Frage von rotesand, 74

Bieten freie Kfz-Werkstätten überhaupt noch Preisvorteile?

Hallo!

Ich bin bekennender Vertragswerkstattgänger (zuerst Audi, dann Ford & nun Mercedes). Beim Mercedes C180 Bj. 1997 nutze ich die Service-Vorteilskarte und spare dadurch 20 Prozent für alle Arbeiten, die ich bei Mercedes in Auftrag gebe.

Mehrfach habe ich mich schon bei verschiedenen freien Meisterbetrieben (kein ATU oder Stinnes, keine Ketten/keine Franchisefirmen wie "1a Autoservice") informiert, was da die entsprechende Inspektion bzw. auch manche Reparatur für den C180 etwa kosten könnte & mir parallel dazu einen Preisvergleich von Mercedes eingeholt. Bei meinem früheren Mondeo war es genauso.

Das ging eigentlich immer auf Null aus --------> die Vertragswerkstätten waren unter den selben Bedingungen (ich liefere z.B. immer mein eigenes Motorenöl an) nie wirklich teurer als die Freien & bei Ford war es dank den Komplettpreisen für ältere Baujahre (ich hatte 'nen 93er Mondeo) sogar so, dass der Fordhändler konkurrenzlos günstige Angebote lieferte. Beispiele -------> Ölwechsel mit Filter für 59 Euro inklusive Probefahrt, Inspektion 99 Euro inklusive allen Kontrollen für die 4-Zylinderbenziner. Freie Werkstätten konnten diesen Preis nie einhalten bzw. der frechste Preis für die absolut identische Arbeit waren 120 Euronen auch bei angeliefertem Öl.

Mein letzter Ölwechsel bei Mercedes kostete bei der Niederlassung rund 75 Euro. Ich habe zwar mein eigenes Öl angeliefert, den Filter habe ich bei der Niederlassung gekauft. Bei einer freien Werkstatt wurde mir unter den selben Bedingungen "zirka 80 Euro müssen Sie ausgeben" genannt. Die Service-Vorteilskarte von Mercedes hatte ich erst bei diesem Termin beantragt, da ich vorher nicht wusste, dass es sowas gibt.

Meine Frage ist, ob die freien Kfz-Meisterbetriebe überhaupt noch einen Preisvorteil haben & ob es sich überhaupt noch lohnt bzw. ob sie überhaupt noch eine Alternative sind!

Mir kommt es so vor, als ob die Vertragswerkstätten durch den Preisdruck günstiger wurden, die freien Werkstätten allerdings selbstbewusster & deswegen auch preislich angezogen haben. Mein Onkel und mein Bruder zahlten bei freien Werkstätten auch nicht weniger bzw. staunten, als sie ihre Autos (Ford, Mitsubishi) danach zu den Vertragshändlern gaben.

Was meint ihr?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von bronkhorst, Community-Experte für Auto, 47

Mercedes hat seine Rabattsysteme für die etwas älteren Modelle ja offenbar erst unter dem Druck der markenunabhängigen Konkurrenz eingeführt - insofern hat sich das angeglichen, ein gewisses Gefälle ist aber noch da.

Gerade bei den sogenannten "freien" Ketten muss ja auch eine Umlage für den Franchisegeber bzw. für den Werbeaufwand einkalkuliert werden, die auch preistreibend wirken. Bei einer der größeren dieser Ketten steckt auch eine Venture Capital Firma dahinter, die großen Wert auf eine hohe Eigenkapitalrendite legt.

Ein gut sortierter "echter" Unabhängiger, er sich trotzdem mit der Marke auskennt, dürfte die preiswerteste Lösung sein...

Kommentar von rotesand ,

Danke!

Ja, der Serviceberater sagte zu mir auch ganz konkret, das Konzept sei speziell für die Fahrer von 190ern, W202, W124, W210 und W140 eingeführt werden, um diese durch Preisvorteile nicht an die Freien zu verlieren. 

Einen echten Benz-Spezialisten haben wir bei uns nicht & irgendwelche freien Meister ... da bin ich immer vorsichtig. 

Kommentar von bronkhorst ,

Ich habe das große Glück, dass ich durch Zufall ein paar Hinterhöfe von unserem Wohnhaus den Mercedes-gelernten "Schrauber meines Vertrauens" für meinen damaligen alten Mercedes kennengelernt habe...

Und da bei meinem inzwischen gekauften SAAB kein Vertragspartner mehr für eine Vertragswerkstatt da ist, muss man ohnehin suchen, wo die Kompetenz für die Marke hingewandert ist.

Meist werden da aber in den Markenforen von autoplenum oder motor-talk ein paar Empfehlungen herumgereicht - die sollte es auch für freie Spezialisten für noch "lebende" Marken geben...

Vielleicht findest Du da etwas unter der Werkstatt-Sektion...

Kommentar von rotesand ,

Das ist gut :) 

Das mit Saab finde ich echt traurig, ich fand die Autos immer sympathisch. Vor allem der 9000er gefiel mir sehr gut. Welchen hast du, wenn ich fragen darf?

Kommentar von bronkhorst ,

Einen 9-5 2.3t SE, Baujahr 2001, vor vier Jahren antizyklisch entgegen der allgemeinen Ersatzteilhysterie mit voller Wartungshistorie und wenigen Kilometern günstig gekauft - erstens weil mir die Marke gefiel, zweitens, weil SAABs dieser Jahrgänge im Gegensatz zu den damaligen Mercedes-Modellen sehr gut  rostgeschützt sind.

