Liebe Sally25
Nachdem ich die wirklich ganz hervorragende Antwort von MojitoTom gelesen hatte, wollte ich im ersten Moment schon Momo und Sanne anschließen, denn diesen Ausführungen gibt es wirklich nicht mehr sehr viel beizufügen.
Ich kann dir aber vielleicht noch ein wenig aus der Sicht einer Betroffenen schildern.
Meine Mutter war- wie du krankhaft depressiv; und zur damaligen Zeit sah man das (noch mehr als heute) als reine Charakterschwäche an; sie begab sich leider nicht in ärztliche Behandlung. Wir waren etwa im Alter deines Sohnes, als wir das erste Mal mitbekamen, was mit unserer Mutter los war und kurze Zeit später erfuhren wir, dass meine Mutter sogar mit dem Gedanken spielte, sich umzubringen. ( Vor Kindern bleibt nicht viel verborgen). Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht und mich teilweise auch für meine Mutter verantwortlich gefühlt. Man sollte meinen, ich sei also ein besonders braves Kind gewesen- genau das Gegenteil war der Fall: Mein älterer Bruder war brav, lieb, anständig, angepasst und gehorsam- eben all das, was meinen Eltern, speziell meinem Vater gefiel. Ich war das genaue Gegenteil und musste mir täglich die Vergleiche anhören. Je mehr ich gegen meine Natur erzogen wurde, umso mehr begehrte ich auf, oft einfach nur aus Trotz, um meinen Vater für die vielen Verbote und Strafen die ich bekam und nicht verstand, zu ärgern. Im Grunde war es ein einziger Teufelskreis, der sich immer enger zuzog. Meiner Mutter und mir wäre viel erspart geblieben, wenn sie sich einmal die Mühe gemacht hätte, mich so zu sehen, wie ich war und mich einfach so akzeptiert hätte, wie ich war und mich so geliebt hätte. Ich bin heute immer noch das reine Gegenteil meines Bruders- aber wir ergänzen und prima und haben ein sehr enges Verhältnis zueinander. Lebensfähig war er lange Zeit nicht- er war einfach zu angepasst, um auf eigenen Füßen zu stehen und sein Leben in den Griff zu bekommen.
Als ich selbst Kinder hatte, entschuldigte sich meine Mutter sehr oft bei mir für ihre falschen Erziehungsmethoden. Ich sagte ihr ständig, dass sie das nicht müsse; schließlich wusste sie es ja nicht besser. (Übrigens war sie für meine Kinder die allerbeste Oma auf der ganzen Welt- das nur so am Rande; und das hat mich für vieles entschädigt).
Durch meine eigenen Erfahrungen habe ich
Niemals meine Kinder miteinander verglichen- auch meine zwei sind so verschieden, wie Geschwister nur sein können.
Meinen Kindern immer besonders dann meine uneingeschränkte Liebe gegeben, wenn sie gerade mal nicht meinen Vorstellungen entsprechen und mal wieder einen ziemlichen Blödsinn angestellt hatten.
Alles, was meine Kinder taten zuerst einmal aus ihrer Sicht gesehen, bevor ich mir ein Urteil darüber erlaubt.
Natürlich gab es bei uns auch viele Regeln und entsprechende Konsequenzen bei Nichteinhalten. Und natürlich habe auch ich viele Fehler in der Erziehung meiner Kinder gemacht. Aber bei mir stand einfach die Liebe und das Verständnis immer im Vordergrund. Ich denke dein Sohn braucht einfach ein wenig Sicherheit und Geborgenheit und vor allen Dingen musst du mit ihm viel reden und ihm die Angst um dich nehmen. Ich vermute nämlich schwer, dass er bezüglich deiner Krankheit doch schon das ein oder andere mitbekommen hat und einfach nicht damit umgehen kann.
Ich wünsch dir und deiner Familie von ganzem Herzen alles Gute
In diesem Fall kann ich mir eine eigene Antwort sparen. Hier steht wirklich alles drin.
DH! :-)