahre los war. Trotzdem bin ich unsicher. Ich hoffe, wenn ich mir die Haare abschneide, habe ich entweder das Gefühl: Ja, du gehst in die richtige Richtung" oder "Hmm, ich glaub ich finde doch eher dass ich eher ein Mädchen bin, dass sich Tomboy mäßig verhält"...

Kommentar von jovetodimama ,

Lass Dir soviel Zeit, wie Du brauchst, um es herauszufinden. Du kannst Dir sicher sein: Wenn Du wirklich trans* bist, wirst Du es eines Tages einfach wissen.

Antwort
von lchntr, 98

Es gibt auch leute, die sich gar nicht zu einem Geschlecht zuordnen wollen, aus gewissensgründen (transgender) oder aus politischer Motivation, das sie die gesellschaftliche Trennung der Geschlechter nicht hinnehmen wollen (genderqueer). Vielleicht willst du dich auch keinem Geschlecht eindeutig zuordnen.

Kommentar von Skippy14 ,

Also ich würde schon sagen, dass ich mich gerne einem Geschlecht zuordnen würde. Ich weiß nur nicht ob Weiblich oder Männlich.

Antwort
von jason364, 91

Ich denke nicht. Ich denke es ist auch eine Phase... wenn nicht ist es auch nicht so schlimm weil du ja alles tun und lassen kannst was nicht gegen das gesetz verstößt. Also viel glück für die zukuft :) LG Jason

Kommentar von Skippy14 ,

Vielen Dank für deine schnelle Antwort! Ich denke ich werde das mit der Zeit herausfinden :)

Kommentar von jason364 ,

Dabei viel Glück ^^

Antwort
von transeltern, 45

Bei ganz klassischer Transsexualität gemäß F 64.0 im engsten Sinne der Definition geht es nicht mehr bloß um irgendwelche Rollen, das Leiden ist tiefgreifender, allumfassender, der ganze Körper wird als falsch empfunden bis hin dazu, daß man den ersehnten Körper innerlich spürt, auch wenn er realtechnisch noch nicht vorhanden ist. Ich habe schon als Kind dort einen Puller gespürt, wo eigentlich keiner war.

Vorlieben, Hobbies, Interessen und Verhalten sagen nichts darüber aus, wie es in Dir drin aussieht. Wie es wirklich um Dich bestellt ist, kannst Du gemeinsam mit einem auf dem Gebiet erfahrenen Therapeuten herausfinden. Diese arbeiten ergebnisoffen und klopfen Dich mit Hilfe der Differentialdiagnostik im Ausschlußverfahren nach psychischen Krankheiten ab, die eine Pseudo-TS auslösen können. TS ist eine Negativdiagnose, heißt, wenn es alles andere nicht ist und alles andere ist diagnostizierbar, dann geht man davon aus daß TS vorliegt, vorher nicht.

Und was Deine Haare anbelangt, Deine Mutter hat nicht das Recht, Dir Deine Frisur vorzuschreiben. Du bist 17, bald 18, also entscheide selber und renne nicht hinter Akzeptanz her, denn damit machst Du Dich abhängig vom Wohlwollen anderer Leute und Du kannst eh niemanden dazu zwingen Dich toll zu finden. Also ab zum Friseur und laß Dir die Haare schneiden, wenn Du Dich damit besser fühlst. Du bist nicht auf der Welt um die Wünsche Deiner Mutter zu erfüllen, Du bist auf der Welt um Dich selbst zu erleben. Und was bitte außer eines schockierten Blickes und bissel rumkeifen Deiner Mutter soll schon passieren? Haare wachsen auch wieder nach und ansonsten wird sie sich an den neuen Anblick gewöhnen müssen.

LG transeltern

Kommentar von Skippy14 ,

Vielen vielen Dank für deine sehr hilfreiche Antwort. Mittlerweile bin ich total verunsichert. Ich bin eigentlich wirklich der Auffassung, dass ich ein Junge bin, aber dann auch wieder nicht... Ich möchte nur wissen was los ist, egal ob ich nun Trans bin oder nicht, beides ist mir recht, obwohl wenn ich ehrlich bin, wäre ich sehr gerne Trans*. Glaubst du, ich steigere mich in das Thema vielleicht einfach viel zu sehr rein?

Kommentar von transeltern ,

"obwohl wenn ich ehrlich bin, wäre ich sehr gerne Trans*"

Dieser Satz wiederum läßt alle Alarmglocken in mir schrillen. Erstens was ist trans*? Zweitens, sowas sucht man sich nicht aus, man ist es! Drittens wirklich transsexuell zu sein ist alles andere als toll. (Die Transgenderfraktion will uns allen da ja was anderes weiß machen) Mir wäre es lieber gewesen, wenn ich von Anfang an den richtigen Körper zur männlichen Psyche gehabt hätte oder eine weibliche Psyche zum weiblichen Körper. Hätte mir viel Leid und Schmerzen erspart. Ich bin nicht stolz darauf TS zu sein, lediglich stolz darauf, den unendlich schmerzlichen Weg hinter mich gebracht zu haben, sogar mit einem relativ guten Ergebnis, dennoch hinke ich der Biomännerwelt um Meilen hinterher und werde auch nie da rankommen. Ob Du Dich reinsteigerst, woher soll ich das denn wissen? Bin ich Psychologe? Nein! Und Ferndiagnosen auf die schnelle funktionieren auch nicht. Suche Dir einen erfahrenen Therapeuten und dann sieh weiter. Denn wenn Du den Weg wirklich gehen willst, kommst Du um die psychologische Diagnostik eh nicht rum. Und Eltern fangen erst dann an zu glauben, wenn sie Fortschritte sehen, auch optisch und wenn sie merken, daß es dem Kind besser geht und es von mal zu mal glücklicher wird, solange die Eltern selber nicht absolute Vollhonks sind.

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