Keine Probleme gehabt, auch mit der Ersatzteilversorgung.

Falls Dich das näher interessiert: unter www.saab-cars.de gibt es eine sehr gut gemachte downloadbare Kaufberatung ;)

Kommentar von rotesand ,

Das freut mich!

Der 9-5 als Nachfolger des 9000, der ihm formal auch recht ähnlich ist, gefällt mir auch gut. Mit der ROstvorsorge kann ich dir zustimmen. Ich fahre einen W202, der zwar außer kleinen Stellen an der Fahrertür nicht rostet, aber dafür weiß ich dass viele W202 und W210 sowie auch die 190er in abartigem Ausmaß rosten können. 

Danke für den Link, ich schau' mal rein :)

Kommentar von bronkhorst ,

Das ist halt bei den späten W202 und frühen W203, vor allem aber beim W210 und W220 das Problem der wasserbasierten Lackierung, die sie in den ersten Jahren nicht fachgerecht aufgebracht haben.

Spannend finde ich, dass man auch Autos der letzten beiden W124-Jahrgänge oft daran erkennt, dass sie zwar insgesamt ganz fit sind - bis auf den vorderen rechten Kotflügel, der dann völlig durch ist.

Die 190er sind halt inzwischen "ältere Herren" von mindestens 24 Jahren - da kann man sich immerhin freuen, dass die Mechanik stabil genug ist, um auch eine an sich haltbare Karosserie zu überdauern ;)

Für mich als Berliner war innerhalb des Budgets ein gebrauchter SAAB eine gute Alternative, weil die Marke hier überdurchschnittlich verbreitet ist und so eine ausreichende Nachfrage sich ihr Angebot schafft.

Ich sehe das aber ganz pragmatisch - wenn er irgendwann in hoffentlich vielen Jahren den Geist aufgibt, schaue ich mich wieder markenoffen um, denn ich habe nicht den Ehrgeiz, als letzter Mohikaner mein Auto selbst reparieren zu müssen (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Augusto_Macedo ).

Antwort
von RTB2012, 49

Ja, wenn man die Bremsbeläge z.B. online bestellt. Sollte aber adäquate Qualität sein. Der Stundensatz ist auch niedriger...wenn ich aus der Garantie bin, gehe ich nur noch zur Freien.

450.- Euro hab ich grad für Bremsbeläge vorne bei meinem Diesel Geländewagen bezahlt....in einer Freien plus  onlinebestellung wahrscheinlich die Hälfte.

Kommentar von rotesand ,

Mein Kumpel bestellt auch alles online für sein Auto.. er macht das dann alles selber.

Danke :)

Antwort
von Havenari, 13

Meine Jaguar-Werkstatt ist mit ihren Stundensätzen in der Region um die 150 Euro angelangt, je nach Abteilung etwas mehr oder weniger. Da lohnt es sich schon, zu einem freien Meisterbetrieb zu gehen, der zwischen 90 und 100 Euro liegt und bisher stets sehr ordentliche Arbeit abgeliefert hat.

Zumal der Freie auch kein Problem damit hat, mitgebrachte und selbst gebrauchte Teile einzubauen. Bei einem Ladeluftkühler macht es schon einen Unterschied, ob man das Originalteil bei Jaguar für 1300 Euro bestellt oder bei Ebay ein gebrauchtes Teil für 45 Pfund ergattert :-)

Antwort
von findesciecle, 17

Das ist zu pauschal gefragt - es hängt von der Region ab, und wie gut du den Inhaber kennst. Behumpsen kann dich jeder: Freie und Vertragswerkstätten. (Bei den freien Ketten wie ATU usw. ist der chronische Betrug nachgewiesen)

Besonders ist es bei den Freien ein Stadt-Provinz-Unterschied!!

Meine freie Meister!!-Werkstatt rechnet 30 € pro Stunde mit Steuer ab!! Das kann keine Vertagwerkstatt liefern, sondern minimal das Doppelte! Und meine Werkstatt bestellt auf Wunsch Ersatzteile aller Qualitätsstufen. Murks zu bauen können die Freien sich bei uns auf dem Land gar nicht leisten, weil jeder wenigstens etwas Ahnung von KFZ hat und weil sich sich jeder Murks binnen Tagen herumsprechen würde.  

Kommentar von rotesand ,

Wir sind hier im Raum Frankfurt am Main ---------> da kosten auch Freie gut und gern mal 50 Euro pro Stunde & die alten fähigen Hinterhof- oder Dorfschrauber auf dem Land, die ihre Preise "pi mal Daumen" ermessen haben & gerne ihre Stammkunden mit günstigen "gibst mir halt 120 Euro für den Zahnriemenwechsel am alten Audi 100"-Preisen bedienten, sind entweder schon Rentner oder total überlaufen. Schon bei den Vertragshändlern muss man sich meistens eine oder eher zwei Wochen vorher um einen Termin bemühen, bei den Freien ist es genauso oder sogar noch schlimmer.

Mein Bruder wollte dieses Jahr mit seinem alten Japaner mal zu einem "Freien" -------> vier Wochen Vorlaufzeit...

Auf dem Land ist die Situation sicher anders, klar!

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