Beziehung zwischen Eltern und Kindern Jahrgang 70-80?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Ich bin in den 80ern geboren worden und meine Eltern haben mit uns gesprochen. Es wurde viel vorgelesen und dabei auch erklärt. Ich denke, der große Unterschied ist, dass damals jede Familie sich nur an ihrer eigenen Familie und Nachbarschaft orientierte - entweder, man kannte etwas oder lernte es durch Familie, Freunde oder Nachbarn. Man machte das, was man kannte oder bei anderen sah. Heute hat man viel mehr Input durch Fernsehen, Elternzeitschriften, Erziehungsforen etc. Man hat ein ganz anderes Bild von den Kindern und der eigenen Erziehung, man ist viel stärker für mögliche Fehlentwicklungen und Erziehungsfehler sensibilisiert. Früher war es z.B. üblich, dass man in Anwesenheit der Kinder über die Kinder oder anderes sprach, was Kinder heute eher nicht hören würden. Mein Opa erzählte stolz, wie er meinen Vater als Kind verprügelt hätte und wie er selbst in der Schule verprügelt worden wäre. So etwas würde man heute vor Kindern eher nicht sagen.

Allerdings erinnere ich mich auch daran, dass ich nach der Schule zu Freunden ging und abends wiederkam - keiner wollte wissen, was ich in der Zwischenzeit getan hätte. Manchmal nahmen mich die Eltern der Freunde mit zum Sport etc., ohne meine Eltern zu informieren. Oder wir gingen in den Wald und spielten dort, ohne dass die Eltern genau wussten, wo wir waren. Alles war gut, wenn man um 18 Uhr wieder nach Hause kam. Heute wird viel mehr kontrolliert, die meisten Eltern wollen genau wissen, wo ihre Kinder im Einzelnen hingehen/ waren und mit wem und was sie genau gemacht haben. Das interessierte früher keinen. Es wurde wohl gefragt, ob der Nachmittag schön gewesen sei, aber was ich mit wem wo gespielt habe, interessierte nicht. Ich durfte darüber reden, aber es wurde nicht nachgebohrt. Heute haben Kinder mMn viel weniger Privatsphäre und "Geheimnisse". Ein Punkt, der mit sehr spät auffiel, war das ich vieles wollte, was ich nie äußerte. Ich beobachtete einfach und glaubte, dass mir bestimmtes nicht vergönnt war. Ich hätte gern Geige gespielt wie eine Klassenkameradin, kam aber nie auf den Gedanken, das zu sagen, weil ich einfach annahm, dass ich irgendwie "nicht gut genug" dafür wäre. Ich hätte gern komplizierte Frisuren gehabt etc. So etwas sagte ich nie. Heute wird Kindern sehr früh bewusst gemacht, welche Möglichkeiten sie haben und sie lernen, danach zu fragen. Ich nahm immer nur das (wahr), was sich mir gerade durch Zufall anbot. Der Rahmen war enger gesteckt. Ich kam z.B. nie auf die Idee, mal nach bestimmten Büchern zu fragen, sondern las die, die wir im Haus hatten oder die ich zufällig in der Bücherei fand. Ich hätte gern einige Schulthemen vertieft, wusste aber nicht wie, und fragte auch nicht. Heute ist so etwas für Kinder viel einfacher und entweder sie recherchieren gleich selbst oder reden mit ihren Eltern über ihre Interessen (jedenfalls öfter als früher; sicher gibt es auch noch Familien, in denen so etwas kein Thema ist). Heute kann man sich sehr einfach über Möglichkeiten informieren und Gleichgesinnte finden, auch als Kind, früher machte man das, was im näheren Umkreis angeboten wurde, was man kannte und was die Eltern finanzierten/ anboten. Man fragte eher nicht nach, ob und wie man etwas Neues probieren könnte. Heute sieht man Videos und Blogs von Gleichaltrigen, die schon sehr fortgeschrittenen bestimmte Hobbys betreiben, so dass man viel stärker animiert wird,selbst Sachen auszuprobieren, die man allein auf sich gestellt für sich ausgeschlossen hätte. Man ist selbstbewusster. Auf der anderen Seite hat mein Vater schon immer mit uns Kindern diskutiert über alles Mögliche, Fachthemen und Alltagsphänomene, während meine Mutter viel gezielt pädagogisch machte (gemeinsam Backen, spielen etc.). Gesellschaftsspiele gab es phasenweise. Nach Weihnachten spielten wir um die Süßigkeiten vom Baum. Manchmal hatten wir Phasen, in denen lange Zeit ein bestimmtes Spiel (Siedler von Catan, Monopoly etc.) gespielt wurde. In der frühen Kindheit waren wir viel mit unserer Mutter draußen: Einkaufen, zum Markt, zum Strand, Brombeeren pflücken. So etwas machen Kinder heute mMn weniger. Dafür hatten wir weniger organisierte Kurse: Flötenunterricht in der Grundschule und später Sportverein, oder mal ein paar Reitstunden - mehr nicht. Man konnte sich im eigenen Tempo kreativ entwickeln - das hatte Vor- und Nachteile. Vorteile, weil man keine Eile verspürte, Nachteile, weil einem oft Anleitungen und Ideen fehlten und man bei bestimmten Hobbys keine Gleichaltrigen mit ähnlichen Interessen kannte, von denen man sich Anregungen und Bestätigung holen konnte. So etwas ist heute viel einfacher. Allerdings denke ich, dass zu viele frühe Kurse die Kreativität hemmen können - man macht dann schnell viel zielgeleitet. Und das Ziel wird von außen vorgegeben. So lernt man sich und seine eigenen Ideen erst später kennen. Erst kommt die Anleitung, dann die eigene Idee. Früher war es eher umgekehrt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich denke oft eher andersherum. Meine Mutter hat sich viel mit uns beschäftigt, wir durften donnerstags immer noch Freunde mitbringen zum Basteln.

