Frage von Implord, 116

Bin ich ein egoistischer Mensch?

Ich hatte eine Debatte mit meiner Schwester: Ich denke, eine gute Tat ist keine gute Tat, wenn sie durch niedere Beweggründe, wie Egoismus motiviert wurde. Ich betrachte mein Handeln, in etwa, als ausschließlich egoistisch, weil ich anderen nur helfe um ihre Annerkennung und ihre Aufmerksamkeit zu erhalten, oder weil ich mich dadurch besser fühle. Ich meine, ich mache nur deshalb gute Sachen, weil es mir ein gute Gefühl verschafft, zu helfen. Was ja grundlegend egoistisch ist. Meine Schwester ist der Ansicht, dass ich Selbstlos bin, weil ich ja ohne weiteren Gewinn anderen geholfen habe.

Aber dieses Glücksgefühl ist ja ein Gewinn, also...

Wenn ich darüber nachdenke, fühle ich mich mies und bin wütend auf mich selbst, weil so ein eigennütziges Ding bin, aber da meine Selbstwahrnehmung ja nicht zwingend verlässlich ist, würde ich gerne einmal neutrale Gedanken dazu hören? Und wo bekommt man verlässlichere, intelligentere Gedanken zu hören, als im Internet?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Thyralion, 52

Ich stimme dir zu. Den perfekten Altruismus gibt es nicht. Jede Tat entsteht aus einer Motivation heraus, die einem letztlich einen Vorteil oder Genungtuung verschaffen soll.

Aber ich würde nicht so weit gehen und dich dafür verteufeln, denn die Art der Motivation ist es, die das Handeln an sich Gut oder zu Eigennützig werden lässt.

Wenn also Annerkennung oder das Dankbarkeit deine Motivation ist, dann sehe ich darin nichts schlechtes. Es wäre vielmehr schlecht Hilfe ohne Dankbarkeit und somit als selbstverständlich aufzuwiegen.

Kommentar von Implord ,

Aber Hilfe sollte selbstverständlich sein. Andere Menschen verdienen Hilfe, also muss ihnen geholfen werden.

Kommentar von Thyralion ,

Hilfe ist ein moralisches Konstrukt, dass von der Natur und in dem von uns definierten Umfang nicht vorgesehen ist. Wir neigen nur zu einer selbstloseren Form der Hilfe, wenn es darum geht, unseren Nachwuchs großzuziehen und auch hier steht die Arterhaltung als Zweck im Raum.

Von daher ist es irrig zu behaupten, dass es selbstverständlich sein sollte. Es ist vielmehr höchst lobenswert, dass wir dieses Konzept der Nächstenhilfe entwickelt haben und auch pflegen und das wider unsere Natur.

Ergo steht die Form der Hilfe die aus einem geringfügigen Zwecks ausübst in einem sehr guten Licht da.

Kommentar von Implord ,

Ich denke, zumindest mein Kopf versteht das. Danke.


Antwort
von offeltoffel, 36

Hi Implord,

ich verstehe genau, was du meinst. Es gibt ja Leute, die behaupten, dass sie eine Sache wirklich vollkommen ohne Eigennutz machen. Und ich überlege mir schon seit meiner Kindheit, ob das wirklich überhaupt möglich ist. Ich vermute eher, dass diese Leute nicht verstehen, wie unser Gehirn funktioniert und wie bei uns Zufriedenheit funktioniert.

Einmal ist es doch so, dass man von guten Dingen auch meistens möchte, dass sie gehört/gelesen werden. Wenn ein Unternehmen Geld spendet, kommt es groß in die Medien. Wenn ich meinen Eltern etwas repariere, dann rufe ich an und erzähle es ihnen ("oh, super, danke!" - "klar, gerne, kein Problem" *freu*).

Es ist schon schwer, eine gute Tat zu tun, die keiner bemerkt. Am Bahnhof habe ich neulich ein Fahrrad gesehen, wo das Licht noch brannte. Hab es ausgemacht. Derjenige, dem es gehört, wird nie erfahren, dass ohne mich sein Akku leer gewesen und er im Dunkeln heimfahren hätte müssen. Trotzdem kann ich schlecht sagen, dass es NUR für ihn war, denn am Ende war ich glücklich und stolz auf mich, dass ich etwas GUTES getan habe - also doch letztlich wieder eine Belohnung für mich selbst.

