Schalom!
Ein sehr interessantes Bild!
Vielleicht können Dir folgende Infos zum Judentum und zu der Situation der Juden in Siebenbürgen zur fraglichen Zeit für Deine Bildinterpretation weiterhelfen:
Es gibt in der jüdischen Religion kein Gebot, dass das Trinken oder Rauchen verbietet (Ausnahme: Schabat, Jom Kippur und Tisch`a beAw (dem Tag des jüdischen Kalenders, an dem beide Tempel zerstört wurden und an dem orthodoxe Juden fasten und auch -. wie am Schabbat kein Feuer entzünden).
Der orthodoxe Jude im Vordergrund hat auf dem Tisch neben sich Geldscheine aufgestapelt und noch etwas anderes Flaches und Quadratisches (ich kann nicht erkennen, worum es sich handelt) - er befindet sich also am Ende eines Arbeitstages und damit nicht am Abend eines jüdischen Festes oder Schabats. Dies ist auch erkennbar an dem sichelförmigen Mond: Sämtliche jüdischen Feste finden zum Zeitpunkt des Vollmondes statt (einzige Ausnahme: Das jüdische Neujahr, welches immer auf den Neumond, also den Beginn der jüdischen Monate, fällt).
Im Hintergrund sieht man ein Gebäude, das entweder ein Kirche oder eine Synagoge ist und in der noch Licht brennt.. Da es sich - wie zuvor erklärt - weder um einen jüdischen Feiertag noch um einen Schabbat handelt und der orthodoxe Jude mit seiner Zigarette und dem Wein nicht gerade wirkt, als sei er gerade aus der Synagoge vom Abendgebet zurückgekehrt, liegt die Annahme nahe, dass es sich um eine christliche Kirche handelt.
Im Erdgeschoss des erleuchteten Hauses sieht man eine Familie um einen feierlichen Esstisch sitzen - offenbar ein Fest, das auf christliche Traditionen zurückgeht (vielleicht gibt es eine Analogie zwischen der Farbe des Lichts, das in der Kirche noch brennt und dem des erleuchteten Hauses?).
Unten feiert man, im zweiten Stockwerk hat sich jemand aufgehängt.
Und jetzt ein kleiner historischer Exkurs zur Lage der Juden in der Zeit in den 30iger Jahren des 20. Jhdts.:
Schon zu dieser Zeit (und auch schon lange zuvor) hat es in Siebenbürgen einen Antisemitis gegeben, und die christliche Kirche war sehr wohl faschistisch eingestellt und deutlich gegen die Juden gerichtet. Allerdings hatten sie ein Problem damit, dass Jesus selbst ebenfalls Jude war und versuchten, aus den widersprüchlichen Stammbäumen Jesu im Lukas- und im Markusevang. des NT eine griechische Abstammung nachzuweisen.
Und: Wir Juden glauben, dass der Messias noch kommen wird, haben aber keine Zweifel daran, dass der historische Jesus, der letztlich einer von uns war, existiert hat und auch gekreuzigt wurde (die übliche Todesstrafe der Römer: Jesus war nur einer unter vielen Juden, die von den Römern gekreuzigt wurden). Dies bedeutet nicht, dass er der Messias ist (denn nirgendwo wird in der Tanach der Juden (AT) erwähnt, dass der kommende Messias einen Kreuzigungstod erleiden würde).
Eine Diagonale im Zimmer des Erhängten bildet eine unterbrochene Linie zu dem Kreuz, dem Symbol der Christen. Hieraus muss wohl ein Bezug zwischen der soeben verflüchtigten Seele zum Kreuz (Erlösung durch Jesus nach dem Glauben der Christen) abgeleitet werden können. Der Selbstmörder (nach jüdischer Religion ist es strikt verboten, sich selbst das Leben zu nehmen) ist offenbar ein Christ und erhofft sich Erlösung durch die Gestalt des Jesus (seinem christlichen Glauben nach). Seine Seele, die dann im Bild ebenfalls angedeutet ist., bewegt sich auf die Grabsteine zu, von denen der ganz oben rechts dargestellte einen deutlichen Davidstern aufweist, also ein jüdisches Grab ist. Interpretation: Der Selbstmörder erhofft sich Erlösung durch den Messias nach christlichem Glauben - seine aufsteigende Seele erkennt aber, dass er einer Irrlehre erlegen ist (da Jesus ein Jude war) und wendet sich den Grabsteinen zu, dem Symbol für den Tod.
Ich hoffe, Dir geholfen zu haben!
LG Yakhin
PS:
Kurzer Nachsatz, um Missverständnissen vorzubeugen: Am Schabbat ist Rauchen nach den Schabbatgesetzen nicht erlaubt. Für das Trinken von Alkohol gilt das nicht.