Frage von Ragnar97, 130

Bezahlt die Haftpflicht, wenn ich mich Betrunken übergeben musste?

Hallo, nachdem ich letztens auf ner Geburtstagsparty war, übernachtete ich auf der Couch von nem Bekannten. Als ich morgens aufwachte, bemerkte ich die vollgekotzte Couch neber meinem Gesicht. Ziemlich lecker. Anscheinend musste ich mich im schlaf übergeben haben, sonst hätte ich mich wohl woanders hingelegt. Über die Nacht ist die Brühe natürlich in den Gesamten bezug und den Inhalt eingezogen, weshalb die Flecken und der Geruch nicht mehr rausgehen. So nun zur Frage: Ich bin über meine Eltern bis zu meinem Auszug und der Vollendung des 25ten Lebensjahr bei der Huk durch eine Privathaftpflicht versichert, die bis jetzt aber noch nie gebraucht wurde. Bezahlen die so einen Unfall? Vielleicht als Gnade nach etlichen Jahren, in denen schön gezahlt wurde aber sie nicht gebraucht wurde? Gnade und Versicherungen sind aber wohl doch 2 paar Schuhe. Ich vermute mal durch den Schaden der nach dem Alkoholkonsum vorhersehbar ist, wohl eher nicht? Aber es war ja auch keine mutwillige Zerstörung von Eigentum. Ich habs ja nichtmal bemerkt. Lg

Antwort
von Iceboone, 41

Ich muss mich auch gleich übergeben, wenn ich manche Antworten hier lesen in denen dazu geraten wird, die Unwahrheit zu sagen (nicht so hart gemeint wie es klingt, war nur eine rethorische Steilvorlage ;) ).

Eine einzige Lüge oder Verschönnung reicht aus, um den Schadenfall zur Leistungsfreiheit zu bringen. Ich würde das nicht unterschätzen.

Nun zu Deinem Fall. Ich sehe da einen klassischen Versicherungsfall. Aus Deiner Feststellung, dass Du bei der HUK noch versichert bist, entnehme ich das Du die Bedingungen gelesen hast. Dann nimm doch mal genau diese und schau unter Leistungsausschlüsse nach. Ich wäre sehr überrascht, wenn Du in einer privaten Haftpflichtversicherung Alkohol als Ausschlussgrund finden würdest. Eine Privathaftpflichtversicherung zahlt bei vorsätzlichen Handlungen, da ich davon ausgehe, dass niemand vorsätzlich neben seinem Erbrochenen auf dem Sofa schläft kann ich einer Argumentation, die eine fahrlässige bis grob fahrlässige Handlung unterstellt folgen.

Grob fahrlässiger Schaden. Du bist leistungspflichtig und damit zahlt Deine Versicherung. Es sei denn:

Werden die in so einem Fall auch bezahlen? Oder finden die da

einen Ausweg. Das die abblocken und mein Kollege auf der Couch
(Rechnung) sitzen bleibt, will ich natürlich auch nicht.

Dein Kumpel bleibt nur auf dem Schaden sitzen, wenn Du nicht zum erstatten des Schadens verpflichtet bist. Das kann zwei Gründe haben:

1. Du hast vorsätzlich gehandelt

2. Dein Handeln war nicht schuldhaft.

Die einzige Frage ist also die zweite. Wir hatten eine ähnliche Frage vor ein paar Tagen, da hat ein älterer Herr nach einem Unfall ein oder zwei Tage auf dem Boden gelegen und den Teppich des Vermieters dabei verschmutzt. Da er nicht alleine ins Bad gehen konnte, war sein Handeln nicht schuldhaft und würde eine Ablehnung zur Folge haben.

Hier ist die Frage wie betrunken du warst, um zu entscheiden war es hier ein schuldhaftes Handeln. Ich persönlich würde einem Betrunkenen unterstellen, dass er noch in der Lage ist zu wissen, dass man nicht auf ein Sofa brechen sollte...wenn das tatsächlich erst im Schlaf passiert ist, dann kann es zur Grauzone werden.