In meinem Alter sah ich aber schon viele Mütter, die keine Zeit für ihre Kinder haben (weil sie arbeiten gehen), und die heutigen jungen Mütter machen das noch weniger, denke ich.

Bei Dir ist es vermutlich andersherum, Du hast nur ein Kind und dafür Geld. Das ist nicht so üblich. In anderen Familien haben die Leute mehr Kinder und weniger Geld.

Und auch das besagt gar nichts. Ohne Geld mit vielen Kindern kann es auch sehr schön sein, wenn die Mutter das als ihre Aufgabe sieht, für ihre Kinder dazusein. Ich denke, das steht und fällt mit der Sicht, die die Mutter für ihre Aufgabe hat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich bin Jahrgang 1962.

Das mit dem sich selbst überlassen kenne ich auch. Meine Mutter war zwar da, aber meine Schulprobleme habe ich nur ein einziges Mal mit ihr besprochen. Sie wusste z.B. nichts davon, dass ich ins Brennnesselfeld geschubst wurde oder mir Hagebuttenkerne ins T-Shirt gemacht wurden auf Wanderungen.

Es gab viele Streitigkeiten zwischen meinen Eltern. Hauptsächlich durch den Alkoholismus meines Vaters. Beide leben nun nicht mehr.
Dennoch schmerzt es mich, dass beide im Grund nur existiert aber nicht gelebt haben.

Ausflüge und Urlaube gab es einige in meiner Kindheit. Etwas, dass ich meiner Tochter jetzt nur sehr schwer bieten kann.

Schule und lernen: da hatte ich nur das Nötigste gemacht. Wenn ich keinen Sinn darin gesehen habe, hatte ich es auch nicht gelernt.

Ich denke, dass in der Zeit eher ein "wir haben für so was weder Zeit noch Lust" hervor herrschte. Wobei heutzutage Kinder zwischen 6 und 18 Jahren am besten ganztags in ein Schulgebäude eingesperrt werden sollten (nach Ansicht mancher Leute) weil ja die Eltern keine Ahnung haben.

Ein Weg zwischen "die Kinder selbst ihre Erfahrungen machen lassen" und "ihnen die gewünschte Unterstützung zu kommen zu lassen" wäre meine Wahl.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was willst Du? Lob dafür, dass ihr so tolle Eltern seid? Hier ist er: gut gemacht!

Im Ernst: das hat mit den 70ern oder der Steinzeit nichts zu tun. Jede Familie ist anders.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von hourriyah29
03.11.2015, 12:45

Mit Lob hatte ich nicht gerechnet, aber vielen Dank :)

0