Etwas bedingungslos nur für eine andere Person zu tun, das geht meiner Meinung nach nur für Leute, die man liebt. Die enge Familie oder der Partner. Ein Elternteil, das etwas opfert, damit das Kind leben kann z.B. - denn hier geht es um Genetik. Und selbst da ist vielleicht der letzte Gedanke "ich habe etwas Gutes getan".

Also: ich glaube nicht, dass du dich deswegen schlecht fühlen muss. Letztlich zählt die Tat und nicht der Beweggrund. Ob du eine Geldbörse zurückgibst, weil es DICH glücklich macht oder denjenigen, der sie verloren hat, ist doch egal. Am Ende hat ER das Geld und DU bist glücklich. Passt doch alles?

Und wo bekommt man verlässlichere, intelligentere Gedanken zu hören, als im Internet?

Gradioser Schlusssatz :D :D

Kommentar von Implord ,

Danke. Fühle dich glücklich, dass dein Kompliment meine Stimmung verbessert hat. :D

Antwort
von seish3n, 27

ja, Jeder Mensch ist mindestens etwas egoistisch (manche nur ausgeprägter^^)
Dass man anderen hilft, auch für sich selbst, vlt sogar primär bis auf manche Ausnahmen, ist denke ich menschlich und es ist tausend mal besser als garnicht zu helfen.
Ich würde dich jedenfalls jetzt nicht als zu egoistisch bezeichnen deswegen ^^

Antwort
von admeyermax, 33

Auch selbstlose Menschen haben im Kern eine egoistische Motivation. Wir wollen seit frühester Kindheit gemocht werden. Die Liebe der Eltern ist für uns überlebensnotwendig. 

Später ist uns diese Motivation nicht mehr so klar. Aber auch Freundschaften und Liebesbeziehungen sind irgendwo Zweckgemeinschaften zweier Liebe-Suchender. 

Dass also Handlungen uneingeschränkt uneigennützig wären stimmt daher nicht. Du musst dir deshalb keine Vorwürfe machen, wenn du Dinge tust, in der Erwartung um Ansehen. Das ist alles andere als unnormal.

Kommentar von Implord ,

Was ist mit höheren Zielen? Viele Märtyrer starben doch für eine höhere Sache?

Kommentar von admeyermax ,

Viele Märtyrer sterben, um ins Paradies zu kommen (oder was immer sie sich darunter vorstellen). 

Du meinst vielleicht Menschen, die in Extremsituationen ihr Leben opfern, um anderen Menschen das Leben zu retten? Viele Menschen würden das ggf. unter den richtigen Bedingungen auch tun. Möglicherweise auch du?!

Kommentar von Implord ,

Ganz ehrlich? Nein. Ich weiß was mich nach dem Tod im besten Fall erwartet und habe eine Heidenangst davor. Ich bin kein Held, sorry.

Kommentar von Implord ,

Oh, aber wenn ich irgendwann mal tot bin, sollen sie mit meinen Organen Menschen retten, wenn es denn geht. Ich selbst existiere dann eh nicht mehr.

Antwort
von ItzD4nny, 49

Diese Art zu denken hatte ich auch mal, bzw. mit 'nem Kollegen besprochen.
Das gleiche könntest du ja auch auf die "Liebe" projizieren.

Du bist mit ihr/ihm zsm, weil du dich dann gut fühlst = Liebe. Chillst mit Freunden, weil es DIR Spaß macht.

Aber ich finde, dass das weniger Egoistisch ist. Egoismus wäre, wenn du nachteilig für andere handelst, bzw. du als EINZIGER gut dabei raus kommst. Du hilfst anderen Menschen, allein das ist 10 mal eine bessere menschliche Eigenschaft, als der Großteil des Planeten.

Sieh' es als "Kompromiss".

Kommentar von Implord ,

Aber gibt es keine Selbstlosgkeit? Keine Möglichkeit, jede Art von Belohnung, und sei es ein Gefühl, zu vermeiden, um wirklich selbstlos zu sein?

Kommentar von ItzD4nny ,

Doch, natürlich. Aber das ist verdammt selten. Aber es macht dich nicht zum schlechteren Menschen. Glaube, das kommt auch auf deinen 1. Gedanken an.