Ich hoffe, die Abgrenzung ist dir etwas klarer. Aber nochmal. Wenn die Haftpflichtversicherung nicht zahlt, dann bist

Du

nicht zahlungspflichtig. Auch wenn viele das so empfinden, das Versicherungen sich gerne rausreden, so ist es doch so, dass es bei Haftpflichtversicherungen immer zur Regulierung kommt, wenn Du schadenersatzpflichtig bist (einzige Ausnahme ist der Vorsatz oder nicht versicherte Risiken), dann hat Dein Kumpel aber auch einfach mal Pech gehabt.

Falschangaben sind kein Kavaliersdelikt. Versicherungsbetrug findet sich im Strafgesetzbuch wieder, dass kann teurer als ein Sofa werden.

Also Schaden melden und hoffen, dass die Versicherung es zwischen mangelnder Schuldhaftigkeit und Vorsatz einstuft. Wenn beides nicht zutrifft zahlt die Versicherung.

Den Schaden würde ich dem Versicherungsvertreter melden und der soll es bei der Gesellschaft regulieren.

Viel Erfolg.

Gruß Volker

Kommentar von JuliaHutarm ,

Hey,

Ich stimme hier voll zu.

Eine kleine Randbemerkung: selbst wenn du nicht zahlungspflichtig bist, besteht natürlich trotzdem die Möglichkeit eine Zahlung durch dich an die Eltern. Damit würden sie nicht die Benachteiligen sein und die Freundschaft würde weiter unter einem guten Stern stehen. :)

VG

Kommentar von Ragnar97 ,

Vielen Dank für die Antwort:) Ich beschreibe einfach, dass es wirklich im schlaf passiert ist und ich nichts bemerkt habe. Dann können sie mir hoffentlich nicht vorsätzliches Handeln vorwerfen. 

Ich sehe das im Vergleich wie auf dem Bolzplatz. Wenn ich einen Ball pariere und der in eine Autoscheibe kracht. Klar, man hätte es erahnen können aber ich habe nicht geziehlt das Fenster zerschießen wollen.

Kommentar von Ragnar97 ,

*gezielt

Antwort
von Menuett, 19

Das ist gar nicht so einfach.

Grob und fahrlässiges Handeln sind in der Haftpflicht abgesichert.

Du warst aber nicht mehr bei Bewußtsein, von daher gesehen konntest Du gar nicht mehr handeln.

Und damit trifft Dich eigentlich keine Schuld mehr. Ob man den vorherigen Alkoholgenuss als grob fahrlässig auf diese Situation erweitern kann - das hängt vermutlich tatsächlich von der Kulanz des Versicherers ab.

Ich will hoffen, dass Deine Eltern auch eine Rechtsschutzversicherung bei einem andern Versicherungsunternehmen haben.

Kommentar von Loroth ,

Und damit trifft Dich eigentlich keine Schuld mehr.

Doch, auch im Zustand der Trunkenheit ist man für angerichtete Schäden haftbar. Einzige Ausnahme: Wenn man unverschuldet in diesen Zustand geraten ist (also gegen seinen Willen "abgefüllt" wurde). Siehe § 827 BGB.

Und die PHV leistet dann folglich auch...

Antwort
von hyfi01, 49

Die Haftpflichtversicherung funktioniert nicht als Zahlstelle, sondern als Schutzinstanz für dich und dein Geld. 

Grundsätzlich prüft sie, ob du für den Schaden nach der geltenden Rechtslage zahlen müsstest, falls ja, zahlt sie für dich; falls nein, zahlt sie für dich die Kosten der Durchsetzung des Rechts, also die Anwalts- und Gerichtskosten, die notwendig sind, um den zu Unrecht an dich herangetragenen Anspruch abzuwehren. 

Hier ist also die Frage, ob du für das bekotzte Sofa bezahlen müsstest. Das würden ich bejahen, du warst zwar in einem geistig und körperlich eingeschränkten Zustand, hast den aber selbst herbei geführt. Nur das Kotzen wolltest du sicher nicht. 

Die einschlägige Rechtslage und wie das weitere Prozedere ist, bekommst du und der Gegner nach der Schadenmeldung von der Versicherung mitgeteilt. Notfalls muss dein Kumpel dich aber verklagen, damit der Fall vor Gericht geklärt wird. 

Antwort
von EbayTutor, 73

Hallo,

im Prinzip sollte die Versicherung für den Schaden aufkommen, da es ja ein Unfall bzw. nicht gewollt war. Das Problem ist: Keiner kann nachweisen, dass es sich um einen Unfall handelt.
Andererseits hättest du dir Gedanken machen müssen, bevor du dich betrinkt und bevor du dich betrunken auf eine Couch legst. Dabei rede ich von der Menge des Alkohols welches du konsumierst.
Das heißt - die Versicherung darf entscheiden.

mfg ET

Kommentar von Ragnar97 ,

Und wenn ich angebe, mir war an dem Tag übel und ich musste mich deshalb übergeben, weil ich was falsches gegessen habe? Die können mir im Prinzip doch nicht nachweisen, wie es abgelaufen war. Und mein Kollege würde das bestimmt bezeugen. Der is froh, so schnell wie möglich ne neue Couch zu haben.

Kommentar von EbayTutor ,

Wenn dein Freund es bezeugen kann und du es so wie angegeben schilderst, dann sollte das Ganze eigentlich "gegessen" sein. :)

Kommentar von Ragnar97 ,

Werden die in so einem Fall auch bezahlen? Oder finden die da einen Ausweg. Das die abblocken und mein Kollege auf der Couch (Rechnung) sitzen bleibt, will ich natürlich auch nicht.

Kommentar von EbayTutor ,

Lass noch das "falsch gegessen" weg und alles müsste passen. Dir war übel, weil du krank warst. Punkt aus.

Kommentar von Menuett ,

Die Haftpflichtversicherung zahlt nur dann, wenn etwas leicht oder grob fahrlässig verursacht wurde.

"Krank" wird man nicht aus irgendeiner Schuld heraus. Und damit muß die Versicherung nicht zahlen - und Ragnar auch nicht.

Kommentar von Sparifankerl ,

Lass noch das "falsch gegessen" weg und alles müsste passen. Dir war übel, weil du krank warst. Punkt aus.

Kommentar von Ragnar97 ,

Danke schonmal an euch :-) Hat mir sehr weitergeholfen

Kommentar von Menuett ,

Das wäre 1. Versicherungsbetrug und 2. Du würdest eh nicht haften, weil du garantiert nicht mit Absicht etwas schlechtes gegessen hast.

Da würde die Versicherung leistungsfrei bleiben.

Antwort
von schleudermaxe, 11

... bestimmt, wenn es keine 5.000 werden. Viel Glück und was kostet denn so eine Reinigung?

Antwort
von troublemaker200, 39

Ich glaube nicht das die Haftpflich hier zahlt.
Gande kennen die Versicherungen nicht, nur deren AGB´s zählen.

Kommentar von Loroth ,

Eben. Und demnach ist der Schaden versichert!

Antwort
von basiswissen, 34

Ich sag ganz offen: Wer sich derart unkontrollierbar besäuft, so das er weder Herr seiner Sinne und seines Körpers ist sollte alles selbst zahlen müssen.Und ich werde das sicherlich nicht beantworten!

Kommentar von Iceboone ,

Das ist ja mal Quatsch. Entweder es war kein schuldhaftes Handeln und dann muss er nicht zahlen und der Kumpel hat Pech gehabt oder es war schuldhaft und die Versicherung bezahlt.

Der Fall ist tatsächlich so einfach. Viel zuviel Meinungen und Nuancen, die hier reininterpretiert werden.