Ihr gehts schlecht..
1. Gedanke(negativ): , um mit ihr Sex zu haben, werden ich jetzt einen auf "guten Freund" machen..
1. Gedanke(positiv): "Damit es ihr besser geht, lasse ich jetzt alles stehen und liegen. Aber vielleicht erhasche ich dadurch mehr Nähe etc etc..

Das Thema ist sau schwierig "richtig" zu beantworten..

Kommentar von Implord ,

Ich glaube nicht, dass ich bewusst über sowas nachdenke, aber das Gefühl geht so in Richtung "Oh, jemand ist mies drauf. Wenn ich da helfe, fühle ich mich toll und erhalte Anerkennung."

Kommentar von ItzD4nny ,

Finde ich total in Ordnung, da dabei keiner benachteiligt wird.

Frage ich mal anders, würdest du denn helfen, z.B. einem Liebenden Menschen (Schwester, guter Freund etc) der aber total undankbar ist, und ihm/ihr das egal ist, ob du geholfen hast oder nicht. Klar kann man sich da jetzt darüber streiten, ob das dann wirklich geliebte Menschen sind^^.. aber, nehmen wir mal an, sie sind dir sehr wichtig.. aber eben undankbar.. würdest du trotzdem helfen? Ohne besagte Anerkennung zu erhalten?

Kommentar von Implord ,

Für meine Schwester würde ich jedes (nicht-tödliche) Opfer bringen, Dank hin oder her.

Aber das würde ja dennoch in einem guten Gewissen resultieren, einer Selbstbelohnung.

Antwort
von TheLegendary, 17

Dazu hat Kant ein schönes Schema aufgestellt, leider habe ich meine unterlagen von damals jetzt nicht parat, weshalb ich es grob wiedergeben werde:

Auf Pflicht handelt man dann, wenn es keinen Gewinn für einen selber gibt, pflichtgemäß dann, wenn man seine Pflicht tut, jedoch auch etwas im gegenzug erhält, wie eben Lob Aufmerksamkeit und ein gutes Gefühl. Und dann kann man noch triebgesteuert egoistisch handeln, das tut man halt, wenn man etwas tut, was nur einem selber zugute kommt und anderen evt sogar schadet.

Falls sich jemand damit auskennt, ich hoffe, ich habe keine zu groben sachlichen Fehler hier gemacht

Aber wie dem auch sei, aus Pflicht handelt man nur in wirklich seltenen Fällen und das ist auch nicht die Norm, mir fallen nicht mal beispiele ein, die rein aus Pflicht im Alltag entstehen könnten. Nur so ein Filmszenario wie "Ich opfere mich für die Menschheit auf, es kommt ein Meteorit auf die Erde zugerast und ich bin hier allein in einer riesen Raumstation die den Abfangen kann, deshalb gebe ich mein Leben, niemand wird sich je an mich erinnern". Hört sich kitschig und nach nem schlechten Film an, wäre aber aus Pflicht.

Kommentar von Implord ,

Aber auch im Fall ener Pflichterfüllung fühlt man sich besser, weil man das nötige getan hat, richtig? Nun, für den kleinen Moment bevor der Meteor dich smasht.

Kommentar von TheLegendary ,

Naja Adrenalin wird zu Hauf durch deinen Körper fließen, also ja, technisch gesehen wirst du dich besser fühlen, allerdings nicht im Vergleich dazu, wie als hättest du dies nicht machen müssen.

Kommentar von Implord ,

Aber wenn man zuletzt denkt "All diese Menschen werden dank mir leben!", dann macht das doch glücklich.

Kommentar von TheLegendary ,

Kommt drauf an. Warum du auf dieser Raumstation ganz alleine bist wird wohl schon einen Grund haben, nicht wahr?

Außerdem vermute ich mal, dass sich diese Theorie eher auf langfristigere Wirkungen als einen Moment bezieht.

Kommentar von Implord ,

Naja, langfristig ist man tot.

Kommentar von TheLegendary ,

Deswegen ja.

Antwort
von Yael20, 24

Ein egoistischer Mensch weiß nicht's von seinem eigenen Egoismus.

Kommentar von Implord ,

Funktionieren so nicht eigentlich Ephiphanien?

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