Kommentar von basiswissen ,

Icebone: Es geht nicht darum ob es schuldhaft war oder nicht. Es geht mir persönlich darum dass er sie derart besoffen hat dass er nicht mehr wusste was er tat. Ich habe nichts gegen einen kleinen Umtrunk. Ein Schwips kann ganz angenehm sein. Aber wenn jemand jedwede Beherrschung verliert dann kann und darf es nicht richtig sein das er anschließend seine Fehler durch die Allgemeinheit wieder ausmerzen lässt.
Und die Gemeinschaft der Versicherten soll nun dafür bezahlen dass er einen mehr als feuchtfröhlichen Abend hatte. Das ist, ich betone es noch einmal-nach meiner persönlichen Überzeugung, nicht richtig.
Von mir aus soll es im jemand bezahlen und von mir aus sollen ihm auch 400 Leute antworten. Ich werde ihm nicht noch Tipps und Hinweise geben wir diese finanzielle Last abwälzen kann.

Kommentar von Ragnar97 ,

Naja, klar sollte man sich nicht ständig volllaufen lassen, aber so wie du das beschreibst dürfte man glatt garnichts machen. Zumal ich nichts mutwillig zerstören wollte. Dann darf ich z.B. auch nicht zum Chinesen, da ich vielleicht das  fremde essen nicht vertrage und mich auf dem Heimweg übergebe. Oder mich im öffentlichen Bus übergeben muss, obwohl ich weiß, mir würde vom Busfahren schlecht. 

Meiner Meinung sollte genau soetwas in die Haftpflicht fallen.

Kommentar von Menuett ,

Haftpflichtversicherungen sind aber für grob fahrlässige Fehler gedacht...

Antwort
von Sparifankerl, 66

"Gnade und Versicherungen sind aber wohl doch 2 Paar Schuhe"

Sehr richtig! Da hast du dir die Antwort schon selbst gegeben.

In solch einem Fall heißt es dichterisch: "Ehrlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr."

Erwähne lieber nicht, dass du blau warst. Grob fahrlässige Handlungen werden nicht von der Versicherung gedeckt. Und eine Versicherungsgesellschaft, die wie jede andere Firma auf Gewinnerzielung aus ist, würde das vorsätzliche Besaufen wohl als grob fahrlässig ansehen.

Nachtrag: Da ich gerade den Kommentar unter mir las - frag bloß nicht nach!


Kommentar von hyfi01 ,

Dir ist aber schon klar, dass dein Tipp als Beihilfe zum Betrug justiziabel ist, oder?

Kommentar von NochWasFrei ,

Erwähne lieber nicht, dass du blau warst. Grob fahrlässige Handlungen
werden nicht von der Versicherung gedeckt. Und eine
Versicherungsgesellschaft, die wie jede andere Firma auf Gewinnerzielung
aus ist, würde das vorsätzliche Besaufen wohl als grob fahrlässig
ansehen.

Das ist Unsinn. In der Haftpflicht ist die grob fahrlässige Herbeiführung des Versicheurngsfalles nicht ausgeschlossen. Und hier kann man ja nicht mal von grober Fahrlässigkeit reden...

Kommentar von Menuett ,

Selbstverständlich ist grob fahrlässig versichert.

Genaugenommen ist bei der Haftpflicht nur grob und leicht fahrlässig versichert.

Wenn er nicht sagt, dass er blau war, dann war er krank, für Krankeheiten kann man nicht haftbar gemacht werden.

Wenn dieser Versicherungsbetrug (diese Empfehlung kann Dir eine Anzeige einbringen) durchgegangen wäre, dann wäre die Versicherung und Ragnar nicht zahl- bzw. haftbar zu machen.

Super Rat in alle Richtungen.

Kommentar von Loroth ,

Du liebe Liese! Drei falsche Aussagen in einer einzigen Antwort sind sogar für dieses Forum schwer zu toppen!

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